
Typ-1-Diabetes
Ursachen
Der Grund für den Ausbruch des Typ1-Diabetes ist bis heute nicht völlig aufgeklärt. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Abwehrstoffe (Antikörper) bildet. Diese sind jedoch nicht gegen körperfremde Substanzen oder Krankheitserreger gerichtet sondern gegen Zellen der Bauchspeicheldrüse oder gegen das Insulin selbst. Dadurch verwechseln Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse mit einem Eindringling, den sie bekämpfen müssen. Die Abwehrzellen zerstören diese Zellen, was dazu führt dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin zur Regulation des Blutzuckers herstellen kann (absoluter Insulinmangel) und die Blutzuckerwerte ansteigen.
Warum der Körper Abwehrstoffe gegen die eigene Bauchspeicheldrüse oder das Insulin bildet, ist bis heute weitgehend unbekannt. Es wird vermutet, dass eine erbliche Vorbelastung und zusätzliche Einflussfaktoren den Ausbruch der Erkrankung begünstigen können.
Erbliche und immunologische Einflüsse
Es sind heute mehrere Dutzend Erbkonstellationen bekannt, die Diabetes begünstigen. Es scheint dabei ein Zusammenhang zwischen Typ-2- und Typ-1-Diabetes zu bestehen, denn Kinder und Enkelkinder von Typ-2-Diabetikern sind stärker gefährdet, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, als Kinder von gesunden Eltern. Sind beide Elternteile Diabetiker, steigt das Diabetesrisiko für die Kinder auf bis zu 60%.
Allerdings scheint Typ-1-Diabetes weniger stark vererbbar zu sein als der Typ 2. Denn während erbgleiche (eineiige) Zwillinge immer beide an Typ-2-Diabetes erkranken, ist dies nur bei jedem dritten Typ-1-Diabetiker-Zwillingspärchen der Fall. Dies zeigt sich auch bei Verwandten ersten Grades von Typ-1-Diabetikern: Nur 3-5% der Eltern, Geschwister oder Kinder eines Typ-1-Diabetikers haben die Erkrankung ebenfalls. So lässt sich auch erklären, dass 90% der Typ-1-Diabetiker aus Familien ohne eine Diabetes-Vorbelastung stammen.
Dennoch haben die Erbanlagen vermutlich einen entscheidenden Einfluss bei der Entstehung der Typ-1-Diabetes. Denn 95% der Typ-1-Diabetiker tragen spezielle Gene für Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen (Langerhanssche Zellen) der Bauchspeicheldrüse.
Die Antikörper geben Immunzellen des Blutes (weiße Blutkörperchen) das Signal, in das insulinproduzierende Gewebe einzudringen. Dies ruft dort eine Entzündung in der Bauchspeicheldrüse hervor. Die Entzündungsvorgänge zerstören die Langerhansschen Zellen im Verlauf mehrerer Monate oder Jahre. Sind 80-90% der insulinproduzierenden Langerhansschen Zellen zerstört sind, wird der Diabetes auch äußerlich sichtbar.
Weitere Einflussfaktoren
Forscher vermuten, dass Infektionskrankheiten die fehlgeleiteten Abwehrvorgänge des Körpers mitverursachen oder zumindest fördern können. Hierzu zählen z. B. Mumps, Masern, Röteln, Erkrankungen durch Coxsackie-Viren. Auch bei Menschen, deren Immunsystem zu stark auf ultraviolettes Licht reagiert, liegt vermutlich ein höheres Risiko für das Entstehen der Typ-1-Diabetes vor.
Möglicherweise beeinflussen auch Umwelteinflüsse die Entstehung von Typ-1-Diabetes. Diskutiert werden zur Zeit:
- Zu kurze Stilldauer nach der Geburt
- Zu frühe Gabe von Kuhmilch an Kinder
- Zu frühe Verwendung von gluten-haltiger Kost
- Giftstoffe, wie z. B. Nitrosamine
Neueste Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass geschädigte Nervenzellen in der Bauchspeicheldrüse am Ausbruch der Erkrankung beteiligt sein können.


