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Venöse Thrombose



Was ist eine Thrombose?


Wie entsteht eine venöse ThromboseBei einer Thrombose bildet sich in einem gesunden oder vorgeschädigten Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) und verengt oder verstopft das Gefäß. Solche Blutgerinnsel können entstehen, wenn „verbrauchtes", sauerstoffarmes Blut nicht mehr ausreichend in Richtung Herz strömt.

Am häufigsten bilden sich Thrombosen in den Venen und hier bevorzugt in den Venen der unteren Körperhälfte (tiefe Beinvenen, nicht selten auch Beckenvenen). Grundsätzlich ist die Thrombosehäufigkeit in den Venen deutlich größer als in den Arterien. Hierfür sind der zartere anatomische Aufbau der Venenwände und die im Vergleich mit den Arterien geringere Fließgeschwindigkeit des venösen Blutes verantwortlich.

Jährlich erkranken etwa 80.000 Menschen in Deutschland an einer Venenthrombose. Noch gefürchteter als die venöse Thrombose selbst, sind jedoch ihre möglichen Komplikationen. Wird nämlich ein Thrombus mit dem Blutstrom in weitere Körperbereiche fortgeschwemmt, besteht die Gefahr, dass er die Blutgefäße in der Lunge blockiert. Dieses Ereignis wird auch Lungenembolie genannt. Dadurch kommt die Sauerstoffversorgung der Lunge zum Erliegen, wobei das betroffene Gewebe geschädigt wird und absterben kann. Pro Jahr ereignen sich in Deutschland mehr als 100.000 Lungenembolien, an denen 25.000-30.000 Patienten sterben. Die tödliche Lungenembolie übertrifft damit die jährliche Anzahl Verkehrstoter.


Ursachen einer Thrombose


Ursachen einer ThromboseSchon 1856 beschrieb der Berliner Pathologe Rudolf Virchow die 3 entscheidenden Ursachen der Thromboseentstehung, die als das Virchowsche Trias bezeichnet werden:
  • 1. Verlangsamung des Blutflusses
  • 2. Veränderung der Gefäßinnenwände
  • 3. Veränderung der Blutgerinnung

Eine Verlangsamung des Blutflusses in den Venen kann verschiedene Ursachen haben:

  • Erweiterung der Venen bei Krampfadern (Varizen)
  • Herzschwäche (Rechtsherz- oder beidseitige Herzinsuffizienz)
  • Mangelnde Bewegung
  • Verletzungen

Zu Veränderungen bzw. Schäden an den Gefäßinnenwänden kann es durch Verletzungen (u. a. bei Operationen) kommen oder aber durch Ablagerungen in Folge von entzündlichen Veränderungen der Venen (Thrombophlebitis) oder Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes mellitus). Eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes kann angeboren, krankheitsbedingt sein oder durch bestimmte Medikamente hervorgerufen werden, nach Operationen eintreten und/oder durch Stress oder Hormonumstellungen hervorgerufen werden.


Risikofaktoren für eine Thrombose


Risiko für eine ThromboseViele unterschiedliche Risikofaktoren hängen mit der Entstehung von Thrombosen zusammen. Generell ist die Gefahr einer venösen Thrombose immer dann besonders hoch, wenn sich Blut in den Beinen staut, weil sich dann die Blutgerinnungsneigung und damit die Thromboseneigung (Thrombophilie) erhöht. Dies betrifft vor allem bettlägerige Patienten oder Menschen mit einem Druck- oder Gipsverband. Der Blutstrom im „stillgelegten" Körperteil verlangsamt sich, denn auf Grund der Bewegungslosigkeit erschlafft zusätzlich die Beinmuskulatur. Fehlt die Unterstützung der Muskel-Venen-Pumpe, geben die Venen nach und weiten sich. Das Blut versackt in den Venen und wird nicht mehr in Richtung Herz gepumpt, was die Bildung einer Thrombose stark begünstigt.

Deshalb kann auch langes Sitzen und allgemeiner Bewegungsmangel (z. B. bei Fernflügen) die Thrombosegefahr erhöhen (Reisethrombose): In Folge des langen Sitzens wird der Blutfluss langsamer. Zusätzlich wird durch die Lufttrockenheit der Kabine bei mangelhafter Flüssigkeitszufuhr das Blut „dicker" und die Gefahr der Blutgerinnung steigt. Das Tragen enger Kleidung kann den Blutfluss in den Venen noch weiter verlangsamen.

Weitere Risikofaktoren für eine venöse Thrombose sind

  • Erbliche Blutgerinnungsstörungen
  • Infektionskrankheiten, Fieber
  • Operationen unter Vollnarkose
  • Entbindungen (vor allem per Kaiserschnitt)
  • Einnahme von östrogenhaltigen Hormonpräparaten wie z. B. der „Pille"
  • Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

Schwangere und ältere Menschen mit Thrombose


Schwangerschaft unf ThromboseDas Risiko für eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose ist bei Schwangeren und Wöchnerinnen etwa um das 6-Fache höher als bei Nichtschwangeren. Ursache sind die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft: Die Zusammensetzung des Blutes und der Hormonhaushalt verändern sich, die Venenwände werden durch das vermehrt gebildete Gelbkörperhormon Progesteron elastischer und weiten sich. Dadurch wird der Blutfluss verlangsamt. Zudem begünstigen veränderte Druckverhältnisse in den Venen - insbesondere in den letzten Schwangerschaftsmonaten, wenn der heranwachsende Fötus und die Gebärmutter zunehmend auf die Venen im Bauchraum drücken - die Bildung von Blutgerinnseln.

Wenn in einer vorangegangenen Schwangerschaft bereits eine Thrombose aufgetreten ist, ist das Risiko einer neuerlichen Thrombose erheblich erhöht. Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, multiplizieren sich diese miteinander und lassen das Thromboserisiko dramatisch ansteigen. Außerdem ist die Gefahr einer Thrombose nach einem Kaiserschnitt deutlich höher ist als nach einer vaginalen Entbindung. Hier hilft nur eine konsequente Thrombosevorbeugung.

Auch mit zunehmendem Alter steigt das Thromboserisiko. Im Alter lässt die Leistungsfähigkeit sämtlicher Organe und damit auch die der Blutgefäße und der Kreislauforgane nach. Die Elastizität der Venen nimmt ab und die Häufigkeit von Gefäßschäden nimmt zu. Diese altersbedingte Zunahme der Blutgerinnungsneigung führt zu einem deutlichen Anstieg des Thromboserisikos. Besonders kritisch wird die Situation, wenn gleichzeitig mehrere Risikofaktoren zusammen kommen - wie z. B. Flüssigkeitsmangel durch zu wenig Trinken plus Bettlägerigkeit in Folge einer Sturzverletzung mit anschließender Operation. Bei über 80-Jährigen liegt das Thromboserisiko statistisch gesehen nach einer Operation bei 70%.


Erste Anzeichen einer Thrombose


Erste Anzeichen einer ThromboseZu den ersten Anzeichen einer tiefen Venenthrombose der Gliedmaßen gehören:
  • Spannungsschmerz in den Gliedmaßen
  • starke Schwellung, wobei die direkt unter der Hautoberfläche verlaufenden Venen sichtbar werden (= „Warnvenen")
  • Blauverfärbung und Überwärmung der betroffenen Gliedmasse
  • Linderung dieser ersten Beschwerden durch Hochlegen der Gliedmaße
  • Druckschmerz an der Innenseite des Fußes (Payr-Zeichen)
  • Wadenschmerzen bei Beugung des Fußes (Homans-Zeichen) oder auf Druck (Meyer-Zeichen)

Diese Anzeichen kommen jedoch nur in 50% der tiefen Venenthrombosen vor und können vollkommen fehlen.

Wenn zusätzlich Brustschmerzen und Atemnot auftreten, kann dies auch ein Hinweis auf eine Lungenembolie sein. Hier handelt es sich um einen akuten Notfall - alarmieren Sie daher umgehend den Notarzt!


Symptome einer Thrombose


Symptome bei einer ThromboseThrombosen bilden sich vorwiegend in den tief gelegenen Beinvenen und Beckenvenen. Neben der Größe des sich bildenden Gerinnsels ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich ein Thrombus bildet, entscheidend für das Ausmaß einer Thrombose. So ist ein plötzlich eintretender, vollständiger Verschluss einer Vene mit einem wesentlich ausgeprägteren Krankheitsbild verbunden als eine langsam fortschreitende, unter Umständen mehrere Tage oder Wochen andauernde Gerinnselbildung, die erst allmählich zu einem Verschluss führt. Nur wenn es die Zeit erlaubt, kann es zur Ausbildung von Umgehungsvenen kommen, die den Prozess deutlich entschärfen.

Das Krankheitsbild der Thrombose unterscheidet sich je nach Art und Lage der Thrombose. Im Wesentlichen werden die oberflächliche Thrombophlebitis und die tiefe Phlebothrombose von einander unterschieden.

Thrombophlebitis

Hierbei handelt es sich zunächst um eine Entzündung und Thrombose der unter der Hautoberfläche verlaufenden oberflächlichen Venen als typische Komplikation von Krampfadern. Frauen sind hiervon etwa 4-mal häufiger betroffen als Männer. Aber auch bei gesunden Gefäßen kann es in Folge einer Verletzung oder Infektion zu einer Thrombophlebitis kommen. Die erkrankte Vene zeigt die klassischen Anzeichen einer Entzündung: Überwärmung, Rötung, Schwellung und Schmerz. Im Rahmen der Entzündungsprozesse kommt es dann zu Verletzungen der Gefäßinnenwand und schließlich zur Entstehung eines Thrombus.

In 90% der Fälle tritt eine Thrombophlebitis in den Beinen auf. Seltener findet sich diese Thromboseform an den Armen - meist als unerwünschte Folge eines Venenkatheters oder einer Kanüle, die der Gabe von Medikamenten oder der Blutabnahme dienen. Nicht selten werden Venenwände auch bei Infusionen gereizt oder verletzt, so dass sie sich entzünden (Infusionsthrombophlebitis).

Eine seltene septische Thrombophlebitis entsteht als Folge einer bakteriell bedingten Blutvergiftung mit Entzündung des umgebenden Gewebes: Bakterien dringen in die Vene ein und verursachen einen Abszess.

Eine Thrombophlebitis migrans breitet sich kontinuierlich im oberflächlichen Venensystem aus. Häufig liegt in einem solchen Fall ein Tumor vor. Die Thrombophlebitis saltans, auch als „springende" Thrombophlebitis bezeichnet, tritt als münzgroße Rötung im Verlauf der oberflächlich verlaufenden Venen auf und ist nicht an das Vorliegen von Krampfadern gekoppelt. Die Entzündungserscheinungen betreffen kurze Venensegmente und klingen schon nach wenigen Tagen wieder ab, um dann allerdings an anderer Stelle in gleicher Form erneut aufzutreten. Die Erkrankung bricht in Intervallen von Wochen oder Monaten schubweise aus.

Phlebothrombosen

Bei der Phlebothrombose handelt es sich um einen akuten Verschluss tiefer im Körper oder in den Gliedmaßen liegenden Venen, sie wird deshalb auch als „tiefe Venenthrombose" bezeichnet. Am häufigsten betroffen sind die Venen der Beine (60%) und des Beckens (30%). Tiefe Venenthrombosen an den Armen sind hingegen sehr viel seltener (0,5-1,5%).

Tiefe Bein- und Beckenvenenthrombose

Der Thrombus entsteht hier meistens im Bereich der Wadenmuskelvenen und beeinträchtigt die Funktion der Venenklappen. Zunächst bilden sich kleinere Gerinnsel, die jedoch rasch heranwachsen und zu einem Gefäßverschluss führen können. Während die Thrombose an Größe zunimmt, werden immer mehr venöse Zuflüsse blockiert, bis es zum Vollbild der tiefen Beinvenenthrombose kommt, das in 50% der Fälle mit Schmerzen, Schwellung und bläulich-fahle Verfärbung des betroffenen Beines einhergeht.

Sonderformen der Phlebothrombose:

Thrombose der V. subclavia bzw. V. axillaris

Hierbei handelt es sich um eine Thrombose der tiefen Arm-, Achsel- oder Schlüsselbeinvenen, oft in Folge körperlicher Überanstrengung (z.B. beim Sport oder handwerklichen Tätigkeiten „über Kopf"), auf Grund eines Tumors oder eines zentralen Venenkatheters. Häufig treten dabei gestaute Venen am Handrücken und deutliche venöse Neben- oder Seitenäste (Kollateralen) auf.

Thrombose der unteren Hohlvene

Die Thrombose der unteren Hohlvene (V. cava inferior) tritt meist im Rahmen einer Tumorerkrankung auf. Da diese voluminöse Vene den Rücktransport des Blutes aller Organe unterhalb des Zwerchfells zum Herzen gewährleistet, bedingt ihr thrombotischer Verschluss das Anschwellen beider Beine.

Phlegmasia coerulea dolens

Dies ist eine schlagartig einsetzende, komplette Thrombose aller Venen einer Extremität. Sie ist gekennzeichnet durch äußerst schmerzhafte Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe (Ödem) und eine bläulich-fahle Verfärbung der betroffenen Extremität. Da auf Grund der ausgedehnten Schwellung auch die Arterien  der betroffenen Gliedmasse abgedrückt werden, besteht die Gefahr, dass die betroffene Extremität aufgrund der Mangeldurchblutung abstirbt.

Reisethrombose (Economy-Class-Syndrom)

Hierbei handelt es sich um eine tiefe Venenthrombose während oder nach einer längeren Reise von mehr als 5 Stunden in sitzender Position. Betroffene gehören oft nicht zu den klassischen Risikogruppen. In Folge des langen Sitzens wird der Blutfluss langsamer. Zusätzlich wird durch die Lufttrockenheit der Kabine bei mangelhafter Flüssigkeitszufuhr das Blut „dicker" und die Gefahr der Blutgerinnung steigt. Das Tragen enger Kleidung kann den Blutfluss in den Venen noch weiter verlangsamen.

Bemerkbar macht sich diese Form der Thrombose durch Ödeme im Knöchel- und Unterschenkelbereich und Schmerzen insbesondere beim Auftreten. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Lungenembolie kommen.


Auswirkungen & Komplikationen


Mögliche Auswirkungen und Komplikationen bei einer ThromboseNach einer überstandenen Thrombose bleibt in den meisten Fällen eine verschlossene Vene oder Venenklappenschwäche zurück, die zu einem Blutrückstau in dem betroffenen Venensystem führt. Der erhöhte Venendruck bewirkt am Unterschenkel Hautveränderungen (bräunliche Verfärbung) bis hin zur Bildung von Geschwüren im Knöchelbereich (Ulcera crura). Diese Auswirkungen werden als postthrombotisches Syndrom bezeichnet.

Durch eine Thrombose können in der betroffenen Vene die zarten Venenklappen geschädigt werden, so dass diese den Fluss des venösen Blutes in Richtung Herz nicht mehr lenken können. Dadurch schwillt die betroffene Extremität an (Ödem), sie kann sich bläulich oder bräunlich verfärben und es kommt zu einer Verhärtung des Gewebes. Zahlreiche, bleibende Störungen des Blutkreislaufes sind die Folgen. Erste Anzeichen sind geschwollene, schwere Beine, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Krampfadern und im schlimmsten Fall eine hartnäckige Entzündung der Haut mit schlechten Heilungschancen - ein so genanntes „offenes Bein" (Ulcus cruris).

Die gefährlichste Komplikation ist jedoch eine Lungenembolie: Dabei löst sich ein Thrombus von der Gefäßwand ab und wird mit dem Blutstrom in die Lunge fort geschwemmt. Dies kann zu einer plötzlichen Überlastung des Herzens mit der Gefahr eines Herzstillstandes führen. Während kleinere Lungenembolien meist unbemerkt verlaufen, führen größere oft zum sofortigen Tod.

Anzeichen einer Lungenembolie können sein:

  • beschleunigter Puls, Herzrasen, Angstzustände, Schweißausbrüche
  • Atemnot
  • Blutdruckabfall
  • Schmerzen im Brustbereich
  • Husten (evtl. Bluthusten)
  • Schockzustand
  • Fieber

Folgeschaden einer seltenen septischen Thrombose kann eine Blutvergiftung (Sepsis) sein, wenn Bakterien das Blutgerinnsel besiedeln und sich beim Transport des Thrombus über den Blutweg ausbreiten.


Untersuchungen & Diagnose


Eine sorgfältige, ärztliche Untersuchung ist die Grundvoraussetzung für eine wirksame Behandlung von Thrombosen. Am Anfang begutachtet der Internist das betroffene Körperteil und tastet es ab. Ödeme, Schmerzen, Spannungsgefühle und sich deutlich abzeichnende Venen können bei ambulanten Patienten mit einer Sicherheit von 50% als Indiz dienen. Sie gelten jedoch als ungenau, da sie auch andere Ursachen haben können.

Deshalb schließen sich bei Verdacht auf eine Beinvenenthrombose bildgebende Verfahren zur Absicherung der Diagnose an. Dabei kommt heutzutage die Ultraschalluntersuchung (z. B. Doppler-Sonografie) am häufigsten zum Einsatz. Sie ist im Gegensatz zur Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln (Phlebografie) für den Patienten deutlich weniger belastend. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung können die Blutgerinnsel direkt dargestellt werden. Ein sicherer Test ist die Kompressionssonografie: Hierzu wird mit der Ulktraschallsonde die thromboseverdächtige Vene zusammengedrückt. Kann die Vene komplett zusammengedrückt werden, liegt kein Blutgerinnsel vor. Ist dies nicht oder nur teilweise möglich, deutet dies auf eine Thrombose hin. Ein zusätzliches Indiz auf eine komplett verschließende Venenthrombose ist, wenn der Arzt bei der Ultraschalluntersuchung keinen Blutfluss in der Vene feststellen kann.

Zur weiteren Absicherung der Diagnose einer Venenthrombose finden in den meisten Fällen weitere Untersuchungen statt. Dazu gehört insbesondere bei Vorliegen einer tiefen Venenthrombose die Bestimmung der so genannten D-Dimere (Spaltprodukt des Fibrins) im Blutplasma. Mit diesem Testverfahren lassen sich sowohl frisch gebildete als auch im Abbau befindliche Blutgerinnsel sehr empfindlich nachweisen. Ist der Test negativ, so schließt dies das Vorliegen einer Venenthrombose mit hoher Sicherheit aus. Erhöhte D-Dimer-Werte müssen jedoch nicht immer Zeichen einer Venenthrombose sein. Sie können auch aus anderen Gründen erhöht sein, z. B. nach einer Operation, in Folge einer Infektion, einer Verletzung oder bestimmter Tumore.


Behandlung einer Thrombose


Die Thrombose ist immer ein Notfall, daher sollte so bald wie möglich mit der Behandlung begonnen werden. Schließlich ist eine primäre Therapie nur innerhalb der ersten 10 Tage nach Entstehung des Thrombus erfolgreich. Je früher eine Thrombose erkannt wird, umso besser sind daher die Behandlungschancen. Die Behandlung hat zum Ziel, den Thromboseprozess zu stoppen, eine Lungenembolie zu verhindern und in Einzelfällen den blockierten Blutfluss wiederherzustellen. Blutgerinnsel können durch Medikamente  aufgelöst (Thrombolyse) oder durch operative Methoden entfernt werden (Thrombektomie). Letzteres ist jedoch nur bis 2 Tage nach dem Venenverschluss möglich.

Als erster Schritt nach der Diagnose sollten aber zunächst Sofortmaßnahmen umgesetzt werden, um ein Fortschreiten der Thrombosebildung zu unterbinden. Hierzu gehören die umgehende Gabe von Heparin, die Hochlagerung der betroffenen Gliedmaße und die Anlage eines Kompressionsverbandes.

Kompressionstherapie

Unabhängig davon, ob eine oberflächliche Thrombophlebitis oder eine tiefe Venenthrombose vorliegt, wird dem Patienten entweder ein straffer Kompressionsverband angelegt, der im späteren Verlauf (nach ca. 10 Tagen) durch einen angepassten Kompressionsstrumpf der Klasse II (mittelkräftiger Druck von 25-30 mmHg) ersetzt werden kann. Der dadurch von außen erzeugte Druck soll das Anwachsen des Thrombus an die Venenwand beschleunigen und den verlangsamten venösen Blutstrom zum Herzen beschleunigen. Die Kompressionsbehandlung soll also einerseits akut die Beschwerden vermindern, andererseits aber auch das Risiko einer Lungenembolie verringern und den Abheilungsprozess der Thrombose beschleunigen. Das langfristige Tragen eines Kompressionsstrumpfes verringert das Risiko der Ausbildung eines  postthrombotischen Syndroms.

Heparin

Die Verabreichung gerinnungshemmender Substanzen (Antikoagulantien) stellt einen bedeutenden Teil der Basistherapie einer Thrombose dar. Das wichtigste Präparat ist dabei Heparin. Es wird im Akutstadium entweder über einen Infusomaten in die Vene gegeben oder - als niedermolekulares Heparin - unter die Haut gespritzt. Ein bereits bestehender Thrombus kann von diesem Wirkstoff allerdings nur in ca. 10% der Fälle aufgelöst werden. Heparin verhindert das Verkleben bestimmter Blutbestandteile und wirkt somit einer Thrombusneubildung und Blutgerinnung entgegen. Aus diesem Grund wird Heparin auch bei Gesunden mit erhöhtem Thromboserisiko (z.B. nach Operationen oder während längerer Bettlägerigkeit) rein vorsorglich verabreicht, um einer Thrombose vorzubeugen.

Im Falle einer akuten Venenthrombose wird in der Regel ab dem 3. Tag nach dem Akutereignis mit der überlappenden  Umstellung auf ein oral zu verabreichendes Mittel, das ebenso die Blutgerinnung hemmt (z. B. Marcumar) begonnen. Dabei wird die Marcumar-Dosis auf einen Gerinnungswert (Quick oder INR) eingestellt. Hierzu muss sich der Patient regelmäßig beim Arzt vorstellen. Ideal ist die Marcumar-Einstellung auf einen Quick-Wert von ca. 25% oder INR von 2.

Diese Behandlung sollte stets über längere Zeit fortgeführt werden, um das Wiederauftreten von Thrombosen effektiv zu vermeiden:

  • bei einer spontanen Venenthrombose, ohne erkennbare Ursache: 6 Monate
  • bei einer Venenthrombose mit erkennbarer Ursache: 3 Monate
  • im Falle einer gleichzeitig aufgetretenen Lungenembolie: 1 Jahr
  • bei wiederkehrender Thrombose und/oder Lungenembolie: dauerhaft

Unter einer Therapie mit Heparin oder Marcumar besteht eine erhöhte Blutungsneigung. Für Betroffenen bedeutet dies, dass bereits Bagatellverletzungen zu schweren Blutverlusten führen können. Vor zahnärztlichen Eingriffen oder anderen Operationen sollten Patienten den behandelnden Arzt unbedingt auf eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten hinweisen.

Thrombolyse

Mit Hilfe der Thrombolyse kann versucht werden, ein bereits bestehendes Blutgerinnsel aufzulösen. Sie wird bevorzugt bei tiefen Venenthrombosen mit starken Schwellungen und ausgedehnter Lungenembolie angewendet. Hierzu werden so genannte Thrombolytika (gerinnselauflösende Substanzen, z. B. Urokinase oder Streptokinase) hoch dosiert mittels Dauerinfusion verabreicht. Dabei dauert die Therapie mindestens 3 Tage, nach 14 Tagen gilt sie aber als „ausgereizt".

Der Erfolg dieser Behandlung hängt entscheidend vom Alter des Blutgerinnsels ab: Je älter es ist, umso geringer sind die Chancen auf eine Auflösung des Thrombus. Die Wahrscheinlichkeit, eine verstopfte Vene wieder öffnen und durchgängig machen zu können, ist zwar mittels Thrombolyse größer als durch eine Heparin-Therapie. Andererseits können die Nebenwirkungen einer Thrombolyse schwerwiegender sein. Mit zunehmender Dauer der Thrombolyse wächst auch das Risiko unkontrollierbarer Blutungen, insbesondere von Hirnblutungen.

Thrombektomie

Mit dieser Methode wird dem narkotisierten Patienten ein Blutgerinnsel operativ aus dem betroffenen Gefäß entfernt. Dieses Verfahren wird insbesondere nach ausgedehnten Thrombosen der Beine bis maximal 2 Tage nach dem Akutereignis (da sonst der Thrombus schon an der Venenwand partiell angewachsen ist) angewandt, um ein postthrombotisches Syndrom zu verhindern. An eine erfolgte Operation schließt sich stets eine Heparin- und eine zusätzliche Kompressionstherapie des betroffenen Armes oder Beines an. Dabei stehen im Wesentlichen 4 verschiedene Operationstechniken zur Verfügung:

  • 1. Ballonkatheter: Die verstopfte Vene wird an einer Stelle nahe der Körperoberfläche eröffnet, um einen Katheter mit einem aufblasbaren Ballon in das Gefäß einzuführen und diesen dann am Thrombus vorbei zu schieben. Anschließend wird der Ballon aufgepumpt und wieder zurückgezogen. Dabei schiebt er den Thrombus vor sich her bis zur Öffnungsstelle, wo das Gerinnsel dann entfernt werden kann.
  • 2. Offene Thrombektomie: Der Bereich, in dem das Gerinnsel liegt, wird direkt eröffnet. Nach Entfernung des Thrombus wird das Gefäß wieder zugenäht. Diese Operationsmethode ist allerdings nur durchführbar, wenn lediglich ein kurzer Gefäßabschnitt betroffen ist (z. B. in der Leistenvene).
  • 3. Kompressionsthrombektomie: Befindet sich ein Blutgerinnsel in den mit Venenklappen ausgestatteten Beinvenen, wird versucht, den Thrombus nach Eröffnung der Vene entweder vorsichtig mittels Katheter zu entfernen oder mittels Druckanwendung aus der Vene heraus zu pressen.
  • 4. Arterio-venöse Fistel: Nach der Entfernung eines Blutgerinnsels aus der Beckenvene sollte die mögliche Neubildung eines Verschlusses verhindert werden. Dies gelingt am elegantesten durch eine operative Verbindung (Fistel) zwischen der betroffenen Vene und einem oberflächlich liegenden Arterien-Seitenast. Auf diese Weise wird der Blutfluss in der Vene erhöht, was eine erneute Verschlussbildung verhindern kann. Normalerweise verschließt sich die Fistel nach einigen Wochen von selbst, sie kann jedoch jeder Zeit auch operativ verschlossen werden.

Die genannten Operationsmethoden sind in den meisten Fällen erfolgreich. Blutgerinnsel können damit effizient entfernt werden. Da sich dabei jedoch auch die möglichen Risiken häufen, bleiben sie besonderen Fällen vorbehalten und gehören nicht zur Standardbehandlung. So besteht zum Beispiel die Gefahr, dass die Gefäßwände verletzt werden. Zudem können sich Blutgerinnsel ablösen und das Risiko einer Embolie während der Behandlung erhöhen. Außerdem können Nervenverletzungen, Infektionen und Blutergüsse auftreten.

Im Vergleich zu tiefen Venenthrombosen sind bei einer Thrombophlebitis Lungenembolien seltener. Die Behandlung der Entzündung mit entzündungshemmenden Mitteln und die Vorbeugung einer tiefen Venenthrombose stehen daher im Vordergrund.


Prognose & Verlauf


Eine rechtzeitige Behandlung kann in den meisten Fällen für ein folgenloses Abheilen der Thrombose sorgen. Je später aber eine Thrombose erkannt wird, umso größer ist die Gefahr von bleibenden Schäden: Krampfadern, postthrombotisches Syndrom und im schlimmsten Fall eine Lungenembolie können die Folgen sein. Grundsätzlich gilt auch, dass jeder Patient nach einer bereits durchgemachten Thrombose besonders anfällig für ein erneutes Blutgerinnsel ist (Rezidiv). Dabei sind Männer besonders stark durch Rückfälle gefährdet. Insbesondere wenn bei einem Patienten mehrere Risikofaktoren zusammen kommen, muss auf eine konsequente Thrombose-Vorsorge geachtet werden.


Vorsorge & Schutz


Bewegung ist bei einer Thrombose wichtig als VorsorgeIn einigen Situationen, z. B. bei Operationen, besteht grundsätzlich ein erhöhtes Thromboserisiko, so dass vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Dazu schätzt der Internist zunächst das individuelle Thromboserisiko des Patienten ab. Entsprechend der ermittelten Risikostufe bekommt der Patient dann bestimmte Vorsorgemaßnahmen verordnet. Dazu gehören das Tragen von Kompressionsstrümpfen, Krankengymnastik und Frühmobilisierung, oder aber eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit Heparin.

Wie können Sie selbst vorbeugen?

In gesunden Venen haben Thrombosen keine Chance. Leben Sie daher „venenbewusst"!

  • Regen Sie die Muskel-Venen-Pumpe an! Jede Form der Bewegung - ob Schwimmen, Wandern, Radfahren oder Tanzen - wirkt aktivierend. Dabei gilt grundsätzlich die Regel: Lieber Liegen und Laufen als Stehen und Sitzen!
  • Legen Sie öfter mal die Beine hoch. Das entlastet Ihre Venen und verbessert den Rückstrom des Blutes zum Herzen.
  • Trinken Sie ausreichend, mindestens 1,5-2 Liter am Tag, damit sich Ihr Blut nicht verdickt.
  • Stärken Sie Ihre Venen durch Kneippsche Wasseranwendungen.
  • Reine Wärmeanwendungen - wie Sauna, heiße Bäder und ausgedehnte Sonnenbäder - können Ihren Venen allerdings schaden - verzichten Sie daher lieber darauf, wenn sie bereits unter einer Venenschwäche leiden.
  • Rauchen und Übergewicht sind Risikofaktoren für eine Thrombose. Versuchen Sie beides in den Griff zu kriegen - nehmen Sie Ihre überflüssigen Pfunde ab und hören Sie unbedingt mit dem Rauchen auf.
  • Für Frauen mit bestehender Venenschwäche können Hormonpräparate zur Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren oder zur Verhütung („Anti-Baby-Pille") das Thromboserisiko erhöhen. Besprechen Sie dieses Thema daher am besten direkt mit Ihrem Frauenarzt.
  • Bei längeren Reisen im Bus, Auto oder Flugzeug sollten sie die Beine immer wieder bewusst bewegen (hier gibt es spezielle Übungen im Sitzen). Außerdem sollten Sie möglichst häufig Pausen machen, um sich die Beine zu vertreten, und/oder Kompressionsstrümpfe tragen.

Zur Vorbeugung von Thrombosen grundsätzlich geeignet ist Venengymnastik:

  • Marschieren: Sie marschieren, wobei Sie abwechselnd das linke und das rechte Bein stark anheben und die Fußmuskulatur so anspannen, dass Fuß und Schienbein eine Linie bilden. Beim Absetzen rollen Sie den Fuß von den Zehen bis zur Ferse ab.
  • Zehenspitzgang: Sie stehen mit geschlossenen Füßen und beginnen dann auf der Stelle zu treten, indem Sie abwechselnd den linken und den rechten Fuß auf die Zehenspitzen stellen. Wirksamer wird die Übung, wenn Sie sich - leicht nach vorne gebeugt - auf eine Stuhllehne stützen.
  • Kippen: Sie stehen mit leicht gebeugten Knien auf dem Boden und verlagern Ihr Gewicht abwechselnd auf Fersen und Zehenspitzen.
  • Abrollen: Sie gehen langsam auf und ab, indem Sie Fuß für Fuß von der Ferse bis zu den Zehen abrollen. Dabei konzentrieren Sie sich auf die Muskeltätigkeit in den Füßen und im Unterschenkel.
  • Sitzgang bzw. Zehen-Fersen-Wippen: Sie sitzen auf einem Stuhl, Ihr Rücken ist gerade. Gehen Sie mit dem rechten Fuß zuerst auf die äußerste Zehenspitze, dann auf die Ferse. Steigern Sie das Tempo und machen Sie dasselbe mit dem linken Fuß. Fortgeschrittene machen diese Übung mit beiden Füßen gleichzeitig.

Wichtige Adressen


Deutsche Venen-Liga e.V.
Sonnenstraße 6
56864 Bad Bertrich
Tel: 02674 / 14 48
Fax: 02674 / 91 01 15
E-Mail: info@venenliga.de
www.venenliga.de

Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin
Prof. S. Schellong
Uniklinikum Carl Gustav Carus
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
E-Mail: info@dga-gefaessmedizin.de
www.dga-gefaessmedizin.de

Deutsche Liga zur Bekämpfung von Gefäßerkrankungen e.V.
Deutsche Gefäßliga e.V.
Postfach 4038
69254 Malsch
Tel.: 07253 / 262 28
Fax: 07253 / 27 81 60
www.geocities.com/HotSprings/1546/Liga.html

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz
Tel.: 0261 / 30 92 31
Fax: 0261 / 30 92 32
E-Mail: info@dgpr.de
www.dgpr.de/

Thrombose-Initiative e.V.
c/o Euro RSCG ABC GmbH
Kaiserswerther Str. 135
40474 Düsseldorf
Telefon: 0211 / 91 49-711
Fax: 0211 / 91 49-855
E-Mail: info@thrombose-initiative.de
www.thrombose-initiative.de


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