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| Bild: Bandwurmkopfanlage mit Häkchen (Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
Der Mensch infiziert sich, indem er Eier des Bandwurms aufnimmt, die vom Fuchs oder selten auch von Hund oder Katze ausgeschieden wurden. Die Bandwurmlarven befallen vor allem die Leber und wachsen dort wie ein Tumor zu einem schwammartigen Gewebe heran, das flüssigkeitsgefüllte Bläschen enthält. Für den Menschen ist neben dem Fuchsbandwurm auch der Hundebandwurm Echinococcus granulosus gefährlich, der eine zystische Echinokokkose hervorruft.
Die Krankheit verursacht viele Jahre meist wenig oder keine Beschwerden. Dann fühlen sich die Patienten zunehmend abgeschlagen und müde, haben Schmerzen im Oberbauch und verlieren Gewicht. Außerdem ist ihre Leber deutlich vergrößert und es kann eine Gelbsucht (Ikterus) auftreten. Andere Organe wie Lunge, Bauch- und Brustfell oder Gehirn können ebenfalls befallen sein und entsprechende Beschwerden verursachen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, endet sie meist tödlich.
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| Bild: Erwachsener Fuchsbandwurm aus Fuchskot (ca. 5 mm lang, Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
Er wird ausschließlich durch direkten Kontakt mit ausgeschiedenen Wurmeiern übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist dagegen nicht möglich. Ein Mensch mit einer Fuchsbandwurm-Infektion stellt also keine Gefahr für seine Mitmenschen dar.
Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, weisen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko auf. Auch Hundehalter sind stärker gefährdet. Bislang gibt es noch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen die Infektionsgefahr erhöht.
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| Bild: Häkchenkranz rund um die Mundöffnung (aus der Finne einer Mäuseleber, Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
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| Bild: Bandwürmer im Fuchsdarm (Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
Der Mensch ist dagegen ein Fehlwirt oder Blindwirt: In seinem Körper „endet" die Infektion, da das Finnengewebe beim Menschen fast nie Bandwurmkopfanlagen ausbildet und da die Finnen aus dem Menschen in der Regel nicht in den Körper von Füchsen gelangen können. Der Mensch kann sich jedoch wie die Nagetiere als Zwischenwirt infizieren, wenn infektiöse Eier verschluckt werden und die Larven in die Leber oder andere Organe gelangen, wo sie sich zu Finnen entwickeln.
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| Bild: pixelio |
Nichtsdestotrotz ist die Krankheit relativ selten und das Infektionsrisiko gering. Die Ansteckungsgefahr ist aber regional unterschiedlich: Über 60% der Menschen, die sich in den letzten Jahren in Deutschland mit dem Fuchsbandwurm infizierten, stammen von der schwäbischen Alb, der Alb-Donau-Region, Oberschwaben und dem Allgäu. In anderen Regionen von Baden-Württemberg und Bayern sowie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Berlin tritt die Krankheit nur sporadisch auf.
Der Fuchsbandwurm kommt nur auf der Nordhalbkugel vor. In Europa ist der Bandwurm vor allem in Süddeutschland, dem Norden der Schweiz, im Westen Österreichs sowie im Osten Frankreichs zu finden. Außerhalb Europas erkranken am häufigsten Menschen in Nordchina, Sibirien und in Nordjapan (Hokkaido).
Seit 2001 müssen Menschen mit einer Echinokokkose in Deutschland an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. Die Meldungen an das Europäische Echinokokkose-Register sind dagegen freiwillig. Seitdem steigt die Zahl der gemeldeten Fälle. Möglicherweise erkranken aber nicht mehr Menschen als früher, sondern lediglich die Zahl der Meldungen durch Ärzte und Untersuchungslabore hat zugenommen. Allerdings könnte durchaus auch das Ansteckungsrisiko gewachsen sein, denn durch die Erfolge bei der Tollwutbekämpfung leben heute mehr Füchse in Deutschland als früher. Diese verlagern ihren Lebensraum zudem immer näher an menschliche Siedlungen und leben häufig innerhalb von Ortschaften und Städten. Auch der Prozentsatz infizierter Füchse hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen und liegt in den Hauptrisikogebieten von Baden-Württemberg und Bayern bei über 50%.
Die Zeit von der Infektion bis zu den ersten Beschwerden, ist nicht genau bekannt. Man vermutet, dass es zwischen 10 und 15 Jahre dauert, bis der Infizierte etwas von seiner Krankheit merkt. Als erste Beschwerden treten häufig Schmerzen im Oberbauch auf.
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| Bild: Leber mit schwammartigem Finnengewebe (Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
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Bild: Befall der Lunge bei einer |
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| Bild: Tumorartiges Finnengewebe in der Leber mit Verkalkungen (helle Fläche links, Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
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| Bild: Schlauch- und bläschenförmiges Finnengewebe im Gehirn (dunkelrot, Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
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Bild: Tumor-artige Durchwucherung |
Wird eine Fuchsbandwurm-Infektion rechtzeitig erkannt, kann der Chirurg das Finnengewebe operativ entfernen. Dies ist aber nur bei etwa 20 bis 30% der Patienten möglich. Nach der Operation sollte der Patient 2 Jahre lang die Chemotherapeutika Albendazol oder Mebendazol einnehmen um zu verhindern dass eventuell verbliebene Reste des Finnengewebes weiterwachsen.
Meist wird eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm allerdings erst dann erkannt, wenn das Finnengewebe schon so groß ist, dass der Chirurg es nicht mehr entfernen kann. Der Patient wird dann über einen längeren Zeitraum mit Albendazol oder Mebendazol behandelt. Diese Medikamente können das Wachstum des Finnengewebes hemmen, dieses jedoch meist nicht abtöten. Daher ist eine Dauerbehandlung über viele Jahre oder gar lebenslang notwendig. Die Patienten werden daher regelmäßig, das heißt mindestens einmal im Jahr untersucht, ob die Erkrankung weiter fortschreitet.
Die Behandlung erfolgt am besten in einem speziellen Zentrum, z.B. einer Klinik des Europäischen Echinokokkose-Registers.
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| Bild: Schwanmmartiges Finnengewebe in der Leber. Die Löcher entstehen durch abgestorbenes Gewebe (Quelle: Prof. Thomas Löscher, Tropeninstitut München). |
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Hunde- und Katzenbesitzer sollten ihre Tiere regelmäßig entwurmen lassen, da Fuchsbandwurmeier in seltenen Fällen auch auf diesem Wege verbreitet werden können.
Menschen mit einer Fuchsbandwurm-Infektion sollten sich mindestens einmal im Jahr untersuchen lassen. Dabei kann festgestellt werden, ob es nach einer Operation zu einem Rückfall gekommen ist oder ob die Medikamente die Infektion noch im Griff haben oder ob die Krankheit weiter fortgeschritten ist.
Wer mit anderen Patienten oder Angehörigen Kontakt aufnehmen und Erfahrungen austauschen möchte, findet auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft Echinokokkose ein öffentlich zugängliches Diskussionsforum.
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
Tel.: 030 / 18754-0
Fax: 030 / 18754-2328
www.rki.de
AG Echinokokkose der Paul-Ehrlich-Gesellschaft
Prof. P. Kern
Sektion Infektiologie und Klinische Immunologie
Universitätsklinikum Ulm
Robert-Koch-Str. 8
89081 Ulm
Tel: 0731 / 500 - 45551
Fax: 0731 / 500 - 45555
www.uni-ulm.de/echinokokkose/
Europäisches Echinokokkose Register
Universität Ulm - Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation
Schwabstr. 13
89075 Ulm
Tel.: 07 31 / 5 02 68 97
Fax: 07 31 / 5 02 69 02
E-Mail: echinoreg@medizin.uni-ulm.de
Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen
G. Darai, M. Handermann, H.-G. Sonntag, Ch. Tidona
Springer Verlag, 2008
Preis: 199,95 Euro
ISBN: 3-540-39005-7
Lese-Tipp der Redaktion:
Die neue Auflage des Lexikons listet alle Krankheitserreger, die beim Menschen vorkommen können in alphabetischer Reihenfolge auf. Das Lexikon richtet sich an Mediziner, die klare und übersichtliche Struktur der Artikel ermöglichen es aber auch interessierten Laien, sich über Infektionskrankheiten, neue Impfstoffe und Antibiotika zu informieren. Darüber hinaus kann auch nach Symptomen gesucht und diese dann Infektionen zugeordnet werden.
Zur Ökologie von Infektionskrankheiten: Borreliose, Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und Fuchsbandwurm
Friedrich Pfeil Verlag, 2005
Preis: 22,00 Euro
ISBN: 3-899-37059-7
Parasitologie. Biologie der Humanparasiten
Peter Wenk, Alfons Renz
Verlag: Thieme Verlag, 2003
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 3-13135-461-5
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