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Fuchsbandwurm



Was ist ein Fuchsbandwurm?


Der Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis ist ein Parasit, der in erster Linie zwischen Füchsen und Nagetieren zirkuliert, in seltenen Fällen aber auch den Menschen befällt und eine so genannte alveoläre Echinokokkose verursacht.

Der Mensch infiziert sich, indem er Eier des Bandwurms aufnimmt, die vom Fuchs oder selten auch von Hund oder Katze ausgeschieden wurden. Die Bandwurmlarven befallen vor allem die Leber und wachsen dort wie ein Tumor zu einem schwammartigen Gewebe heran, das flüssigkeitsgefüllte Bläschen enthält. Für den Menschen ist neben dem Fuchsbandwurm  auch der Hundebandwurm Echinococcus granulosus gefährlich, der eine zystische Echinokokkose hervorruft.

Die Krankheit verursacht viele Jahre meist wenig oder keine Beschwerden. Dann fühlen sich die Patienten zunehmend abgeschlagen und müde, haben Schmerzen im Oberbauch und verlieren Gewicht. Außerdem ist ihre Leber deutlich vergrößert und es kann eine Gelbsucht (Ikterus) auftreten. Andere Organe wie Lunge, Bauch- und Brustfell oder Gehirn können ebenfalls befallen sein und entsprechende Beschwerden verursachen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, endet sie meist tödlich.

 
Bild: pixelio
Obwohl vor allem in Süddeutschland viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert sind, ist eine Fuchsbandwurm-Infektion beim Menschen in Deutschland eine seltene Erkrankung. Sie bringt für die Betroffenen jedoch erhebliche gesundheitliche Probleme mit sich. Da sie lange Zeit keine Beschwerden auslöst, wird sie meist erst sehr spät erkannt. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Wenn Kinder und Jugendliche erkranken, liegt häufiger eine Schwäche des Immunsystems vor, bei der der Parasit besonders schnell wächst.


Ansteckung & Risikofaktoren


Eine Echinokokkose wird durch parasitäre Bandwürmer hervorgerufen. Der erwachsene Fuchsbandwurm ist etwa 2 bis 4 Millimeter lang. Sein Körper besteht aus 4-5 Gliedern  (Proglottiden) und besitzt eine sackförmige Gebärmutter mit rund 200 Eiern.

Er wird ausschließlich durch direkten Kontakt mit ausgeschiedenen Wurmeiern übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist dagegen nicht möglich. Ein Mensch mit einer Fuchsbandwurm-Infektion stellt also keine Gefahr für seine Mitmenschen dar.

Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, weisen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko auf. Auch Hundehalter sind stärker gefährdet. Bislang gibt es noch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen die Infektionsgefahr erhöht.

 

Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurms

Häkchenkranz eines Fuchsbandwurm-Protoskolex  
Bild: Häkchenkranz rund um die
Mundöffnung (aus der Finne einer
Mäuseleber, Quelle: Prof. Thomas
Löscher, Tropeninstitut München).
Wie die meisten Darmparasiten durchläuft auch der Fuchsbandwurm einen komplizierten Fortpflanzungszyklus mit verschiedenen Entwicklungsstadien und einem Wirtswechsel. Im fortpflanzungsfähigen Stadium leben Fuchsbandwürmer meist im Darm von Füchsen. Füchse sind die so genannten „Endwirte" des Fuchsbandwurms. Neben Füchsen kann sich der Fuchsbandwurm gelegentlich auch in Hund, Katze, Marder oder Dachs entwickeln. Im Darm der Endwirte bilden die erwachsenen Würmer winzige Eier, die über den Kot ausgeschieden werden. Diese sind recht umweltresistent und haben einen Durchmesser von lediglich 0,03 Millimetern und sind damit mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Kleinnager wie Feldmäuse, Wühlmäuse oder Bisamratten nehmen dann die Eier auf. Sie sind die Zwischenwirte. Aus dem Ei schlüpft in ihrem Darm eine Larve. Sie dringt durch die Dünndarmwand und gelangt mit dem Pfortaderblut in die Leber oder selten auch in andere Organe wie Lunge oder Zwerchfell. Hier entwickelt sie sich zu einem Zwischenwirtsstadium, der so genannten Finne. Diese bildet ein schwammartiges Gewebe mit vielen kleinen Bläschen, die mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllt sind und zahlreiche  Bandwurmkopfanlagen enthalten. Das Finnengewebe durchwächst die Leber wie ein Tumor und kann mehrere Zentimeter gross werden. Frisst ein Fuchs ein infiziertes Nagetier, gelangen die Bandwurmkopfanlagen in den Fuchsdarm, wo sie wieder zu erwachsenen Bandwürmern heranwachsen. Damit schließt sich der Lebenszyklus.

Der Mensch ist dagegen ein Fehlwirt oder Blindwirt: In seinem Körper „endet" die Infektion, da das Finnengewebe beim Menschen fast nie Bandwurmkopfanlagen ausbildet und da die Finnen aus dem Menschen in der Regel nicht in den Körper von Füchsen gelangen können. Der Mensch kann sich jedoch wie die Nagetiere als Zwischenwirt infizieren, wenn infektiöse Eier verschluckt werden und die Larven in die Leber oder andere Organe gelangen, wo sie sich zu Finnen entwickeln.

 

Übertragung von Bandwurmeiern

 
Bild: pixelio
Die genauen Übertragungswege von Fuchsbandwurmeiern auf den Menschen sind noch nicht im Detail bekannt. Eine Möglichkeit ist Kontakt mit dem Fell von Füchsen, Hunden oder Katzen, in dem die Eier des Fuchsbandwurmes haften. Ein weiterer Übertragungsweg könnten Erde oder Pflanzen sein, die mit dem Kot infizierter Füchse verunreinigt sind. Über Hände und andere Hautstellen könnten die Eier dann in den Mund und den Darm gelangen. Auch auf Früchten wie bodennahen Wildbeeren, Gemüse oder Fallobst, die mit dem Kot der Tiere in Berührung gekommen sind, oder in kontaminiertem Wasser könnten Fuchsbandwurm-Eier vorkommen. Allerdings ist bislang nicht eindeutig belegt, dass sich Menschen wirklich durch Nahrungsmittel oder Wasser infizieren können. Bei Landwirten wird auch das Einatmen und Verschlucken von Staub diskutiert (z.B. beim Mähdreschen), der infektiöse Eier enthalten könnte. 


Vorkommen & Verbreitung


Pro Jahr werden dem Robert Koch-Institut in Berlin und dem Europäischen Echinokokkose-Register in Ulm circa 40 Erkrankungsfälle gemeldet. Einer neuen Studie zufolge schätzen Experten jedoch, dass tatsächlich mindestens 3-mal so viele Menschen erkranken.

Nichtsdestotrotz ist die Krankheit relativ selten und das Infektionsrisiko gering. Die Ansteckungsgefahr ist aber regional unterschiedlich: Über 60% der Menschen, die sich in den letzten Jahren in Deutschland mit dem Fuchsbandwurm infizierten, stammen von der schwäbischen Alb, der Alb-Donau-Region, Oberschwaben und dem Allgäu. In anderen Regionen von Baden-Württemberg und Bayern sowie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Berlin tritt die Krankheit nur sporadisch auf.

Der Fuchsbandwurm kommt nur auf der Nordhalbkugel vor. In Europa ist der Bandwurm vor allem in Süddeutschland, dem Norden der Schweiz, im Westen Österreichs sowie im Osten Frankreichs zu finden. Außerhalb Europas erkranken am häufigsten Menschen in Nordchina, Sibirien und in Nordjapan (Hokkaido).

Meldepflicht für Fuchsbandwurm-Infektionen

Seit 2001 müssen Menschen mit einer Echinokokkose in Deutschland an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. Die Meldungen an das Europäische Echinokokkose-Register sind dagegen freiwillig. Seitdem steigt die Zahl der gemeldeten Fälle. Möglicherweise erkranken aber nicht mehr Menschen als früher, sondern lediglich die Zahl der Meldungen durch Ärzte und Untersuchungslabore hat zugenommen. Allerdings könnte durchaus auch das Ansteckungsrisiko gewachsen sein, denn durch die Erfolge bei der Tollwutbekämpfung leben heute mehr Füchse in Deutschland als früher. Diese verlagern ihren Lebensraum zudem immer näher an menschliche Siedlungen und leben häufig innerhalb von Ortschaften und Städten. Auch der Prozentsatz infizierter Füchse hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen und liegt in den Hauptrisikogebieten von Baden-Württemberg und Bayern bei über 50%.


Erste Anzeichen


Die Zeit von der Infektion bis zu den ersten Beschwerden, ist nicht genau bekannt. Man vermutet, dass es zwischen 10 und 15 Jahre dauert, bis der Infizierte etwas von seiner Krankheit merkt. Als erste Beschwerden treten häufig Schmerzen im Oberbauch auf.


Symptome


Die Art der Beschwerden, die eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm verursachen kann, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Je nach Größe des tumorartigen Finnengewebes in der Leber leiden die Patienten unter einem Druckgefühl oder mehr oder weniger starken Schmerzen im Oberbauch. Mit zunehmender Krankheitsdauer fühlen sich die Betroffenen schlapp und müde und verlieren an Gewicht. Manche haben Fieber, einige leiden unter Blutarmut. Häufig wird der Galleabfluss so behindert, dass eine Gelbsucht (Ikterus) entsteht. Drückt das Finnengewebe  in der Leber auf Blutgefäße, kann sich das Blut in der großen Lebervene (Pfortader) stauen und zu einem Pfortaderhochdruck und schließlich zu einer Leberzirrhose führen.

Symptome bei einem Fuchsbandwurm - Befall der Lunge bei alveolärer Echinokokkose

Bild: Befall der Lunge bei einer
Fuchsbandwurm-Infektion (Quelle: Prof.
Thomas Löscher, Tropeninstitut München).

Gelegentlich sind neben der Leber noch weitere Organe betroffen. So kann Finnengewebe über das Blut oder die Lymphe in andere Organe verschleppt werden. Betroffen sind am häufigsten das Bauchfell, die Lunge und das Gehirn. Je nach Organbefall können verschiedene Beschwerden auftreten, beispielsweise Schmerzen in der Brust, Husten und Atemnot oder Nervenstörungen wie Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Krampfanfälle.

Untersuchungen & Diagnose


Der Verdacht einer alveolären Echinokokkose der Leber ergibt sich heute meist bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes. Bei Bedarf führt der Arzt andere bildgebende Verfahren durch (Computertomografie, Röntgen des Brustkorbes u.a.), die aber nicht immer eine sichere Diagnose erlauben. Dies ist jedoch meist möglich durch spezielle Tests, bei denen im Blut spezifische Abwehrstoffe des Immunsystems (Antikörper) gegen den Fuchsbandwurm aufspürt werden. Diese Antikörper können aber nicht immer nachgewiesen werden, manchmal liegt trotz negativem Antikörper-Test eine Fuchsbandwurm-Infektion vor.

Untersuchungen bei einem Fuchsbandwurm - Finnengewebe im Gehirn 
Bild: Schlauch- und bläschenförmiges
Finnengewebe im Gehirn (dunkelrot,
Quelle: Prof. Thomas Löscher,
Tropeninstitut München).
Sicher nachgewiesen werden kann das Finnengewebe dagegen durch eine feingewebliche Untersuchung von Operationspräparaten und Gewebeproben der Leber oder anderer Organe. Darüber hinaus lässt sich in Gewebeproben aus der Leber die Erbinformationen der Erreger nachweisen (DNA, RNA). Dies gehört jedoch noch nicht zur Routine-Diagnostik.


Behandlung


Wird eine Fuchsbandwurm-Infektion rechtzeitig erkannt, kann der Chirurg das Finnengewebe operativ entfernen. Dies ist aber nur bei etwa 20 bis 30% der Patienten möglich. Nach der Operation sollte der Patient 2 Jahre lang die Chemotherapeutika Albendazol oder Mebendazol einnehmen um zu verhindern dass eventuell verbliebene Reste des Finnengewebes weiterwachsen.

Meist wird eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm allerdings erst dann erkannt, wenn das Finnengewebe schon so groß ist, dass der Chirurg es nicht mehr entfernen kann. Der Patient wird dann über einen längeren Zeitraum mit Albendazol oder Mebendazol behandelt. Diese Medikamente können das Wachstum des Finnengewebes hemmen, dieses jedoch meist nicht abtöten. Daher ist eine Dauerbehandlung über viele Jahre oder gar lebenslang notwendig. Die Patienten werden daher regelmäßig, das heißt mindestens einmal im Jahr untersucht, ob die Erkrankung weiter fortschreitet.

Die Behandlung erfolgt am besten in einem speziellen Zentrum, z.B. einer Klinik des Europäischen Echinokokkose-Registers.


Prognose & Verlauf


Wird die Krankheit nicht behandelt, schreitet sie immer weiter fort und führt in der Regel zum Tode des Patienten. Mit medikamentöser Behandlung überleben etwa 90% der Patienten mindestens 5 Jahre.


Vorsorge & Schutz


Alle Nahrungsmittel, auf denen sich Kot von infizierten Tieren befinden könnte, z.B. Beeren, Pilze, Gemüse, Salat oder Fallobst, sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Noch sicherer ist es - gerade in Gebieten mit hohem Infektionsrisiko, bodennahe Wald- oder Gartenfrüchte und Kräuter vor dem Essen zu kochen. Nach Erd- und Gartenarbeit empfiehlt es sich in gefährdeten Regionen, die Hände sorgfältig zu waschen. 

Hunde- und Katzenbesitzer sollten ihre Tiere regelmäßig entwurmen lassen, da Fuchsbandwurmeier in seltenen Fällen auch auf diesem Wege verbreitet werden können.


Tipps für Menschen mit einer Fuchsbandwurm-Infektion


Menschen mit einer Fuchsbandwurm-Infektion sollten sich mindestens einmal im Jahr untersuchen lassen. Dabei kann  festgestellt werden, ob es nach einer Operation zu einem Rückfall gekommen ist oder ob die Medikamente die Infektion noch im Griff haben oder ob die Krankheit weiter fortgeschritten ist.

Wer mit anderen Patienten oder Angehörigen Kontakt aufnehmen und Erfahrungen austauschen möchte, findet auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft Echinokokkose ein öffentlich zugängliches Diskussionsforum.


Wichtige Adressen


Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
Tel.: 030 / 18754-0
Fax: 030 / 18754-2328
www.rki.de

AG Echinokokkose der Paul-Ehrlich-Gesellschaft
Prof. P. Kern
Sektion Infektiologie und Klinische Immunologie
Universitätsklinikum Ulm
Robert-Koch-Str. 8
89081 Ulm
Tel: 0731 / 500 - 45551
Fax: 0731 / 500 - 45555
www.uni-ulm.de/echinokokkose/

Europäisches Echinokokkose Register
Universität Ulm - Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation
Schwabstr. 13
89075 Ulm
Tel.: 07 31 / 5 02 68 97
Fax: 07 31 / 5 02 69 02
E-Mail: echinoreg@medizin.uni-ulm.de


Bücher zum Thema


Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen
G. Darai, M. Handermann, H.-G. Sonntag, Ch. Tidona
Springer Verlag, 2008
Preis: 199,95 Euro 
ISBN: 3-540-39005-7
Lese-Tipp der Redaktion:
Die neue Auflage des Lexikons listet alle Krankheitserreger, die beim Menschen vorkommen können in alphabetischer Reihenfolge auf. Das Lexikon richtet sich an Mediziner, die klare und übersichtliche Struktur der Artikel ermöglichen es aber auch interessierten Laien, sich über Infektionskrankheiten, neue Impfstoffe und Antibiotika zu informieren. Darüber hinaus kann auch nach Symptomen gesucht und diese dann Infektionen zugeordnet werden.

Zur Ökologie von Infektionskrankheiten: Borreliose, Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und Fuchsbandwurm
Friedrich Pfeil Verlag, 2005
Preis: 22,00 Euro
ISBN: 3-899-37059-7

Parasitologie. Biologie der Humanparasiten
Peter Wenk, Alfons Renz
Verlag: Thieme Verlag, 2003
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 3-13135-461-5


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