Hepatitis B wird durch ein DNA-Virus verursacht. Im Unterschied zu den Erregern von Hepatitis A und C besteht sein Erbgut also aus Desoxyribonukleinsäure.
Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Rund 2 Milliarden Menschen waren bereits einmal mit dem Virus infiziert. Zwischen 300 und 420 Millionen Menschen tragen den Hepatitis-B-Virus chronisch in sich, das entspricht circa 5-7% der Weltbevölkerung. Pro Jahr versterben etwa eine Million Menschen infolge von Hepatitis-B-bedingter Leberzirrhose oder Leberkrebs.
In Deutschland infizieren sich schätzungsweise 5-8% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit dem Hepatitis-B-Virus, davon sind 0,4-0,7% chronische Virusträger. Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 50.000 Neuinfektionen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Die Spitzengruppe der Infektionen bilden die Patienten zwischen dem 25. und 29. Lebensjahr. Auch der Anteil der 15-19-Jährigen steigt in den letzten Jahren. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr machen nur 5% der Betroffenen aus. Durch gezielte erfolgreiche Impfkampagnen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr könnte die Verbreitung in den nächsten Jahren weiter eingedämmt werden.
In Verbreitungsgebieten wie z. B. Zentral- und Südafrika, Südostasien und Südamerika finden sich besonders hohe Infektionsraten. Die Übertragung Mutter-Kind, Sexualkontakt, enger Kontakt zu Virusträgern und die Mehrfachnutzung von Spritzen in diesen Ländern scheint von zentraler Bedeutung für Neuinfektionen zu sein.
Etwa 60-70% der Neuerkrankungen in Deutschland erfolgen durch Sexualkontakte. Dies erklärt den hohen Anteil akuter Hepatitis-B-Erkrankter unter den jungen Erwachsenen. Zu den Übertragungsrisiken von Schwangeren auf das Un- bzw. Neugeborene lesen Sie bitte Besonderheiten bei Schwangeren.
Etwa 2 Drittel der Ansteckungen in Deutschland erfolgen bei ungeschützten Sexualkontakten. Eine weitere Risikogruppe stellen Drogenabhängige vor allem durch die Mehrfachnutzung von verunreinigten Spritzen oder anderem Drogenbesteck dar. Ebenso gehören Ärzte und Pflegepersonal gemeinsam mit bestimmten Patientengruppen, z.B. Dialysepatienten, zu dem gefährdeten Personenkreis.
Weitere Infektionsmöglichkeiten mit dem Hepatitis-B-Virus bestehen beim Tätowieren, Ohrloch-Stechen oder Piercing, wenn die Hygienevorkehrungen unzureichend sind. Es können aber auch schon Rangeleien zwischen Schülern auf dem Schulhof oder Haushaltskontakte wie z.B. das Benutzen einer gemeinsamen Zahnbürste oder Nagelschere ausreichen.
In den Industrienationen besteht für die Übertragung des Virus bei Blut- oder Plasma-Spenden aufgrund hoher Sicherheits- und Teststandards nur noch ein sehr geringes Restrisiko. Allerdings sind medizinische Eingriffe bei Reisen in Entwicklungsländer potenziell gefährlich.
70% der Infizierten leiden zu Beginn der Erkrankung unter folgenden unspezifischen Krankheitszeichen:
Die Inkubationszeit, d. h. der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung, beträgt bei einer Hepatitis-B-Infektion etwa 40-200 Tage, im Durchschnitt sind es 60-90 Tage. Damit ist die Inkubationszeit relativ lang.
Eine Ansteckungsfähigkeit besteht unabhängig von den Symptomen der Krankheit, solange die Erreger im Blut des Patienten nachweisbar sind. Vom Blut chronisch infizierter Hepatitis-B-Träger kann jahrelang eine Ansteckungsgefahr ausgehen. Chronisch bedeutet, dass das Virus länger als 6 Monate nach der Infektion im Blut nachweisbar ist.
Eine Hepatitis-B-Erkrankung kann abhängig vom Immunsystem des Patienten sehr unterschiedlich verlaufen. Etwa 30% der infizierten Erwachsenen und 90% der Kinder und Säuglinge bleiben ohne Beschwerden. Nach den ersten Anzeichen der Erkrankung kommt bei nur etwa einem Drittel der Betroffenen nach 3-10 Tagen eine Gelbsucht hinzu.
Ohne Komplikationen klingen die Beschwerden nach 3-5 Wochen ab. Bei weniger als 1% der Fälle kommt es zu einem akuten Leberversagen. Die meisten akuten Hepatitis-B-Erkrankungen bei Erwachsenen heilen vollständig aus und führen zu einer dauerhaften Immunität.
Ca. 5% der Erwachsenen entwickeln eine chronische Verlaufsform häufig ohne dass eine akute Erkrankung bemerkt wurde. Eine Leberzirrhose kann die Folge sein. Die chronische Infektion erhöht das Risiko für die Entwicklung von Leberkrebs um das Hundertfache gegenüber der Normalbevölkerung.
Gleichzeitig mit dem Auftreten einer akuten Hepatitis B kann es selten zu einer parallelen Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus kommen. Diese Koinfektion führt zu einer schwerer verlaufenden Lebererkrankung als eine alleinige Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus. Eine zusätzliche Infektion (Superinfektion) mit dem Hepatitis-D-Virus bei chronischer Hepatitis B führt bei mehr als 90% der Betroffenen zu einer Chronifizierung mit beiden Viren und oft schwerem Verlauf.
Das Hepatitis-B-Virus ist auch für Neugeborene gefährlich. Eine Übertragung des Virus durch eine infizierte Mutter auf ihr Kind führt in 90% der Fälle zur chronischen Hepatitis B des Neugeborenen. Auch Kinder bis 5 Jahre haben eine hohe Chronifizierungsrate bei akuter Hepatitis B.
Als besonders gefährlich gilt eine Ansteckung des Kindes im Mutterleib oder bei der Geburt mit dem Hepatitis-B-Virus. Das Ansteckungsrisiko steigt im letzten Schwangerschaftsdrittel auf 90% an.
Bei fast allen infizierten Neugeborenen und Kindern bis zu 1 Jahr kommt es zu einem chronischen Verlauf der Hepatitis B. Zur Vermeidung ist ein entsprechender Suchtest seit 1993 verbindlicher Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge. Liegt eine Infektion der Mutter vor, wird innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt mit der Immunisierung des Säuglings durch Impfung (passiv-aktive Immunisierung) begonnen.
Eine gesicherte Diagnose der verschiedenen Formen der Virushepatitis, vor allem wenn die typischen Symptome fehlen, kann durch den Direktnachweis der Viren, virusassoziierter Antigene und/oder den Nachweis von korrespondierenden Antikörpern, im Blut erfolgen. Hierfür sind spezielle Tests in einem medizinischen Labor notwendig.
Bei normalem Krankheitsverlauf kann der Patient zu Hause betreut werden. Für eine akute Erkrankung gibt es keine spezielle Therapie. Lediglich bei einer fulminanten Hepatitis, d.h. bei äußerst schwerem Verlauf, kann ein antivirales Medikament (z. B. Lamivudin) verabreicht werden, ein Wirkstoff, der auch bei HIV-Infektionen eingesetzt wird. Bei schweren chronischen Hepatitis-B-Erkrankungen war Interferon-Alpha lange Zeit das einzige Mittel mit nachgewiesenem positivem Effekt. Über die Hälfte der Patienten klagten allerdings über grippeähnliche Symptome, vor allem Fieber und Müdigkeit, als Nebenwirkung. Auch Gewichtsverlust, Depressionen und Haarausfall sind häufige Begleiterscheinungen der Interferon-Therapie. Lamivudin, Adefovir und Entecavir sind alternative Wirkstoffe, die in der Regel auch bei Langzeittherapien gut vertragen werden. Die Entscheidung über das jeweilige bestgeeignete Therapieverfahren muss der Arzt individuell treffen.
Die Rate der Chronifizierung bei der HBV-Infektion ist altersabhängig. Beim Erwachsenen werden 5% der Neuinfektionen chronisch. Bei infizierten Säuglingen verlaufen 90% der Hepatitis-B-Erkrankungen chronisch. 12-50% aller chronischen Verläufe führen im Langzeitverlauf zu einer Leberzirrhose. Das Risiko an Leberkrebs zu erkranken steigt auf 0,5-5 %. 100-150 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen einer Hepatitis B.
Ohne Komplikationen klingen die Beschwerden nach 3-5 Wochen ab.
Wie bei der Hepatitis A bietet eine aktive Impfung gegen Hepatitis B den sichersten Schutz gegen eine Ansteckung. Um Hepatitis B in Deutschland auszurotten, empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts seit 1995 die Hepatitis-B-Impfung für Säuglinge und Kleinkinder sowie Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr.
Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission umfasst außerdem Risikogruppen wie medizinisches Personal, Dialyse-Patienten, männliche Homosexuelle, Drogensüchtige und Prostituierte. Außerdem sollten auch Patienten mit vorgeschädigter Leber (Fettleber, Leberzirrhose) gegen Hepatitis B (und A) immunisiert werden.
Auch bei Fernreisen mit längerem Aufenthalt oder mit vorhersehbarem engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sollten Sie an eine Hepatitis-B-Impfung denken. Detaillierte Hinweise zu den aktuellen Gefährdungsgebieten finden Sie auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes.
Der gentechnisch hergestellte Impfstoff gegen das Hepatitis-B-Virus ist in der Regel gut verträglich. Er schützt gleichzeitig vor einer Hepatitis-D-Infektion, da Hepatitis B die Voraussetzung für eine Hepatitis-D-Infektion darstellt.
Seit einigen Jahren ist ein Kombinationsimpfstoff in Deutschland zugelassen, der gleichzeitig auch zuverlässig vor dem Hepatitis-A-Virus schützt.
Sowohl bei der Hepatitis-B-Impfung als auch der Kombination sind 3 Impfungen erforderlich. Die 2. Impfung erfolgt 4 Wochen nach der ersten, die 3. dann nach weiteren 6-12 Monaten. Zwei Wochen nach der 3. Impfung ist der vollständige Impfschutz für 10 Jahre aufgebaut.
Bei akuten oder chronischen Erkrankungen sowie einer Allergie gegen einen Bestandteil im Impfstoff muss auf eine Impfung verzichtet werden.
Ein besonderes Augenmerk gilt der Verhinderung einer Übertragung von chronisch infizierten Müttern auf ihre Neugeborenen. Ein spezieller Hepatitis-B-Test ist deshalb Bestandteil der Mutterschaftsuntersuchungen. Eine aktive und passive Immunisierung der Säuglinge unmittelbar nach der Entbindung von einer chronisch infizierten Mutter kann heutzutage über 90% der Infektionen bei den Neugeborenen verhindern.
Hatte eine schwangere Frau Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus, kann sie durch ein entsprechendes Hepatitis-B-Immunglobulin passiv immunisiert werden.
Hepatitis-B-Infizierte sollten sich so verhalten, dass andere, nicht immune Personen nicht gefährdet werden, also möglichst engen Körperkontakt meiden. Bei normaler häuslicher Hygiene ist das Übertragungsrisiko innerhalb der Familie gering.
Halten Sie im Umfeld von infizierten oder gefährdeten Personen unbedingt folgende Schutzmaßnahmen ein:
Patienten mit Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektionen leiden häufig unter erheblichen psychischen Belastungen, da sie in ständiger Angst leben, Menschen in ihrem Umfeld anzustecken. Mögliche Übertragungswege zu kennen und zu meiden, hilft deshalb auch den Patienten, mit der Erkrankung umzugehen.
Akute Hepatitis A- und B-Erkrankungen können bei komplikationslosem Verlauf zu Hause auskuriert werden. Um eine Ansteckung zu vermeiden, ist es am sichersten, wenn die Kranken ausschließlich durch geimpfte oder durch eigene Infektion immune Angehörige gepflegt werden. Falls dieses nicht möglich ist oder wenn eine Hepatitis-C-Infektion vorliegt, sollten die oben beschriebenen weiteren Vorsorgemaßnahmen der einzelnen Hepatitis-Formen beherzigt werden.
Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100
50935 Köln
Tel: 0221 / 2 82 99-80
Fax: 0221 / 2 82 99-81
E-Mail: info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org
Bundesarbeitsgemeinschaft Leber e.V.
c/o Deutsche Leberhilfe e.V.
Luxemburger Str. 150
50937 Köln
Tel.: 0221 / 2 82 99 80
Fax: 0221 / 2 82 99 81
E-Mail: info@bag-leber.de
www.bag-leber.de
Auswärtiges Amt
Länder- und Reiseinformationen
Werderscher Markt 1
11013 Berlin
Tel.: 030/50 00-0
Fax: 030/50 00-3402
www.auswaertiges-amt.de
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
Telefon: 01888/754-0
Fax: 01888/754-2328
www.rki.de
Was wirklich hilft bei Hepatitis. Vorbeugung und Behandlung der heimlichen Volkskrankheit
Christiane Lentz
Südwest-Verlag 2002
Preis: 9,95 Euro
ISBN: 3-51706-035-6
Abwechslungsreiche Diät bei Hepatitis
Thilo Andus
Karl F. Haug-Fachbuchverlag, 2002
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 3-83043-001-9
Prophylaxe der Virushepatitiden
Klaus-Peter Maier
Thieme Verlag, 2004
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 3-13104-772-0
Hepatitis B
Infektion - Therapie - Prophylaxe
Tobias Heintges, Dieter Häussinger
Thieme Verlag, 2006
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 978-313-142021-3
© Copyright by Monks - Ärzte im Netz GmbH