Der Hypothalamus ist eine wichtige „Schaltzentrale" unseres Körpers. Er ist ein Gehirnbereich im Zwischenhirn und befindet sich unterhalb (=hypo) des Thalamus. Der Hypothalamus koordiniert als übergeordnetes Zentrum Wasser-, Salzhaushalt und Blutdruck. Er sorgt dafür, dass unsere Körpertemperatur konstant bleibt und regelt die Nahrungsaufnahme. Der Hypothalamus beeinflusst unser Gefühls- und Sexualverhalten und bestimmt, wann wir schlafen und wann wir wach sind. Außerdem ist er ein wichtiges Steuerorgan innerhalb des Hormonsystems, denn er reguliert, wann welche Menge eines Hormons gebildet wird.
Im Hypothalamus werden in bestimmten Nervenzellen verschiedene Hormone gebildet. Einige Hormone heißen „releasing" Hormone (englisch; release: freisetzen): Sie bewirken, dass in der Hirnanhangsdrüse Hormone produziert und ausgeschüttet werden. Die Hormone der Hirnanhangdrüse steuern ihrerseits die Bildung anderer Hormone oder wirken direkt auf Zielorgane im Körper.
Releasing Hormone des Hypothalamus sind das Gonadotropin-releasing Hormon (GnRH), das Thyreotropin-releasing Hormon (TRH), das Growth hormone-releasing Hormon (GH-RH) und das Corticotropin-releasing Hormon (CRH):
Im Hypothalamus werden nicht nur „releasing" Hormone gebildet, die die Produktion anderer Hormone fördern. Einige seiner Hormone hemmen vielmehr die Ausschüttung anderer Hormone. Diese Hormone heißen „inhibiting" Hormone (englisch; inhibit: hemmen, blockieren). Solche inhibiting Hormone sind z. B. Somatostatin oder das Prolaktin-inhibiting Hormon (PIH). PIH bremst in der Hirnanhangsdrüse die Produktion und Freisetzung von Prolaktin. Ein anderer Name für PIH ist Dopamin. Somatostatin hemmt die Bildung und Ausschüttung verschiedener Hormone in der Hirnanhangsdrüse.
Die Hormone des Hypothalamus gelangen über Nervenfasern oder Blutgefäße in die Hirnanhangsdrüse. Der Hypothalamus enthält nur eine winzige Menge der verschiedenen Hormone und nur ein Bruchteil davon wird an die Hirnanhangsdrüse weitergeleitet. Aber diese geringen Mengen reichen aus, dass die Hirnanhangsdrüse ein Tausendfaches an Hormonen produziert und ausschüttet. Die Hormone aus der Hirnanhangsdrüse bewirken ihrerseits eine Tausendfach höhere Ausschüttung von Hormonen aus den Enddrüsen. Das Ganze ist also ein Kaskaden- oder Lawinenprozess.
Wann der Hypopothalamus releasing oder inhibiting Hormone bildet und wie viele er davon an die Hirnanhangsdrüse abgibt, regeln andere Teile des Gehirnes. Emotionaler Stress, körperliche Anstrengung, der biologische Rhythmus, unsere Umgebung und viele andere Faktoren mehr können den Hypothalamus zur Hormonproduktion anregen oder die Bildung von Hormonen bremsen. Die meisten Hormone werden nach einem bestimmten regelmäßigen Rhythmus produziert und ausgeschüttet. Einige Hormone, z. B. CRH und TRH, unterliegen einem Tag-Nacht-Rhythmus.
Die Hirnanhangsdrüse ist etwa so groß wie eine Kirsche und befindet sich in Höhe der Nase mitten im Kopf auf einem Knochenteil der Schädelbasis, dem so genannten Türkensattel. Der Begriff Hypophyse stammt aus dem Griechischen und bedeutet „das unten anhängende Gewächs". Die Hirnanhangsdrüse besteht 2 Lappen (Hypophysenvorderlappen und Hypophysenhinterlappen), einem Teil dazwischen (Pars intermedia) und dem Hypophysenstil. Über diesen Stil ist die Drüse mit dem Hypothalamus verbunden.
Obwohl der Hypophysenvorderlappen mit dem Hypothalamus verbunden ist, ist er kein Teil des Gehirns, sondern eine typische Hormondrüse. Der Vorderlappen besteht aus verschiedenen Zelltypen. In diesen Zellen werden folgende Hormone gebildet: Das Nebennierenrinden-stimulierende (adrenocorticotrope) Hormon (ACTH), das Wachstumshormon (Growth hormone, GH; Somatotropin, STH), das Schilddrüsen-stimulierende Hormon (TSH), das Follikel-stimulierende Hormon (FSH), das luteinisierende Hormon (LH) und Prolaktin.
Die Hormone gelangen über ein spezielles Blutgefäßsystem in den Blutkreislauf und zu ihren Zielorganen:
Wann die Hormone des Hypophysenvorderlappens gebildet werden und wie viele Hormone freigesetzt werden, regulieren releasing oder inhibiting Hormone des Hypothalamus. Zusätzlich erhält der Hypophysenvorderlappen „Meldung" der Endorgane: Haben die Körperdrüsen genügend Hormone gebildet, hört der Hypophysenvorderlappen auf, Hormone zu produzieren. Dies funktioniert natürlich auch umgekehrt: Fehlen im Körper Hormone, wird dies an die Hypophyse und an den Hypothalamus gemeldet, die dann die Hormonproduktion ankurbeln.
Der „Zwischenteil" zwischen Vorder- und Hinterlappen der Hypophyse gehört zum Hypophysenvorderlappen. Hier wird das Melanozyten-stimulierende Hormon (MSH), das Melanotropin gebildet. MSH fördert in den Pigmentzellen der Haut, den Melanozyten, die Produktion von Melanin. Melanin ist ein wichtiger Schutz gegen die schädlichen UV-Strahlen der Sonne. MSH reguliert ausserdem unseren Appetit und unsere sexuelle Erregung.
Der Hypophysenhinterlappen besteht aus Nervenfasern und Nervenenden. Die „Köpfe" dieser Nerven befinden sich im Hypothalamus. Deshalb wird der Hypophysenhinterlappen auch als „Neurohypophyse" bezeichnet. Im Gegensatz zum Hypophysenvorderlappen ist der Hinterlappen ein Teil des Gehirnes, nämlich eine Ausstülpung des Zwischenhirns. Die Hormone des Hypophysenhinterlappens werden nicht dort produziert, sondern im Hypothalamus. Von dort gelangen sie über Nervenfasern in den Hypophysenhinterlappen und werden bei Bedarf freigesetzt.
Im Hypophysenhinterlappen werden 2 Hormone gespeichert: Das antidiuretische Hormon (ADH = Vasopressin = Adiuretin) und Oxytozin. ADH hält Wasser im Körper zurück, es wirkt gegen die Harnausscheidung (= Diurese). Es fördert die Rückresorption von Wasser in den Nieren: Der Urin wird somit stärker konzentriert und sieht „gelber" aus. Zusätzlich verengen sich durch ADH die Blutgefäße und der Blutdruck steigt. Oxytozin führt bei Schwangeren dazu, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und löst so Wehen aus. Nach der Geburt bewirkt Oxytozin den Milcheinschuss, das heißt dass die Milch aus den Brustdrüsenzellen ausgeschüttet wird.
Verschiedene Erkrankungen können die Hormonbildung in der Hirnanhangsdrüse stören, so dass diese entweder zu viele Hormone oder zu wenige Hormone produziert. Drückt ein gutartiger oder ein bösartiger Tumor auf die Hirnanhangsdrüse, kann diese möglicherweise nicht mehr genügend Hormone bilden. Auch Entzündungen des Gehirnes (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis), ein Unfall oder Operationen können Hypothalamus oder Hirnanhangsdrüse so schädigen, dass sie nicht mehr ausreichend Hormone bilden.
Produziert die Hirnanhangsdrüse zu wenig ADH ist ein so genannter zentraler Diabetes insipidus die Folge. Der Kranke ist nicht mehr in der Lage, Wasser im Körper zurückzubehalten. Die Patienten scheiden pro Tag mehrere Liter Urin aus - manchmal bis zu 20 Liter täglich. Um den Flüssigkeitsverlust zu ersetzen, haben die Patienten ständig Durst und trinken sehr viel. Um die Krankheit zu heilen, muss die Ursache - also Tumor, Entzündung oder andere Ursachen - behandelt werden.
Bei einem Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion oder Schwartz-Bartter-Syndrom (SIADH) wird dagegen übermäßig viel ADH ausgeschüttet. Ursache kann ein Unfall, schwere Verbrennungen, Entzündungen im Gehirn (Meningitis, Enzephalitis) oder die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Auch Erkrankungen der Lunge wie z. B. eine Lungenentzündung können dazu führen, dass übermäßig viel ADH produziert wird. Häufig merken die Patienten nichts davon. Manche leiden unter Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfen. Der Arzt muss zunächst die eigentliche Ursache der ADH-Überproduktion behandeln.
Tumore können Hormongewebe „nachahmen" und dabei zu einer Überproduktion verschiedener Hormone im Hypothalamus oder in der Hypophyse führen. Hormonproduzierende Tumore werden auch Adenome genannt. Der häufigste hormonproduzierende Tumor in der Hypophyse ist ein gutartiger Tumor der Prolaktin-bildenden Drüsenzellen im Hypophysenvorderlappen, ein so genanntes Prolaktinom. Bei Frauen mit einem Prolaktinom setzt die Regelblutung aus und sie leiden unter sexueller Unlust. Bei manchen fließt Milch aus der Brustdrüse, weil Prolaktin die Milchproduktion anregt. Bei Männern führt ein Prolaktinom dazu, dass sie ihre Potenz verlieren und ebenfalls keine Lust mehr auf Sex haben. Das Prolaktinom wird zunächst mit Medikamenten behandelt. Wenn dies nicht hilft, wird der Tumor in einer Operation entfernt.
Produziert ein Tumor in der Hypophyse zu viel Wachstumshormon kann bis zum Ende der Pubertät ein übermäßiges Größenwachstum (=Gigantismus) und bei Erwachsenen eine Akromegalie (= Hyperpituitarismus) auslösen. Diese Erkrankung wird meist erst nach 10-15 Jahren auffällig: Hände, Füße und Kopf sind dann größer als früher, die Gesichtszüge vergröbert. Auch im Körperinneren nehmen die Organe an Größe zu.
Andere Tumore im Gehirn können die Hormonbildung stark drosseln, indem sie auf das Hormongewebe drücken oder das hormonbildende Gewebe verdrängen. Ebenso können Entzündungen im Gehirn, Unfälle, Bestrahlungen des Gehirnes oder Durchblutungsstörungen dazu führen, dass weniger Hormone als gewöhnlich gebildet oder ausgeschüttet werden.
Gutartige Tumore der Drüsenzellen (HVL-Adenom) können die Hormonbildung im Hypophysenvorderlappen stören. Mediziner nennen diese Erkrankung Hypophysenvorderlappen schwäche bzw. -insuffizienz. Das Tumorgewebe drückt auf die anderen Drüsenzellen, so dass die gesunden Zellen sind nicht mehr ausreichend Hormone produzieren können. Manchmal bildet das Adenom jedoch auch selbst Hormone.
Meist fallen die Hormone in einer typischen Reihenfolge aus: Zunächst fehlt das Wachstumshormon (STH, GH), als nächstes das Follikelstimulierende und das luteinisierende Hormon (FSH und LH), schließlich das Schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH), danach das Nebennierenrindenstimulierende Hormon (ACTH) und das Melanozyten-stimulierende Hormon (MSH), und zuletzt Prolaktin. Es kann jedoch auch nur ein einzelnes Hormon ausfallen. Die Beschwerden richten sich dann danach, welche Hormone nicht mehr ausreichend produziert werden:
Durch den Mangel an TSH entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Die Patienten sind müde und lustlos, nehmen Gewicht ab, frieren ständig, haben eine raue, heisere Stimme, brüchiges Haar, Verstopfung und möglicherweise Depressionen. Eine HVL-Insuffizienz kann lange Zeit unbemerkbar bleiben. Um die Krankheit zu heilen, behandelt der Arzt zunächst die eigentliche Ursache. Meist müssen zusätzlich die fehlenden Hormone ersetzt werden.
Die Schilddrüse sitzt vorne im Hals in der Höhe des Kehlkopfes. Sie besteht aus 2 Drüsenlappen, die rechts und links neben der Luftröhre liegen. Vor der Luftröhre verbindet eine schmale Brücke, Isthmus genannt, beide Lappen miteinander. Durch die Verbindung mit der Luftröhre hebt und senkt sich die Schilddrüse beim Schluckvorgang.
Nach oben geht ein Fortsatz ab, manchmal zusätzlich noch ein Strang bis zum Zungengrund, der bei manchen Menschen bei der Entwicklung des Ungeborenen im Mutterleib übrig geblieben ist. Von hinten gesehen reichen die Schilddrüsenlappen bis zur Speiseröhre, nach unten nahezu bis zum Übergang des Halses in den Brustbereich.
Die Schilddrüse eines Erwachsenen wiegt durchschnittlich zwischen 20 und 30 Gramm und wird von einer Kapsel aus Bindegewebe schützend umgeben. Innerhalb des Gewebes befinden sich kleine Bläschen, Follikel genannt, die jeweils eine Funktionseinheit des Organs darstellen.
Die Nebenschilddrüsen, auch Epithelkörperchen genannt, bestehen aus 4 etwa weizenkorngroßen Drüsen, die oben und unten an der Rückseite der Schilddrüsenlappen eingebettet sind. Sie arbeiten unabhängig von der Schilddrüse und regulieren mit ihren Hormonen den Kalzium- und Phosphorspiegel im Blut.
Die Schilddrüse produziert die Hormone Tetrajodthyronin (Thyroxin), kurz T4 genannt, und Trijodthyronin, kurz T3. Außerdem sondert sie wie auch die Nebenschilddrüsen ein Hormon ab, das die Kalzium- und Phosphatkonzentration im Blut reguliert.
Von herausragender Bedeutung für die Hormonproduktion in den Schilddrüsen ist das Spurenelement Jod. Das wird schon aus den Bezeichnungen der Hormone erkennbar. Entsprechend enthält Tetrajodthyronin 4 Jodmoleküle und Trijodthyronin 3 Jodmoleküle. Der tägliche Jodbedarf eines Erwachsenen von 180-200 Mikrogramm (= Millionstel Gramm) muss mit der Nahrung aufgenommen werden, gelangt aus dem Magen-Darm-Trakt über das Blut in die Schilddrüse und wird dort in mehreren Zwischenschritten in die Hormonmoleküle eingebaut.
Die Ausschüttung der Hormone T4 und T3 wird durch das Hormon Thyreoidea Stimulierendes Hormon (TSH) aus der Hirnanhangdrüse gesteuert. Die Hormone T4 und T3 werden auf Vorrat hergestellt und in den Follikeln gespeichert. Sie werden an Eiweiße (Proteine) gebunden, aus den Follikeln bei Bedarf schnell in das Blut abgegeben und auf diese Weise in alle Gewebe und Zellen verteilt. Der Vorrat an Schilddrüsenhormonen reicht bis zu 2 Monate.
Beide Hormone regulieren vorrangig den Eiweiß-, Fett-, und Kohlenhydratstoffwechsel. Sie wirken beispielsweise damit auf die körperliche Entwicklung, das Knochenwachstum, die Muskulatur, den Cholesterinblutspiegel sowie den Energiestoffwechsel ein.
Die Schilddrüsenhormone fördern:
Gleichzeitig hemmen sie:
Viele Schilddrüsenerkrankungen sind auf einen lange bestehenden Jod-Mangel zurückzuführen, da in Deutschland wie auch in vielen anderen europäischen Ländern mit der Nahrung traditionell zu wenig Jod zugeführt wird. Verantwortlich ist hierfür die letzte Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren. Das Schmelzwasser hat dabei das Spurenelement Jod aus den Böden gewaschen und in die Ozeane gespült. So führte die Jodarmut der Böden und des Grundwassers auch zu einem Mangel in allen Lebensmitteln mit Ausnahme der Meerestiere. Allerdings ist inzwischen eine Verbesserung der Jodversorgung vorrangig durch das reichhaltige Angebot an jodiertem Speisesalz festzustellen.
Häufige Erkrankungen der Schilddrüse sind die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Daneben ist auch der meist durch Jodmangel bedingte Kropf (Struma), die krankhafte Vergrößerung der Schilddrüse, weit verbreitet.
Seltener sind verschiedene Arten von entzündlichen Erkrankungen (Thyreoiditis), gutartige Geschwülste sowie Schilddrüsenkrebs. Auch die Nebenschilddrüsen können durch eine Über- und Unterfunktion gestört sein.
Jeder Mensch hat 2 Nebennieren. Die Nebennieren liegen am oberen Ende der Nieren. Eine Nebenniere ist etwa 3 Zentimeter lang und 1,5 Zentimeter breit und wiegt 5-15 Gramm. Die Nebenniere ist umgeben von einer Kapsel und besteht aus der außen liegenden Nebennierenrinde und dem inneren Nebennierenmark.
Die Nebennierenrinde produziert viele verschiedene Steroidhormone. Man unterscheidet 3 Hauptgruppen:
Menge und Zeitpunkt der Hormonproduktion regelt vor allem das Nebennierenrinden-stimulierende Hormon (adrenocortikotropes Hormon, ACTH) aus der Hypophyse. ACTH wiederum wird durch das Corticotrope-releasing Hormon (CRH) aus dem Hypothalamus kontrolliert.
Die Hormonproduktion unterliegt einem Regelkreis: Soll die Nebennierenrinde mehr Hormone produzieren und ausschütten, produziert der Hypothalamus mehr Corticotrope-releasing Hormon, das die Hypophyse zur Bildung von Nebennierenrinden-stimulierendem Hormon anregt. Dieses stimuliert dann die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde. Sind genügend Nebennierenrindenhormone im Körper vorhanden, wird dies an die Hypophyse und den Hypothalamus gemeldet (negative Rückkopplung) und die Produktion wird gedrosselt.
Die Bildung von Aldosteron wird zusätzlich durch die Menge an Natrium und Kalium im Blut und durch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System kontrolliert: Sinkt der Natriumwert im Blut oder steigen der Renin- oder Kaliumwert, ist das ein Reiz für die Nebennierenrinde, mehr Aldosteron zu bilden. Steigt der Natriumwert oder das Blutvolumen und sinkt der Kaliumwert, wird die Aldosteron-Produktion gebremst.
Androgene
Durch verschiedene Erkrankungen kann die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde gestört werden. Dabei kann die Nebennierenrinde entweder zu viele Hormone bilden und ausschütten (Überfunktion) oder zu wenige produzieren (Unterfunktion).
Überfunktion der Nebennierenrinde
Überproduktion von Kortisol:
Durch verschiedene Krankheiten kann es dazu kommen, dass die Nebennierenrinde zu viel Kortisol herstellt. Dieses Krankheitsbild heißt Morbus Cushing. Eine mögliche Ursache ist z. B. ein Tumor in der Hirnanhangsdrüse, der adrenocortikotropes Hormon produziert, das die Kortisol-Bildung in der Nebennierenrinde fördert. Auch andere bösartige Tumore (z. B. Lungenkrebs) können adrenocortikotropes Hormon bilden und so einen Morbus Cushing auslösen. Die Kortisol-Produktion kann auch durch einen Tumor in der Nebennierenrinde oder durch beidseitig vergrößerte Nebennierenrinden angekurbelt werden und zu einem Morbus Cushing führen.
Kranke mit einem voll ausgebildeten Morbus Cushing haben ein ganz typisches Aussehen: Sie haben ein großes, rundes Gesicht, Fettansammlungen im Bauchbereich und im Nacken und dünne Beine und Arme. Die Patienten neigen zu Akne und haben eine dünne, pergamentartige Haut. Es kommt zu Störungen im Zuckerstoffwechsel, manche Patienten entwickeln einen Diabetes. Um einen Morbus Cushing zu behandeln, muss der Arzt zunächst die Ursache finden. Ein Tumor wird - wenn möglich - entfernt oder bestrahlt. Falls dies nicht möglich ist, erhält der Patient Medikamente, die die Kortisol-Produktion hemmen.
Überproduktion von Aldosteron (Hyperaldosteronismus = Conn-Syndrom)
Die Aldosteron-produzierenden Zellen in der Nebennierenrinde können sich aus ungeklärten Gründen vermehren. Auch ein Tumor der Nebennierenrinde kann zu einer Aldosteron-Überproduktion führen.
Wichtiges Krankheitszeichen einer Aldosteron-Überproduktion ist Bluthochdruck. Außerdem sinken durch Aldosteron die Kaliumwerte im Blut. Der Kaliummangel macht sich durch Muskelschwäche, Verstopfung, häufiges Wasserlassen und großen Durst bemerkbar. Die Krankheit wird entweder mit Medikamenten behandelt oder die auslösende Ursache, z. B. der Tumor, operiert.
Unterfunktion der Nebenniere
Produziert die Nebenniere nicht genügend Kortisol, nennen Mediziner dies auch Nebennierenrindeninsuffizienz. Man unterscheidet eine primäre von einer sekundären Form. Bei der primären Nebennierenrindeninsuffizienz liegt die Ursache in der Nebennierenrinde selbst: Die häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung. Die Hormonzellen können aber auch durch Tumore sowie durch Infektionskrankheiten wie Tuberkulose zerstört werden. Dabei werden die hormonbildenden Zellen der Nebennierenrinde zerstört, so dass sie keine Hormone mehr bilden können. Diese Krankheit nennt man Morbus Addison.
Bei der sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz findet sich die Ursache der Unterfunktion in der Hirnanhangsdrüse oder im Hypothalamus. Ist die Hormonproduktion im Hypothalamus oder in der Hirnanhangsdrüse durch einen Tumor, Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder nach einer Strahlenbehandlung gestört, können die Organe nicht mehr genügend Corticotropin-releasing Hormon (CRH) bzw. Nebennierenstimulierendes Hormon (ACTH) bilden. Fehlen diese beiden Hormone, stellt die Nebennierenrinde nicht mehr genügend Kortisol her.
Menschen mit einem Kortisol-Mangel sind müde und antriebslos, verlieren Gewicht und haben einen niedrigen Blutdruck und wenig Appetit. Bei Frauen setzt die Monatsblutung aus, sie verlieren die Schambehaarung. Beim Morbus Addison, sind die Haut (insbesondere Brustwarzen), frische Narben und das Nagelbett dunkler als gewöhnlich. Bei Menschen mit einer Störung im Bereich der Hirnanhangsdrüse ist die Haut blass. Häufig haben die Betroffenen im Alltag keine Beschwerden. Erst wenn der Körper bei körperlichem oder psychischem Stress mehr Kortisol braucht, kann sich die Krankheit plötzlich mit Blutdruckabfall, Schock, Durchfall und Erbrechen äußern. Mediziner nennen diese lebensgefährliche Notsituation „Addison-Krise". Eine Nebennierenrindeninsuffizienz wird mit Kortisol behandelt. Patienten mit einem Morbus Addison erhalten zusätzlich Mineralkortikoide.
Das Nebennierenmark gehört zum sympathischen Nervensystem.Es produziert die so genannten Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Diese Hormone werden in kleinen Körnchen im Bereich der Zellen (Granula) gespeichert, aus denen sie sehr rasch bei Bedarf in das Blut abgegeben werden können. Die Ausschüttung der Katecholamine wird durch Azetylcholin, einem Botenstoff des Nervensystems, gefördert. Die Katecholamine wirken auf ihren Zielzellen an bestimmten Andockstellen, an alpha oder beta-Rezeptoren. Katecholamine haben diverse Wirkungen im Körper. Sie sind „Stresshormone" und bereiten den Körper auf eine Stressreaktion vor: Sie steigern Blutdruck und Herzfrequenz, erhöhen den Blutzuckerspiegel, steigern die Schweißsekretion, stoppen die Darmtätigkeit und erweitern die Atemwege.
Überproduktion von Katecholaminen
Das Phäochromozytom ist ein Tumor im Nebennierenmark oder an anderen Körperstellen, der übermäßig Katecholamine bildet. Die Patienten leiden unter hohem Blutdruck und bekommen anfallsartig Bluthochdruck-Attacken mit Kopfschmerzen, Herzklopfen und Schwindelgefühlen. Die Patienten schwitzen stark, sind Blass und haben Angstgefühle. Als Komplikation können Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder eine Hirnblutung auftreten. Zwischen den Anfällen geht es den Patienten meist gut. Manche Patienten verlieren Gewicht oder haben Kreislaufprobleme.
Mangel an Katecholaminen
Bei bestimmten Nervenerkrankungen, z. B. im Rahmen eines langjährigen Diabetes mellitus, bei Alkoholikern, bei verminderter Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin (Porphyrie) oder Amyloidose kann auch das Nebennierenmark in Mitleidenschaft gezogen werden. Darüber hinaus kann das Nebennierenmark durch einen Tumor oder eine Operation so zerstört werden, dass es nicht mehr genügend Hormone produziert.
Der Mangel an Katecholaminen äußert sich durch eine gestörte Blutdruckregulation: Den Patienten wird schnell schwindelig, manche werden ohnmächtig. Außerdem leiden die Patienten unter Ohrensausen, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder Schmerzen in der Herzgegend. Gegen den Katecholamin-Mangel verschreibt der Arzt blutdrucksteigernde Medikamente.
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist eine etwa 15-20 Zentimeter lange und 3 Zentimeter dicke Hormondrüse, die quer zwischen Zwölffingerdarm und der Milz liegt. Sie produziert täglich zwischen 1,5 und 3 Litern Flüssigkeit (Pankreassaft), die wichtige Verdauungsenzyme enthält. Außerdem bildet sie in inselförmigen Gewebeteilen die Hormone Insulin, Glukagon und das Somatostatin.
Die häufigste Erkrankung der Bauchspeicheldrüse ist der Diabetes mellitus. Er wird umgangssprachlich auch als „Zuckerkrankheit" bezeichnet und ist eine chronische Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerwert zeitweise oder ständig erhöht ist. Es gibt mehrere Formen des Diabetes: Am häufigsten ist Typ-2-Diabetes, gefolgt vom Typ-1-Diabetes. Eine weitere Form ist der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Gemeinsam ist allen Formen, dass die erhöhten Blutzuckerwerte zu verschiedenen Folgeerkrankungen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Nieren- und Nervenerkrankungen führen können.
Ursache von Typ-2-Diabetes ist in der Regel sowohl eine zu geringe Produktion des Hormons Insulin als auch ein zu geringes Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. Bei Typ-1-Diabetes richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen den eigenen Körper und zerstört die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Autoimmunerkrankung). Dadurch kann die Bauchspeicheldrüse weniger bis kein Insulin bilden und der Blutzucker steigt an.
Die Eierstöcke befinden sich im kleinen Becken auf beiden Seiten der Gebärmutter. In den Eierstöcken reifen die Eizellen, die Keimdrüsen bilden die Geschlechtshormone. Bei der geschlechtsreifen Frau ist ein Eierstock etwa 3-5 Zentimeter lang und in etwa so groß wie eine Pflaume. Die Eierstöcke sind von einer zarten Kapsel eingehüllt. Jeder Eierstock besteht aus äußerem Rinden- und innerem Markgewebe. In der Rinde befinden sich Follikel mit Eizellen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien und unterschiedlicher Größe. Das Mark der Eierstöcke enthält Blut- und Lymphgefäße und Nerven.
Bereits bei der Geburt sind - im Gegensatz zum Mann - alle Eizellen bereits vorhanden. Durch das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) aus der Hirnanhangsdrüse reift jeden Monat eine Eizelle. In der Mitte des weiblichen Zyklus kommt es zum Eisprung. Dieser wird durch das luteinisiererende Hormon (LH) aus der Hirnanhangsdrüse ausgelöst. Die Eizelle gelangt mit dem Eisprung in den Eileiter. Dieser ist im Bereich der Eierstöcke mit einem Trichter und Fransen ausgestattet und kann so die Eizelle „auffangen".
In den Eierstöcken werden verschiedene Geschlechtshormone produziert: Die Granulosa-Zellen bilden Östrogene, der Gelbkörper bildet Gestagene, wie z. B. das Progesteron. Die Theka-Zellen produzieren die männlichen Geschlechtshormone Androstendion und Testosteron.
Die Hoden sind die männlichen Geschlechtsdrüsen. Der Begriff stammt von dem althochdeutschen Wort „hodo", das bedeutet „bedecken" oder „verhüllen". Jeder gesunde Mann hat 2 Hoden, die sich in einem Hodensack außerhalb des Körpers befinden. Die Hoden sind etwa so groß wie eine Pflaume und wiegen etwa 18 Gramm.
Jeder Hoden besteht aus 250-350 Läppchen, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind. Jedes Läppchen enthält etwa 1-4 winzige Kanäle (Hodenkanälchen). In diesen Kanälen findet die Produktion der männlichen Samen (Spermien) statt. Pro Tag werden etwa 30 Millionen Spermien produziert. Die Hodenkanälchen werden durch die Sertoli-Zellen gestützt. Die Sertoli-Zellen dienen auch dazu, die heranwachsenden Spermien zu ernähren. Zwischen den Kanälchen befinden sich Zellen, in denen männliche Geschlechtshormone gebildet werden, die so genannten Leydig-Zwischenzellen. Diese Zellen produzieren das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Aus den Hodenkanälchen gelangen die Spermien über einen kurzen Gang in den Nebenhoden.
Im Nebenhoden wachsen und reifen die Samenzellen. Die fertigen Samenzellen werden im Nebenhoden gespeichert. Es dauert etwa 80 Tage, bis aus einer Samen-Vorläuferzelle ein fertiges Spermium entsteht. Die Spermien verlassen die Nebenhoden durch den Nebenhodengang. Dieser mündet in den Samenleiter, der zusammen mit den Ausführungsgängen der Prostata in die Harnröhre mündet.
Spezielle Zellen des Hodens, die Leydig-Zwischenzellen, produzieren vor allem das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Zusätzlich bilden die Zellen andere Steroidhormone wie Dihydrotestosteron (DHT), Dihydroepiandrosteron (DHEA) und auch das weibliche Geschlechtshormon Östradiol.
Grundgerüst für die Hormone ist Cholesterin. In den Zielorganen (Prostata, Haut, Geschlechtsorgane) wird Testosteron in Dihydrotestosteron umgewandelt. Im Fettgewebe und in der Leber entsteht aus Testosteron Östradiol. Ist viel Fettgewebe vorhanden (Übergewicht), wandelt der Körper viel Testosteron in Östradiol um. Deshalb haben übergewichtige Männer häufig erhöhte Östrogenwerte im Blut. Diese können dazu führen, dass der Körper der Männer „weiblicher" aussieht: Die Brust kann sich vergrößern (Gynäkomastie) und die Brustbehaarung kann verschwinden.
Der Hypothalamus und die Hirnanhangsdrüse kontrollieren, wie viel Testosteron zu welchem Zeitpunkt in den Leydig-Zellen gebildet wird: Soll mehr Testosteron produziert werden, schüttet der Hypothalamus das Gonadotropin-releasing Hormon (GnRH) aus. Dies regt die Hirnanhangsdrüse an, das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH) zu bilden. LH stimuliert in den Leydig-Zellen die Produktion von Testosteron. Testosteron und FSH wirken auf die Hodenkanälchen: Sie fördern die Entwicklung und Reifung der Spermien. Sind im Körper genügend Testosteron und Östradiol, in das Testosteron umgewandelt wird, vorhanden, wird dies an Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse gemeldet. Diese stoppen dann die Ausschüttung von GnRH, FSH und LH, so dass weniger Testosteron gebildet wird (negative Rückkopplung). Ein weiterer Stoff, der eine negative Rückkopplung meldet, ist Inhibin, das von den Sertoli-Zellen gebildet wird.
Testosteron gelangt über das Blut zu den Zielorganen wie Geschlechtsorgane, Haut, Leber, Fettgewebe, Knochen oder Prostata. Es fördert das Wachstum, die Entwicklung und die Funktion der männlichen Geschlechtsorgane, es bestimmt den Körperbau, den Behaarungstyp, die Größe des Kehlkopfes und die Aktivität der Talgdrüsen. Viele Jugendliche leiden wegen einer übermäßigen Testosteronproduktion in der Pubertät an Akne. Testosteron fördert die Entwicklung und Reifung der Spermien.
Das Hormon ist die Voraussetzung für einen normalen Geschlechtstrieb (Libido) und die Potenz des Mannes. Testosteron stimuliert darüber hinaus die Blutbildung und das Muskelwachstum. Das Hormon wird deshalb mitunter als Dopingmittel missbraucht. Im zentralen Nervensystem bestimmt Testosteron gewisse „männliche" Verhaltensweisen, z. B. Aggressivität.
Aus verschiedenen Gründen kann es dazu kommen, dass die Leydig-Zellen im Hoden nicht genügend Testosteron bilden und dass die Samenentwicklung gestört ist. Liegt die Ursache im Hoden selbst, nennen Mediziner dies primärer Hypogonadismus. Treten Störungen im Hypothalamus oder in der Hypophyse auf, wird dies als sekundärer Hypogonadismus bezeichnet.
Ein primärer Hypogonadismus kann auftreten, wenn die Hoden von Geburt an fehlen oder sie später im Leben so geschädigt werden, dass sie nicht mehr genügend Testosteron bilden können, z. B. durch Unfälle, Operationen am Hoden, durch Tumore, Entzündung, Bestrahlung oder Medikamente.
Eine beidseitige Entzündung der Hoden, z. B. nach einer Mumps-Infektion, kann das Drüsengewebe so zerstören, dass es keine Hormone mehr produziert und die Samenbildung gestört ist. Auch ein zusätzliches Geschlechtschromosom (Klinefeltersyndrom, XYY-Syndrom) kann einen primären Hypogonadismus verursachen.
Wenn Hypothalamus oder Hirnanhangsdrüse durch Tumore, Entzündungen, eine Strahlentherapie oder Infektionen geschädigt werden, kann es zu einem sekundären Hypogonadismus kommen. Dabei bildet die Hirnanhangsdrüse nicht mehr genügend Gonadotropin-releasing Hormon bzw. Follikel-stimulierendes Hormon und luteinisierende Hormon.
Ein Testosteronmangel zeigt sich beim Erwachsenen daran, dass der Bartwuchs zurückgeht und die Muskeln abgebaut werden. Die sexuelle Lust und die Potenz lassen nach. An den Knochen kann sich eine Osteoporose entwickeln. Ein Testosteronmangel wird mit Testosteron als Spritze oder in Form eines Pflasters oder Gels auf der Haut behandelt.
Ein Testosteron-Überschuss kommt sehr selten vor. Er kann zum Beispiel im Rahmen eines adrenogenitalen Syndroms auftreten. Die Kinder wachsen zunächst sehr schnell, kommen dann aber frühzeitig in die Pubertät und sind als Erwachsene klein.
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