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Ödeme



Was sind Ödeme?


Der Begriff Ödem stammt aus dem Griechischen: „Oidema" bedeutet Geschwulst oder Schwellung. Ödeme sind Ansammlungen von wässriger Flüssigkeit im Körpergewebe, die zu Schwellungen der betroffenen Gewebe führen. Sie können auf bestimmte Körperteile begrenzt oder über den ganzen Körper verteilt sein. Eine Ödembildung wird auch als Wassersucht bezeichnet.

Ödeme können aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen. Sie sind meist Folge oder Begleiterscheinung einer vorangegangenen Grunderkrankung. Bei verschiedenen Organerkrankungen fällt entweder zu viel Gewebeflüssigkeit an oder ihr Abtransport ist erschwert und die Flüssigkeit staut sich daraufhin auf. Erkrankungen, die zu Ödemen führen können, sind z. B. Herz- oder Nierenschwäche, Abflussstörungen des venösen Blutes in den Beinen, Eiweißmangel, Störungen des Lymph-Abflusses oder allergische Erkrankungen.

Medikamente sind mögliche Ursachen von ÖdemenMedikamente können ebenfalls Ödeme verursachen, zum Beispiel Präparate gegen Bluthochdruck (Diuretika, Kalziumantagonisten), Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika), Kortisonpräparate oder Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva).

Auch bei gesunden Menschen können Ödeme auftreten: Bei manchen Frauen lagert sich kurz vor der Monatsblutung Flüssigkeit im Gesicht, in den Händen und Brüsten oder am gesamten Körper in das Gewebe ein. Dieses prämenstruelle Ödem tritt häufig im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms auf. Bei Menschen, die lange Zeit stehen, kann sich nach einiger Zeit Flüssigkeit im Bereich der Schienbeine ansammeln. Diese Ödeme bilden sich nach einer Weile von selbst wieder zurück.


Ursachen & Risikofaktoren von Ödemen


Ödeme können auf verschiedene Weise entstehen:

 

Erhöhter Blutdruck

Steigt der Druck in den kleinen Blutgefäßen, kann Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gepresst werden. Ein zu hoher Druck kann z. B. bei einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auftreten. Der gleiche Mechanismus liegt den Schwangerschaftsödemen oder Ödemen bei einem prämenstruellen Syndrom zugrunde. Bei diesen Ödemen ist der Druck in allen Blutgefäßen erhöht, sie bilden sich also überall am Körper. Typischerweise entstehen die Ödeme zunächst dort, wo die Flüssigkeit der Schwerkraft folgt, also an den Beinen und Füßen.

Im Gegensatz dazu steigt der Blutdruck bei manchen Krankheiten nur in bestimmten Gefäßen. Bei einem Blutgerinnsel in den Venen des Beckens oder der Beine (Thrombose) oder einer Venenschwäche in den Beinen ist der Rückstau nur in den Blutgefäßen des betroffenen Beines, Unterschenkels oder Fußes erhöht. Das Ödem bleibt dann auf das Bein bzw. den Unterschenkel oder Fuß beschränkt.

 

Zu geringe Eiweißkonzentration im Blut

Eiweiße im Blut binden Flüssigkeit. Verantwortlich ist hierfür der so genannte kolloidosmotische Druck. Dieser hängt von der Menge der im Blut vorhandenen großen Moleküle, vor allem der Eiweiße ab. Sind nicht genügend Eiweiße im Blut vorhanden sinkt der kolloidosmotische Druck und die Eiweiße können die Flüssigkeit nicht mehr „binden". Sie wird in das umliegende Gewebe gedrückt und es entsteht ein Ödem.

 

Störungen des Lymphabflusses

Ist der Abfluss der Lymphe gestört, kann ein so genanntes Lymphödem entstehen. Bei der angeborenen Form (primäres Lymphödem) werden die Lymphgefäße während der vorgeburtlichen Entwicklung nicht richtig gebildet, so dass sie die Flüssigkeit nicht aus den Gewebespalten abtransportieren können. Bei sekundären Lymphödemen behindern beispielsweise Tumore, Operationen oder Krankheitserreger den Abfluss der Lymphe.

 

Schäden an den Blutgefäßen

Einige Krankheiten können dazu führen, dass die Wand der Blutgefäße durchlässiger für Wasser wird. Dies kann zum Beispiel bei einer bestimmten Nierenerkrankung, der Glomerulonephritis, bei allergischen Erkrankungen oder bei Entzündungen auftreten. Durch die Schäden in der Wand der Blutgefäße kann der Blutdruck mehr Flüssigkeit in das umliegende Gewebe pressen und so zu einem Ödem führen.


Welche Erkrankungen können zu Ödemen führen?


Verschiedene Erkrankungen können zu Ödemen führen:

 

Ödeme bei einer Schwäche des Herzens (Herzinsuffizienz)

Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann bei vielen Krankheiten auftreten, z. B. nach einem Herzinfarkt , bei einer koronaren Herzkrankheit, bei Herzklappenfehlern, bei Bluthochdruck, bei einer Entzündung des Herzmuskels oder bei Herzrhythmusstörungen.

Bei einer Herzschwäche ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Je nachdem, welche Herzkammer hauptsächlich betroffen ist, unterscheidet man eine Rechtsherzschwäche von einer Linksherzschwäche.

Bei einer Linksherzinsuffizienz pumpt die linke Herzkammer nicht genügend Blut in den Körper. Da mehr Blut aus der Lunge in die Herzkammer nachströmt, als diese weitertransportieren kann, staut sich das Blut in die Lunge zurück. Dadurch steigt der Blutdruck in den Lungengefäßen und Flüssigkeit wird in die Gewebespalten der Lunge gepresst. Bei einer starken Linksherzinsuffizienz kann die Flüssigkeit in die Lungenbläschen und die Luftwege gelangen: Es bildet sich ein Lungenödem. Wird die Flüssigkeit in den Spalt zwischen Rippen- und Lungenfell (Pleuraspalt) gepresst, entstehen so genannte Pleuraergüsse.

Durch die verringerte Pumpleistung ist darüber hinaus nicht genügend Blut in den Blutgefäßen vorhanden. Außerdem werden die Nieren nicht ausreichend durchblutet. Dies führt dazu, dass der Körper weniger Salz und Wasser ausscheidet. Durch das Zurückhalten von Salz und Wasser können wiederum Ödeme entstehen.

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Pumpleistung der rechten Herzkammer verringert. Sie pumpt das Blut nicht rasch genug in die Lunge. Da mehr Blut aus dem Körper nachströmt als die rechte Herzkammer weiter transportieren kann, staut sich das Blut vor dem Herz bis in die Blutkapillaren zurück. Dadurch steigt der Blutdruck in den Blutgefäßen und Flüssigkeit wird in die Gewebespalten abgepresst. Die Ödeme entstehen zunächst an den Körperteilen, wo sich die Flüssigkeit aufgrund ihrer Schwerkraft ansammelt: An den Fußrücken und vor dem Schienbein, bei bettlägerigen Patienten in der Kreuzbeinregion.

Durch den Rückstau des Blutes vor der Leber entsteht eine Stauungsleber. Bei lang dauernder Stauung kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Durch den Blutrückstau vor dem Magen entzündet sich die Magenschleimhaut (Stauungsgastritis). Der Rückstau vor den Nieren kann die Filterfunktion der Nieren schädigen. So können Eiweiße verloren gehen, was die Ödementstehung weiter verstärkt. Wird die Flüssigkeit in die Bauchhöhle gepresst, spricht man von einer Aszites.

 

Ödeme durch Blutgerinnsel oder Venenschwäche

Eine weitere Ursache für Ödeme können Erkrankungen der Venen sein. Wenn z. B. ein Blutgerinnsel (Thrombus) eine Vene im Becken oder in den Beinen verstopft (Thrombose), kann sich das Blut in den Venen im Unterschenkel oder im Fuß zurückstauen. Flüssigkeit kann in das umliegende Gewebe abgepresst werden und ein Ödem verursachen.

Außerdem können defekte Venenklappen verhindern, dass Blut nicht in ausreichender Menge zum Herzen transportiert wird. Aus dem aufgestauten Blut kann Flüssigkeit abgepresst werden und ein Ödem am Bein oder Fuß auslösen. Die Ödeme bilden sich zunächst von selbst wieder zurück. Bei einer chronischen Venenschwäche bleiben die Ödeme ständig vorhanden.

 

Ödeme durch Eiweißmangel

Bei Eiweißmangel im Blut können ebenfalls Ödeme entstehen. Ein Eiweißmangel kann auftreten, wenn der Körper Eiweiß verliert, wenn er selbst nicht genügend Eiweiße bildet oder wenn er nicht genügend Eiweiß aufnimmt.

Eiweiße können bei bestimmten Erkrankungen der Nieren oder des Darms ausgeschieden werden. Sind die Leberzellen durch eine Krankheit zerstört, z. B. bei einer Leberzirrhose, kann der Körper nicht mehr genügend Eiweiße bilden und es können sich Ödeme bilden.

Ein Eiweißmangel kann auch durch chronische Unterernährung ausgelöst werden, so genannte Hunger- oder Eiweißmangelödeme sind dann die Folge. Dies betrifft oft unternährte Kinder in Entwicklungsländern.

 

Ödeme bei Nierenerkrankungen

Erkrankungen der Niere können ebenfalls Ödeme verursachen. Bei einem nephrotischen Syndrom wird die Niere durchlässiger für Eiweiße. Normalerweise werden in der Niere nur wenige Eiweiße mit dem Urin ausgeschieden. Ist die Niere jedoch durchlässiger für Eiweiße, treten diese in den Urin über und werden ausgeschieden. Im Blut sind dann weniger Eiweiße vorhanden, die die Flüssigkeit in den Blutgefäßen binden können. Dadurch wird mehr Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gepresst. Der Körper versucht, den Flüssigkeitsverlust in den Blutgefäßen auszugleichen, indem er mehr Wasser und Salz im Körper zurückhält. Dies verstärkt die Ödementstehung.

Ein nephrotisches Syndrom kann bei verschiedenen Krankheiten auftreten, z. B. bei einer Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) oder bei einer langjährigen Zuckerkrankheit mit Nierenschädigung (diabetische Nephropathie). Auch bei einer langjährigen Nierenschwäche können Ödeme entstehen.

 

Ödeme bei Lebererkrankungen

Ödeme können auch bei einer Leberzirrhose auftreten. Hierbei spielen 2 Mechanismen eine Rolle: Zum einen kann die kranke Leber nicht mehr genügend Eiweiße bilden, die die Flüssigkeit in den Blutgefäßen binden. Zum anderen kann das Blut nicht schnell genug aus der Leber abfließen. Es staut sich daraufhin in der zur Leber führenden Arterie. Der erhöhte Blutdruck presst dann Flüssigkeit in Körpergewebe oder die Bauchhöhle.

 

Ödeme durch Allergien

Allergische Reaktionen, z. B. gegen Wespen, können die Durchlässigkeit von Gefäßwänden erhöhen, so dass Flüssigkeit in das umlegende Gewebe austritt. Zusätzlich gelangen Eiweiße aus dem Blut in das Gewebe. Im Blut fehlen dann die Eiweiße, die normalerweise Flüssigkeit binden.

Ein allergisches Ödem kann auch durch bestimmte Medikamente wie Azetylsalizylsäure, ACE-Hemmer oder Penizillin entstehen.

 

Ödeme in der Schwangerschaft

Ödeme ab der 20. Schwangerschaftswoche können Symptome einer Präeklampsie sein, die zu Bluthochdruck und verstärkter Eiweißausscheidung bei Schwangeren führt.

 

Lymphödeme

Bei Menschen, bei denen die Lymphe in den Lymphgefäßen nicht mehr ungehindert fließen kann, sammelt sich die Lymphe in den betroffenen Körperteilen außerhalb der Lymphgefäße. Lymphödeme treten meistens an Armen oder Beinen auf, aber auch an den Achseln, an Kopf, Hals und Leiste. Je nach Ursache werden 2 unterschiedliche Lymphödem-Typen unterschieden:

Primäre Lymphödeme sind eine angeborene Erkrankung der Lymphgefäße. Sie sind entweder bereits seit der Geburt vorhanden oder entstehen während der ersten 30 Lebensjahre. Primäre Lymphödeme treten bei Menschen auf, die von Geburt an keine oder zu kleine Lymphgefäße oder Lymphknoten besitzen. Außerdem können Bindegewebswucherungen in den Lymphknoten dazu führen, dass die Lymphe nicht ungehindert abfließen kann. Sie treten zuerst an den Armen oder Beinen auf und breiten sich dann zum Rumpf hin aus.

Sekundäre Lymphödeme entstehen durch Parasitenbefall, Infektionen (z. B. Borreliose, Wundrose), Tumore (z. B. bösartiges Lymphödem beim Prostatakrebs) oder nach einer Thrombose. Die weltweit häufigste Ursache ist eine Infektion mit Filarien, die besonders in Südostasien vorkommt. Sie betreffen zunächst den Rumpf und breiten sich dann zu den Extremitäten aus.

Sehr häufig sind Lymphödeme nach einer chirurgischen Entfernung von Lymphknoten, die bei einer Brustkrebsoperation notwendig sein kann.

 

Ödeme durch Medikamente

Viele Medikamente bewirken, dass sich Flüssigkeit außerhalb der Blutgefäße ansammelt. Kalziumantagonisten und Diuretika bewirken, dass der Körper verstärkt das Hormon Aldosteron bildet. Aldosteron führt dazu, dass mehr Wasser und Kochsalz im Körper zurückgehalten werden. Andere Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Glukokortikoide (z. B. Kortison) oder Antidepressiva hemmen die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Niere und können so ebenfalls Ödeme verursachen.


Erste Anzeichen eines Ödems


Kleine Ödeme bemerkt der Betroffene häufig gar nicht, da sie keine Krankheitszeichen oder Beschwerden verursachen. Ein erster Hinweis auf Ödeme im Körper sind weiche, eindrückbare Schwellungen. Menschen, die plötzlich und scheinbar grundlos an Gewicht und Leibesumfang zunehmen, können ebenfalls unter Ödemen leiden.

Bei einer Schwäche der rechten Herzkammer (Rechtsherzinsuffizienz) beginnt die Ödembildung an den Knöcheln und steigt zu den Unterschenkeln auf. Auch bei einer Thrombose im Bein oder Beckenbereich beginnt die Wasseransammlung im Knöchelbereich.

Primäre Lymphödeme entstehen in der Regel an den Armen oder Beinen, von wo sie sich langsam zum Rumpf hin ausbreiten. Ein typisches Merkmal sind verdickte Zehen, die so genannten Kastenzehen. Die Zehen sind dabei so angeschwollen, dass an der 2. Zehe selbst dann keine Hautfalte entsteht, wenn die Zehe abgeknickt wird. Dies nennen Mediziner Stemmer'sches Zeichen. Bei Lymphödemen als Folge von Infektionen oder Tumoren (sekundäre Lymphödeme) sind Kastenzehen im Frühstadium dagegen selten, da sich die Ödeme vom Rumpf weg zu den Extremitäten ausbreiten.

Bei einem Lungenödem aufgrund einer Linksherzschwäche husten die Patienten oft schaumige, blutige Flüssigkeit aus. Patienten mit einem Ödem als Folge einer Nierenerkrankung haben oft verquollene Augen und ein aufgedunsenes Gesicht.


Symptome eines Ödems


Meist handelt es sich bei einem Ödem nicht um ein eigenes Krankheitsbild, sondern um eines von mehreren Symptomen einer mehr oder weniger schweren Grunderkrankung. Ödeme hängen deshalb immer eng mit der auslösenden Erkrankung zusammen.

 

Ödeme durch Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Eine Schwäche der linken Herzkammer (Linksherzinsuffizienz) ist die häufigste Ursache eines Lungenödems. Diese Patienten haben Mühe zu atmen, sie atmen lauter als gewöhnlich und haben einen beschleunigten Puls. Viele Patienten sitzen aufrecht, weil dies das Atmen erleichtert. Die Atemnot tritt anfangs nur bei Belastung auf, bei fortschreitender Krankheit auch im Ruhezustand. Dazu kann ein hartnäckiger trockener Husten mit weißlichem Auswurf auftreten. Ein weiterer Hinweis auf ein Lungenödem ist das Aushusten von schaumiger, hellroter oder blutiger Flüssigkeit.

Patienten mit einem schweren Lungenödem leiden unter schwerster Atemnot. Die Haut ist häufig blass oder bläulich verfärbt. Die ausgehustete Flüssigkeit ist schaumig. Manchmal hört man ein rasselndes Atemgeräusch.

Ödeme an den Füßen oder Beinen können bei einer Schwäche der rechten Herzkammer auftreten. Im Gegensatz zu Ödemen als Folge einer Thrombose oder Venenschwäche, treten sie an beiden Beinen auf. Als erstes schwellen die tief liegende Körperbereiche an, also zunächst die Füße. Hier sieht man die Ödeme im Knöchelbereich oder auf dem Fußrücken, später auch als Schwellung über den Schienbeinen. Bei bettlägerigen Patienten bilden sie sich als erstes in der Region über dem Kreuzbein. Die Ödeme entstehen anfangs nur abends und bilden sich über Nacht zurück, später bleiben sie dauerhaft bestehen. Dringt Flüssigkeit in die Bauchhöhle ein, kann ein kugelig aufgeblähter Bauch die Folge sein (Aszites).

 

Ödeme durch Veneschwäche

Ödeme in Beinen und Füßen können nach einer Thrombose in den Beinvenen oder durch eine Schwäche der Venenklappen entstehen. Das Blut staut sich und wird in das umgebende Gewebe gedrückt. Das Ödem äußert sich als Schwellung am Unterschenkel oder am Fuß. Im Gegensatz zu Ödemen bei Herzschwäche entstehen diese Ödeme nur an dem betroffenen Bein.

 

Ödeme durch Nierenerkrankungen

Ödeme, die in Folge von Nierenerkrankungen entstehen, entwickeln sich zunächst in leicht verschiebbaren Bindegeweben, die dem Ausströmen von Flüssigkeit wenig Widerstand entgegensetzen. Typisch sind Schwellungen im Bereich der Augen und im Gesicht. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich Flüssigkeit in Körperhohlräumen wie der Bauchhöhle (Aszites) oder dem Brustkorb sammeln.

 

Lymphödeme

Durch den Lymphstau können die betroffenen Extremitäten oder Körperteile stark anschwellen. Im Falle eines primären Lymphödems sind an den Beinen vor allem die Knöchel betroffen und im Bereich des Sprunggelenkes bilden sich tiefe Hautfalten (Fußrückenödem). Sekundäre Lymphödeme betreffen dagegen zuerst den Rumpf und breiten sich erst später zu den Extremitäten hin aus.

Lymphödeme verursachen oft ein Spannungsgefühl, Schwere und Schmerzen. Darüber hinaus kann übermäßiges Wachstum von Bindegewebe in den betroffenen Bereichen dazu führen, dass sich die Ödeme verhärten und die Schwellungen nicht mehr zurückgehen.

Bei einem primären Lymphödem des Beines sind die Zehen im Gegensatz zu Ödemen bei einer Venenschwäche oder einer Thrombose mit betroffen. Die Zehen sind quaderförmig angeschwollen („Kastenzehen").

 

 

Ödeme durch Allergien

Als Angio-Ödeme oder Quincke-Ödeme werden Flüssigkeitsansammlungen bezeichnet, die durch Allergien hervorgerufen werden. Die Schwellungen treten vor allem im Gesicht und im Magen-Darm-Trakt auf. Typisch sind geschwollene Augenlider und Lippen. Oft tritt ein Quincke-Ödem in Verbindung mit einer Nesselsucht (Urtikaria) auf.


Untersuchungen & Diagnose


Bei Verdacht auf ein Ödem versucht der Internist, mögliche Ursachen zu erkennen und andere Erkrankungen auszuschließen. Dazu befragt er den Patienten nach Begleiterkrankungen, Infektionen, Operationen und dem Zeitraum, in dem sich das Ödem entwickelt hat. Er untersucht das Ausmaß der Schwellungen, indem er den Umfang der betroffenen Körperteile misst und überprüft, ob die Schwellungen bei Druck nachgeben. Bleibt die „Delle" auch ohne Druck von außen weiter bestehen, deutet dies auf ein Ödem hin. Tiefe Hautfalten und Hautverfärbungen sind ebenfalls wichtige Anzeichen.

Darüber hinaus geben verschiedene Blutwerte dem Internisten wichtige Hinweise auf eventuell vorliegende Begleiterkrankungen. Mit Hilfe von Ultraschall, Röntgen, Computertomografie oder der Elektrokardiografie kann er außerdem zwischen verschiedenen Ödemtypen unterscheiden.

Mit Hilfe der Isotopen-Lymphografie und der Lymphografie mit wasserlöslichen Kontrastmitteln kann der Internist einen gestörten Lymphfluss direkt nachweisen. Dabei spritzt er eine Testsubstanz unter die Haut oder in ein Lymphgefäß. Die Testsubstanz verteilt sich im Lymphsystem und erscheint auf Röntgenbildern dunkel. Um zwischen primären und sekundären Lymphödemen zu unterscheiden, eignen sich dagegen Ultraschall und die Computer- oder Magnetresonanztomografie.


Auswirkungen & Komplikationen


Ödeme können bei Herzschwäche, Nieren- und Lebererkrankungen, Allergien und verschiedenen anderen Erkrankungen auftreten. Alle diese Erkrankungen können selbst diverse Komplikationen haben oder lebensbedrohlich werden.

Patienten mit einem Lungenödem oder Allergie-bedingten Ödemen können daran ersticken, wenn sie nicht schnell behandelt werden. Lymphödeme bilden sich in der Regel nicht von alleine zurück. Ohne Behandlung besteht die Gefahr, dass der Körper Bindegewebe im Bereich des Ödems bildet und es sich dadurch verhärtet. Die Haut und das Gewebe darunter kann sich durch Bakterien entzünden (Wundrose, Erysipel). Ganz selten kann sich im Bereich eines Lymphödems ein bösartiger Tumor bilden (Lymphangiosarkom).


Behandlung eines Ödems


Ödeme können nur dann abheilen, wenn die eigentliche Ursache, nämlich die zu Grunde liegende Erkrankung behandelt wird:

  • Herzschwäche
  • Thrombose
  • Venenschwäche
  • Klappenschwäche der oberflächlichen Venen
  • Nierenschwäche
  • Nephrotisches Syndrom
  • Glomerulonephritis
  • Nesselsucht
  • Präeklampsie

Darüber hinaus behandelt der Internist schwere Ödeme mit einer salzarmen Ernährung in Kombination mit harntreibenden Medikamenten, den so genannten Diuretika. Wichtig ist, dass Wasser- und Mineralstoffhaushalt kontrolliert werden. Der Internist empfiehlt den Patienten oftmals, weniger zu trinken, damit weniger Flüssigkeit in das Körpergewebe gelangt.

 

Lymphödeme

Das vorrangige Ziel der Behandlung eines Lymphödems ist, den Abtransport der Lymphflüssigkeit aus den Lymphgefäßen zu verbessern. Es wird zunächst mit einer so genannten Entstauungstherapie behandelt. Hierzu gehören eine manuelle Lymphdrainage, eine Bewegungstherapie und eine Kompressionstherapie. Zusätzlich sollte die Haut sorgfältig gepflegt werden. Daneben muss natürlich die auslösende Grunderkrankung behandelt werden. Nach der Entstauung verschreibt der Arzt eine Kompressionsbehandlung mit Binden und Strümpfen, damit sich das Ödem nicht erneut bildet.

Bei einer Pilzinfektion oder einer Entzündung der Lymphgefäße verschreibt der Arzt Medikamente gegen Pilze (Antimykotika) oder gegen Bakterien (Antibiotika). Hat die konservative Therapie keinen Erfolg, kann der Chirurg einen neuen Lymph-Abfluss konstruieren oder Lymphgefäße transplantieren.

Übergewicht, Langzeitblutdruckmessung, Akupunktur, Blutentnahmen oder Injektionen in der vom Lymphödem betroffenen Extremität wirken sich negativ auf Lymphödeme aus. Darüber hinaus sollten die Betroffenen keine enge Kleidung tragen und Sonnenbestrahlung, Wärme und Kälte meiden.

Diuretika werden bei Patienten mit Lymphödemen vermieden, denn sie entziehen dem Körper Wasser. Dadurch erhöht sich die Konzentration an Eiweißen im Lymphödem, das ohnehin schon sehr eiweißhaltig ist. Als Ausgleich tritt noch mehr Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Lymphödem.


Prognose & Verlauf


Der Verlauf und die Heilungschancen von Ödemen hängen eng vom Behandlungserfolg der Grunderkrankung ab. Kann diese nicht vollständig geheilt werden, bleibt das Ödem bestehen. Wichtig ist, dass die Patienten ihre Therapie konsequent einhalten und sich regelmäßig von ihrem Internisten untersuchen lassen.

Lymphödeme bleiben meist ein Leben lang bestehen. Lymphdrainagen, Kompressionsstrümpfe und Bandagen können die Beschwerden der Patienten aber erheblich lindern.


Wichtige Adressen


Deutsche Gesellschaft für Lymphologie
Lindenstr. 8
79877 Friedenweiler
Tel. 0 76 51 / 97 16 11
E-Mail: post@dglymph.de
www.dglymph.de

Lymphnetzwerk e. V.
Horst Rothhardt
Usinger Str.42
61231 Bad Nauheim
Tel.: 06032 / 30 65 61
Fax: 06032 / 30 65 84
E-Mail: info@lymphnetzwerk.de
www.lymphnetzwerk.de

Bundesverband Lymphselbsthilfe e.V.
c/o Eva Bimler
Wihelmstr. 12
35392 Giessen
Tel.: 0641 / 971 55 57
Fax: 01212 / 542 67 82 04 
E-Mail: info@Bundesverband-Lymphselbsthilfe.de
www.bundesverband-lymphselbsthilfe.de

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie e.V.
Prof. Dr. med. W. Fassbinder
Med. Klinik III
Klinikum Fulda
Pacelliallee 4
36043 Fulda
Tel.: 0661 / 84 54 51
Fax: 0661 / 84 54 52
E-Mail: info@nephrologie.de
www.nephrologie.de

Deutsche Herzstiftung e.V.
Vogtsstraße 50
60322 Frankfurt
Tel.: 069 / 955 128-0
Fax: 069 / 955 128-313
E-Mail: info@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz
Tel.: 02 61 / 30 92 31
Fax: 02 61 / 30 92 32
E-Mail: info@dgpr.de
www.dgpr.de

Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
Fliethstraße 114
41061 Mönchengladbach
Tel.: 0 21 61 / 81 49 40
Fax: 0 21 61 / 81 49 430
E-Mail: info@daab.de
www.daab.de


Bücher zum Thema


Das Lymphödem
Michael Földi, Ethel Földi, Peter D. Asmussen
Urban & Fischer, 2003
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 3-43745-581-8

Ödeme und Lymphdrainage
Ulrich Herpertz
Schattauer Verlag, 2006
Preis: 69,00 Euro
ISBN: 3-79452-353-9





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