Der Herzinfarkt (Fachbegriff: Myokardinfarkt) ist ein lebensbedrohliches Ereignis, verursacht durch einen plötzlichen vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Schnelles Handeln ist beim akuten Herzinfarkt entscheidend: Denn verschließt eines der 3 großen Herzkranzgefäße (Koronararterien), wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gelingt es nicht, das Gefäß innerhalb weniger Stunden wieder zu eröffnen, stirbt das Muskelgewebe, das von der Blutzufuhr abgeschnitten ist, ab. Das betroffene Gewebe wird als Infarkt bezeichnet. Je größer das verschlossene Gefäß, desto größer auch der Infarkt.
Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist bei akutem Herzinfarkt aufgrund einer möglichen schweren Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) besonders hoch. Auch kann bei einem großen Infarkt die Pumpleistung des Herzens so stark beeinträchtigt sein, dass der Kreislauf mehr oder weniger zusammenbricht; man spricht dann von einem kardiogenen Schockzustand. Daher gilt es, schon bei Verdacht auf einen Herzinfarkt keine Zeit zu verlieren und sofort den Notarzt zu rufen!!
Jährlich erleiden in Deutschland etwa 300.000 Menschen einen Herzinfarkt - fast jeder zweite Betroffene verstirbt, bevor er das Krankenhaus erreicht. Der Herzinfarkt liegt somit hierzulande bei den Todesursachen ganz vorn, wobei die Sterblichkeit bei Frauen höher ist als bei Männern. Frauen sind zwar in jungen und mittleren Lebensjahren durch Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) vor einem Herzinfarkt relativ gut geschützt, doch nach den Wechseljahren steigt die Infarktrate bei ihnen an. Da zudem bei Frauen häufiger uncharakteristische Infarkt-Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten, werden die Beschwerden oft erst spät richtig gedeutet, das Sterberisiko erhöht sich entsprechend.
Viele Infarkte ereignen sich in den Morgenstunden. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass mit Tagesanbruch der Spiegel verschiedener Kreislauf-wirksamer Hormone im Blut ansteigt, wodurch auch Blutdruck und Herzfrequenz höher werden.
Meist geht einem Herzinfarkt eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) voraus. Hierbei sind die Herzkranzgefäße durch fetthaltige, teilweise verkalkte Ablagerungen an den Gefäßwänden, so genannte Plaques, mehr oder weniger verengt.
Diese Koronararteriensklerose entwickelt sich hauptsächlich dadurch, dass verschiedene schädliche Einflüsse (z.B. Bluthochdruck, Rauchen, Zucker, Fette) auf die empfindliche Innenhaut (Endothel) der Gefäße einwirken. Diese Schädigung ermöglicht z.B. dem Blutfett LDL-Cholesterin unter das Endothel in die Gefäßinnenwand einzudringen. Die LDL-Partikel können dort eine Entzündung auslösen. Heilt die Entzündungsreaktion aus, bleiben Bindegewebsnarben und Verkalkungen zurück, die Plaque. Die Gefäßwand wird dicker und beginnt das Gefäß zu verengen. Neue Entzündungsherde in der Plaque können diese an der Gefäßinnenseite aber auch plötzlich einreißen lassen. Augenblicklich decken Blutplättchen diesen Riss ab. Dabei können sie einen so großen Blutpropfen (Gerinnsel oder Thrombus) bilden, so dass das Blutgefäß an dieser Stelle ganz verschlossen wird, es kommt zum akuten Herzinfarkt.
Nicht arteriosklerotisch-bedingte Ursachen für den Verschluss eines Herzkranzgefäßes sind sehr selten und werden deshalb hier nicht berücksichtigt.
Zur Hochrisikogruppe für einen Herzinfarkt gehören vor allem Personen mit besonderer Ausprägung einzelner oben aufgeführter Faktoren oder häufiger noch mit einer Kombination verschiedener Risikofaktoren. Stark gefährdet sind auch Patienten mit bekannter Herzgefäßerkrankung oder Zustand nach Herzinfarkt sowie Patienten mit Arteriosklerose, wie z. B. peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder Arteriosklerose der großen Schlagadern.
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Risikofaktoren können Sie Ihr persönliches 10-Jahres-Risiko für einen Herzinfarkt online berechnen. Dieser Wert gibt die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt innerhalb der nächsten 10 Jahre an. Falls Sie Ihre Blutfettwerte (Cholesterin- und Triglyzerid-Werte), die in diesem Test abgefragt werden, nicht kennen, lassen Sie diese von Ihrem Arzt bestimmen. Liegt Ihr 10-Jahres-Risiko über 20% oder treffen mehrere Risikofaktoren auf Sie zu, sollten Sie sich regelmäßig von einem Facharzt für Innere Medizin (Internist) untersuchen und behandeln lassen.
Ein Herzinfarkt tritt für den Betroffenen meist überraschend auf. Leitsymptom ist der Brustschmerz, der überwiegend hinter dem Brustbein lokalisiert ist. Typisch sind plötzliche, oft in Ruhe auftretende, länger als 15-20 Minuten anhaltende und eventuell auch rasch zunehmende Schmerzen sowie ein Engegefühl und starker Druck im Brustkorb. Die Schmerzen strahlen häufig in die Arme (vermehrt links), in die Schultergegend, in den Unterkiefer oder in den Oberbauch aus. Der Infarktschmerz wird vielfach als unerträglich, vernichtend oder mit dem Gefühl, die Brust werde von einem Schraubstock eingezwängt, beschrieben. Charakteristisch ist auch, dass der Schmerz länger anhält als ein gewöhnlicher Angina-pectoris-Anfall . Die Patienten klagen neben dem ausgeprägten Gefühl der Brustenge, Atemnot, über Todesangst und starke Unruhe. Begleitend treten häufig Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Oft sinkt der Blutdruck, allerdings kann er aufgrund der Stresssituation bzw. der Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin) auch erhöht bzw. normal sein. Je größer der Infarkt ist, umso schwerer sind in der Regel die auftretenden Symptome.
Beschwerdebild nicht immer gleich - Frauen leiden anders
Doch nicht alle Betroffenen haben die Beschwerden in gleicher Form. Bei Frauen können die typischen Warnzeichen z.B. einen anderen Charakter haben. So werden von ihnen oft vorrangig Schmerzen im Oberbauch, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, angegeben. Manche Herzinfarkte verursachen auch keine („stummer Infarkt"), nur geringe oder untypische Symptome und werden erst nachträglich diagnostiziert, meist anlässlich einer EKG-Untersuchung. Diese Patienten sind häufiger zuckerkrank als Patienten mit charakteristischen Symptomen.
Bei dem leisesten Verdacht auf einen Infarkt sollte sofort der Notarzt über den Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer alarmiert werden! Jede Minute zählt! Der Umweg über den Hausarzt kostet wertvolle Zeit. Wichtig ist es, im Telefonat den Verdacht auf Herzinfarkt zu äußern.
Bis zum Eintreffen des Notarztes sollten Hilfeleistende den Betroffenen beruhigen. Damit der Patient besser atmen kann, gilt es den Oberkörper hoch zu lagern und enge Kleidung wie etwa Kragen oder Krawatte zu öffnen. Im Falle eines Kreislauf-Stillstands, also wenn der Patient bewusstlos, keine Atmung zu erkennen bzw. kein Puls tastbar ist, muss sofort mit einer Herzdruckmassage und der Mund-zu-Mund/Nase-Beatmung begonnen werden.
Lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen
Etwa die Hälfte der Patienten mit akutem Herzinfarkt stirbt, bevor sie das Krankenhaus erreicht. Ursache ist in den meisten Fällen eine schwere Herzrhythmusstörung, das so genannte Kammerflimmern. Die extrem erhöhte Herzschlagfrequenz führt zum funktionellen Herzstillstand. Beim Kammerflimmern müssen sofort lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden. Dazu zählen eine unverzügliche Herzdruckmassage und der Einsatz eines Stromstoßgeräts (Defibrillator).
Herzleistungsschwäche
Da in den meisten Infarkt-Fällen die linke Herzkammer, die die wesentliche Pumpleistung erbringen muss, betroffen ist, kann sich noch im akuten Stadium oder aber im weiteren Verlauf eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln. Die schwerste Form des Pumpversagens ist der kardiogene Schock. Führendes Symptom der Herzschwäche ist die Atemnot. Sie kommt dadurch zustande, dass sich Blut von der Infarkt-geschädigten Herzkammer in die Lunge zurück staut und sich hierdurch die Sauerstoffaufnahme verschlechtert.
Weitere Akutkomplikationen
Das absterbende Herzmuskelgewebe im Infarktbereich ist, so lange sich noch kein Narbengewebe ausgebildet hat, gegenüber (Blut-)Druckbelastungen weniger widerstandsfähig als im Normalzustand. So ist ein Einriss (Ruptur) der Herzwand im Infarktbereich eine mögliche Akutkomplikation des Infarktes - mit unmittelbarer Todesfolge.
Eine schwere Störung der Pumpfunktion der linken Herzkammer kann auch eintreten, wenn der muskuläre Halteapparat der linken Herzklappe (Mitralklappe) vom Infarkt betroffen ist (akute Mitralklappeninsuffizienz). Die resultierende Schlussunfähigkeit der Mitralklappe bedeutet so viel Mehrarbeit für die Herzkammer, dass deren Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt.
Gelegentlich bildet sich im Bereich der Infarktnarbe eine bis faustgroße Auswölbung (Aneurysma). Wenn ein solches Aneurysma die Pumpfunktion der Herzkammer zu sehr schwächt, kann herzchirurgisch eine Beseitigung dieses Narbengewebes versucht werden.
Weitere häufige Spätkomplikationen sind vor allem Herzrhythmusstörungen, aber auch wieder auftretende Angina-pectoris-Anfälle. Die Wahrscheinlichkeit einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, ist deutlich erhöht.
Aufgrund der vielfältigen und oft nicht eindeutig zuzuordnenden Beschwerden ist es manchmal schwierig, einen Herzinfarkt sofort zu erkennen. Es können sich andere schwerwiegende Erkrankungen dahinter verstecken, die ähnliche Symptome aufweisen und auch als absolute Notfälle gelten. In der Akutsituation müssen daher verschiedene Differentialdiagnosen berücksichtigt werden. Dazu zählen beispielsweise eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis), ein Einriss der großen Körperschlagader (Aortendissektion), eine Lungenembolie, ein Pneumothorax, eine Lungenentzündung, eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Gallenkolik.
Zur Diagnosefindung werden gewöhnlich folgende Untersuchungen durchgeführt:
Die Elektrokardiografie, d.h. die Messung der Herzstromkurve, ist das wichtigste Untersuchungsverfahren bei einem Infarkt-Verdacht. Die Darstellung der Herzstromkurve, das Elektrokardiogramm (EKG), kann im Falle eines Infarkts über die Lokalisation sowie über den Zeitpunkt des Infarkteintritts gewisse Auskunft geben. Hilfreich für die Diagnosestellung sind alte EKG-Befunde, die der Arzt zum Vergleich heranziehen kann.
Das EKG ist für die Diagnose des akuten Herzinfarkts besonders aussagekräftig, wenn ein so genannter transmuraler Infarkt (Infarkt, der den Herzmuskel von der äußeren bis zur inneren Schicht erfasst) vorliegt. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein bestimmter Abschnitt der EKG-Kurve, die so genannte ST-Strecke, bogenförmig angehoben ist. Dieser Infarkt wird als ST-Hebungsinfarkt bezeichnet. Schwieriger ist die Infarktdiagnose, wenn trotz typischer Infarktschmerzen die ST-Strecke nicht angehoben ist. Bei diesem Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) kann der Arzt nur dann die Diagnose „Herzinfarkt" stellen, wenn spezielle „Herzenzyme" (s. auch Laboruntersuchungen) bei der Blutuntersuchung positiv sind. Die Unterscheidung zwischen beiden Infarkttypen hat besondere Bedeutung für die Wahl der Soforttherapie.
Bestätigt sich der Infarkt-Verdacht ist in der Akutphase eine kontinuierliche EKG-Überwachung am Monitor notwendig, um mögliche Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
Typischerweise wirkt ein Herzinfarkt-Patient blass, ängstlich, klagt über Übelkeit und neigt zu kalten Schweißausbrüchen. Blutdruck und Pulsfrequenz sind erhöht. Kollaps, Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand können bei Betroffenen mit schwer wiegenden Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern auftreten. Bezeichnend für die Diagnose „Herzinfarkt" ist auch, dass die Schmerzen durch Ruhe bzw. das gefäßerweiternde Medikament Nitroglycerin (Spray) nicht oder kaum beeinflussbar sind.
Bei der Untersuchung mit dem Stethoskop („Hörrohr") versucht der Arzt, mögliche Komplikationen zu erkennen:
Im Blut sind bei akutem Herzinfarkt bestimmte Substanzen erhöht. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit und Aussagekraft (Spezifität) für einen Infarkt, ferner hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs von Anstieg, höchstem Wert und Abfall der Konzentration. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des Infarktbeginns und die Größe des Infarktgebietes ziehen.
Spezifische Parameter:
Troponin I und T:
Dieses Enzym steigt bereits 3 Stunden nach Infarktbeginn an und ist der erst mögliche Labornachweis für eine Herzmuskelschädigung. Die Troponin-Bestimmung wird nach 6-12 Stunden wiederholt. Liegt ein Anstieg von Troponin I oder T ohne die typischen EKG-Veränderungen vor, spricht man von einem „Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI)" (s. auch Elektrokardiografie).
Gesamt-CK (Creatinin-Kinase) und CK-MB-Anteil:
Diese Enzyme steigen im Blut bei Schädigungen der Herz- und Skelettmuskulatur an. Die Höhe des CK-Anstieges und die Infarktgröße hängen miteinander zusammen. Beträgt der CK-MB-Anteil zwischen 6 und 20% der Gesamt-CK spricht dies für eine Schädigung des Herzmuskels.
Echokardiografie:
Die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) (Link zu Untersuchungsmethoden) ist ein aussagekräftiges, nicht-invasives und für den Patienten schonendes Verfahren, welches schnell durchführbar ist. Die Echokardiografie liefert vor allem in der Akutphase und in der Folgezeit wichtige Informationen über die Größe und Funktion der vom Infarkt betroffenen Herzkammer sowie über die Herzklappenfunktion.
Koronarangiografie/Katheteruntersuchung:
Dieses invasive Verfahren ist eine äußerst wichtige Methode in der Herzinfarkt-Diagnostik und -Therapie. Dabei wird in der Regel ein großes arterielles Gefäß in der Leistengegend oder Ellenbeuge punktiert und über diesen Zugang ein Katheter in die Herzkranzgefäße geschoben. Über den Katheter wird jodhaltiges Kontrastmittel in die Koronargefäße gespritzt. Dadurch werden die Gefäße, Engstellen und Gefäßverschlüsse auf dem Röntgen-Bildschirm sichtbar gemacht.
Die Koronarangiografie soll so schnell wie möglich, d.h. möglichst innerhalb von 90 Minuten nach Infarkteintritt durchgeführt werden, um durch Wiedereröffnung des verschlossenen Infarktgefäßes Herzmuskelgewebe vor dem Absterben zu retten.
Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT):
Die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Computertomografie (CT) gewinnen zunehmend an Bedeutung als nicht-invasive Methoden zur Darstellung der Herzkranzgefäße und zur Beurteilung der Infarktgröße. Im akuten Infarktstadium hat jedoch die invasive Kathetertechnik wegen der damit verbundenen Therapiemöglichkeit (Ballondilatation) den Vorrang.
Bei der Durchführung der Therapie gilt: Jede Minute zählt - „time is muscle"! Je schneller sie eingeleitet wird, desto mehr Herzmuskelgewebe kann vor dem Untergang gerettet werden, weniger Komplikationen treten auf und die Gefahr einer chronischen Herzschwäche wird vermindert. Die Prognose hängt daher entscheidend davon ab, wie schnell der Notarzt eintrifft und wie weit der Patient von einem Krankenhaus entfernt ist. Auf dem Land sind die Anfahrtswege beispielsweise oft lang, hier ist manchmal der Transport mit einem Hubschrauber notwendig.
Ist der Notarzt eingetroffen, werden vor Ort folgende Erstmaßnahmen eingeleitet:
Gabe von Medikamenten (abhängig von der Standardmedikation des Patienten):
Die weitere Therapie hängt von der Ausstattung des angesteuerten Krankenhauses ab und sollte innerhalb der ersten 90 Minuten nach Schmerzbeginn erfolgen, um eine Infarktausdehnung zu verhindern. Ziel ist es, eine Wiedereröffnung (Reperfusion) des verschlossenen Gefäßes zu erreichen.
Ist eine kardiologische Abteilung mit einem Herzkatheterlabor vorhanden, wird daher in der Regel umgehend eine Koronarangiografie mit Ballondilatation/PTCA und Stentimplantation eingeleitet. D.h. nach der Aufdehnung der Herzkranzgefäße (=Ballondilatation/PTCA) wird eine Gefäßstütze aus Edelstahl (=Stent) an der Engstelle platziert, um einen erneuten Verschluss zu verhindern. Die innerhalb von 60-90 Minuten nach Schmerzbeginn durchgeführte Ballondilatation/PTCA gilt bei akutem Herzinfarkt als Therapie der ersten Wahl.
Wird der Patient in ein Krankenhaus ohne diese Ausstattung gebracht, sollte er in der Regel innerhalb der ersten 3 Stunden in ein kardiologisches Zentrum verlegt werden. Ist dies nicht möglich, ist innerhalb der ersten 3 Stunden die Therapie der Wahl die konservative (Thrombo)Lyse. Dabei wird versucht, mit intravenös verabreichten Medikamenten (Fibrino- bzw. Thrombolytika) das Blutgerinnsel aufzulösen, so dass die Durchblutung des Gefäßes wieder funktioniert. Gelingt dies nicht, kann immer noch eine Ballondilatation/PTCA innerhalb der ersten 12 Stunden erfolgen.
Bei Patienten mit so genannten Nicht-ST-Hebungsinfarkten (NSTEMI) - sichtbar im EKG - ist ein Nutzen der unverzüglichen Reperfusionstherapie (Ballondilatation/PTCA) nicht belegt, eine Lyse-Therapie darf nicht erfolgen. Es ist daher unmittelbar nach Diagnosestellung eine antithrombotische Therapie mit Azetylsalizylsäure und Clopidogrel sowie Heparin einzuleiten. Eine Herzkatheteruntersuchung sollte laut der Leitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften innerhalb von 48 Stunden erfolgen.
Nach erfolgreicher Akuttherapie wird der Patient je nach Kreislaufstabilität noch mindestens für 2-3 Tage auf der Intensivstation überwacht. Die Überwachung beinhaltet ein kontinuierliches Monitoring von EKG und Blutdruck. Die medikamentöse Weiterbehandlung besteht gewöhnlich in: Azetylsalizylsäure (ASS), nach Stent in Kombination mit Clopidogrel, ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten, Betablocker und Cholesterinsenker (Statine). Weiter erhält der Patient leichte Kost und wird unter krankengymnastischer Anleitung allmählich mobilisiert.
Bei unkompliziertem Verlauf beträgt der Krankenhausaufenthalt zwischen 7 und 14 Tagen. Danach wird eine Anschlussheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik oder einem ambulanten Therapiezentrum durchgeführt. Dort stehen Bewegungstherapie, Gesundheitserziehung und psychische Stabilisierung auf dem Programm. Weiter empfiehlt sich die Teilnahme an ambulanten Herzgruppen, um die Wiedereingliederung ins Alltags- und Berufsleben zu erleichtern.
Alle Infarkt-Patienten sollten, wenn keine Kontraindikationen vorliegen, d.h. nichts gegen die Einnahme spricht, dauerhaft folgende Medikamente nehmen:
Diese Präparate verbessern die Prognose und reduzieren die Gefahr eines erneuten Infarktes. In jedem Fall sollten Patienten nach einem überstandenen Herzinfarkt sich regelmäßig von ihrem Internisten bzw. Kardiologen durchchecken lassen.
Für den weiteren Verlauf und die Prognose sind die ersten 2 Stunden nach Eintritt eines Herzinfarktes entscheidend. Neben der Infarktgröße beeinflusst die in dieser Zeit eingeleitete Therapie zur Wiedereröffnung des betroffenen Herzkranzgefäßes das Ergebnis erheblich. Das Überleben des akuten Herzinfarkts hängt im Akutstadium im Wesentlichen von zwei schweren Komplikationen ab:
Für die Langzeitprognose nach akutem Herzinfarkt sind u.a. entscheidend:
Nach der Krankenhausentlassung versterben innerhalb der folgenden 2 Jahre weitere 5-10% am plötzlichen Herztod. Eine wichtige Rolle spielt dabei allerdings auch das Alter des Patienten. Bei den über 75-Jährigen ist die Todesfallrate mehr als 3-mal so hoch.
Der Früherkennung von Hochrisiko-Patienten kommt bei der Herzinfarkt-Prävention eine besondere Bedeutung zu. Gehören Sie zu dieser Gruppe sollten Sie sich regelmäßig von einem Facharzt für Innere Medizin (Internist) bzw. einem Kardiologen untersuchen lassen.
Angehörige von Herz-Patienten oder solchen, die zur Risikogruppe gehören, sollten immer die Nummer der Rettungsleitstelle (112) sowie ein funktionierendes Handy parat haben. Prinzipiell sollten sie auch in der Lage sein, die Basismaßnahmen einer Wiederbelebung (Reanimation) durchzuführen. Dazu gehören die Feststellung eines Herz-Kreislauf-Stillstandes sowie Mund-zu-Mund(Nasen)-Beatmung und Herzdruckmassage. Kurse dazu werden von verschiedenen Ambulanzdiensten (z.B. Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser) angeboten oder auch von Krankenhäusern durchgeführt.
Zudem ist es sehr sinnvoll, den Betroffenen bei der Änderung des Lebenswandels (gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion, aktives Leben, Sport etc.) zu unterstützen und durch Mitmachen zu motivieren.
Bundesverband Niedergelassener Kardiologen
Widenmayerstr. 29
80538 München
Telefon: 089 / 21 09 69-37
Fax: 089 / 21 09 69 99
www.bnk.de
Deutsche Herzstiftung e.V.
Vogtsstraße 50
60322 Frankfurt
Tel.: 069 / 955 128-0
Fax: 069 / 955 128-313
E-Mail: info@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de
Deutsche Liga zur Bekämpfung von Herzrhythmusstörungen e.V.
Goethestraße 4
53757 St. Augustin
Tel.: 02241 / 210 15
Fax: 02241 / 297 86
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz
Tel.: 0261 / 30 92 31
Fax: 0261 / 30 92 32
www.dgpr.de
Deutsche Hochdruckliga e.V.
www.hochdruckliga.de
Gut zusammengefasste Informationen rund um das Thema Cholesterin:
http://www.cholesterinspiegel.de
Ärztlicher Ratgeber: Bluthochdruck
Wolfram Delius
Wort & Bild Verlag, 2006
Preis: 17,80 Euro (nur in Apotheken erhältlich)
Ärztlicher Ratgeber: Herzrhythmusstörungen
Matthias Manz
Wort & Bild Verlag, 2004
Preis: 17,80 Euro (nur in Apotheken erhältlich)
Ratgeber Herzinfarkt
Peter Mathes
Steinkopff-Verlag, 2006
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 3-79851-569-7
Herzfit mit Nordic Walking
Mathias R. Schmidt, Andreas Hölscher
Gräfe und Unzer Verlag, 2006
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-77427-206-9
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