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Schilddrüsenüberfunktion



Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?


Bei einer Schilddrüsenüberfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone gebildetDie Schilddrüse beeinflusst zusammen mit anderen Hormondrüsen einen Großteil der lebenswichtigen Stoffwechselprozesse im menschlichen Körper. In ihr werden die Hormone Tetrajodthyronin (Thyroxin), kurz T4 genannt, und Trijodthyronin, kurz T3, gebildet und in den Blutkreislauf abgegeben.

Nach der Kropfbildung (Struma) ist die Überfunktion, auch Hyperthyreose genannt, die zweithäufigste Erkrankung der Schilddrüse. Sie tritt überwiegend bei Frauen auf (Frauen : Männer = 5 :1) und älteren Menschen auf. Bei einer Überfunktion werden die Hormone T4 und T3 über das erforderliche Maß hinaus gebildet und ausgeschüttet. Dadurch wird eine krankhafte Steigerung der Stoffwechselprozesse im ganzen Körper in Gang gesetzt. Eine Überfunktion kann sich in verschiedenen Erscheinungsbildern äußern. Die beiden häufigsten sind die immunbedingte Schilddrüsenüberfunktion (Immunhyperthyreose), hier vor allem Morbus Basedow, sowie die so genannte Autonomie.

Immunsystem ist häufig Auslöser

Die Immunhyperthyreose macht etwa 40% aller Schilddrüsenüberfunktionen aus. Frauen erkranken 5-mal häufiger als Männer, der Erkrankungshöhepunkt liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Sie wird durch eine Fehlsteuerung der körpereigenen Abwehrstoffe hervorgerufen. Von einer Autonomie sind meist Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Sie macht bei älteren Menschen etwa 70-80% aller Überfunktionen aus. Diese Krankheit entsteht durch autonome („unabhängige") Zellen, die nicht mehr auf die entsprechenden Steuerungsmechanismen reagieren und dadurch verstärkt Hormone ausschütten.

Vielfältige allgemeine Krankheitszeichen kennzeichnen eine Schilddrüsenüberfunktion. Die Patientinnen klagen häufig über Gewichtsverlust trotz verstärktem Hungergefühl, Durchfall, Nervosität, Haarausfall, Schweißausbrüche, Herzklopfen und Wärmeempfindlichkeit.

Als Untersuchungsmethoden stehen labormedizinische Untersuchungen, Radio-Jod-Tests, die Szintigrafie und die Sonografie zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Medikamenten, die die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen. In schweren Fällen wird mittels Operation oder Radio-Jod-Therapie das Schilddrüsengewebe reduziert oder vollständig entfernt.


Ursachen & Risikofaktoren


Bei einer Schilddruesenüberfunktion werden zu viel Hormone T3 und T4 gebildetDie Überfunktion der Schilddrüse hat verschiedene Erscheinungsbilder, die unterschiedliche Ursache haben können. Die Funktionen der Schilddrüse werden vorrangig durch das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) der Hirnanhangdrüse gesteuert. Ist diese durch eine Erkrankung geschädigt, kann TSH unter Umständen die Schilddrüse nicht mehr richtig beeinflussen. Man vermutet, dass Jod-Mangel diesen Prozess ungünstig beeinflusst.


Immunbedingte Überfunktion

Typische Ausprägung ist der Morbus Basedow, die Basedow-Krankheit, die meist mit einem Hervorquellen der Augäpfel einhergeht. Als begünstigende Faktoren für einen Ausbruch der Krankheit werden erbliche Anlagen, psychische Belastung und Rauchen angenommen.

Immunbedingte Schilddrüsenüberfunktionen entstehen durch körpereigene Abwehrstoffe (z. B. Antikörper), die normalerweise schützend vor Ansteckung mit Krankheitserregern wirken. In diesem Fall richten die Antikörper ihre Wirkung allerdings gegen körpereigene Stoffe und werden daher auch Autoantikörper genannt. Die Autoantikörper regen die Schilddrüsenzellen an, vermehrt Hormone zu bilden. Da die Schilddrüsenhormone wiederum auf das Steuerhormon TSH hemmend wirken, kann eine immunbedingte Schilddrüsenüberfunktion anhand niedriger TSH-Werte im Blut erkannt werden. Der Grund für die Eigenzerstörung des Immunsystems durch Autoantikörper ist leider noch nicht befriedigend geklärt.

 

Störungen der Schilddrüsenregulation

Auch eine Autonomie der Schilddrüse kann zu einer Überfunktion führen. Bei einer Autonomie sind mehrere, abgrenzbare Regionen oder die gesamte Schilddrüse gegenüber TSH völlig oder teilweise unempfindlich geworden. Sie produzieren dann unabhängig vom tatsächlichen Bedarf Hormone. TSH kann in diesem Fall die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone nicht mehr kontrollieren. Auch hierfür sind die Gründe noch ungeklärt.

Außerdem kann auch eine gutartige knotige Geschwulst (Adenom) im Drüsengewebe Verursacher sein. Die Geschwulst speichert zu viel Jod und schüttet folglich überschüssige Hormone aus. Gleiches gilt schließlich auch für bösartige Geschwülste (Tumoren).

 

Weitere Ursachen

Hat ein Patient eine Veranlagung für eine Autonomie und nimmt über einen zu langen Zeitraum oder in zu großen Mengen Jod zu sich, kann eine jodinduzierte Überfunktion entstehen. Das ist bei circa 15% aller Schilddrüsenüberfunktionen der Fall. Dies geschieht meist nicht über die Nahrung, sondern über jodhaltige Arzneien oder Nahrungsmitteln (z. B. Meeresalgen), die der Kropfvorbeugung dienen sollen. Aber auch Desinfektionsmittel, Medikamente für die Atemwege oder jodhaltige Röntgenkontrastmittel können Jod enthalten und damit Auslöser sein.

Abschließend ist auch eine zu hoch dosierte Therapie mit Schilddrüsenhormonen aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion als Verursacher einer Überfunktion nicht selten.


Anzeichen & Symptome


Die von den Schilddrüsenhormonen beeinflussten Organe und Funktionen arbeiten bei einer Schilddrüsenüberfunktion auf Hochtouren. Trotzdem ist eine Erkennung der Krankheit schwierig, da die Beschwerden meist unspezifisch sind und nicht immer zusammen auftreten. Fast alle Anzeichen sind auf den erhöhten Stoffwechsel und das enge Zusammenspiel der Hormone mit dem vegetativen Nervensystem zurückzuführen. Bei älteren Menschen fehlen sie jedoch oft vollständig.

Da die Symptome häufig denen bei seelisch-nervösen Erkrankungen ähneln, erhalten die Patientinnen nicht selten zunächst einmal Psychopharmaka verschrieben.


Symptome in jüngeren Jahren

Als Leitsymptome gelten bei Erwachsenen in jüngeren Jahren folgende Beschwerden:

  • Symptome bei einer SchilddruesenüberfunktionPsychische Anzeichen: Nervosität, oft mit nervösem Schwitzen einhergehend, Aggressivität, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen
  • Herz-Kreislauf-Störungen: vorübergehend oder ständig erhöhter Puls, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, beengendes Gefühl in der Herzgegend
  • Erhöhte Körpertemperatur, Überempfindlichkeit gegen Wärme

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer, ebenfalls unspezifischer, Anzeichen:

  • Gewichtsverlust trotz starken Hungergefühls
  • Muskelkrämpfe und Zittern
  • Durchfall
  • Feuchtwarme, samtartige Haut
  • Brüchige Fingernägel und Haare, Haarausfall
  • Knochenveränderungen
  • Zyklusstörungen
  • Funktionsstörungen anderer Drüsen
  • Bei vorliegender Zuckerkrankheit erhöhter Insulinbedarf
  • Erhöhter Grundumsatz der Blutwerte

Das einzige spezifische Anzeichen ist die Vergrößerung der Schilddrüse, die als Kropf (Struma) nicht immer auftritt bzw. nicht nach außen sichtbar werden muss.

 

Symptome bei älteren Patienten

Die Beschwerden ergeben bei älteren Patientinnen ein anderes Bild. Häufig sind sie schwächer ausgeprägt und eher untypisch für eine Überfunktion. Beispielweise können nur eine erhöhte Herzfrequenz oder eine Herzrhythmusstörung auftreten. Auch ein Kropf hinter dem Brustbein ist möglich. 

 

Symptome von Morbus Basedow

Die Basedow-Krankheit ist eine schwere Form der immunbedingten Schilddrüsenüberfunktion. Sie wurde nach dem Merseburger Arzt Karl von Basedow (1799-1854) benannt, der die Krankheit erforscht und in der damaligen Fachliteratur dokumentiert hat.

Struma bei einer Überfunktion der Schilddrüseist durch 3 Leitsymptome gekennzeichnet, die als „Merseburger-Trias" bekannt sind:

  • Diffuse, unterschiedlich ausgeprägte Kropfbildung (Struma) mit gleichmäßiger Vergrößerung des Schilddrüsengewebes
  • Hervortreten der Augäpfel, starrer Blick, bei chronischem Verlauf auch Entzündungen der Augen, bei schweren Fällen Erblindung (endokrine Orbitopathie)
  • Erhöhte Herzfrequenz mit über 100 Schlägen pro Minute

Daneben werden auch die bereits genannten unspezifischen Beschwerden beobachtet. Als Reaktion des Immunsystems kommt es bei der Basedow-Krankheit abschließend zu einem Anstieg der weißen Blutkörperchen.


Auswirkungen & Komplikationen


Da bei einer Schilddrüsenüberfunktion die Hormone zu Giftstoffen für den Körper werden, spricht man bei sehr akuten Erkrankungssituationen auch von einer Thyreotoxikose oder thyreotoxischen Krise. 

Unbehandelt verläuft diese Krise in 3 Stadien mit unterschiedlichen Symptomen:

Mögliche Auswirkungen und Komplikationen bei einer SchilddruesenüberfunktionStadium 1 führt zu hohem Fieber, Herzrasen, Erbrechen und Durchfall, Muskelschwäche, Schweißausbrüchen, Austrocknung des Körpers und Unruhe bis zum Delirium. Stadium 2 geht mit Bewusstseinsstörungen und Benommenheit einher. Im Stadium 3 treten Koma und Kreislaufversagen auf sowie manchmal eine Funktionsschwäche der Nebennieren. Dieses Stadium kann tödlich enden.

Verursacht wird die Krisensituation oft durch eine falsche Therapie, übermäßige Jodzufuhr oder jodhaltige Röntgenkontrastmittel. Ebenso sind eine Infektion, Operation, schlecht eingestellter Diabetes, Schwangerschaft, Wehen und das Absetzen von Schilddrüsenmedikamenten als Auslöser möglich.

Eine nicht behandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen:

  • Funktionsstörungen anderer Drüsen
  • Stoffwechselstörungen mit erhöhtem Energiebedarf. Zuckerkranke beispielsweise benötigen dadurch mehr Insulin
  • Herzschwäche oder Herzmuskelschäden durch die ständige Überforderung des Organs
  • Osteoporose

Schwanger mit Schilddrüsenüberfunktion


Eine optimale Schilddrüsenfunktion ist insbesondere während der ersten Schwangerschaftswochen wichtig für die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft führt häufig zu Früh- oder Totgeburten sowie untergewichtigen Säuglingen. Daher sollten an einer Überfunktion erkrankte Frauen, die eine Schwangerschaft planen, unbedingt zuvor eine erfolgreiche Behandlung absolvieren. Ebenso ist zu beachten, dass die Empfängnisbereitschaft bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingeschränkt ist.

Die Schilddrüse vergrößert sich während einer Schwangerschaft leicht, da an sie während dieser Zeit erhöhte Anforderungen gestellt werden. Eine übermäßige Vergrößerung bedarf allerdings dringend der ärztlichen Abklärung. Auch bei einer gesunden Schilddrüse können die Normwerte ein wenig abweichen.

Der Bedarf an Jod ist erhöht. So sollte jede werdende Mutter circa 200-300 Mikrogramm (=Millionstel Gramm) täglich mit ihrer Nahrung aufnehmen bzw. ergänzend Jodtabletten einnehmen. Diese Empfehlung gilt auch für die Stillzeit.

Zum einen kann eine Basedow-Erkrankung Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion bei einer Schwangeren sein, die sofort behandelt werden muss. Zum anderen kann eine Überfunktion auch durch das Schwangerschaftshormon Choriongonadotropin verursacht werden, da dieses Hormon dem Thyrotropin (TSH) aus der Hypophyse sehr ähnlich ist und daher ebenfalls stimulierend auf die Schilddrüse wirkt. In der Regel verschwindet diese Form der Überfunktion nach der 20. Schwangerschaftswoche wieder von selbst und muss daher meist nicht behandelt werden. Insgesamt erkranken 0,5-2% aller Schwangeren an einer der beiden Ausprägungen.   

Etwa 5-9% aller Frauen erleiden im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes eine Schilddrüsenentzündung, eine so genannte post partum-Thyreoiditis, die vermutlich mit den körperlichen bzw. hormonellen Veränderungen während Schwangerschaft und Stillzeit zusammenhängt. Betroffen sind vor allem Frauen, die bei oder nach früheren Schwangerschaften bereits erkrankt waren oder bei dieser Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsenantikörper aufzeigten. Meist sind nur leichte Symptome einer Über- oder auch Unterfunktion spürbar. Die post partum-Thyreoiditis bildet sich in der Regel ohne Behandlung zurück. In Einzelfällen kann es allerdings zu Morbus Basedow  kommen.

Diagnostik und Therapie sind in jedem Fall auf die Schwangerschaft abzustimmen. Beispielsweise ist die Strahlungsbelastung durch eine Szintigrafie oder radioaktives Jod unbedingt zu vermeiden. Die Behandlung mit niedrig dosierten Medikamenten ist während der Schwangerschaft und Stillzeit dagegen vertretbar.


Untersuchungen & Diagnose


Während früher eine Schilddrüsenerkrankung mittels Messung des Halsumfanges lediglich vermutet werden konnte, stehen heutzutage eine Reihe moderner Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Auswahl und Reihenfolge legt Ihr Internist fest. Den gezielten
Diagnosemethoden gehen eine eingehende Befragung der Patienten zu Vorerkrankungen, Schilddrüsenkrankheiten in der Familie, Beschwerden, Essgewohnheiten, erhöhter Jod-Aufnahme usw. sowie eine körperliche Untersuchung mit Abtasten der Halsregion voraus.

Schilddruesenüberfunktion - Ein Spiegeltest gibt Hinweise auf eine Vergrößerung der SchilddrüseDie etwaige Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), die sich manchmal mit Hilfe eines einfachen Spiegeltests selbst erkennen lässt, liefert erste Hinweise auf eine Schilddrüsenfehlfunktion. Sicher kann sie jedoch nur von einem Internisten ertastet und beurteilt werden. Eine orientierende Einteilung der Vergrößerung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgenommen. Die Einteilung reicht von Grad I = tastbare, nicht sichtbare, Vergrößerung bis Grad III große, gut sichtbare Vergrößerung.

 

Labormedizinische Untersuchungen

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung wird dem Patienten Blut abgenommen und die Hormonwerte in einem Fachlabor ausgewertet. Zur Ermittlung einer Schilddrüsenfehlfunktion stehen verschiedene Tests zur Verfügung:

Der TSH-Test ermittelt die Werte des Hormons Thyreotropin, das im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Ein ungewöhnlich niedriger TSH-Wert ist ein starker Hinweis auf eine Schilddrüsenüberfunktion, allerdings nur, wenn gleichzeitig auch die Hormone T3 und T4 im Blut erhöht sind. Normale TSH-Werte dagegen schließen eine Überfunktion in den meisten Fällen aus. Selbst bei Neugeborenen kann man bereits auf diesem Weg eine angeborene Fehlfunktion der Schilddrüse nachweisen.

Die Testergebnisse können allerdings beispielsweise durch veränderte Transporteiweiße für Hormone im Blut oder durch die Einnahme von Schmerzmitteln mit Acetylsalizylsäure oder Kortikoiden (Kortison) verfälscht werden.

Schließlich kann mit einem T3/T4-Test der Wert der Schilddrüsenhormone, das heißt Produktion und Ausschüttung, direkt bestimmt werden. Auch hier können die Ergebnisse beispielsweise durch die Einnahme der „Pille", bestimmte Beruhigungsmittel oder eine vorliegende Schwangerschaft beeinflusst werden.

Bei Anzeichen für eine Immunhyperthyreose stehen verschiedene Formen der Autoantikörperbestimmung zur Verfügung.

 

Ultraschall (Sonografie)

Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ist strahlenfrei und kann daher beliebig oft bei einem Patienten eingesetzt werden. Ihr Internist führt die Untersuchung am liegenden Patienten durch und tastet dabei die Halsregion mit einem Schallkopf von außen ab. Das auf diese Weise erzeugte Bild zeigt Lage, Form, Struktur und Größe der Schilddrüse. Die Ultraschalluntersuchung erlaubt jedoch keine Rückschlüsse auf die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse.

Bei Verdacht auf Morbus Basedow kommt diese Methode zusätzlich für die Untersuchung der Augenhöhlen zur Anwendung.

 

Radio-Jod-Test

Der Radio-Jod-Test dient der Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. Da die Strahlenbelastung allerdings sehr hoch ist, wird der Test heute normaler Weise nur noch genutzt, um die richtige Strahlendosis vor einer Radio-Jod-Therapie zu ermitteln.

Zu Untersuchungsbeginn verabreicht Ihr Internist radioaktives Jod-131. Dadurch steigt die radioaktive Aktivität in der Schilddrüse zunächst an, sinkt dann aber wieder ab, wenn das radioaktive Jod in die Hormone eingebaut wird und die Schilddrüse verlässt. Nach 48 Stunden wird die radioaktive Aktivität in der Schilddrüse gemessen. Mit dieser Methode wird der Jod-Umsatz in der Schilddrüse angezeigt, aber nicht die Menge der Hormone. Ein schneller Umsatz deutet auf eine Überfunktion, ein langsamer auf eine Unterfunktion hin.

 

Szintigrafie

Die Szintigrafie ist eine bildgebende Methode, mit der der Arzt ebenfalls die Funktionsfähigkeit von Teilen der Schilddrüse untersuchen kann. Allerdings belastet die dabei eingesetzte radioaktive Strahlung den Körper. Da ihre Ergebnisse jedoch sehr aussagekräftig sind, gehört sie zu den Standarduntersuchungen bei vorhandenen Schilddrüsenknoten.

Für die Untersuchung der Schilddrüse wird radioaktives Jod-131, aber auch Jod-123 oder Tc-99m (radioaktives Pertechnetat, ein Salz der Technetiumsäure) gegeben, das sich in dem Organ anreichert, dort aber nicht gespeichert wird. Durch Messung der radioaktiven Aktivität gewinnt der Arzt Bilder, die er mit Hilfe eines Computers auswertet. So sind Lage, Größe, Funktionsfähigkeit der Schilddrüse und eventuell vorhandene Knoten erkennbar.

 

Feinnadelpunktion

Bei dieser Methode wird durch eine dünne Hohlnadel eine winzige Zellprobe aus der Schilddrüse entnommen. Die Nadel wird mit Hilfe von Ultraschall an der gewünschten Stelle positioniert. Mittels Unterdruck kann Ihr Internist einzelne Zellen heraussaugen und zur Untersuchung in ein Speziallabor geben.


Behandlung


Die Auswahl der geeigneten Therapie ist abhängig von der Schwere der Erkrankung, Lebensalter und Allgemeinzustand der Patientin. Die Überfunktion der Schilddrüse ist eine ernste Erkrankung und sollte nur vom Facharzt behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Medikamentöse Behandlung einer SchilddrüsenüberfunktionDie Medikamente zur Behandlung einer Überfunktion der Schilddrüse, so genannte Thyreostatika, entfalten 3 unterschiedliche Wirkmechanismen. Einige hemmen den Einbau von Jod bei der Hormonbildung. Andere reduzieren die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Die letzte Gruppe verringert die Ausschüttung der Hormone in das Blut.

Über die Auswahl der Medikamentengruppe muss der Internist im Einzelfall entscheiden. Alle Medikamente wirken ausschließlich symptomatisch, d.h. die Ursache für die Überfunktion wird damit nicht behoben. Bei etwa 15-20% der Therapien treten als Nebenwirkungen Fieber, Hautrötungen, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Geschmacksverlust auf. In seltenen Fällen können die Medikamente die Leber schädigen oder die Bildung weißer Blutkörperchen beeinflussen.

Jodide hemmen den Jod-Einbau in die Schildrüsenhormone, werden allerdings nur zur Vorbereitung einer Operation oder kombiniert mit Medikamenten der anderen beiden Gruppen gegeben. Bei thyreotoxischen Krisen oder wenn andere Maßnahmen nicht greifen, wird auch heutzutage noch vereinzelt Lithium verabreicht, das allerdings bereits in kleinster Überdosierung zu Vergiftungen führen kann.   

Durch eine Behandlung mit Perchlorat wird die Jod-Speicherfunktion verringert und die Wirkung des TSH aus der Hirnanhangdrüse verringert. Somit reduziert sich die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Die Therapie ist schwierig, da es leicht zu einer Überdosierung kommen kann. Daher wird diese Wirkstoffgruppe in vielen Fällen auch nur in Vorbereitung auf eine Operation gewählt.

Thioharnstoffderivate (Thionamide), wie Carbimazol und Thiamazol, hemmen bestimmte Enzyme, die am Jod-Einbau in die Hormone beteiligt sind. Diese Wirkstoffe werden heute standardmäßig bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt.  

Vor allem bei Morbus Basedow hat sich die ergänzende Gabe von Betablockern bewährt, insbesondere um die Herztätigkeit zu normalisieren und die Dauerüberlastung abzubauen. 

Nach wenigen Wochen kann eine Reduktion der Schilddrüsenhormone nachgewiesen werden, die Beschwerden gehen zurück. Allerdings müssen sich die Patienten auf eine ein bis 2-jährige Behandlungsdauer einstellen. Dies gilt nicht, wenn eine Autonomie Ursache der Erkrankung ist. In diesen Fällen wirken die Medikamente nur bei Dauereinnahme und somit sind eine Radio-Jod-Therapie oder Operation häufig vorzuziehen.

 

Radio-Jod-Therapie

Wenn eine Medikamentengabe nicht erfolgreich war oder eine Autonomie vorliegt, ist eine Radio-Jod-Therapie neben einer Operation die einzig verbleibende Möglichkeit. Die Behandlung erfolgt meist stationär in dafür ausgerüsteten Kliniken. Sie ist mit einer erheblichen Strahlenbelastung für die Patientin verbunden, die aus Strahlenschutzgründen eine Isolierung bis zu einer Woche erforderlich macht. Schwangere und stillende Patientinnen sollten aus diesem Grund eine Radio-Jod-Therapie während und bis 6 Monate nach einer Schwangerschaft unbedingt vermeiden.

Der Arzt spritzt den Betroffenen radioaktives Jod-131 in eine Vene oder verabreicht es als Kapsel. Das Jod reichert sich im Schilddrüsengewebe an und zerstört mit seiner radioaktiven Strahlung das Schilddrüsengewebe. Bei manchen Patientinnen löst dies jedoch eine Unterfunktion der Schilddrüse aus, der durch Einnahme von Schilddrüsenhormonen entgegengewirkt werden muss.

Nach aktuellem Wissenschaftsstand wird davon ausgegangen, dass eine Radio-Jod-Therapie bei sorgfältigem Einsatz die anderen Organe des Körpers nicht schädigt. Es sind bislang keine Zusammenhänge mit Krebserkrankungen bekannt.

 

Operation

Bei schwerem Krankheitsverlauf oder wenn die anderen Therapien nicht ausreichend waren, ist ein operativer Eingriff notwendig. Je nach Krankheitsbild wird dabei die Schilddrüse teilweise oder vollständig entfernt. Bei einer Teilentfernung bleiben Reste des Drüsengewebes sowie die Nebenschilddrüsen erhalten. Operationen an der Schilddrüse werden in Vollnarkose durchgeführt. Meist wird der Schnitt in einer Halsfalte ausgeführt, so dass die Narbe später kaum sichtbar ist.

Vor einer Operation wird die Schilddrüsenfunktion mit Medikamenten normalisiert, um eine thyreotoxische Krise zu verhindern. Reicht das verbleibende Gewebe nicht mehr für eine normale Hormonproduktion aus, kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, die mit Gabe von Hormonen in Tablettenform, meist Levothyroxin, stabilisiert werden muss.


Prognose & Verlauf


Behandlungsfolgen

Operationen an der Schilddrüse rangieren nach den Eingriffen am Blinddarm und dem Leistenbruch auf Platz 3 der häufigsten Operationen. Trotzdem ist wie bei jeder Operation auch der Eingriff an der Schilddrüse mit Risiken verbunden: Die Stimmbandnerven und der Nerv zur Steuerung der Kehlkopfmuskulatur können beeinträchtigt werden. In der Folge kann sich vorübergehend die Stimme verändern. Deshalb überprüft normalerweise ein Hals-Nasen-Ohrenarzt vor und nach der Operation die Stimmbänder.

Wurden bei der Operation die Nebenschilddrüsen verletzt, kann sich das negativ auf den Kalziumstoffwechsel auswirken. Die Betroffenen müssen dann lebenslang Kalziumtabletten und eventuell auch Vitamin D einnehmen. 

Falls nach dem Absetzen der Medikamente erneut zu viele Hormone produziert werden, muss unter Umständen eine lebenslange Therapie durchgeführt werden. Dies ist insbesondere bei älteren Patienten und bei einer durch Autonomie verursachten Überfunktion der Fall.

Auch Radio-Jod-Therapien und Operationen an der Schilddrüse haben häufig eine lebenslange Medikamenteneinnahme von künstlichen Hormonen zur Folge, da die körpereigene Hormonherstellung nach dem Eingriff nicht mehr ausreicht.

Auch wenn eine Therapie erfolgreich war, sind lebenslange regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Schilddrüse und der Blutwerte (TSH, T3 und T4) notwendig. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Sie nach einer immunbedingten Hyperthyreose regelmäßig die Augen untersuchen lassen. Denn in jedem 2. Fall kann 1-2 Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung eine Entzündung der Augenhöhle (endokrine Orbitopathie) auftreten.

 

Prognose

Dank moderner Therapiemöglichkeiten kann man mit einer Schilddrüsenüberfunktion in den meisten Fällen ein normales Leben führen. Im Falle einer thyreotoxische Krise liegt die Sterblichkeit jedoch immer noch bei 20-30%.

Morbus Basedow bildet sich bei etwa der Hälfte aller Patienten sogar von alleine zurück. Allerdings kann diese Erkrankung auch nach einer Therapie wieder auftreten. Eine Operation oder eine Radio-Jod-Therapie sind dann unumgänglich. Häufig tritt Morbus Basedow mit anderen Autoimmunkrankheiten, wie z.B. Gelenkrheumatismus, der Darmkrankheit Morbus Crohn oder Diabetes Typ I auf.


Vorsorge & Schutz


Wie bei sehr vielen Erkrankungen können Sie auch gegen Schilddrüsenfehlfunktionen mit einer ausgewogenen Ernährung einen vorsorgenden Beitrag leisten.

Vor allem sollten Sie auf eine optimale Jod-Zufuhr achten, die bei Erwachsenen bei etwa 180-200 Mikrogramm täglich liegt und 500 Mikrogramm niemals überschreiten sollte. Insbesondere jodiertes Speisesalz und eine Reihe von Seefischen sind hierfür wertvolle Lieferanten.

Eine spezielle vorbeugende Diät gibt es leider nicht. Eine gezielte Prophylaxe bei Patienten mit erhöhtem Risiko kann in Einzelfällen in der vorbeugenden Verabreichung von Perchlorat oder Thiamazol bestehen.


Tipps für Schilddrüsen-Patienten


Auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion spielt die richtige Ernährung eine wichtige Rolle. Patienten sprechen am besten auch den Ernährungsplan mit ihrem Internisten ab.

Mit einer Schilddrüsenüberfunktion sollten Betroffene auch auf Kaffee, Alkohol und Cola verzichten, da diese Getränke den ohnehin schon überaktiven Stoffwechsel weiter ankurbeln. Sie sollten auch den äußerlichen Kontakt mit Jod, wie etwa bei der medizinischen Untersuchung mit Röntgenkontrastmitteln, der Nutzung von Wunddesinfektionsmitteln oder jodhaltigem Heilwasser, vermeiden.

Da eine Schilddrüsenüberfunktion zur Überlastung des Körpers und der Psyche führt, ist Stressabbau und -vermeidung ein wichtiger Faktor im Umgang mit der Erkrankung. Dies gilt in besonderem Maße für Morbus Basedow. In einer Reihe von Fällen hat sich zusätzlich eine nervenärztliche (psychiatrische) Betreuung bewährt.


Wichtige Adressen


Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V.
c/o EndoScience Endokrinologie Service GmbH
Thalkirchner Str. 1
80337 München
Tel.: 089 / 23 23 75 71
Fax: 089 / 23 23 75 79
E-Mail: dge@endokrinologie.net
www.endokrinologie.net

 

Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.
Ev. Waldkrankenhaus
Waldstraße 73
53177 Bonn
Tel.: 0228 / 386 90 60
www.schilddruesenliga.de

 

Forum Schilddrüse e.V.
Rembrandtstr. 13
60596 Frankfurt/Main
Tel.: 069 / 63 80 37 27
Fax: 069 / 60 32 73 66
www.forum-schilddruese.de

 

Die Schmetterlinge e.V.
Schilddrüsenbundesverband
Gemarkenstraße 133
45147 Essen
Tel.: 0201 / 8 71 84 51
www.die-gesunde-schilddruese.de


Bücher zum Thema


Ratgeber Schilddrüse
Gynter Mödder
Springer Verlag, 2003
Preis: 17,95 Euro
ISBN: 3-54043-423-2

Wirksame Hilfe für die Schilddrüse
Peter Pfannenstiel, Lothar-Andreas Hotze
Trias, 2003
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 3-83043-083-3

Der große TRIAS-Ratgeber zur Schilddrüse
Peter Pfannenstiel, Lothar-Andreas Hotze, Werner Schwarz
Trias, 1999
Preis: 22,95 Euro
ISBN: 3-89373-517-8

Leben mit Morbus Basedow
Leveke Brakebusch
Zuckschwerdt, 2005
Preis: 14,90 Euro
ISBN: 3-88603-799-1

Schilddrüse: Das unterschätze Organ
Gabriele von der Weiden
Trias, 2003
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-83043-143-0

Schilddrüse konkret
Rationelle Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenkrankheiten
Alexander Horn, Henning Vosberg, Hermann Wagner
Thieme Verlag, 1999
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 97-83137-400-028



 


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