Diese virale Atemwegserkrankung ist bei Schweinen sehr verbreitet, gewöhnlich sterben aber wenige Tiere daran. In den vergangenen Jahren sind unter anderem die vier Subtypen H1N1, H1N2, H3N2 und H3N1 entdeckt worden. Mit H und N werden die beiden Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt.
Das Schweingrippe-Virus ist in der Regel harmlos, kann sich aber wie jetzt in Mexiko zu einem gefährlichen Erreger wandeln, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Der Subtyp A H1N1 in Mexiko hat bereits Todesfälle verursacht, es kursiert aber - z.B. in den USA - offenbar auch eine harmlosere Form, nach der Infizierte wieder genesen. Wie sich die aktuelle Grippe weltweit entwickelt, wissen die Experten noch nicht. Es wird vermutet, dass die Massentierhaltung zur Entstehung solcher Viren beiträgt.
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Dabei können gelegentlich auch gänzlich neue, gefährliche Typen entstehen. Die Viren entwickeln sich dabei etwa in Vögeln oder Schweinen und springen dann auf den Menschen über. Neuartige Erreger können daher eher in Gegenden entstehen, wo Schweine und Vögel in engem Kontakt miteinander leben. So war es vermutlich bei der Spanischen Grippe 1918 und könnte jetzt auch bei der aktuellen Schweinegrippe der Fall gewesen sein. In anderen Fällen können zwei verschiedene Viren in Menschen oder Schweinen zusammentreffen und sich darin zu einem gefährlichen neuen Erreger entwickeln. Die Viren vom Subtyp A H1N1 wurden erstmalig im Jahr 1930 isoliert.
Der aktuelle Erreger in Mexiko ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neu entstandene Variante des Typs H1N1, der sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann. Der genaue Entstehungsweg dieses Erregers ist noch unbekannt: Aufgrund der genetischen Sequenzen ist anzunehmen, dass er seinen Ursprung im Schwein hatte, da er genetische Merkmale aufweist, die bei Schweineviren auftreten. Wann er das Schwein verlassen und sich an den Menschen angepasst haben könnte, ist aber nicht bekannt. Auch ist diese Form des Erregers, wie sie aktuell vorkommt, bei Schweinen noch nie nachgewiesen worden.
Derselbe Subtyp (H1N1) war auch Auslöser der Spanischen Grippe. Er zog von 1918 bis 1920 um die Welt und kostete mindestens 25 Millionen Menschen das Leben. Manche Experten gehen sogar von rund 50 Millionen Todesopfern aus. Der Erreger war außergewöhnlich aggressiv. Er bedrohte wie im aktuellen Fall vor allem junge, gesunde Menschen zwischen 20 und 40 Jahren und nicht wie Grippeviren anderer Typen hauptsächlich Kleinkinder und ältere Menschen.
1957 folgte die Asiatische und 1968 die Hongkong-Grippe. Benannt sind die Erreger nach der Region, in der sie erstmals isoliert werden. Sie können sich von dort aus über die ganze Welt ausbreiten. Ein letzter Ausbruch der Schweinegrippe unter Menschen trat im Jahr 1976 in New Jersey (USA) auf, wobei vier Soldaten an einer Lungenentzündung erkrankten. Damals gab es einen Todesfall. Die Übertragung erfolgte von Mensch zu Mensch.
Seit sechs Jahre verbreitet die Vogelgrippe mit dem Erreger H5N1 großen Schrecken, besonders in Südostasien. Die WHO registrierte 421 Erkrankte und 257 Todesfälle seit 2003. In diesem Jahr starben bislang (Stand Mai 2009) sieben Menschen daran, und zwar in Vietnam und China. H5N1 grassierte 1997 in Hongkong unter Hühnern.
Deshalb ist es ratsam, größere Menschengruppen zu meiden und sich die Hände regelmäßig und sehr gründlich zu waschen (eine Anleitung der Canadian Lung Association zum gründlichen Händewaschen finden Sie hier: http://www.lung.ca/protect-protegez/germs-microbes_e.php ). Falls es keine Waschmöglichkeit gibt, kann man auch eine alkoholhaltige Desinfektionswaschlösung verwenden, mit der die Hände etwa 25 Sekunden lang benetzt werden sollten.
Insbesondere beim Niesen oder Husten können Erreger auch auf die Hände gelangen und darüber weiterverbreitet werden. Daher wird beim Husten empfohlen, in den Ärmel zu husten. Wer Schleim hustet, sollte ihn in ein Taschentuch ausspucken, dieses entsorgen und seine Hände waschen. Eine Berührung von Nase, Mund oder Augen ist möglichst zu vermeiden, da diese Einfallstore für die Viren darstellen.
In stark betroffenen Regionen wie Mexiko-Stadt ist es ratsam einen Mundschutz zu tragen und anderen Menschen nicht die Hände zu geben. Über Lebensmittel erfolgt offenbar keine Ansteckung. Die US-Gesundheitsbehörde CDC geht davon aus, dass Schweinegrippe- Viren nicht durch Nahrungsmittel übertragen werden und weist darauf hin, dass ein Erhitzen von Schweinefleisch auf 72 Grad Celsius die Viren sicher abtötet.
Ausführliche Informationen zu persönlichen Schutzmaßnahmen bei Virusinfektionen sind in der Broschüre Selbstverteidigung gegen Viren enthalten, die ab Mitte Mai 2009 bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln bestellt werden kann und unter http://www.wir-gegen-viren.de abrufbar ist
Die Krankheitsbeschwerden (Symptome) sind ähnlich denen der saisonalen humanen Influenza-Grippe : Fieber, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit sowie Reizhusten. Einige Menschen, die mit Schweineinfluenza-Viren infiziert waren, berichteten auch über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei der saisonalen Influenza können Infizierte auch schon etwa einen Tag vor Auftreten der ersten Krankheitsbeschwerden infektiös sein. Für Influenza A gibt es einen Schnelltest, für den Schweinegrippe-Virus aber noch nicht bzw. keinen, der zuverlässig wäre (siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,641046,00.html ). Wer nachweislich eine Influenza hat, wird vom Arzt Grippemedikamente verschrieben bekommen.
In der Zeit vor einem Ausbruch bei Menschen - der so genannten Interpandemischen Periode in den Phasen 1 und 2 - untersuchen Experten zum Beispiel die Wirksamkeit von Medikamenten und stellen die Kapazitäten für die Impfstoff-Produktion sicher. Außerdem werden Empfehlungen für eine nationale Informationsstrategie ausgearbeitet.
Stufe 3 wird im deutschen Pandemieplan als „Isolierung eines neuen Influenzasubtyps bei einem Menschen" beschrieben. Sie ist vor allem durch verstärkten Informationsaustausch nationaler und internationaler Stellen gekennzeichnet. Erst in Phase 4 - „Stark lokalisierte Infektionen bei wenigen Menschen" - werden Krisenstäbe im Bundesgesundheits- und Innenministerium einberufen. In der „Pandemischen Warnperiode" der Phase 5, wenn „Lokalisierte Mensch-zu-Mensch-Übertragung" festgestellt ist, kann eine Kontrolle des Reiseverkehrs angeordnet werden. In Phase 6, wenn es eine „zunehmende und fortdauernde Übertragung in der Allgemeinbevölkerung" gibt, sollen Impfstoffe und Medikamente verteilt werden.
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