Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit") ist eine chronische Störung des Stoffwechsels, bei der die Blutzuckerkonzentration zeitweise oder ständig erhöht ist. Im Allgemeinen werden unter dem Begriff Diabetes verschiedene Krankheitsformen zusammengefasst. Am weitesten verbreitet sind Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes (Diabetes mellitus II, Diabetes-Typ-II, Altersdiabetes).
Typ-2-Diabetes wurde früher auch als Alterdiabetes bezeichnet, weil er meist bei älteren Menschen auftrat. Heute sind aber zunehmend Jüngere, zum Teil sogar Kinder und Jugendliche von einem Diabetes mellitus betroffen. Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. In der Regel entwickelt sich Diabetes langsam. Häufig vergehen bis zur Entdeckung 5-10 Jahre, in denen die Erkrankung bereits erhebliche Schäden angerichtet hat. Ursache der Diabetes-Erkrankung ist in der Regel sowohl eine zu geringe Produktion des Hormons Insulin als auch ein zu geringes Ansprechen der Körperzellen auf Insulin.
Unmittelbare Folge von Diabetes ist ein zu hoher Blutzuckerwert (Hyperglykämie). Ein zu niedriger Zuckerwert (Hypoglykämie) kann dagegen als Folge einer Behandlung mit Medikamenten, die die Insulinausschüttung fördern, auftreten. Außerdem sind die Folgeschäden gefürchtet: So ist Diabetes in Deutschland die häufigste Ursache für Amputationen. Diabetiker erleiden häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle, nicht selten erblinden Patienten. Eine gute Blutzuckereinstellung durch einen Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie oder mit der Zusatzausbildung Diabetologie ist deshalb besonders wichtig.
Durch die ungesunde Lebensweise vieler Menschen nehmen Diabetes-Erkrankungen stark zu. Weltweit sind vermutlich rund 230 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes erkrankt (Stand 2006). Vor 20 Jahren lag die Zahl der Erkrankten noch bei rund 30 Millionen. Jedes Jahr sterben heute weltweit rund 960.000 Menschen an Diabetes selbst und über 3 Millionen Menschen an deren Folgen. Damit stellt Diabetes eine der 5 häufigsten Todesursachen dar.
In Deutschland leiden rund 7 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes, etwa eine weitere Million ist betroffen, ohne es zu wissen. Jedes Jahr kommen rund 300.000 neue Diabetes-Erkrankungen hinzu. Damit nimmt Deutschland Platz 6 auf der Liste der Top Ten der an Typ-2-Diabetes Erkrankten im Alter von 20-79 Jahren ein - hinter Indien, China, USA, Russland und Japan (Stand 2006).
Bei Typ-2-Diabetikern produziert die Bauchspeicheldrüse zu Beginn der Erkrankung meist noch genügend Insulin. Muskel-, Leber- und Fettzellen werden jedoch zunehmend unempfindlich dagegen (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse versucht dies auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert. Deshalb können die Insulinwerte im Blut von Typ-2-Diabetikern durchaus normal oder gar erhöht sein, im Verhältnis zu den Blutzuckerwerten ist trotzdem zu wenig Insulin vorhanden (relativer Insulinmangel). Werden die Körperzellen im Laufe der Zeit immer unempfindlicher kann die Bauchspeicheldrüse dies nicht mehr kompensieren.
Eine Unempfindlichkeit gegenüber Insulin kann sowohl durch vererbbare Faktoren als auch durch Übergewicht, Fettsucht und Bewegungsmangel ausgelöst werden. Da deshalb der Zucker (Glukose) nicht in genügendem Maße von der Blutbahn in die Körperzellen überführt werden kann, steigen die Blutzuckerwerte an. Außerdem bewirkt die Glukose-Unterversorgung der Körperzellen, dass der Körper vermehrt Glukagon bildet. Dieses Hormon erhöht die Blutzuckerwerte zusätzlich.
Besonders kritisch ist eine Insulin-Unempfindlichkeit des Fettgewebes der Bauchhöhle (Bauchfett), denn Fettgewebe ist ein Hormongewebe, dessen Zellen über Signalstoffe, wie z. B. freie Fettsäuren oder Adiponektin, mit der Leber oder der Muskulatur kommunizieren. Verringert eine dicke Fettschicht die Insulinwirkung, wirkt sich das auf Herz, Leber, Muskeln und Arterien aus und begünstigt die Entstehung von Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Gefäßschäden. Dieses Krankheitsbild wird auch als metabolisches Syndrom bezeichnet.
Später, insbesondere mit steigendem Übergewicht, kann sich die Insulin-Bildungsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse erschöpfen. Die Folge kann eine tatsächliche Insulinunterversorgung sein (absoluter Insulinmangel), was der Patient dann durch eine Insulintherapie ausgleichen muss.
Typ-2-Diabetes tritt typischerweise im mittleren Alter auf, kommt aber auch zunehmend in jüngeren Jahren sowie bei Kindern und Jugendlichen vor. Zu den Risikofaktoren, die den Ausbruch eines Typ-2-Diabetes begünstigen, zählen u. a.:
Mittlerweile sind mehrere Erbfaktoren bekannt, die das Risiko erhöhen, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. So erkranken erbgleiche (eineiige) Zwillinge fast immer beide an Typ-2-Diabetes. Bei Töchtern von Müttern mit Typ-2-Diabetes beträgt das Diabetesrisiko 50%, während es sonst im Durchschnitt bei einer angenommenen Lebenserwartung von 80 Jahren bei 30-35% liegt. Bei Kindern, deren Elternteile beide Typ-2-Diabetiker sind, beträgt das Risiko, ebenfalls zu erkranken, bis zu 60%.
Nicht Jeder, der das erbliche Risiko trägt, erkrankt auch an Diabetes. Denn äußere Faktoren, wie Übergewicht, Fettsucht und Bewegungsmangel, spielen eine entscheidende Rolle beim Ausbruch von Typ-2-Diabetes. Mit zunehmendem Körpergewicht steigt das Diabetesrisiko um das 5- bis 10-Fache an. Dabei wirkt sich ein erhöhter Bauchumfang besonders negativ aus, da das Fettgewebe der Bauchhöhle die freien Fettsäuren im Blut besonders stark erhöht.
Auch Medikamente können dazu beitragen, dass Diabetes ausbricht oder ein bestehender Diabetes sich verschlechtert. Folgende Medikamente können den Blutzucker negativ beeinflussen:
Darüber hinaus können auch eine Schwangerschaft (Gestationsdiabetes), Lebererkrankungen, Stressfaktoren (Infektionen, Traumen, Operationen usw.) und andere Hormonstörungen den Ausbruch von Typ-2-Diabetes begünstigen.
Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist langsam. Vom Beginn bis zur Entdeckung der Diabetes können 5-10 Jahre vergehen, denn erhöhte Blutzuckerwerte verursachen häufig lange Zeit keine Beschwerden. Während dieser Zeit können jedoch Blutgefäße und Nervenbahnen bereits geschädigt werden.
Ein hoher Blutzuckerwert begünstigt außerdem Infektionen, beispielsweise an der Haut und den äußeren Geschlechtsorganen, die mit starkem Juckreiz verbunden sein können. Darüber hinaus wird ab einem bestimmten Blutzuckerwert (160-180 mg%) Zucker im Urin ausgeschieden.
Als akute Beschwerden durch erhöhte Blutzuckerkonzentration sind möglich:
Typ-2-Diabetiker haben ein höheres Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken. Sie verläuft bei ihnen meist schneller und schwerwiegender als bei Nichtdiabetikern. Die Schädigung kleiner (diabetische Mikroangiopathie) und großer (diabetische Makroangiopathie) Adern führt im gesamten Organismus zu einer Verschlechterung der Durchblutung.
Davon sind auch die Blutgefäße des Herzens (Herzkranzgefäße) und die großen Schlagadern, wie z.B. die Halsschlagadern, betroffen. Als Folge erleiden Diabetes-Patienten öfter einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Auch eine koronare Herzkrankheit oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit kommt bei ihnen häufiger vor.
Beim diabetischen Fuß können schon kleine Verletzungen oder Druckstellen Infektionen auslösen. Diabetesbedingte Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen sind die Ursache dieser schlechten Wundheilung. Von den Wunden können Infektionen ausgehen, die sich manchmal auch mit Antibiotika nicht eindämmen lassen. Außerdem wird das Gewebe der infizierten Wunden häufig zerstört. Oft bleibt nur noch die Amputation der betroffenen Extremität, um das Leben des Patienten zu retten
Netzhauterkrankungen und andere Augenerkrankungen (z. B. Grüner und Grauer Star) treten bei einem Drittel aller Diabetes-Patienten innerhalb der ersten 15 Jahre der Erkrankung auf. Kleine Aussackungen oder fettartige Ablagerungen an kleinen Blutgefäßen der Netzhaut des Auges (diabetische Retinopathie) verursachen meist wenige Beschwerden. Bildet die Netzhaut jedoch neue Blutgefäße, kann dies bis hin zur Erblindung führen, wenn aus ihnen Blut ins Augeninnere austritt. Ein zu hoher Blutdruck verschlechtert oft den Verlauf der Netzhautschädigung.
Diabetesbedingte Schädigungen der kleinen Blutgefäße können auch zu Nierenschäden führen. Auch hier beschleunigt hoher Blutdruck die Entwicklung der Erkrankung. Ein erstes Zeichen ist die Ausscheidung von Eiweiß im Urin (Mikroalbuminurie). Auch Verengungen der Blutgefäße, die zur Niere führen kommen vor und können zum nierenbedingten Bluthochdruck führen. Mögliche Folgen der diabetischen Nierenschädigung sind Fettstoffwechselstörungen, Ödeme und Blutarmut bis hin zum chronischen Nierenversagen. Auch Harnwegsinfekte kommen bei Diabetes-Patienten häufiger vor. Vor allem Frauen sind hiervon betroffen.
Diabetische Nervenstörungen sind Schäden, die sich meist zuerst an Fuß und Unterschenkel (diabetischer Fuß) als Störung der Empfindungsfähigkeit (Sensibilitätsstörung) zeigt. Sie ist meist mit einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung (Hyperalgesie) verbunden. Bei der so genannten peripheren Neuropathie leiden die Patienten vor allem unter Schmerzen, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche bis hin zur Muskellähmung. Betrifft die Nervenschädigung auch das vegetative Nervensystem (autonome Neuropathie) kann es zu weiteren Symptomen kommen. Dazu gehören:
Die gefährlichste Nebenwirkung einer Diabetestherapie mit Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Gliniden ist eine Unterzuckerung (Hypoglykämie). Bei einer Unterzuckerung fällt der Blutzuckerwert unter 50 mg%, was in schweren Fällen bis zum Koma führen kann. Sie kann z. B. durch
ausgelöst werden.
Anzeichen einer leichten Unterzuckerung sind:
Bei einer schweren Unterzuckerung treten Konzentrations- und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit auf. Auch Schwindel, Krampfanfälle oder aggressives Verhalten können dazu kommen.
Durch die Zufuhr von Glukose über die Nahrung oder als Injektion kann der Blutzuckerspiegel wieder erhöht werden.
Engleisen die Blutzuckerwerte in Folge von relativem oder absolutem Insulinmangel dramatisch, kann der Patient in ein diabetisches Koma fallen. Bei Typ-2-Diabetikern steigt der Blutzucker aufgrund des nur relativen Insulinmangels auf Werte zwischen 600 und 1000 mg%. Es kann durch unzureichende Insulinzufuhr oder erhöhten Insulinbedarf, z. B. bei Infektionen, Operationen) ausgelöst werden. Warnzeichen für ein diabetisches Koma sind:
Das diabetische Koma kann lebensbedrohlich sein, Patienten müssen deshalb so schnell wie möglich auf einer Intensivstation behandelt werden.
Produziert der Körper kein Insulin kann es bei Typ-1-Diabetikern zu einer ähnlichen Komplikation, der so genannten diabetischen Ketoazidose, kommen.
Darüber hinaus überprüft der Arzt, ob der Patient unter Begleit- oder Folgeerkrankungen leidet. Deshalb kontrolliert er den arteriellen Blutdruck und misst die verschiedenen Arten des Cholesterins sowie die Blutfettwerte (Triglyzeride), um Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörung frühzeitig erkennen zu können. Außerdem untersucht er, ob bereits diabetestypische Organschäden an Augen, Niere, Nervensystem oder Blutgefäßen aufgetreten sind.
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Ein Typ-2-Diabetes liegt vor, wenn die Zuckerwerte im venösen Plasma bei einem Patienten mit typischen Krankheitszeichen, wie z. B. gesteigertem Durst oder Gewichtsverlust,
Bei einem Patienten ohne auffällige Diabetessymptome müssen diese Grenzwerte an 2 verschiedenen Tagen überschritten sein oder der orale Glukosetoleranztest muss einen 2-Stunden-Glukosewert von über 200 mg% ergeben. Dieser Test wird meist dann eingesetzt, wenn sich die Blutzuckerwerte im Grenzbereich zwischen Normalwert und einer eindeutigen Erhöhung befinden. Mit seiner Hilfe kann der Internist entscheiden, ob der Patient eine normale oder krankhafte Glukosetoleranz oder bereits Diabetes aufweist.
Der HbA1c-Wert reflektiert die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration innerhalb der letzten 2 Monate. Je mehr Zucker im Blut gelöst ist, desto höher ist auch der Anteil von Hämoglobin A1c. Dieser Anteil wird vom HbA1c-Wert in Prozent angegeben und beträgt bei Gesunden in der Regel unter 6%. Diabetes-Patienten sollten weniger als 6,5% zumindest aber weniger als 7,0% HbA1c aufweisen, ansonsten muss die Therapie gesteigert werden. Allerdings reagiert der HbA1c-Wert nur auf hohe Blutzuckerwerte, so dass frühe Diabetesphasen damit nicht erfasst werden.
Zur Früherkennung dienen häufig einfache Urin-Teststäbchen, die die Patienten selbst anwenden können. Die typische Verfärbung tritt auf, wenn der überschüssige Blutzucker über die Niere in den Urin abgegeben wird. Da Zucker im Urin jedoch erst ab einem Blutzuckerwert von 160-180 mg% nachweisbar ist, können bereits erhebliche Folgeschäden entstanden sein, bis der Diabetes erkannt wird. Im Alter oder bei diabetischer Nierenschädigung steigt diese Schwelle noch weiter an.
Umgekehrt kann der Urin auch Glukose enthalten, obwohl der Blutzuckergehalt normal ist: Ist die Funktion der Niere gestört, kann sie Zucker nicht mehr aus dem Urin zurückgewinnen (renale Glukosurie). Teststäbchen, die den Zuckergehalt im Urin messen, sind deshalb ungeeignet für die Früherkennung von Diabetes.
Bei einer diabetesbedingten Schädigung der Niere verliert die Niere teilweise ihre Filterfunktion. Dadurch können Eiweiße, wie z. B. Albumin, aus dem Blut in den Harn gelangen und dort gemessen werden. Da Albumin auch bei Gesunden im Urin vorkommt, gelten erst Werte über 20 Milligramm pro Liter Urin als Anzeichen für eine diabetische Nierenerkrankung.
Zu Beginn der Therapie steckt der Arzt gemeinsam mit dem Patienten die Therapieziele ab. Der Arzt versucht zuerst, den Patienten zu körperlicher Aktivität und einer Gewichtsabnahme anzuhalten. Die Therapie des Typ-2-Diabetes selbst erfolgt nach einem 2-stufigen Behandlungskonzept. Eine frühe strukturierte Behandlung ist besonders wichtig. So bieten Diabetes-Schwerpunktpraxen Patientenschulungen an, die den Patienten bei der Umstellung seines Lebensstils unterstützen.
Vor allem bei übergewichtigen Patienten steht die Normalisierung des Körpergewichts durch gesunde Ernährung und mehr Bewegung im Vordergrund der Behandlung. Die erhöhten Insulinwerte im Blut und die Insulinresistenz sollen so verringert werden. In vielen Fällen erreicht der Arzt allein dadurch eine Normalisierung des Blutzuckers. Bei schlanken, langjährigen Diabetes-Patienten dagegen versucht er, den Insulinmangel zu behandeln.
Erst wenn der Patient sich nicht zu einer Gewichtsabnahme motivieren lässt oder die Maßnahmen zur Verringerung des Blutzuckerwerts aus anderen Gründen nicht fruchten, beginnt der Arzt eine Behandlung mit Medikamenten.
Ein wichtiges Behandlungsziel ist die Normalisierung des Blutzuckerwerts, denn dieser wirkt sich sowohl auf die Lebensqualität des Diabetikers als auch auf seine Lebenserwartung aus. Ein gut eingestellter Blutzuckerwert hilft, Folgeerkrankungen abzumildern, hinauszuzögern oder gar nicht erst entstehen zu lassen.
Neben der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle durch den behandelnden Arzt spielt die Selbstkontrolle des Blutzuckerwerts eine herausragende Rolle. Patienten steht dafür heute eine Vielzahl kleiner Blutzuckermessgeräte zur Verfügung. Das zur Messung benötigte Blut wird mit Stechhilfen aus der Fingerkuppe entnommen.
Diabetiker ohne Insulinbehandlung sollten den Blutzucker 1-2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten messen. Bei einer Kombinationsbehandlung (Sulfonylharnstoff + Insulin) empfiehlt sich die Blutzuckermessung nüchtern vor dem Frühstück. Diabetiker, die eine intensivierte Insulinbehandlung durchführen, sollten den Blutzucker mindestens 4-mal täglich messen.
Urin-Teststreifen sollten nur in Ausnahmefällen verwendet werden, wenn z. B. als Therapieziel angestrebt wird, kein Zucker im Urin zu haben. Normale Blutzuckerwerte können mit dem Urin-Teststreifen dagegen nicht eingestellt werden, weil die Nachweisgrenze für Zucker im Urin erst bei relativ hohen Blutzuckerwerten (160-180 mg%) liegt.
Zur Überwachung der korrekten Langzeiteinstellung der Blutzuckerwerte werden verschiedene Blutbestandteile untersucht. Hierzu zählt z. B. das gezuckerte (glykosylierte) Hämoglobin A1C (HbA1C).
Voraussetzung dafür, dass diese Werte erreicht werden können, ist ein normales Körpergewicht. Außerdem sollte der Blutdruck zumindest unter 140/85 mmHg liegen. Leidet der Patient zusätzlich noch unter einer Nierenerkrankung, sollte ein Blutdruck von 125/75 erreicht werden.
Außerdem ist eine vielseitige und ausgewogene Ernährung ein wesentlicher Bestandteil einer Diabetesbehandlung. Sie sollte fettarm, kohlenhydrat- und ballaststoffreich und wie folgt zusammengesetzt sein:
50-55% Kohlenhydrate
Lebensmittel, die reich an löslichen Ballaststoffen sind oder niedrige Blutzuckerwirksamkeit haben, sind zu empfehlen. Dazu gehören alle Vollkornprodukte, Kartoffeln, ungeschälter Reis, Müsli und Obst30-35% Fett
15-20% Eiweiß
Ballaststoffe
Zuckerersatzstoffe
Alkohol
1-2 Gläser Wein pro Tag sind vertretbarKochsalz
Außerdem sollten Patienten die Nahrungsmenge an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen: Sie sollten jeweils soviel essen, dass Übergewichtige abnehmen, Normalgewichtige ihr Körpergewicht halten und Untergewichtige zunehmen. Mit Hilfe des Body Mass Index (BMI) können Patienten sicherstellen, dass ihr Gewicht im Normbereich liegt: Empfohlen wird ein BMI von 19-25.
Die Diabetesdiät hängt darüber hinaus von einer eventuell durchgeführten Insulintherapie ab. Bei einer Behandlung mit Normalinsulin nehmen die Patienten 6 Mahlzeiten pro Tag zu sich (3 kleinere Haupt-, 3 Zwischenmahlzeiten). Bei einer Therapie mit Insulinanaloga wird die Nahrungsaufnahme auf 3 Mahlzeiten verteilt. So werden extreme Schwankungen des Blutzuckerprofils vermieden und gleichzeitig das Risiko für eine Unterzuckerung verringert.
Patienten mit einer Insulintherapie müssen ihre Ernährung entsprechend anpassen. So ist bei einer konventionellen Insulintherapie das blutzuckersenkende Wirkprofil starr vorgegeben. Die Nahrungskohlenhydrate sollten deshalb auf 3 kleinere Haupt-, 2-3 Zwischen- und eine Spätmahlzeit verteilt werden. Bei der intensivierten Insulintherapie nehmen die Patienten 3 Hauptmahlzeiten und mehrere Zwischenmahlzeiten zu sich.
Gelingt es nicht, die Blutzuckerwerte durch Abnehmen und körperliche Aktivität zu normalisieren, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Zuckeraufnahme aus dem Darm hemmen oder die Insulinproduktion fördern. Der Arzt wählt das für den Patienten geeignete Medikament aus, legt die Dosierung fest und stimmt die Ernährung darauf ab. Dies ist wichtig, denn als Nebenwirkung kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) auftreten.
Anfänglich werden Medikamente eingesetzt, die eine eventuell vorliegende Überzuckerung (Hyperglykämie) nicht noch verstärken (z. B. Glukosidasehemmer, Biguanide). Da im Verlauf der Erkrankung meist der Insulinmangel zunimmt, kann der Internist die Insulinbildung anregen, z. B. durch Sulfonylharnstoffe oder Glinide. Schreitet die Erkrankung immer weiter fort, kann der zunehmende Insulinmangel durch Spritzen von Insulin ausgeglichen werden.
Zurzeit stehen folgende Substanzgruppen zur Verfügung, die einzeln oder zum Teil auch miteinander oder mit Insulin kombiniert (Kombinationstherapie) angewendet werden:
Biguanide verzögern die Zuckeraufnahme aus dem Darm und vermindern die Zuckerbildung durch die Leber. Des Weiteren senkt Metformin die Blutfette (Triglyzeride) im Blut und unterstützt eine Gewichtsabnahme. Deshalb ist Metformin besonders zur Behandlung von übergewichtigen Patienten mit metabolischem Syndrom geeignet. Es sollte jedoch unter anderem nicht bei Nieren-, Leber- oder Herzschwäche, Asthma oder fiebrigen Erkrankungen eingenommen werden. Eine Unterzuckerung kann Metformin nicht auslösen.
Glitazone erhöhen die Empfindlichkeit der Gewebezellen für Insulin und reduzieren dadurch die Insulinresistenz. Sie wirken sich auch positiv auf den Fettstoffwechsel aus. Sie können auch bei leichter bis mittelschwerer Nierenschwäche eingenommen werden, nicht jedoch bei Herzschwäche.
Sie verlangsamen die Aufnahme von Zucker im Darm. Dadurch steigen die Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten nicht mehr so stark an. Meist werden Alpha-Glukosidasehemmer zu Beginn einer Diabetesbehandlung eingesetzt. Sie können auch mit anderen Medikamenten wie z. B. Sulfonylharnstoff oder mit Insulin kombiniert werden. Alpha-Glukosidasehemmer rufen keine Unterzuckerung (Hypoglykämie) hervor, senken die Blutzucker- und Insulinspiegel nach dem Essen und sind deshalb für Diabetiker mit kurzer Krankheitsdauer geeignet.
Sulfonylharnstoffe regen die Bauchspeicheldrüse zur Bildung von Insulin an. Sie werden vor allem bei normalgewichtigen Typ-2-Diabetikern eingesetzt, meist erst dann, wenn andere Maßnahmen erfolglos waren. Da sie häufig zu einer Gewichtszunahme führen und eine bestehende Insulinresistenz verstärken, sind sie für übergewichtige Patienten weniger geeignet. Sulfonylharnstoffe fördern die Freisetzung von körpereigenem Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Um eine Unterzuckerung zu vermeiden, sollten die Patienten regelmäßig Kohlenhydrate aufnehmen.
Glinide regen die Insulinproduktion nach Mahlzeiten an und werden deshalb vor den Hauptmahlzeiten eingenommen. Sie sollten bei Nieren- und Leberschwäche nicht eingesetzt werden, außerdem können sie eine Unterzuckerung auslösen.
Inkretine sind Darmhormone (z. B. GLP-1 und GIP), die die Bildung von Insulin bei der Nahrungsaufnahme bedarfsabhängig regulieren. Inkretin-Analoga ähneln den natürlichen Inkretinen und imitieren deren Wirkung. Da der Körper von Diabetikern zu wenig Inkretine bildet, können Inkretin-Analoga den Blutzuckeranstieg bei diesen Patienten begrenzen.
Inkretin-Verstärker erhöhen die Konzentration von Inkretinen, indem sie verhindern, dass sie durch das Enzym DPP-4 abgebaut werden.
Führt die Behandlung mit diesen oralen Präparaten nicht zur Normalisierung der Zuckerwerte, kann der Arzt eine Insulintherapie empfehlen.

Eine Insulintherapie ist bei Typ-2-Diabetikern Standardtherapie, wenn ernährungstherapeutische Maßnahmen und blutzuckersenkende Medikamente nicht ausreichend wirken. Sie kann auch vorübergehend bei extremen Blutzuckerwerten, schweren Infektionen oder bei einer Schwangerschaft notwendig sein. Häufig wird sie mit einer Tablettentherapie kombiniert.
Häufigste Nebenwirkung einer Behandlung mit Insulin ist eine Unterzuckerung. Vereinzelt können Insulinödeme auftreten. Insulinallergien oder die Bildung von Antikörpern sind dagegen selten.
Insulin wird üblicherweise in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Die richtige Spritztechnik lernen Patienten im Rahmen einer Diabetesschulung während der anfänglichen Einstellungsphase. Heute stehen verschiedene Injektionshilfen zur Verfügung, die als Pens bezeichnet werden. Sie sehen aus wie ein Füllfederhalter und enthalten den Insulinvorrat in einer Patrone, die ausgewechselt werden kann. Auch die Pen-Nadeln, die mehrfach verwendet werden können, lassen sich auswechseln.
Für die Insulintherapie wird heute fast nur noch Humaninsulin verwendet. In Deutschland sind die Insulinkonzentrationen U40 (40 IE/ml) und U100 (100 IE/ml) erhältlich. Insulin gibt es in verschiedenen Zubereitungsformen mit unterschiedlich langer Wirkungsdauer:
Daneben gibt es außerdem inhalierbare Insuline, die zurzeit jedoch nur in Ausnahmefällen verschrieben werden.
Diabetes-Patienten können ihr Insulin auf der Basis verschiedener Therapieformen einnehmen, die sich in Zeitpunkt, Menge und Insulintyp unterscheiden:
Eine Kombinationstherapie aus Insulin und Metformin oder Sulfonylharnstoffen ist bei vielen Typ-2-Diabetikern wirksam und leicht zu handhaben. Dabei spritzen Patienten Insulin in Form eines Mischinsulins (30% Normal-, 70% Verzögerungsinsulin) oder eines reinen Verzögerungsinsulins meist einmal am Tag. Bei Mischinsulin hat sich eine morgendliche, bei Verzögerungsinsulin eine abendliche Einnahme bewährt.
Kann der Arzt die Blutzuckerwerte mit einer Kombinationstherapie nicht ausreichend senken, kann er auf eine konventionelle Insulintherapie mit 2 Insulingaben täglich zurückgreifen. Vor allem jüngere Patienten können hiervon profitieren. Bei diesem Schema müssen die Essenszeiten an die Insulintherapie angepasst und eingehalten werden. Sie eignet sich daher eher für Patienten mit einem geregelten Tagesablauf.
Bei einer herkömmlichen Therapie spritzt sich der Patient ein Mischinsulin 30 Minuten vor dem Frühstück und 15 Minuten vor dem Abendessen. Mischungen aus schnellwirksamen Insulin-Analoga können dagegen auch direkt zum Essen gespritzt werden. Bei hohen Nüchternblutzuckerwerten können Patienten auch morgendlich ein Mischinsulin und spät abends ein reines Verzögerungsinsulin einsetzen.
Die Nahrungsmenge und die körperliche Aktivität werden auf die Insulininjektionen abgestimmt. Die Patienten sollten die vorgegebenen Zeiten für das Spritzen des Insulins und die Mahlzeiten unbedingt einhalten, um eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu vermeiden.
Reicht die herkömmliche Insulintherapie nicht aus, die Blutwerte eines Typ-2-Diabetikers zu normalisieren, kann der Internist die Insulintherapie intensivieren. Mit diesem Behandlungsschema können Patienten die Einnahmezeit und die Menge an Kohlenhydraten, die sie zu sich nehmen müssen, variieren. Außerdem sollten die Patienten mindestens 4-mal täglich ihre Blutzuckerwerte bestimmen. Sie ist deshalb besonders für jüngere, motivierte Typ-2-Diabetiker geeignet.

Bei der intensivierten Insulintherapie wird der Grundbedarf an Insulindurch Verzögerungs- oder lang wirksame Insuline gedeckt. Vor den Mahlzeiten nimmt der Patient ein schnell wirksames Insulin (Normalinsulin oder Insulin-Analogon), vor dem Schlafengehen ein Verzögerungs- oder lang wirksames Insulin zu sich.
Patienten im diabetischen Koma müssen sofort auf einer Intensivstation behandelt werden. Ersthelfer können lediglich den Notarzt rufen und den Patienten in stabiler Seitenlage lagern.
Bei der Behandlung eines diabetischen Komas ist es wichtig, dass der Blutzuckerwert langsam gesenkt wird, da sonst leicht ein Gehirnödem entstehen kann. Außerdem muss der Arzt dem Körper des Patienten Wasser und Salzlösung (v. a. Kalium) zuführen. Insulin wird bei einem diabetischen Koma in die Vene gespritzt, da es so besser dosiert und die Wirkung exakter gesteuert werden kann. Mit speziellen Medikamenten (Bikarbonaten) kann der Arzt einer Übersäuerung des Bluts entgegenwirken. Nicht zuletzt muss der behandelnde Arzt auch die komaauslösenden Erkrankungen behandeln.
Fällt der Blutzucker unter einen Wert von 50 mg%, spricht der Internist von einer Unterzuckerung. Sie tritt immer dann auf, wenn zuviel Insulin im Blut vorhanden ist (absoluter oder relativer Insulinüberschuss) und die Blutzuckerkonzentration dadurch abfällt. Je niedriger der durchschnittliche Blutzuckerwert eines Diabetes-Patienten ist, desto eher kann eine Unterzuckerung auftreten.
Durch den Abfall der Blutzuckerwerte erhält das Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend Energie. Schädigungen des Nervensystems treten deshalb bereits nach kurzer Zeit auf. Bleibt das Gehirn längere Zeit unterversorgt, sind die Schäden nicht wieder rückgängig zu machen. Schwere Unterzuckerungen führen zu Bewusstseinsstörungen oder -verlust, Koma bis hin zum Tod.
Ist der Patient ansprechbar und zeigt Anzeichen von leichter Unterzuckerung, wie z. B.
muss er sofort Kohlenhydrate zu sich nehmen (2 Broteinheiten Traubenzucker, 8 Stück Würfelzucker oder 250 Milliliter Cola oder Fruchtsaft). Für eine schnelle Wirkung sind 20-25 Gramm Traubenzucker notwendig.
Ist der Patient nicht ansprechbar und treten Zeichen von schwerer Unterzuckerung auf, wie
müssen mindestens 60-100 Milliliter 40%ige Glukose in die Vene gespritzt werden. Wenn das nicht möglich ist, wird 1 Milligramm Glukagon unter die Haut oder die Muskulatur gespritzt und danach sofort Kohlenhydrate verabreicht. Kommt der Patient danach nicht wieder zu Bewusstsein, muss unbedingt ein Notarzt gerufen werden.
Um diabetesbedingte Folgeerkrankungen behandeln zu können, muss der Arzt die Blutzuckerwerte normalisieren und darauf hinwirken, dass der Patient seinen Lebensstil ändert. So kann er erreichen, dass sich das Fortschreiten dieser Begleiterkrankungen verlangsamt oder sie sich sogar bessern.
Darüber hinaus können die Krankheitszeichen der Folgeerkrankungen wie folgt behandelt werden:
Die Folge- und Begleiterkrankungen von Diabetes bestimmen maßgeblich die Schwere der Erkrankung. Werden die Blutwerte frühzeitig durch eine geeignete Behandlung optimal eingestellt, können dadurch die meisten Komplikationen abgemildert oder verhindert werden.
Typ-2-Diabetes ist nicht heilbar. Eine gute Diabetes-Einstellung mithilfe einer entsprechenden Ernährung, Diät, Bewegung und eventuell Medikamenten erhöht jedoch die Lebensqualität und die Lebenserwartung der Patienten beträchtlich. Zu diesem Zweck muss der Arzt Blutzucker- und Blutfettwerte sowie den Blutdruck kontinuierlich überwachen.
Häufig bewirkt bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern schon eine Gewichtsabnahme, dass der Blutzuckerwert sinkt. Da hierbei das Fettgewebe abnimmt, wird der Körper wieder empfindlicher für das körpereigene Insulin. Auch körperliche Bewegung erhöht die Empfindlichkeit des Körpers gegen das Insulin und bewirkt damit eine Senkung des Blutzuckers.
Mit einer Normalisierung des Körpergewichts, geeigneter Diabetiker-Ernährung und mit regelmäßiger körperlicher Bewegung lässt sich Diabetes also zum Stillstand bringen oder zumindest verlangsamen. Dies wirkt sich auch positiv auf die Folgeerkrankungen aus.
Mit einer gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung lässt sich Diabetes am wirkungsvollsten vermeiden. Vor allem wenn Sie erblich vorbelastet, übergewichtig oder inaktiv sind, können Sie den Ausbruch von Typ-2-Diabetes hinauszögern oder sogar verhindern. Sie sollten in diesem Fall ihre Blutzuckerwerte regelmäßig von Ihrem Arzt kontrollieren lassen.
Folgende Maßnahmen haben sich bei Risikopatienten mit erhöhten Blutzuckerwerten bewährt:
Patienten, die diese Vorgaben erreichen, können den Ausbruch von Diabetes fast immer verhindern. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle dieser Maßnahmen durch einen Arzt. Indem er Ihren Blutdruck, Taillenumfang und den Body Mass Index misst, kann er einfach und bequem den Erfolg der Maßnahmen beurteilen.
Für viele Menschen bedeutet dies jedoch eine langfristige Umstellung ihrer Lebensgewohnheiten. Deshalb geben viele Betroffenen nach kurzer Zeit wieder auf, insbesondere dann, wenn sich ihre Erfolgserwartungen nicht innerhalb kurzer Zeit erfüllen oder sie den Sinn der Vorsorgemaßnahmen nicht verstehen.
Auch wenn bei Ihnen Diabetes bereits ausgebrochen ist, können Sie die Begleiterkrankungen mildern oder verhindern, wenn Sie verschiedene Regeln einhalten: Die wichtigste Vorbeugemaßnahme ist die optimale Einstellung des Blutzuckers. Damit lassen sich alle Folgeerkrankungen am sichersten verhindern. Deshalb sollten Sie Ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren und die Diabetestherapie von Ihrem Internisten darauf abstimmen lassen.
Weitere wichtige Vorsorgemaßnahmen gegen Begleiterkrankungen des Typ-2-Diabetes sind:
Sie sollten Ihre Füße täglich auf Blasen, Druckstellen oder Risse hin kontrollieren und Verletzungen unbedingt vermeiden. Bearbeiten Sie deshalb Fußnägel, Schwielen oder Hühneraugen nicht mit scharfen Gegenständen. Auch regelmäßiges Waschen und Pflegen der Füße ist wichtig. Weitere Informationen finden Sie hier.
Alkohol und Zigaretten schädigen Ihre Nerven und sollten deshalb gemieden werden. Kontrollieren Sie sollten Ihre Arme und Beine genau und auf ein pelziges oder kribbelndes Gefühl achten. Auch wenn Ihr Auge Schwierigkeiten mit der Hell-Dunkel-Anpassung hat oder sie wiederholt Blasenentzündungen haben oder Ihnen häufig schwindelig wird, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen.
Ihr Blutdruck sollte nicht höher als 140/85 mmHg liegen. Am besten, Sie lernen, wie Sie selbst Ihren Blutdruck messen können. Lassen sie Ihre Blutfettwerte von Ihrem Arzt regelmäßig kontrollieren: Die Blutfettwerte (Neutralfette) sollten unter 150 Milligramm, das Cholesterin nicht höher als 200 Milligramm pro 100 Milliliter Blut liegen.
Als Typ-2-Diabetiker sollten sie mindestens einmal jährlich zum Augenfacharzt gehen und die Netzhaut des Auges untersuchen lassen. Bei Sehbeschwerden sollten Sie unverzüglich zum Augenarzt gehen.
Da bei Diabetikern schon Jahre vor den ersten schwerwiegenden Nierenschäden der Albumin-Wert leicht erhöht sein kann, sollten Sie regelmäßig die Eiweißwerte im Urin bestimmen lassen.
Ist bei Ihnen eine Nierenschädigung nachgewiesen, nehmen Sie am besten eiweißarme Kost zu sich: 50-60 Gramm Eiweiß pro Tag sollten Sie nicht überschreiten. Auf Fleisch und Milchprodukte müssen Sie nicht ganz verzichten, Sie sollten sie aber nicht regelmäßig essen. Da bei Rauchern Nierenschädigungen doppelt so schnell voranschreiten wie bei Nichtrauchern, Ist es sinnvoll, das Rauchen ganz aufzugeben.
Um Folgeerkrankungen zu lindern oder gar zu vermeiden, ist es wichtig, dass Sie regelmäßig von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Sie sollten dafür einen Vorsorgeplan aufstellen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat dazu eigens den Gesundheitspass Diabetes entwickelt, in den die Behandlungsziele und die der Untersuchungsergebnisse eingetragen werden können.
Folgende Untersuchungen sollten Sie durchführen lassen:
Protokollieren Sie in Ihrem Diabetespass darüber hinaus alle Messwerte des Blutzuckers, die Sie bei Ihrer Selbstkontrolle feststellen.
Notieren Sie in einem Diabetestagebuch auch Ihr Körpergewicht, Ihren Blutdruck, Abweichungen von der Diät und besondere Vorkommnisse in Ihrem Alltag wie Stress, ausgelassene Zwischenmahlzeiten, körperliche Anstrengungen und Sport. Auf diese Weise können Abweichungen des Blutzuckerwerts erklärt werden. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, dies in ähnlichen Situationen bei Ihrer Ernährung oder Medikation zu berücksichtigen und so für einen kontinuierlich gut eingestellten Blutzucker zu sorgen.
Diabetiker können bei gut eingestelltem Blutzucker häufig ein weitgehend normales Leben führen, trotzdem sollten sie im Alltag einige Dinge beachten:
Mit körperlicher Aktivität können Sie Ihre Diabeteserkrankung positiv beeinflussen, da Bewegung den Blutzuckerwert senkt und die Insulinempfindlichkeit des Körpers steigert. Außerdem stabilisiert körperliche Bewegung Ihr Körpergewicht, trainiert das Herz-Kreislauf-System und beugt Durchblutungsstörungen vor.
Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich mindestens 5-mal pro Woche eine halbe Stunde körperlich betätigen. Für Diabetiker besonders geeignete Sportarten sind Ausdauersportarten, die das Herz-Kreislauf-System beanspruchen, z. B. Joggen, Nordic Walking, Spazierengehen, Rad fahren, Wandern, Schwimmen, Skilanglauf. Motorsport, Tauchen, Gleitschirmfliegen oder andere Sportarten, bei denen Sie sich und andere im Falle einer Unterzuckerung gefährden können, sollten Sie dagegen nicht ausüben.
Obwohl Beispiele von Diabetikern, die als Profis Hochleistungssport betreiben, zeigen, dass auch mit Diabetes erfolgreicher Leistungssport möglich ist, sollten sich Diabetiker nicht restlos verausgaben. Eine gute Faustregel ist, einen Pulsschlag von 180 minus das Lebensalter in Jahren nicht zu überschreiten. Dies entspricht in etwa 50% der maximalen Leistungsfähigkeit.
Als Diabetiker sollten jederzeit in der Lage sein, Ihren Blutzucker zu messen und gegebenenfalls zu regulieren. Deshalb sollten Sie beim Sport immer folgende Hilfsmittel mit dabei haben:
Außerdem sollten Sie Ihren Diabetiker-Ausweis mit dabei haben, mit Hinweisen, wie Ihnen im Fall einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) geholfen werden kann. Bevor Sie sich für eine Sportart entscheiden, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Vor allem wenn Sie unter Diabetes-Folgeerkrankungen leiden, ist Sport nicht immer ratsam. Patienten mit Nervenschädigungen, erhöhtem Blutdruck oder Erkrankungen der Herzkranzgefäße sollten sportlich nur eingeschränkt aktiv sein. Bei einer Augenschädigung wird darüber hinaus von Kraftsportarten abgeraten.
Da körperliche Aktivität den Blutzuckerspiegel senkt, ist es wichtig, dass Diabetiker eine Unterzuckerung vermeiden. Sie können dazu die Medikamenten- oder Insulindosis verringern, oder mehr Kohlenhydrate zu sich nehmen. Pro Stunde mittelstarker Aktivität benötigen Sie 1-2 zusätzliche BE in Form von Traubenzucker, Getränken oder Obst. Wenn Sie als Diabetiker Sport treiben möchten, sollten Sie in jedem Fall davor, während und nach dem Sport Ihren Blutzucker messen. Liegt Ihr Wert vor dem Sport unter 100 mg% oder über 300 mg%, sollten Sie auf keinen Fall körperlich aktiv sein.
Dank der heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden mit flexibler Blutzuckereinstellung und -kontrolle können Diabetiker heute bis auf wenige Ausnahmen den Beruf ihrer Wahl ausüben. Diabetiker mit einer Insulin- oder Sulfonylharnstoffbehandlung können in ihrer Berufswahl dagegen eingeschränkt sein, da bei ihnen die Gefahr einer Unterzuckerung besteht. Sie sollten deshalb Tätigkeiten nicht ausüben, bei denen sie sich selbst oder andere im Falle einer plötzlich auftretenden Unterzuckerung gefährden können. Dazu gehören:
· Arbeiten mit Absturzgefahr
· Berufliche Personenbeförderung
· Verantwortliche Überwachungsfunktion
· Berufsmäßiger Waffengebrauch
An diesem Grundsatz orientieren sich auch die Richtlinien für die Einstellung von Diabetikern in den öffentlichen Dienst und in den Betriebsdienst der Deutschen Bahn. So dürfen Unterzucker-gefährdete Diabetiker keine Fahrgäste in Zügen oder öffentlichen Verkehrsmitteln befördern. Diabetiker, deren Stoffwechsel allein durch eine gesunde Ernährung eingestellt werden kann, dürfen grundsätzlich jede Tätigkeiten ausüben, zu der sie auch sonst geeignet wären.
Trotz dieser Tatsache können Diabetiker als Schwerbehinderte eingestuft werden. Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales ordnet Typ-2-Diabetikern unterschiedliche Grade der Behinderung zu, je nachdem mit welcher medikamentösen Therapie zusätzlich zur richtigen Ernährung sich der Blutzucker einstellen lässt:
Diabetiker, die aufgrund eines ärztlichen Gutachtens als zwischen 30 und 50% behindert gelten, können Schwerbehinderten gleichgestellt werden, wenn sie in Folge ihrer Behinderung anders keine Anstellung finden.
Auch im Straßenverkehr bestimmt die Gefahr einer plötzlich auftretenden Unterzuckerung die Zuordnung zu unterschiedlichen Gefahrengruppen. Diabetiker können uneingeschränkt am Straßenverkehr teilnehmen, wenn sie neben ihrer speziellen Diät Biguanide, Alpha-Glukosidashemmer oder Glitazone einnehmen. Auch Führerscheinbewerber müssen bestimmte Auflagen erfüllen. Diabetiker, bei denen die Gefahr einer Unterzuckerung besteht, unterliegen bestimmten Einschränkungen. So dürfen LKW-, Taxi- und Busfahrer nicht Insulin spritzen.
Führerscheinanwerter mit Diabetes müssen ein Zeugnis ihres behandelnden Arztes vorlegen, aus dem die Art des Diabetes, die Qualität der Blutzuckereinstellung, die Häufigkeit der Selbstkontrollen sowie die Gefahr einer Unterzuckerung hervorgeht. Eine nachträgliche Meldepflicht besteht jedoch nicht, wenn die Erkrankung erst nach Erwerb des Führerscheins auftritt.
Diabetiker sollten regelmäßig ihren Allgemeinzustand und vor allem ihr Sehvermögen kontrollieren lassen. Letzteres kann insbesondere durch eine diabetische Netzhauterkrankung beeinträchtigt sein.
Als Diabetiker sollten Sie darüber hinaus folgendes beachten:
Gut eingestellte Diabetiker können auf Reisen gehen, wenn sie darauf achten, dass auch im Urlaub ihr Stoffwechsel nicht entgleist. Da man im Urlaub meist körperlich aktiver ist, müssen mehr Kohlenhydrate eingenommen bzw. weniger Insulin gespritzt werden. Auch können Hitze und Sonnenbäder die Insulinwirkung beschleunigen.
Außerdem sollten Sie nicht vergessen, dass Insulin bei Temperaturen von über 40 °C unwirksam wird. Am besten transportieren Sie Ihr Insulin in heißen Ländern in einer Kühltasche, Thermoskanne oder einem Styroporbehälter. Liegen die Temperaturen unter dieser Marke, können Sie das Insulin durchaus im Auto oder in Ihrem Rucksack transportieren, wenn Sie direkte Hitze- oder Sonneneinstrahlung vermeiden.
Denken Sie auch daran, Ihren Diabetikerausweis auf allen Reisen mitzunehmen.
Die folgende Liste kann Ihnen als Gedächtnisstütze beim Packen helfen:
Deutsche Diabetes-Union e. V.
Geschäftsstelle
Staffelseestr. 6
81477 München
E-Mail: info@diabetes-union.de
www.diabetes-union.de
Nationales Aktionsforum Diabetes mellitus (NAFDM)
www.nafdm.de
Deutscher Diabetiker-Bund e. V.
Bundesgeschäftsstelle
Goethestr. 27
34119 Kassel
Tel.: 0561 / 70 34 77-0
Fax: 0561 / 70 34 77-1
E-Mail: info@diabetikerbund.de
www.diabetikerbund.de/
Deutsches Diabetes-Zentrum
Leibniz-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 33 82-0
Fax: 0211 / 33 69-103
E-Mail: redaktion@diabetes-deutschland.de
http://www.ddz.uni-duesseldorf.de
www.diabetes-deutschland.de
M.O.B.I.L.I.S.-Programm
Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Universitätsklinik
Abt. Rehabilitative u. Präventive Sportmedizin
Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg
Tel.: 0761 / 50 39 1-0
Fax: 0761 / 50 39 1-17
E-Mail: info@mobilis-programm.de
www.mobilis-programm.de
Deutsches Ernährungsberatungs- und Informationsnetz
Institut für Ernährungsinformation
Klinik Hohenfreudenstadt
Tripsenweg 17
72250 Freudenstadt
E-Mail: info@ernaehrung.de
www.ernaehrung.de
Informationen zu den Gefahren des Diabetes in Hinblick auf den Cholesterinspiegel:
http://www.cholesterinspiegel.de/ursachen-fuer-schlechte-cholesterinwerte/
Das große TRIAS-Handbuch für Diabetiker
Eberhard Standl, Hellmut Mehnert
TRIAS, 2005
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 3-83043-239-9
Gut leben mit Diabetes Typ 2
Arthur Teuscher
Trias Verlag, 2006
Preis: 17,95 Euro
ISBN: 3-83043-320-4
Schulungsbuch für Diabetiker
Gerhard-W. Schmeisl
Urban & Fischer bei Elsevier, 2005
Preis: 22,00 Euro
ISBN: 3-43747-271-2
Diabetes im Alter: Informationen für Senioren
Karl-Heinz Nedder
Karl F. Haug Fachbuchverlag, 2002
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-83043-029-9
Diabetes Typ 2: Die leckere Küche für jeden Tag
Doris Lübke, Berend Willms
Trias Verlag, 2006
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 3-83043-231-3
Punkten Sie sich schlank!
Andreas Berg
Gräfe und Unzer Verlag, 2007
Preis: 16,90 Euro
ISBN: 3-83380-418-1
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