Hirnforscher haben herausgefunden, dass Stress das Ergebnis dessen ist, wie wir Anforderungen wahrnehmen. Denn Stress wird individuell sehr unterschiedlich verarbeitet. Was für den einen Stress bedeutet, ist für den anderen Alltags-Routine. Entscheidend ist, wie der Gestresste die Situation selbst bewertet.
Werden Leistungen durch Erfolgserlebnisse und Anerkennung belohnt, kann Stress durchaus positiv wirken. Fachleute sprechen in diesem Fall von Eustress (griechisch: eu = gut). Sind die Anforderungen an den Körper und die Psyche jedoch zu hoch, können sie Aggressionen und Verzweiflung hervorrufen (Dys-Stress).
„Die Umwelt lässt sich nicht verändern, wohl aber das Verhältnis dazu" - ein Satz, den man sich im Bemühen um Stressabbau immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte. Die Verarbeitung von Stress ist jener Parameter, auf den am besten Einfluss zu nehmen ist: Abbau von Stress bedeutet Aufbau persönlicher Fähigkeiten, mit alltäglichen Belastungen effektiver umzugehen. Die zur besseren Bewältigung von Stress erforderlichen Änderungen des Verhaltens sind genau genommen Änderungen der Einstellung: zur Umwelt, zu sich selbst und zu den eigenen Wertvorstellungen. Grundlegende Voraussetzung dazu ist, nach den konkreten Ursachen zu fahnden, die dem persönlichen Stress zugrunde liegen. Nicht umsonst beginnen Programme zum Stressabbau mit der Maßgabe an die Teilnehmer, sich Fragen zu stellen wie beispielsweise: Ziel ist, den eigenen Weg für sich zu finden, wie mit Stresssituationen langfristig besser umzugehen ist. Das beinhaltet, sich Gedanken über eine effektive Zeiteinteilung zu machen und zu überlegen, wo Energieressourcen sinnvoller einzusetzen sind.
Wichtig ist auch, sich über seine übliche Stressreaktion in belastenden Situationen klar zu werden. Ebenso empfiehlt es sich, eine Bestandsaufnahme dahingehend vorzunehmen, was bereits zur Stressbewältigung unternommen wird. Daran können dann weitere Strategien anknüpfen.
Anbei einige Botschaften, die Stresstherapeuten ihren Patienten mit auf den Weg zur besseren Stressbewältigung geben und über die es sich lohnt, nachzudenken:
Die Zufuhr von Streicheleinheiten erhält Gesundheit: Berührungen lösen die Ausschüttung von einer Reihe von Botenstoffen des Nervensystems (Neurotransmittern) und Hormonen aus. Diese Botenstoffe setzen ihrerseits eine Kettenreaktion positiver Effekte auf Körper und Seele in Gang.
Denn die Stoffe, aus denen die Lust ist und die Liebe mitunter zur Sucht werden lassen können, sind wirksame körpereigene Arzneien. So etwa das Hormon Oxytocin, dessen Konzentration bei zärtlichen Berührungen sprunghaft ansteigt. Oxytocin mindert nachhaltig Stress und dessen negative Auswirkungen, reduziert Angst und Anspannung und wirkt beruhigend. Ebenso steigert es die Aktivität des Immunsystems und beschleunigt Heilungsprozesse. Dabei wirkt es auch ganz allgemein im zwischenmenschlichen Bereich. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass neben körperlichen auch verbale Streicheleinheiten helfen, Stress abzubauen.
Ebenso wie es unterschiedliche Bewegungstypen gibt, spricht jeder Mensch auf andere Erholungsstrategien an. Die Möglichkeiten, sich effektiv entspannen zu lernen, sind vielfältig. Sie müssen selbst herausfinden, welche Methode Ihnen am besten hilft. In Frage kommen unter anderem Atemtherapie, Autogenes Training oder auch Muskelentspannungstraining nach Jacobson - um nur die bekanntesten zu nennen. Wer es exotischer mag und vielleicht ohnedies einen Hang zur fernöstlichen Kultur hat, kann auch durch Yoga und Meditation zur Entspannung finden. Die Körperübungen aus dem Hatha-Yoga wie auch das stille Versenken beim Meditieren lassen Körper und Geist leichter zur Ruhe kommen.
Etwa 26.000 Mal am Tag atmen wir unbewusst ein und wieder aus. Eine Bedingung, um sich wirklich tief entspannen zu können, ist langsames und bewusstes Atmen. Die klassische Atemtherapie stammt aus Fernost. Sie schafft eine Verbindung von Atem und Psyche und macht diese bewusst. Wird Atemtherapie von einem Vertragsarzt im Rahmen einer physikalischen Therapie oder Rehabilitation verordnet, übernimmt sogar die Krankenkasse die Kosten.
Genau genommen müsste es Autosuggestion heißen. Denn beim Autogenen Training findet statt, was biologisch prinzipiell nicht möglich ist: Atmung, Herzschlag, Blutdruck und andere Prozesse willentlich zu beeinflussen. All diese Funktionen unterliegen der Kontrolle des vegetativen Nervensystems, das vollkommen autonom arbeitet, sich also nicht reinreden lässt: So können wir beispielsweise nicht bewusst beschließen, dass unser Herz langsamer schlägt. Es sei denn, wir gehen einen Umweg über das Gehirn. Das ist die Besonderheit der Methode, die sich der Psychologe Johannes Heinrich Schultz Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts ausdachte. Ihm wurde bewusst, dass körperliche Vorgänge beeinflusst werden können, indem Nervenimpulse den Spannungszustand der Muskeln verändern. Eine Kaskade von Reaktionen sorgt ausgehend von den grauen Zellen im Gehirn dafür, dass körperliche Funktionen wie Atmung oder Verdauungstätigkeiten entspannter ablaufen - das vegetative Nervensystem wird also gewissermaßen ausgetrickst. Bis das klappt, bedarf es allerdings einiger Übung. Rund 10 Sitzungen zu Anfang und dann 3-mal täglich einige Minuten, so raten Experten, ermöglichen es, dem vegetativen Nervensystem vorübergehend das Kommando abzunehmen. Autogenes Training lernt man am besten unter professioneller Regie in einem Kurs.
Die auch Muskelrelaxation genannte Methode geht auf den amerikanischen Physiologen Edmund Jacobson (1885 - 1976) zurück. Dieser kam bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zum richtigen Schluss, dass sich anhaltender Stress negativ auf unsere Gesundheit auswirkt. Die dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen lässt die Muskeln nach und nach verspannen. Gezieltes Anspannen und abruptes Entspannen bestimmter Muskelgruppen könne daher eine tiefgehende „Relaxation" bewirken, so die Überlegung Jacobsons. Ein einfaches Prinzip, das auch tatsächlich funktioniert: Die kräftige Anspannung führt zur verstärkten Durchblutung des Muskels. In der Entspannungsphase empfindet man das als angenehme Wärme. Sie durchströmt den Körper und bewirkt Entspannung rundum.
Muskelrelaxation gilt heute als wirksame, unterstützende Behandlungsmethode bei zahlreichen Beschwerden. Angstzustände, Nervosität und Schlafstörungen lassen sich nachhaltig verbessern ebenso wie Schmerzkrankheiten. Wer gelernt hat, sich progressiv zu entspannen, ist außerdem für stressige Situationen besser gewappnet.
Die Jacobson-Methode ist schnell und einfach zu erlernen - allerdings am besten unter fachkundiger Anleitung. Kurse werden heute von Bewegungstherapeuten, Psychologen, Ärzten oder Sportlehrern angeboten. Auch viele Kliniken haben Muskelrelaxation bereits für ihre Patienten in den Behandlungskanon aufgenommen. Hat Ihr Arzt eine Zusatzausbildung für die Jacobson-Methode, bezahlt in manchen Fällen sogar die Krankenkasse. Ebenfalls bieten viele Krankenkassen eigene Kurse an oder sie erstatten einen Großteil der Kosten, wenn Sie an einem qualitätsgesicherten Kurs eines anderen Anbieters teilnehmen.
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