Internisten im Netz

Bluthochdruck



Was ist Bluthochdruck?


Bluthochdruck ist weit verbreitetBluthochdruck (Fachbegriff: Hypertonie) ist eine Krankheit des Herz-Kreislauf-Systems. Besonders in den Industrienationen ist ein erhöhter Blutdruck weit verbreitet. Nach Schätzungen der Deutschen Hochdruckliga leiden hierzulande rund 20 Millionen Einwohner an Bluthochdruck. Zieht man die Blutdruckwerte der über
55-Jährigen heran, ist bundesweit durchschnittlich jeder Zweite vom Hochdruck betroffen. Das Risiko für eine Hypertonie steigt mit wachsendem Lebensalter an. Doch Bluthochdruck kann bereits bei jungen Menschen auftreten. Vor allem aufgrund von Übergewicht und Bewegungsmangel nimmt die Anzahl betroffener Kinder und Jugendlicher in den letzten Jahren stetig zu.

Bluthochdruck macht zunächst keine Beschwerden. Die Betroffenen bemerken ihn meist nicht einmal, etwa 50% wissen nicht, dass sie zum Patientenkreis zählen. Das Gefährliche daran ist, dass mit einem dauerhaft zu hohen Blutdruck das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen steigt. Herzinfarkt, Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz), Schlaganfall, Nierenschwäche oder Einbußen des Sehvermögens gehören zu den möglichen Folgen.

Knapp die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland (d.h. jährlich über 400.000) geht auf Krankheiten des Herz-Krankheits-Systems zurück, meist ist Bluthochdruck als einer der wichtigsten Risikofaktoren daran beteiligt. Daran kann man ermessen, warum vorbeugende Maßnahmen solche Bedeutung besitzen. Denn wird der Bluthochdruck rechtzeitig erkannt und gesenkt, kann das Entstehen von Folgeerkrankungen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden und die Lebenserwartung erheblich gesteigert werden.


Grenzwerte für Systole und Diastole


Der Blutdruck (= Druck, der im Inneren der Gefäße herrscht) ist für den menschlichen Kreislauf lebenswichtig: Angetrieben durch die Pumpleistung des Herzens fließt durch unsere Gefäße ständig Blut. Dabei ist der Blutstrom nicht gleichmäßig, sondern das Blut wird stoßweise - mit jedem Herzschlag - durch den Körper gepumpt. Um in alle Gefäße, samt ihrer kleinsten Verästelungen, die Kapillaren, zu gelangen, benötigt das Blut einen gewissen Druck (= Blutdruck). Mit dem Blut werden neben anderen Inhaltsstoffen vor allem Sauerstoff und Nährstoffe zur Versorgung der Zellen im Körper transportiert.


Zur Bestimmung des Blutdrucks werden zwei Werte ermittelt, der systolische und der diastolische Blutdruck:

  • Der systolische Druck (oberer Messwert) entspricht dem während der Anspannungs- und Auswurfphase der linken Herzkammer maximal entwickelten Druck. Die Anspannungs- und Auswurfphase wird als Systole bezeichnet. Der systolische Druck liegt normalerweise im Bereich von 110-130 mmHg.

  • Der diastolische Blutdruck (unterer Messwert) entspricht dem niedrigsten Druck während der Entspannungs- und Erweiterungsphase des Herzmuskels. Die Phase zwischen größter Druckentwicklung (systolischer Druck) und größtem Druckabfall (diastolischer Druck) wird als Diastole bezeichnet. Während der Diastole füllen sich die Herzkammern mit neuem Blut. Der diastolische Druck liegt normalerweise im Bereich von 80-89 mmHg.

Der Blutdruck wird in mmHg angegeben. 1 mmHg ist der Druck, den ein Millimeter (mm) einer Quecksilbersäule (Hg) ausübt. Dabei entspricht: 1 mmHg = 0,00133 bar.

Patienten, die ihren Blutdruck zu Hause selbst messen sollten diese 5 Regeln zur Blutdruckmessung beachten.


Einteilung der Blutdruckwerte


Der Blutdruck ist individuell und auch situationsbedingt unterschiedlich. Die Höhe des Blutdruckes hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu zählen:

  • die Stärke der Herztätigkeit, d.h. die Druck- und Pumpleistung des Herzens pro Herzaktion - angepasst an die jeweilige körperliche Belastung (bei Anstrengung und erhöhtem Sauerstoffbedarf muss z.B. mehr Blut in derselben Zeit zu den beanspruchten Organen/Körperpartien transportiert werden als im Ruhezustand, es wird ein höherer Druck benötigt)
  • Die Elastizität der großen Gefäße
  • Der Widerstand, der durch die Gefäßweite bestimmt wird. Je größer der Fließwiderstand, desto mehr Druck ist notwendig, um das Blut hindurch zu drücken
  • Die Signale bestimmter Hormone und Nerven (neurohormonales System)
  • Die jeweilige Körperposition.

Im nicht-belasteten Zustand ist ein Blutdruckwert optimal, der 120/80 mmHg nicht überschreitet. Als normal wird ein Wert von nicht mehr als 129/84 angesehen, 130-139/85-89 mmHg gilt als hoher Normalwert.

Ein leicht erhöhter Blutdruck liegt vor, wenn die Messwerte zwischen 140-159/90-99 mmHg betragen. Bei höheren Werten spricht man von mittelgradig erhöhtem (160-179/100-109 mmHg) bis schwerem Bluthochdruck (mehr als 180/mehr als 110 mmHg).

Patienten, die ihren Blutdruck zu Hause selbst messen, sollten folgende Regeln zur Blutdruckmessung beachten


Ursachen & Risikofaktoren für Bluthochdruck


Besteht ein Bluthochdruck, ohne dass andere Erkrankungen zugrunde liegen, spricht man von einer primären oder essenziellen Hypertonie. Verschiedene Faktoren können die Entstehung dieser häufigsten Form des Hochdruckes fördern. Nicht beeinflussbare Ursachen wie erbliche Komponenten, d.h. eine familiäre Vorbelastung (Disposition), spielen hierbei eine Rolle. Nachgewiesen ist, dass Hochdruck vermehrt auftritt, wenn Eltern, Geschwister, Tante oder Onkel betroffen sind. Weiter steigt auch mit zunehmendem Lebensalter der Blutdruck (insbesondere der obere = systolische Wert) an, da die Elastizität der Gefäßwände abnimmt.

Aber auch beeinflussbare Faktoren, speziell hinsichtlich des Lebensstils, können zur Entwicklung einer essenziellen Hypertonie beitragen. Hierzu zählen:

Hinsichtlich des Risikofaktors „Übergewicht" besitzt die Fettverteilung im Körper eine große Bedeutung. Die Gefährdung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes steigt mit wachsendem Bauchumfang („Apfeltyp"). Viel Fett im Bauchraum geht mit erhöhten Werten an freien Fettsäuren, Blutzucker und einer verringerten Insulin-Empfindlichkeit einher. Der Taillenumfang sollte bei Frauen unter 80 Zentimetern liegen, bei Männern unter 94 Zentimetern. Bei Taillenmaßen über 88 bei Frauen und 102 Zentimetern bei Männern ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark erhöht. Misst man das Verhältnis zwischen Taillen- und Hüftumfang, sollte dieser Wert bei Männern unter 1,0 und bei Frauen unter 0,85 liegen.

Die sekundäre Hypertonie, d.h. ein erhöhter Blutdruck, der als Folge einer anderen Erkrankung auftritt, liegt bei bis zu 15% der Hochdruck-Patienten vor. Ursächlich zu nennen sind am häufigsten Nierenerkrankungen (Verengungen an den Nierenarterien oder eine chronische Nierenkrankheit), hormonelle Störungen (z.B. im Rahmen einer Schwangerschaft (Schwangerschaftshochdruck), aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Erkrankung der Nebennierenrinde sowie als Folge einer Einnahme bestimmter Medikamente wie Pille und Kortison/Glukokortikoide), ein Schlafapnoe-Syndrom und eine angeborene Einengung der Hauptschlagader (Aorta).


Warnzeichen für Bluthochdruck


Es gibt durchaus einige Alarmsignale, die auf einen Bluthochdruck hindeuten. Nur sind die ersten Anzeichen oft uncharakteristisch und entwickeln sich schleichend, so dass sie für die Betroffenen schwer einzuordnen sind.

Warnzeichen für BluthochdruckEin- und Durchschlafstörungen, ein unruhiger Schlaf sowie eine leichte Erregbarkeit und innere Unruhe können Auswirkungen eines erhöhten Blutdruckes sein. Probleme mit den Ohren (Ohrensausen, Geräusche im Ohr) sind ebenfalls mögliche Warnhinweise.

Treten unter psychischer oder körperlicher Belastung vermehrt Kopfschmerzen oder Schwindel auf, so kann dies ebenfalls für einen Bluthochdruck sprechen. Bei Frauen um die 50 können Symptome eines Bluthochdruckes den Beschwerden der Wechseljahre (Hitzewallungen, Schwindelgefühle, Stimmungs­schwankungen) ähneln. Bei Männern im mittleren Lebensalter kann sich ein unbehandelter Bluthochdruck in Potenzproblemen (Erektionsschwäche) äußern.

Atemnot, Brustschmerzen bzw. Engegefühl in der Brust bei Anstrengung können Symptome einer Herzerkrankung sein, die sich eventuell aufgrund eines dauerhaften Hochdruckes entwickelt hat. Auch Herzrhythmusstörungen können durch einen Hochdruck verursacht werden.

Bei anhaltenden Warnzeichen Ihres Körpers sollten Sie zur Abklärung der Beschwerden Ihren Internisten aufsuchen.

Notfall bei Bluthochdruck


Sehr stark erhöhte Blutdruckwerte müssen sofort und konsequent behandelt werden; eine unverzügliche Klinikeinweisung ist unabdingbar. In der Akutsituation bestimmt nicht die absolute Höhe des Blutdruckes, sondern das Vorhandensein lebensgefährlicher Symptome, Komplikationen oder Begleiterkrankungen den Notfallcharakter. Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn Folgeerscheinungen wie z.B. Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, neurologische Ausfallerscheinungen (Missempfindungen einer Körperseite, Lähmungen), Einblutungen der Augen, Übelkeit, Brechreiz, Kollapsneigung, Lungenödem, Atemnot- und Brustschmerzen auftreten.

Das unkontrollierte Weglassen eines ärztlich verordneten Blutdrucksenkers oder die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel, z.B. eines Antirheumatikums gegen Gelenkschmerzen, kann Hochdruck-Entgleisungen bis hin zum Notfall auslösen.

 


Auswirkungen von Bluthochdruck


Ein unbehandelter Bluthochdruck kann zu verschiedenen Organschädigungen, so genannten Endorganschäden führen. Herz, Gehirn, Nieren, Gefäße und Augen sind besonders gefährdet.

 

Mögliche Schäden des Herzens

Je höher der Blutdruck ist, desto kräftiger muss das Herz, d.h. die linke Herzkammer arbeiten, um das Blut in die Hauptschlagader (Aorta) zu pumpen. Der Herzmuskel muss sich auf Dauer dieser erhöhten Beanspruchung anpassen und verdickt sich. Neben dieser Verdickung der Herzmuskelfasern (Herzmuskelhypertrophie) findet man beim so genannten „Hochdruckherz" vermehrt Bindegewebe zwischen den Muskelfasern ausgebildet. Der Herzmuskel wird durch diese Umbauvorgänge insgesamt steifer. Der Hochdruck-Kranke merkt dies an einer zunehmenden Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung. Ein weiteres Problem ist, dass die Durchblutung des Herzmuskels mit dem Wachstum des Herzmuskels nicht Schritt hält. Häufig sind zudem durch den Hochdruck auch die kleineren, im Herzmuskel verlaufenden Arterien eingeengt (Mikroangiopathie), so dass die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung bis zu den tieferen Schichten des Herzmuskels gefährdet sein kann. Der Hochdruck-Kranke empfindet deshalb häufig Angina-pectoris-Beschwerden, ohne dass die großen Herzkranzgefäße verengt sein müssen. Unbehandelt entwickelt sich im weiteren Verlauf eine chronische Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) mit Erweiterung der Herzkammern, an der ein Drittel der Hochdruck-Patienten stirbt. Weiter gehören Herzrhythmusstörungen in Form von so genannten Extrasystolen und Vorhofflimmern mit großer Häufigkeit zum typischen Bild des Hochdruckherzens.

Bluthochdruck fördert zudem die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) - die arteriosklerotische Schädigung der Herzkranzgefäße nennt man Koronarsklerose, ein großer Risikofaktor für eine koronare Herzkrankheit (KHK) mit schmerzhafter Brustenge (Angina pectoris) und damit für einen Herzinfarkt.

 

Mögliche Schädigungen des Gehirns

Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für den Schlaganfall. Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, ist für Hochdruck-Patienten gegenüber Menschen mit normalem Blutdruck um das 3- bis 4-fache erhöht. 80% der Schlaganfälle beruhen auf einem Gefäßverschluss, 20% auf einer Hirnblutung. Der gefährliche Verschluss eines Hirngefäßes wird in etwa ein Drittel der Fälle durch ein Blutgerinnsel verursacht, welches sich von einer Gefäßwandverkalkung im Inneren einer Halsschlagader oder der großen Körperschlagader abgelöst hat. Besonders die hirnversorgenden Halsarterien (Makroangiopathie) werden durch den Bluthochdruck arteriosklerotisch verändert. Verschlüsse oder hochgradige Verengungen können bei Hochdruck-Kranken auch in den größeren Hirngefäßen selbst entstehen und einen Hirninfarkt verursachen.

Die Durchblutungsstörungen können im Gehirn aber auch die kleinen Gefäße bis in ihre feinen Verästelungen (Mikroangiopathie) betreffen. Es entwickelt sich eine chronische Minderversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Hierdurch wird die Hirnleistung beeinträchtigt, d.h. ein vorzeitiger geistiger Abbau ist zu beobachten (vaskuläre Demenz).

 

Mögliche Schädigungen der Nieren

Bluthochdruck mit seinen arterioklerotischen Veränderungen ist vor allem für die kleinsten Äderchen in den Nieren, die einen Teil des Filtersystems der Niere darstellen, schädlich („Nephrosklerose"). Kommt zum Hochdruck ein Diabetes mellitus hinzu, sind die Nieren besonders gefährdet. Bei einer Nierenschädigung wird die Regelung des Flüssigkeitshaushalts beeinträchtigt und es kommt zur Anhäufung von Stoffwechselabbauprodukten im Körper. Man spricht hier von einer eingeschränkten Nierenfunktion. Zudem kann die Niere durch das geschädigte Filtersystem nun auch für den Körper wichtige Substanzen wie z.B. bestimmte Eiweiße (Albumin) nicht mehr zurückhalten. Sie werden in der Folge über den Urin vermehrt ausgeschieden (Mikroalbumurie bzw. Makroalbuminurie/Proteinurie). Eine Verschlechterung der Nierendurchblutung beeinträchtigt nicht nur die Ausscheidungsfunktion der Nieren, sondern aktiviert zugleich im Nierengewebe ein blutdruckregulierendes Hormonsystem, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, was wiederum zu einer Blutdruckerhöhung führt. Diese Veränderungen können unbehandelt zu einer chronischen Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen führen.

 

Weitere mögliche Schädigungen

Weiter können die arteriosklerotisch-bedingten Durchblutungsstörungen Verstopfungen der Becken- und Beingefäße (periphere arterielle Verschlusskrankheit paVk) nach sich ziehen oder die Netzhaut der Augen (hochdruckbedingte Retinopathie) schädigen, was langfristig das Sehvermögen beeinträchtigt.


Besonderheiten in der Schwangerschaft


Bluthochdruck in der SchwangerschaftBluthochdruck ( ≥ 140/90 mmHg) in der Schwangerschaft bedeutet ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Dennoch bringt die Mehrzahl der Schwangeren, die einen Bluthochdruck hat oder während der Schwangerschaft entwickelt, ihr Kind gesund zur Welt. Man unterscheidet zwischen schwangerschaftsunabhängiger Hypertonie, die schon vor Beginn der Schwangerschaft besteht oder bis zur 20. SSW auftritt (1-5% der Schwangerschaften), und schwangerschaftsbedingter Hypertonie, die sich nach der 20. SSW entwickelt (in 5-10% der Fälle). Letztere Form, der meist unkompliziert verlaufende Schwangerschaftshochdruck, normalisiert sich in der Regel innerhalb von 6 Wochen nach der Geburt.

Ist jedoch der Blutdruckanstieg in der Schwangerschaft mit verstärkter Eiweißausscheidung im Urin (> 300 mg/24 h) vergesellschaftet, kommen ferner schnelle Gewichtszunahme (> 0,5 kg/Woche) und Schwellungen im Gesicht und an den Händen hinzu, spricht man von Präeklampsie, in der schwersten Ausprägung von Eklampsie, d.h. lebensbedrohlichen Zuständen für Mutter und Kind.

Bei unkompliziertem Verlauf soll eine medikamentöse Behandlung bei Blutdruckwerten über 160/95 mmHg beginnen. Der Blutdrucksenker Alpha-Methyl-Dopa ist noch immer die Therapie der ersten Wahl, so genannte Beta1-selektive-Rezeptorenblocker und Dihydralazin können ebenfalls eingesetzt werden.

Umfassende Informationen zum Thema Hypertonie und Schwangerschaft bietet die Deutsche Hochdruckliga unter www.hochdruckliga.de/pschwang.htm an.


Untersuchungen & Diagnose


Am Anfang der Untersuchung steht das Arzt-Patienten-Gespräch. Zur Diagnosestellung einer Hypertonie und zur späteren Beurteilung der Untersuchungs­ergebnisse ist für Ihren Internisten Ihre Krankengeschichte (Anamnese) richtungweisend. Er wird daher Folgendes erfragen:

  1. Gibt es eine erbliche Veranlagung für erhöhte Blutdruckwerte bzw. Herzerkrankungen? D.h. leiden nahe Verwandte an Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Gicht oder erhöhten Cholesterinwerten (Hypercholesterinämie)?

  2. Bestehen bei Ihnen Vorerkrankungen wie z.B. Herzprobleme, Diabetes, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen?

  3. Existieren weitere Risikofaktoren (z.B. Übergewicht, Rauchen, Alkohol)?

  4. Haben Sie viel Stress? Sind Sie seelisch oder beruflich (z.B. Schichtdienst) stark belastet?

  5. Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?


Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung steht vor allem die Blutdruckmessung im Vordergrund, die mehrmals in entspannter Atmosphäre durchgeführt werden sollte. Ein einmalig erhöhter Blutdruckwert ist noch nicht aussagekräftig, da z.B. Nervosität den Blutdruck vorübergehend ansteigen lässt. Manche Patienten sind beim Arztbesuch so aufgeregt, dass sie nur in der Praxis einen überhöhten Blutdruck aufweisen („Praxishypertonie" bzw. „Weißkittel-Hochdruck"). Der Blutdruck ist aber auch im Normalfall erheblichen Schwankungen unterworfen und reagiert auf körperliche und seelische Belastungen. Zuverlässige Ergebnisse erzielt man daher nur durch mehrmalige Messungen bzw. durch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung (z.B. bei Verdacht auf Praxishypertonie oder Schlafapnoe.

Die Blutdruckmessungen erfolgen im Sitzen an beiden Oberarmen (später nur noch an dem Arm mit dem höheren Werten, meist rechts) nach einer Ruhepause von 3 bis 5 Minuten an verschiedenen Tagen. Als Richtlinie gilt: Ist der Blutdruck bei mehrmaligen Messungen an verschiedenen Tagen erhöht (über 140/90 mmHg), besteht ein Hochdruck. Allerdings müssen bei der Bewertung der Blutdruckwerte auch immer mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt werten.

Grundsätzlich wird Ihr Internist Sie auch wiegen sowie Lunge und Herz mit dem Stethoskop abhören. Erste Blut- und Urinuntersuchungen gehören ebenfalls zur Basisdiagnostik und geben in erster Linie Hinweise auf mögliche weitere Risikofaktoren und Endorganschäden. Mittels einer Ultraschalluntersuchung der Nieren (Nierensonografie) kann der Zustand der Nieren (Nierengröße und Beschaffenheit des Nierengewebes) überprüft werden. Sind die Nieren sehr klein, kann dies ein Hinweis auf eine schon länger bestehende Nierenschädigung sein. Anhand eines Elektrokardiogramms (EKG) lassen sich mögliche Verdickungen des Herzmuskels oder Herzrhythmusstörungen erkennen.   

Bei Bedarf - u.a. abhängig von der Blutdruckhöhe, vom Alter, Begleiterkrankungen - kommen auch folgende Untersuchungen zum Einsatz:

Verursacht eine zugrunde liegende Erkrankung den Hochdruck (sekundäre Hypertonie), diagnostiziert Ihr Internist diese in der Regel im Rahmen der beschriebenen Untersuchungen. Auch plötzlich erhöhte Blutdruckwerte und ein Nichtansprechen der medikamentösen Therapie können auf eine sekundäre Hypertonie hindeuten.


Behandlung von Bluthochdruck


Ziel jeder Hochdruck-Therapie ist es, die Gefahr für Folgeerkrankungen zu verringern. Daher wird in der Regel eine Blutdrucknormalisierung unter 140/90 mmHg angestrebt, bei Patienten mit Diabetes mellitus II unter 140/85 mmHg und bei Nierenerkrankungen unter 125/75 mmHg. Die Behandlung findet unabhängig von fühlbaren Beschwerden statt, da der Hochdruck zunächst einmal keine Symptome macht. Die ärztlichen Therapieentscheidungen berücksichtigen neben der Höhe der Blutdruckwerte auch das Gesamtrisikoprofil, d.h. die Summe der individuellen Risikofaktoren, des Patienten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Übergewicht, Diabetes, Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall in der Krankengeschichte).

 

Allgemeine Maßnahmen

Zur Absenkung des Blutdruckes ist es in jedem Fall sinnvoll, dass der Patient:

  • seine Ernährung anpasst (ausgewogen/vollwertig, viel Gemüse, Obst, Ballaststoffe (z.B. Vollkornprodukte), wenig tierische Fette), d.h. vorhandenes Übergewicht reduziert; wenig Salz (unter 6 Gramm pro Tag) zu sich nimmt.

  • nicht raucht und wenig Alkohol (unter 30 g/Tag bei Männern bzw. unter 15g /Tag bei Frauen; (30 g = 2,5 Gläser Wein à 0,125 l, 20 g = ca. 0,5 l Bier)) konsumiert.

  • sich regelmäßig - mind. 2- bis 3-mal die Woche für mind. 30 Minuten - körperlich belastet und bewegt. Besonders Ausdauertraining (Schwimmen, Wandern, Radfahren, Nordic-Walking, Skilanglauf, Golf) wirkt sich günstig auf den Blutdruck aus.

  • Stress abbaut. Genügend Schlaf, kurze Verschnaufpausen am Tage, Aufgaben zu verteilen und Verantwortung abzugeben sowie Sport und ein entspannendes Hobby helfen, eine ständige innere Anspannung zu reduzieren.

Diese Maßnahmen sind bei einer leichten Hypertonie (etwa 140/90 mmHg) oft allein ausreichend, um den Blutdruck wieder zu normalisieren. In jedem Fall unterstützt ein gesunder, aktiver Lebensstil grundsätzlich die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung.

 

Medikamentöse Therapie

Ist es zusätzlich notwendig, Medikamente einzunehmen, sollte dies konsequent und regelmäßig geschehen. Es stehen folgende Medikamente/Substanzklassen (Antihypertensiva) zur Bluthochdruckbehandlung zur Verfügung:

  • ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten
    Präparate dieser Wirkstoffklassen wirken über mehrere, verschiedene Reaktionswege gefäßerweiternd. Im Wesentlichen hemmen sie die Bildung des Blutdruck steigernden Hormons Angiotensin II. Sie senken nachhaltig den Blutdruck und beugen Endorganschäden vor.

  • Diuretika (entwässernde, harntreibende Mittel)
    Zu diesen nierenwirksamen Medikamenten gehören Thiazide und Schleifen-Diuretika (speziell bei eingeschränkter Nierenfunktion) sowie kaliumsparende Diuretika. Sie steigern die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser über die Nieren und verstärken in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Medikamenten gegeben deren Wirkung. Auf längere Sicht senken Diuretika den Blutdruck, indem sie die Ansprechbarkeit auf gefäßverengende Reize herabsetzen. Da bei höheren Dosierungen auch Mineralstoffe wie Kalium ausgeschieden werden, sollte die Ernährung bei Diuretika-Einnahme kaliumreich (z.B. Bananen, Trockenobst, Kartoffeln) sein bzw. das Mineral in Tablettenform zugeführt werden.

  • Betablocker
    Betablocker sind Arzneimittel, die im Körper die so genannten ß-Rezeptoren blockieren. Dadurch wird die Wirkung bestimmter Stresshormone gehemmt. Diese Stresshormone (Noradrenalin, Adrenalin) haben normalerweise einen anregenden Effekt auf verschiedene Organe (u.a. das Herz). Werden sie blockiert, sinken Puls und Blutdruck sowie die Schlagkraft des Herzens. Das Herz schlägt also etwas langsamer und wird entlastet.

  • Kalziumantagonisten bzw. Kalziumkanalblocker
    Kalziumantagonisten blockieren die Kalzium-Kanäle in den Herz- und Gefäßmuskelzellen. Sie vermindern den Kalzium-Einstrom in die Zellen, setzen dadurch die Gefäßspannung herab und somit auch den Blutdruck.

Medikamente dieser Wirkstoffklassen können einzeln (Monotherapie) oder zusammen (Kombinationstherapie) - unter Berücksichtigung möglicher Grund- oder Begleiterkrankungen - verordnet werden. Bringt die anfängliche Therapie keinen ausreichenden Erfolg, kann das Präparat bzw. die Kombination gewechselt werden, bis der Blutdruck effektiv gesenkt wird.

Eine Behandlung mit Blutdruck-Medikamenten wird von Patienten bisweilen als belastend erlebt, da das Absenken des Blutdruckes zunächst müde und abgeschlagen machen kann. Der Körper muss sich erst umstellen und an den niedrigeren Blutdruck gewöhnen. Die Medikamente sollten daher am Anfang einschleichend gegeben werden, d.h. niedrige Dosis zu Beginn, die nach und nach gesteigert wird. So hat der Organismus Zeit, sich langsam daran anzupassen. Die Umstellung kann bis zu einem Monat dauern.

 

Konsequenz ist wichtig

Bedenken Sie, auch wenn Sie keine Beschwerden haben, dass ein unbehandelter Bluthochdruck letztendlich zu einer mehr oder weniger gefährlichen Schädigung Ihres Körpers führt. Wenn Sie die Folgen spüren, ist diese Schädigung meist unumkehrbar. Rechtzeitig behandelt kann man das Risiko, das mit einem Bluthochdruck einhergeht, in den Griff bekommen. Dafür ist es meist notwendig, die Therapie lebenslang durchzuführen. Bei Bedarf kann Ihre Motivation (Compliance) durch Einzel- und Gruppengespräche sowie durch Arzt-Patienten-Seminare verbessert werden. Der Therapieerfolg, d.h. die Blutdrucksenkung, muss vom Arzt regelmäßig überprüft und die Medikamente möglicherweise angepasst werden. Durch die Einhaltung eines gesunden Lebensstils, können Sie die Dosierung der Wirkstoffe so gering wie möglich halten.

Neben der regelmäßigen Messung des Blutdrucks durch den Arzt haben sich zur Therapiekontrolle auch Selbstmessungen und 24-Stunden-Blutdruckmessungen unter häuslichen Bedingungen, während der Aktivitäten des Tages und im Nachtschlaf zu einer wichtigen ergänzenden Messmethode entwickelt. Patienten, die ihren Blutdruck selbst messen, sollten eine ausführliche Einweisung in die Messtechnik erhalten, am besten im Rahmen eines strukturierten Hypertonie-Schulungsprogramms.


Tipp für Bluthochdruck-Patienten


Blutdruck-Medikamente müssen ebenso langsam abgesetzt werden, wie man mit der Behandlung beginnen sollte. Es kann sonst zu schweren „Blutdruck-Krisen" kommen. Verringern Sie nicht eigenmächtig die Dosis und setzen Sie die Medikamente nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.


Vorsorge & Schutz vor Bluthochdruck


Ein hoher Blutdruck ist einfach und schmerzfrei festzustellen. Nutzen Sie diese Tatsache und lassen Sie mindestens einmal pro Jahr eine Blutdruckmessung bei Ihrem Hausarzt bzw. Internisten durchführen. Denn frühzeitig erkannt, können Schädigungen der Blutgefäße und lebenswichtiger Organe vermieden werden. Beispielsweise kann schon eine Senkung des Blutdrucks um 10 mmHg systolisch oder 5 mmHg diastolisch das Risiko für einen Schlaganfall um mindestens 20% reduzieren.

Übergewicht, Rauchen, zu wenig körperliche Aktivität und dauerhafter Stress stellen ein erhebliches Risiko für die Entwicklung einer Hypertonie dar. Vorbeugend sollten Sie daher auf Ihr Gewicht und eine gesunde Ernährung achten. Von großer Wichtigkeit ist regelmäßige Bewegung. Sportliche Betätigung hilft, den Blutdruck zu senken. Nebeneffekt ist zudem ein günstiger Einfluss auf Psyche und Leistungsfähigkeit sowie die Ankurbelung des Fett- und Zuckerstoffwechsels. Als Mindestmaß für eine ausreichende Bewegung gilt: 2- bis 3-mal die Woche 30 Minuten Sport machen. Wählen Sie am besten einen Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren, Wandern oder Nordic Walken.

Bei Stress ist es entscheidend, dass man einen Ausgleich schafft. Auch das Einhalten der persönlichen Belastungsgrenze ist wichtig. Muten Sie sich nicht zu viel zu. Ist Ihr Stress-Limit erreicht, sagen Sie auch einmal „Nein". Durch das Einüben bestimmter Entspannungstechniken (Autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga, Tai Chi etc.) und durch ein gutes Zeitmanagement lernen Sie, mit Ihrem Stress besser umzugehen bzw. können ihn etwas reduzieren.


Wichtige Adressen


Bundesverband Niedergelassener Kardiologen
Widenmayerstr. 29
80538 München
Telefon: 089 / 21 09 69-37
Fax: 089 / 21 09 69 99
www.bnk.de

Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL)
Deutsche Hypertonie Gesellschaft

Deutsches Kompetenzzentrum Bluthochdruck
Berliner Strasse 46
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 411774
Fax: 06221 / 402274
E-Mail: Hochdruckliga@t-online.de
www.hochdruckliga.de

Deutsche Herzstiftung e.V.
Vogtstraße 50
60322 Frankfurt
Tel.: 069 / 955128-0
Fax: 069 / 955128-313
E-Mail: info@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation
von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR)
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz
Tel.: 0261 / 309231
Fax: 0261 / 309232
E-Mail: info@dgpr.de
www.dgpr.de

Ratgeber „Hypertonie" der Gmünder Ersatzkasse
www.akdae.de/45/Hypertonie.pdf

Patientenleitlinie Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) der Universität Witten/Herdecke (Medizinisches Wissensnetzwerk evidence.de)
www.patientenleitlinien.de/Bluthochdruck/bluthochdruck.html

Information zu den möglichen Auswirkungen von Bluthochdruck auf den Cholesterinspiegel:
http://www.cholesterinspiegel.de/ursachen-fuer-schlechte-cholesterinwerte/


Bücher zum Thema


Ärztlicher Ratgeber: Bluthochdruck
Erfolgreich behandeln - Risiken senken
Wolfram Delius
Wort & Bild Verlag, 2006
Preis: 17,80 Euro (nur in Apotheken erhältlich)

Hoher Blutdruck
Reinhard Gotzen und Friedrich Wilhelm Lohmann
Steinkopff Verlag, 2004
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-79851-480-1

Bluthochdruck
Endlich wieder gute Werte
Martin Middeke
Trias Verlag, 2005
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 3-83043-225-9

Bluthochdruck rechtzeitig erkennen und behandeln
Effektive Maßnahmen zur Vorbeugung und Therapie
Hans-Dieter Faulhaber
Südwest Verlag, 2002
Preis: 10,95 Euro
ISBN: 3-51706-575-7

Bluthochdruck bei Frauen: Was Ihnen jetzt hilft
Lutz Koch
Trias Verlag, 2001
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 3-89373-665-4

Schnell informiert bei Bluthochdruck - Leicht verständliche Antworten auf die 80 häufigsten Fragen - Patientenbuch der Deutschen Herzstiftung e.V.
Klaus Undeutsch
Trias Verlag, 2002
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 3-83043-047-7

Bluthochdruck senken ohne Medikamente
Wie Sie Ihre Risikofaktoren ausschalten
Martin Middeke, Edita Pospisil, Klaus Völker
Trias Verlag, 2005
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 3-83043-272-0


© Copyright by Monks - Ärzte im Netz GmbH