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| Bild: Entzündungsherde (dunkelrot) in der Darmschleimhaut (Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs- Hospital, Wiesbaden). |
Die Colitis ulcerosa beginnt am Ende des Darmes im Mastdarm (Rektum) und breitet sich kontinuierlich Richtung Magen aus. Es können also entweder nur das Rektum, Teile des Kolons oder der gesamte Dickdarm befallen sein. Selten entzündet sich auch das letzte Stück des Dünndarms. Die Colitis ulcerosa verläuft meist schubweise, das heißt die Darmschleimhaut ist phasenweise entzündet und erholt sich dann wieder. Wann und wie häufig ein derartiger Entzündungsschub auftritt, ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Eine Colitis ulcerosa wird zunächst mit Medikamenten behandelt. Wenn die Medikamente nicht mehr helfen oder Komplikationen auftreten, kann es notwendig sein, den gesamten Dickdarm in einer Operation zu entfernen.
In Deutschland leiden etwa 170.000 Menschen unter einer Colitis ulcerosa. Die Erkrankung befällt am häufigsten Menschen zwischen 20 und 34 Jahren.
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| Bild: Schleimhautenzündung bei Colitis ulcerosa (2: Entzündungsherd, 5: Muskelschicht, 6: Schleimhaut). |
Es scheint eine genetische Veranlagung für die Erkrankung zu geben, denn sie tritt in manchen Familien gehäuft auf. Für Geschwister von Colitis ulcerosa-Patienten ist die Gefahr zu erkranken 10- bis 50-mal höher als für die restliche Bevölkerung; für erbgleiche (eineiige) Zwillinge beträgt das Risiko zu erkranken 50-60%, wenn eines der Geschwister ebenfalls erkrankt ist. Darüber hinaus beeinflussen wahrscheinlich verschiedene Umweltfaktoren den Ausbruch der Erkrankung. Dafür spricht, dass sie besonders in den westlichen Industriegesellschaften in den letzten Jahrzehnten immer häufiger auftritt.
Auch die Psyche kann möglicherweise die Entstehung beeinflussen: Viele Menschen mit einer Colitis ulcerosa fühlen sich an wichtige Bezugspersonen gebunden. Sie haben Trennungsängste und sind häufig von diesen Bezugspersonen abhängig. Eine Trennung oder eine mögliche bevorstehende Trennung von diesen Personen kann einen Colitis-Schub auslösen. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer Colitis ulcerosa auf seelische Belastungen stärker mit Darmbeschwerden reagieren als Gesunde.
Die Erkrankung beginnt jedoch nicht immer schleichend: Sie kann auch ganz plötzlich mit akuten, heftigen Durchfällen, starken Bauchschmerzen und Fieber einsetzen.
Patienten mit einer Colitis ulcerosa klagen oft darüber, dass sie häufigen Stuhldrang haben und unter Bauchkrämpfen leiden. Ihr Stuhl ist flüssig bis dünnflüssig mit blutigen, schleimigen Auflagerungen. Viele Patienten müssen nachts häufiger aufstehen, um ihren Darm zu entleeren. Einige Patienten berichten zusätzlich über Fieber oder dass sie sich abgeschlagen und krank fühlen. Wann die Durchfälle auftreten, wie häufig pro Tag der Darm entleert werden muss und wie heftig die Durchfälle sind, hängt davon ab, wie stark der Dickdarm von der Entzündung betroffen ist. Um die Schwere der Erkrankung besser beurteilen zu können, verwenden die Mediziner einen Krankheitsindex, den so genannten CAI („clinical activity index"), der auf verschiedenen Kriterien wie Allgemeinbefinden, Stuhlfrequenz, Gewichtsverlust und Bauchschmerzen beruht.
Etwa 60% der Patienten leiden unter einer leichten Verlaufsform, bei der die Entzündung auf den Enddarm beschränkt ist. Meistens verschwinden die Beschwerden wieder von alleine. Bei einem leichten Schub setzt der Patient pro Tag bis zu 5-mal blutig-schleimigen Stuhl ab. Abgesehen von den häufigen Toilettengängen geht es dem Patienten gut.
Ein Viertel der Patienten haben einen mittelschweren Krankheitsverlauf mit 6 bis 8-maligem, blutig-schleimigem Durchfall pro Tag. Sie haben erhöhte Temperatur (um 38°C), Bauchkrämpfe und fühlen sich sehr elend.
Etwa 10% der Patienten leiden unter einer schweren Verlaufsform. Ein schwerer Colitis-Schub verursacht mehr als 8 blutig-schleimige Durchfälle pro Tag. Die Patienten haben hohes Fieber, einen erhöhten Herzschlag, sie sind blass und kraftlos.
Eine Colitis ulcerosa kann sich auch an anderen Stellen des Körpers äußern, wobei Beschwerden außerhalb des Darmes bei der Colitis ulcerosa seltener auftreten als beim Morbus Crohn. Am häufigsten kommen Entzündungen der Gelenke, der Wirbelsäule oder des Kreuzbeins vor. Einige Patienten bekommen eine Osteoporose. Die Augen können sich ebenfalls entzünden.
An der Haut können sich kleine Geschwüre, Vereiterungen oder rot-violette Knoten an der Vorderseite der Unterschenkel bilden. Auch die Leber kann erkranken (primär sklerosierende Cholangitis), viele Patienten nehmen stark ab.
Durchfall kann viele verschiedene Ursachen haben. So können beispielsweise Bakterien, Viren oder Parasiten zu einer Entzündung des Darms führen. Häufige Erreger, die Darminfektionen und Durchfällen auslösen können, sind unter anderem Salmonellen, das Darmbakterium Escherichia coli, Amöben oder der Erreger der Malaria. Auch beim Geschlechtsverkehr können Krankheitserreger übertragen werden, die den Darm entlang wandern und eine Entzündung mit Durchfall auslösen können, z. B. Gonokokken, Chlamydien oder Herpes-Viren. Daneben gibt es noch eine Reihe von Pilzen oder Würmern, die ebenfalls zu Durchfall führen können.
Beginnt der Durchfall plötzlich und geht mit starken Bauchschmerzen und Erbrechen einher, kann dies vor allem bei älteren Menschen an Durchblutungsstörungen liegen: Sind die Blutgefäße, die den Darm mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, verengt oder verschlossen, kann es zu einer Entzündung der Darmwand und Durchfall kommen. Dies nennen Mediziner ischämische Colitis.
Menschen, die wegen einer Tumorerkrankung bestrahlt werden müssen, können eine Strahlen-Colitis mit Durchfällen und Blutungen aus dem Enddarm bekommen. Auch Medikamente können Durchfall auslösen: Eine gefürchtete Komplikation einer Behandlung mit Antibiotika ist die so genannte Antibiotika-assoziierte Kolitis. Schuld an den Durchfällen ist hierbei das Bakterium Clostridium difficile, das ein Gift bildet, das zu einer Entzündung im Darm mit schweren Durchfällen führt.
Daneben können viele andere Krankheiten ebenfalls Durchfall verursachen: Eine akute Blinddarmentzündung, eine Entzündung von Ausstülpungen des Darmes (Divertikulitis), Tumore in Dünn- oder Dickdarm (Darmkrebs), Nahrungsmittelallergien oder eine Unverträglichkeit gegenüber dem Eiweiß Gluten im Getreide (Sprue). Bei manchen Menschen lösen psychische Belastungen ein Reizdarmsyndrom mit krampfartigen Bauchschmerzen und einem Druckgefühl im Bauch aus. Hierbei kann es entweder zu Durchfällen, zu Verstopfung oder abwechselnd zu beidem kommen.
Ähnlich wie die Colitis ulcerosa verursacht auch der Morbus Crohn starke blutig-schleimige Durchfälle. Bei etwa 10-20% der Patienten, bei denen der Arzt zunächst eine Colitis ulcerosa diagnostiziert, stellt der Arzt nach einiger Zeit fest, dass der Patient tatsächlich an Morbus Crohn erkrankt ist. Die beiden Erkrankungen verursachen viele ähnliche Beschwerden. Aus diesem Grund kann der Arzt die endgültige Diagnose meist auch nicht sofort stellen, sondern erst im Verlauf der weiteren Erkrankung.
Tabelle: Unterschied zwischen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
| Colitis ulcerosa | Morbus Crohn |
Ort | Dickdarm (Kolon) | Gesamter Verdauungstrakt |
Beteiligung des Enddarmes | immer | In etwa 20% der Fälle |
Beteiligung des Krummdarms | selten | In etwa 80% der Fälle |
Ausbreitung | Kontinuierlich von „unten" nach „oben" | Ausbreitung von „oben" (vom Krummdarm) nach „unten". Entzündete Abschnitte wechseln mit gesunden Darmabschnitten ab |
Tiefe der Entzündung | Auf die Schleimhaut beschränkt | Die ganze Darmwand ist entzündet |
Symptome | Blutig-schleimige Durchfälle | Bauchschmerzen, Durchfälle meist ohne Blut, häufig tastbare Resistenz im Unterbauch |
Symptome außerhalb des Darms | Selten: Veränderungen an der Haut, Entzündungen der Augen oder Gelenke, Lebererkrankungen | Häufig: Entzündungen der Augen, Veränderungen an der Haut, Entzündungen der Gelenke, Lebererkrankungen, Gallensteinbildung, Harnwegsinfekte u. a. |
Typische Komplikationen | Massive Blutungen, Darmkrebs, Toxisches Megakolon (Erweiterung des Dickdarms mit Gefahr eines Darmdurchbruchs und Bauchfellentzündung), Wachstumsstörungen im Kindesalter, Gewichtsverlust | Fisteln, Fissuren, Abszesse, Verengungen, Verdauungsstörungen, Wachstumsstörungen im Kindesalter, Nebenwirkungen der Kortisontherapie |
Bei einigen Patienten mit Colitis ulcerosa breitet sich die Entzündung auf die gesamte Darmwand aus. Der Darm kann dabei überdehnt werden und platzen. Die Entzündung kann so auf den gesamten Bauchraum übergreifen. Dieses so genannte toxisches Megakolon ist sehr gefährlich: Etwa 4% der Patienten sterben daran. Platzt der Darm, sterben sogar bis zu 20% der Betroffenen. Ein Patient mit einem toxischen Megakolon muss sofort in der Klinik behandelt und unter Umständen operiert werden.
Eine weitere schwere Komplikation sind Blutungen: Zu starken, lebensbedrohlichen Blutungen kommt es bei etwa 4,5% der Patienten. Diese können so stark sein, dass die Patienten sehr viel Blut verlieren und ohnmächtig werden. Sie brauchen unter Umständen Bluttransfusionen oder müssen operiert werden.
Darüber hinaus haben Menschen mit einer Colitis ulcerosa ein höheres Risiko als gesunde Menschen, Dickdarmkrebs zu bekommen. Dieser entwickelt sich meist 10-15 Jahren nach Ausbruch einer Colitis und wenn der gesamte Dickdarm befallen ist.
Aus Studien weiß man, dass Schwangere mit einer Colitis ulcerosa etwas häufiger Kinder mit Fehlbildungen gebären als Gesunde. Fehlbildungen scheinen häufiger aufzutreten, wenn die Frau zum Zeitpunkt der Empfängnis oder bei Beginn der Schwangerschaft einen akuten Colitis-Schub hatte. Wird eine Patientin mit Colitis ulcerosa schwanger, kann die Erkrankung während der Schwangerschaft schlimmer werden, bei einigen Frauen bessert sich die Colitis jedoch auch während der Schwangerschaft.
Die meisten Patienten sind zum Zeitpunkt des ersten Ausbruchs der Erkrankung zwischen 20 und 34 Jahren alt. Bei 15-40% der Patienten treten die ersten Beschwerden allerdings schon vor dem 20. Lebensjahr auf. Auch Säuglinge können eine Colitis ulcerosa bekommen. Bei Kindern und Jugendlichen ist meist der ganze Dickdarm entzündet. Ein blutiger Durchfall kann bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen durch Infektionen mit Bakterien, Viren oder Parasiten, durch Allergien oder angeborene Krankheiten wie Immundefekte ausgelöst werden. Der behandelnde Internist oder Gastroenterologe muss deshalb sorgfältig auch andere mögliche Ursachen für den Durchfall abklären, bevor er die Diagnose „Colitis ulcerosa" stellt.
Bevor er mit der Untersuchung beginnt, befragt der Gastroenterologe den Patienten nach seinen Krankheitszeichen (Anamnese). Außerdem fragt er ihn nach Vorerkrankungen in der Familie und ob Familienmitglieder ebenfalls an einer Colitis ulcerosa erkrankt sind. Um den Schweregrad der Erkrankung möglichst gut einzuschätzen, sollte der Patient dem Arzt genau berichten, wie häufig er seinen Darm entleeren muss, wie häufig er dabei Durchfall hat und wie der Stuhl aussieht. An die Anamnese schließt sich die körperliche Untersuchung an. Hierzu gehört die Untersuchung des Enddarmes: Der Arzt tastet mit seinem Finger den After des Patienten ab. Hierzu muss sich der Patient auf die Seite legen und die Knie anwinkeln. Einige Patienten empfinden die Untersuchung als unangenehm. Doch sie ist wichtig, denn der Arzt kann mit der Untersuchung möglicherweise einen Tumor tasten, der sich als Komplikation bei einer lang bestehenden Colitis ulcerosa gebildet hat.
Die Entzündung bei einer Colitis ulcerosa kann der Arzt an bestimmten Blutwerten erkennen. Er nimmt daher Blut ab und lässt die Entzündungswerte C-reaktives Protein (CRP) und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) bestimmen. Je stärker der Darm entzündet ist, desto höher sind die Werte. Häufig sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) als Zeichen einer Infektion im Blut erhöht. Zusätzlich werden im Blut die Blutzellen und bestimmte Leberwerte gemessen, in einigen Fällen auch Nierenwerte, Elektrolyte oder andere Werte.
Patienten mit einer Colitis ulcerosa bluten oft aus dem Darm. Dies kann eine Blutarmut (Anämie) verursachen. Die Leberwerte Gamma-GT und alkalische Posphatase (AP) werden bestimmt, um die Lebererkrankung primär sklerosierende Cholangitis auszuschließen. Diese Lebererkrankung kann als Komplikation einer Colitis ulcerosa auftreten. Bei einer PSC sind die Gamma-GT und die AP im Blut höher als bei gesunden Menschen.
Durch die vielen Durchfälle nehmen einige Patienten nicht genügend Nährstoffe und Kalorien auf. Um festzustellen, ob der Patient Mangelerscheinungen hat, lässt er im Blut die Elektrolyte Natrium und Kalium und das Eiweiß Albumin bestimmen. Dieses Eiweiß ist ein guter Marker für den Ernährungszustand eines Menschen. Zusätzlich berechnet er den Body Mass Index (BMI), um festzustellen, ob der Patient Untergewicht hat.
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| Bild: Antikörper-Moleküle |
Zu der Basisdiagnostik bei einem Patienten mit Colitis ulcerosa gehört eine Stuhluntersuchung. Gerade bei einem akuten Schub können sich bestimmte Bakterien, Viren oder Darmparasiten vermehren und die Entzündung verschlimmern. Alle diese Keime können jedoch auch eine schwere Durchfallerkrankung auslösen, ohne dass der Patient eine Colitis ulcerosa hat. Besonders Kinder leiden häufiger unter Durchfallerkrankungen mit einem der oben beschriebenen Erreger und haben schwere Durchfälle.
Die Veränderungen, die die Colitis ulcerosa an der Darmschleimhaut bewirkt, untersucht der Gastroenterologe mit Hilfe einer Darmspiegelung (Koloskopie).
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| Bild: Koloskopie-Bild eines gesunden Dickdarms (Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs-Hospital, Wiesbaden). |
Das Koloskop ist ein etwa 1,2-1,8 Meter langer, biegsamer Schlauch. An der Spitze des Koloskops befindet sich ein Computerchip, mit dem die Bilder auf einen Monitor übertragen werden. Durch den Arbeitskanal des Koloskops kann der Gastroenterologe eine kleine Zange oder eine Schlinge führen, mit der er Gewebeproben entnehmen oder Polypen abtragen kann.
Für die Untersuchung muss sich der Patient auf die linke Seite legen und die Beine leicht anwinkeln. Der Arzt führt das Gerät in den Mastdarm ein und schiebt es bis zum letzten Teil des Dünndarms vor. Er begutachtet die Schleimhaut sorgfältig und nimmt mehrere Proben aus der Schleimhaut mit der Zange.
Bei einer schweren Colitis ulcerosa sieht der Gastroenterologe Blutungen in der Schleimhaut und Geschwüre. Die Schleimhaut ist im Vergleich zu gesunder Darmschleimhaut geschwollen und gerötet. Besteht die Erkrankung lange Zeit, kann sich der Dickdarm verengen und sieht wie ein starres Rohr aus. Mit Hilfe der Gewebeproben kann er genau feststellen lassen, welche Bereiche des Darmes von der Entzündung betroffen sind. So kann der Arzt die Ausbreitung der Erkrankung möglichst genau feststellen. Dies ist wichtig, um eine geeignete Behandlung für den Patienten zu planen.
Eine Koloskopie sollte bei Patienten mit einer Colitis ulcerosa wiederholt werden, wenn die medikamentöse Behandlung keinen Erfolg bringt. Jährliche Kontrollen sind nach langem Krankheitsverlauf (10-15 Jahre) notwendig, um möglichen Darmkrebs zu entdecken. Diesen kann der Gastroenterologe mit dem Endoskop bereits in einem frühen Stadium erkennen, bevor er zu Beschwerden führt und dann möglicherweise nicht mehr heilbar ist.
Ist der Arzt sich nicht sicher, ob der Patient unter Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leidet, untersucht er zusätzlich die Speiseröhre und den Magen mit einem Endoskop. Denn im Gegensatz zur Colitis ulcerosa kann Morbus Crohn den gesamten Verdauungsapparat vom Mund bis zum After befallen. Zusätzlich untersucht er bei Verdacht auf Morbus Crohn den Dünndarm mit einer speziellen Untersuchung (Dünndarmkapsel, Enteroskopie).
Mittels Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes kann der Arzt erkennen, welche Darmabschnitte befallen sind und wie tief die Entzündung in die Darmwand eingedrungen ist. Auch Komplikationen, wie das gefährliche toxische Megacolon, kann er mit dem Ultraschall diagnostizieren. Bei Verdacht auf ein toxisches Megacolon wird zusätzlich eine Röntgenaufnahme des Bauches angefertigt, auf der der erweiterte Darm gut zu erkennen ist.
Weitere bildgebende Untersuchungen, wie eine Magnetresonanz- oder Computertomografie werden nur in Einzelfällen durchgeführt.
Eine leichte Colitis ulcerosa kann ambulant durch einen niedergelassenen Arzt behandelt werden. Bei einem schweren Schub müssen viele Patienten jedoch ins Krankenhaus. Die Colitis ulcerosa wird mit 2 verschiedenen Medikamenten behandelt:
Darüber hinaus können Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems dämpfen, den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Zu diesen so genannten Immunsuppressiva gehören z. B. Azathioprin, Methotrexat oder Cyclosporin A.
Bei einem akuten leichten bis mittelschweren Schub im Enddarm verschreibt der Arzt Mesalazin als Zäpfchen, als Einlauf oder als Schaum über den After. Betrifft die Entzündung auch höher gelegene Dickdarmteile, nimmt der Patient zusätzlich Mesalazin als Tabletten ein. Tritt nach mehreren Wochen keine Besserung ein, werden zusätzlich Kortikoide (z. B. Budesonid) als Einlauf oder Schaum verabreicht. Damit wird der Patient mindestens 4 Wochen lang behandelt. Bessern sich die Beschwerden nicht, werden Kortikoide als Tabletten (z. B. Prednisolon) gegeben.
Bei einem schweren Schub verschreibt der Arzt sofort Kortikoid-Tabletten und zusätzlich Mesalazin. Bessern sich die Beschwerden damit nicht, werden die Kortikoide höher dosiert oder über die Vene verabreicht. Ein Patient mit einem hochakuten Schub wird in der Regel im Krankenhaus behandelt. Er erhält Kortikoide als Infusion in eine Vene. Wenn er dies nicht verträgt oder Kortikoide nicht wirken, bekommt er Cyclosporin A. Zusätzlich werden über die Venen Infusionen mit Flüssigkeit und Elektrolyten verabreicht. Damit der Darm sich erholen kann, wird der Patient mit Infusionen über die Vene ernährt. Wurde bei der Stuhluntersuchung eine Infektion des Darmes mit Bakterien nachgewiesen, gibt der Arzt zusätzlich Antibiotika. Wenn es dem Patienten besser geht, bekommt er Cyclosporin A oder Tacrolimus und Azathioprin bzw. 6-Mercaptopurin als Tabletten, um ein erneutes Ausbrechen der Entzündung zu verhindern. Der Kranke muss die Medikamente noch 3-6 Monate lang einnehmen.
Dauert der Colitis-Schub länger an, spricht man von einem chronisch aktiven Verlauf. Dann muss der Patient über mehrere Jahre Azathioprin oder 6-Mercaptopurin einnehmen.
Hat ein Patient den Schub einer Colitis ulcerosa überstanden, muss er für mindestens 2 Jahre Mesalazin weiter als Zäpfchen oder Tablette einnehmen, um einen erneuten Schub zu verhindern.
Eine Operation kann notwendig sein, wenn Medikamente bei einem starken akuten Colitis-Schub oder bei einem toxischen Megacolon nicht mehr helfen oder wenn die Patienten immer wieder aus dem Darm bluten und die Blutung sich nicht stillen lässt. Die Operation sollte in solchen Fällen innerhalb von 72 Stunden durchgeführt werden.
Hierbei entfernt der Chirurg den gesamten Dickdarm des Patienten. Aus einem Stück Dünndarm formt er einen Sack, der als Ersatz für den Enddarm fungiert. Diesen verbindet er mit dem After. In den meisten Fällen legt der Chirurg vorübergehend einen künstlichen Darmausgang an. Dies ist notwendig, damit sich das gesamte Operationsgebiet erholen und gut heilen kann.
Eine Entfernung des Dickdarms kann für Patienten eine große Erleichterung darstellen, denn sie brauchen nun keine Medikamente mehr einnehmen. Ein Mensch kann auch ohne Dickdarm leben, denn der Darmabschnitt ist nicht lebensnotwendig. Allerdings müssen einige dieser Patienten häufiger ihren Darm entleeren, spüren häufiger Stuhldrang und der Stuhl ist mitunter dünner und schmieriger als gewöhnlich.
Entdeckt der Arzt bei der Darmspiegelung einen Tumor oder diagnostiziert der Pathologe später in den entnommenen Gewebeproben bösartige Veränderungen in der Darmschleimhaut, wird der Patient ebenfalls operiert.
Manche Patienten mit Colitis ulcerosa haben Untergewicht, sind unterernährt und/oder haben einen Mangel an Vitaminen, Eisen oder Elektrolyten. Diesen Patienten hilft eine ausführliche Ernährungsberatung, damit die Patienten wissen, wie sie die erforderlichen Nährstoffe zu sich nehmen können. Die Patienten sollten sich ausgewogen und vitaminreich ernähren. Eine spezielle Colitis-Diät ist aber nicht erforderlich.
Leiden Patienten in einem schweren Schub unter einem Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen, werden diese als Tabletten verabreicht. Bei einem akuten, starken Entzündungsschub werden manche Patienten komplett über die Vene mit Infusionen ernährt, um den Darm zu schonen.
Auch Probiotika konnten in den Studien einigen Patienten helfen. Probiotika sind speziell zubereitete Lebensmittel oder Arzneimittel mit lebensfähigen Mikroorganismen, zum Beispiel Milchsäurebakterien (Laktobazillen), Bifidobakterien, das Bakterium Escherichia coli oder andere Bakterien oder Pilze. Studien mit Colitis ulcerosa-Patienten haben gezeigt, dass Probiotika mit Escherichia coli Nissle 1913 und Bifidobakterien verhindern konnten, dass die Krankheit nach einem abgeheilten Schub bald wieder auftrat.
Eine chronische Krankheit wie die Colitis ulcerosa kann den Betroffenen in seinem täglichen Leben durch die vielen Durchfälle, Komplikationen und Krankenhausaufenthalte stark einschränken. Studien haben gezeigt, dass eine Psychotherapie bei einem Psychotherapeuten den Patienten hilft, mit der Erkrankung besser zu Recht zu kommen und die Schmerzen zu verringern.
Aminosalicylate können auch Schwangere einnehmen. Methotrexat darf dagegen von schwangeren Frauen nicht eingenommen werden. Bei Azathioprin und 6-Mercaptopurin ist es unklar, ob sie das Ungeborene schädigen können. Da Patienten, die Azathioprin oder 6-Mercaptopruin absetzen, häufiger einen erneuten Schub erleiden, sollten Frauen in der Schwangerschaft den Einsatz dieser Medikamente mit ihrem Frauenarzt und ihrem Gastroenterologen besprechen.
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| Bild: Entzündungsherde (weiß) in der Darmschleimhaut (Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs- Hospital, Wiesbaden). |
Die Entzündungsschübe können durch körperliche oder psychische Belastungen ausgelöst werden. Manche Patienten haben nur einen einzigen Schub und danach jahrelang keine Beschwerden. Bei etwa 10% der Patienten klingt die Entzündung nach einem Schub nicht vollständig ab. Dieser Verlauf wird als „chronisch kontinuierlich" bezeichnet.
Bei einigen wenigen Patienten beginnt die Colitis ulcerosa plötzlich mit starken, blutigen Durchfällen und heftigen Bauchkrämpfen. Die Patienten haben hohes Fieber, trocknen aus und stehen möglicherweise unter Schock. Bei diesem „fulminanten" Verlauf sterben etwa 30% Prozent der Patienten.
Menschen mit einer Colitis ulcerosa haben ein höheres Risiko als gesunde Menschen, Dickdarmkrebs zu bekommen. Ob ein Colitis-Patient Darmkrebs entwickelt, hängt davon ab, wie lange er schon unter der Krankheit leidet und wie stark der Dickdarm befallen ist. Nach 20 Jahren Krankheitsdauer entwickelt sich bei etwa 8% der Patienten ein Krebsgeschwür im Dickdarm.
Bei Colitis-Patienten, bei denen der gesamte Darm entfernt wurde, kann sich das Dünndarmreservoir („pouch") am Darmausgang entzünden (Pouchitis). Eine Pouchitis verursacht Durchfall, Blutungen aus dem Darm und Fieber. Etwa 30% der operierten Patienten bekommen im Laufe von 2 Jahren eine Pouchitis, später tritt die Entzündung sogar bei 50% der Patienten auf. Bei einigen entwickelt sich eine chronische Pouchitis. Gegen die Entzündung erhält der Patient Antibiotika oder Einläufe mit Kortikoiden.
Darüber hinaus sollte ein Gastroenterologe den Dickdarm regelmäßig untersuchen, um einen Tumor möglichst frühzeitig zu entdecken: Experten empfehlen Patienten, die seit mehr als 8 Jahren unter ihrer Colitis leiden, den gesamten Darm einmal pro Jahr untersuchen und Gewebeproben entnehmen zu lassen.
Wurde bei einem Patienten der Darm entfernt, sollte sein Pouch 3 Jahre nach der Operation mit einer Darmspiegelung beurteilt und Proben entnommen werden.
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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Gastro Liga e.V. (Herausgeber)
Wirksame Hilfe bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Harro Jenss, Franz Hartmann
Trias Verlag, 2003
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-83043-067-1
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Elaine Gottschall
Trias Verlag, 2004
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 3-83043-266-6
Morbus Crohn - Colitis ulcerosa: Damit komm ich klar.
DCCV Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (Herausgeber)
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ISBN: 3-83043-128-7
Gut leben mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Georg Tecker
Trias Verlag, 2001
Preis: 17,95 Euro
ISBN: 3-8937-3662-X
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