|
| Bild: Darmtumor (Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs- Hospital Wiesbaden). |
Bei der Entstehung von Darmkrebs spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Die meisten Darmkrebsfälle treten auf, ohne dass für den Einzelfall eine Ursache bekannt ist. Falsche Ernährung , eine ungesunde Lebensweise und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können die Entwicklung von Darmkrebs begünstigen. Manche Darmkrebsformen sind darüber hinaus vererbbar. So ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken ungefähr doppelt so hoch, wenn ein Verwandter ersten Grades bereits Darmkrebs hat. Für andere Darmkrebsformen scheint es eine genetische Veranlagung zu geben. Bei diesen Menschen kann Darmkrebs leichter entstehen als bei unbelasteten Personen.
|
| Bild: Tumor im Blinddarm (Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs- Hospital Wiesbaden). |
Wichtige Krankheitszeichen des Darmkrebses sind veränderte Stuhlgewohnheiten, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Blutarmut und Darmverschluss. In jedem Fall sollten Patienten mit wochenlang andauernden Leibschmerzen einen Spezialisten für Magen-Darm-Erkrankungen, einen Gastroenterologen, aufsuchen und eine Darmspiegelung durchführen lassen.
Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann Darmkrebs rechtzeitig erkannt werden. Bei einer Darmspiegelung wird der Tumor in 6 von 10 Krebsfällen entdeckt. Die Krankenkassen übernehmen für alle Versicherten ab 55 Jahren die Kosten einer Darmspiegelung, für familiär Vorbelastete auch schon früher.
In Deutschland ist Darmkrebs bei Frauen die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. Hierzulande erkranken jedes Jahr 70.000 Menschen, 30.000 sterben daran. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die meisten Darmtumore kommen im Dickdarm vor ( knapp 95%), lediglich 2-5% betreffen den sehr viel längeren Dünndarm.
|
| Bild: Verschiedene Typen von Darmpolypen (obere Reihe: ge- stielte Polypen, unten: breitbasig). |
Verschiedene genetische Veränderungen (Mutationen) bewirken die Entwicklung vom Adenom zum Karzinom. Häufig betreffen diese Veränderungen Gene, die das Zellwachstum regulieren oder für Reparaturen am Erbgut (DNA) zuständig sind. Dies kann dazu führen, dass die Entwicklung vom gutartigen Adenom zum Karzinom in 1-2 Jahren durchlaufen wird, statt in 5-10 Jahren.
Meist entwickelt sich Darmkrebs ohne erkennbare Ursache. Bei bestimmten Darmkrebsformen spielen aber erbliche Faktoren eine maßgebliche Rolle und auch ein ungesunder Lebensstil kann die Entstehung von Darmkrebs ungünstig beeinflussen.
Darmkrebs kann durch eine entsprechende genetische Veranlagung begünstigt werden. Verwandte ersten Grades von Patienten mit Darmkrebs weisen ein ungefähr doppelt so hohes Erkrankungsrisiko auf wie Personen ohne betroffene Angehörige. Es wird angenommen, dass bei ungefähr 90% der Patienten Veränderungen im Erbgut zu Darmkrebs führen, bei 5-6% ist eine erbliche Form im engeren Sinne erwiesen. Aus diesem Grund wird die Familiengeschichte bei Vorsorgeuntersuchungen besonders berücksichtigt.
Sind in Ihrer unmittelbaren Verwandtschaft Darmkrebsfälle aufgetreten, so bedeutet dies nicht, dass die Erkrankung auch bei Ihnen zwangsläufig ausbricht. Aber Sie sollten sich in diesem Fall von Ihrem Internisten (Gastroenterologen) eingehend beraten und untersuchen lassen.
Zu den vererbbaren Erkrankungen gehören:
|
| Bild: Darmabschnitt mit Polypen. |
Unbehandelt entwickeln praktisch alle Patienten nach etwa 30 Jahren Krebs. Die Therapie der Wahl ist eine vorbeugende operative Entfernung des gesamten Grimm- bzw. Mastdarms.
Diese vererbbare Form tritt bei bis zu 80% der Patienten um das 45. Lebensjahr auf. Der Tumor kommt häufig im rechten Kolonabschnitt vor. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für andere Krebsarten z. B. für Eierstock- bzw. Magenkrebs. Mit Hilfe eines speziellen Kriterienkatalogs lassen sich Personen mit hohem Erkrankungsrisiko identifizieren (Amsterdam-Kriterien). Regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen sind für die Betroffenen besonders wichtig.
Ursache für die Erkrankung ist eine Mutation, so dass Reparaturen an der DNA nicht mehr durchgeführt werden können und sich neue Genveränderungen immer weiter anhäufen. Das krankheitsauslösende Gen kann innerhalb einer Familie mittels Genanalyse bestimmt werden. Familienmitglieder, die dieses Gen nicht besitzen, haben kein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Polypen des Kindesalters sind meist embryonale Gewebsfehlbildungen und können sowohl spontan entstehen als auch Zeichen für eine familiäre juvenile Polyposis sein. Generell sind Patienten mit erblichen Polyposis-Syndromen bereits in jungen Jahren besonders gefährdet, an Darmkrebs zu erkranken.
Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Darmkrebsrisiko zu verringern. Entsprechend können verschiedene Faktoren die Entstehung von Darmkrebs begünstigen:
Bei weniger als 1% der Patienten ist der Darmkrebs Folge einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.
Die Erkrankung beginnt meist schleichend und mit sehr unterschiedlichen Krankheitszeichen, wie z. B. Leistungsminderung, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß. Da diese Symptome auch auf andere Krankheiten deuten können, wird Darmkrebs sehr oft zu spät erkannt.
Das einzige zuverlässige Frühsymptom ist eine Blutbeimischung im Stuhl. Aber dieses Alarmzeichen wird häufig fehl gedeutet, da es auch auf Hämorrhoiden zurückgehen kann. Deshalb sollten Sie sich bei Blut im Stuhl in jedem Fall auf Darmkrebs untersuchen lassen, auch wenn Sie Hämorrhoiden haben. Andererseits bedeutet das Fehlen dieses Krankheitszeichens keine Entwarnung: Darmkrebs kann auch vorliegen, wenn kein Blut im Stuhl vorhanden ist.
Eine plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheiten, faulig-eitriger Stuhlgeruch und ständiger Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall sowie Schleimbeimischungen sind oft mögliche erste Anzeichen für Darmkrebs. Auch das Symptom des „falschen Freundes" (Blähungen mit Stuhlabgang) sowie konstant üble „Windgerüche" können ein Hinweis auf Darmkrebs sein. Sie sollten sich daher bei verändertem Stuhlverhalten oder Blut im Stuhl einen Internisten aufsuchen und sich untersuchen lassen.
Krebs im Enddarm verursacht oft schmerzhaften Stuhlgang mit Beimischungen von Blut und Schleim. Eine Verengung des Darms durch den Tumor führt zu „Bleistiftstuhl" und unwillkürlichem Stuhl- und Windabgang. Bei Tumoren im Blinddarm leiden Patienten häufig unter Schmerzen im rechten Unterbauch, größere Tumore können manchmal durch die Bauchdecke hindurch als walzenförmige Verhärtung ertastet werden.
|
| Bild: Tumor im Dickdarm. |
Eventuell ist der Tumor sogar zu tasten, besonders wenn er auf der rechten Seite des Grimmdarms oder im Mastdarm sitzt. Eine chronische Blutarmut (Anämie), u. a. erkennbar an blasser Gesichtsfarbe und Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit sowie späterer Gewichtsverlust sind ebenfalls Hinweise auf einen Tumor. Die Blutarmut kommt in diesem Falle durch das Bluten des Tumors zustande, das für das bloße Auge aber nicht im Stuhl erkennbar ist und das nur der behandelnde Internist/Gastroenterologe im fäkalen Okkultblut-Test oder in der Koloskopie nachweisen kann.
Hat der Darmtumor bereits eine gewisse Größe erreicht, füllt er den Darm teilweise oder vollständig aus und führt zu einem Darmverschluss (Ileus). Hierbei kommt es zu einem frühzeitigen Stuhl- und Windverhalt und ausgeprägten Blähungen. Im weiteren Verlauf tritt Erbrechen mit Kotbeimengungen auf, die von heftigen, anfallartigen Schmerzen begleitet sein können. Ein solcher Fall ist Anlass für eine sofortige Operation, sofern der Zustand des Patienten dies zulässt.
Andere Erkrankungen können darmkrebsähnliche Beschwerden verursachen. Dazu gehören die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und Unverträglichkeitsstörungen wie die Sprue/Zöliakie oder die Laktose-Intoleranz. Nur der Internist/Gatroenterologe kann feststellen, welche Erkrankung tatsächlich vorliegt. Er kann mit einer Koloskopie und der Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) zwischen den verschiedenen Erkrankungen unterscheiden.
|
| Bild: Darmverschluss durch einen Darmtumor. |
Weitere schwerwiegende Komplikationen sind das Übergreifen auf Nachbarorgane (Blase, Vagina, Leber usw.) oder das Abdrücken lebensnotwendiger Blutgefäße. Dies kann zum Infarkt und Absterben des Darmes oder umliegender Organe führen.
Im fortgeschrittenen Stadium bildet Darmkrebs häufig Metastasen aus. Diese besiedeln in den meisten Fällen die Leber und führen schließlich zu Leberversagen mit Gerinnungsstörungen, Ödemen und Bewusstseinseintrübung. Atemnot, andauernder und blutiger Husten können dagegen ein Hinweis auf Metastasen in der Lunge sein. Breitet sich der Darmkrebs nicht über den Blutweg, sondern über die Lymphbahnen aus, sind in der Regel die Lymphknoten neben der Aorta (Hauptschlagader), in den Leisten und der Beckenwand betroffen. Verhärtete und geschwollene, aber schmerzlose Lymphknoten sowie eine geschwächte Immunabwehr sind die Folge.
Eine allgemeine körperliche Untersuchung und eine Untersuchung des Enddarms mit dem Finger sind Standarduntersuchungen, die der Internist (Gastroenterologe) bei Verdacht auf Darmkrebs vornimmt. Allerdings ist nur jeder 10. Tumor auf diese Weise tastbar.
Mit dem so genannten fäkalen Okkultblut-Test (Guajak-Test), der auch zur Darmkrebsvorsorge gehört, kann der Internist einfach feststellen, ob der Stuhl Blut enthält. Fällt der Test positiv aus, wird der Darm mittels Darmspiegelung untersucht. Allerdings bedeutet Blut im Stuhl nicht in jedem Fall, dass Darmkrebs vorliegt. Andere, oft häufigere Gründe sind Hämorrhoiden oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
Die Darmspiegelung (Endoskopie) ist die wichtigste Untersuchungsmethode, mit der der Gastroenterologe Darmkrebs feststellen kann. Dabei führt er ein starres Metallrohr durch den After ein, um den Mastdarm (Rektoskopie) oder den Analkanal (Proktoskopie) zu untersuchen. Tiefer im Körper liegende Darmabschnitte können nach einer Reinigung des Darms mit einem fingerdicken, biegsamen und mit einer Lichtquelle ausgestatteten Schlauch (Endoskop) erreicht werden.
|
| Bild: Entfernung eines Darm- polypen mittels Schlinge. |
Eine Röntgenuntersuchung (Kontrasteinlauf) ist nur notwendig, wenn der Tumor den Darm so weit verschließt, dass das Endoskop den dahinter liegenden Darmabschnitt nicht erreichen kann. Falls eine Koloskopie nicht möglich ist, kann als Alternative eine Computertomografie mit einer Magnetresonanztomografie kombiniert werden (virtuelle Koloskopie). Allerdings lassen sich mit dieser Methode Tumore noch nicht so genau erkennen wie mit einer Koloskopie.
Ergeben sich aus der Koloskopie Hinweise auf Darmkrebs wird die Tumorausdehnung sowie die Ausbreitung von Metastasen untersucht. Zum Einsatz kommen dabei:
Die Behandlung von Darmkrebs hat die vollständige Entfernung oder Zerstörung des Tumors und seiner Tochtergeschwülste zum Ziel, denn nur so ist eine Heilung möglich. Der Facharzt kann den Krebs operativ oder mittels Medikamenten entfernen oder durch radioaktive Strahlung zerstören. Oft werden die Behandlungsmethoden auch kombiniert, um den Behandlungserfolg zu erhöhen. Für den Arzt ist es jedoch schwierig zu erkennen, ob seine Behandlung erfolgreich war.
Dank neuer Operationstechniken, verbesserter Medikamente und gezielterer Bestrahlung haben sich die Heilungschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Außerdem sind die Nebenwirkungen dieser Behandlungen stark zurückgegangen.
Die Behandlung des Darmkrebses hängt von der Lage des Tumors, seiner Ausbreitung und dem Vorhandensein von Metastasen ab. Grundsätzlich wird bei Darmkrebs der befallene Darmanteil in einem Sicherheitsabstand von 5 cm zum Tumor und benachbarte Lymphknoten operativ entfernt. Für die verschiedenen Darmabschnitte stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Es wird meist versucht, die Anlage eines künstlichen Darmausganges zu vermeiden. Der Standardweg ist noch die offene chirurgische Technik, die Operation wird allerdings immer öfter als Schlüssellochoperation (Laparoskopie) durchgeführt.
Jeder chirurgische Eingriff am Darm kann zunächst eine Lähmung der Darmbewegungen hervorrufen. Wird diese nicht innerhalb weniger Tage aufgehoben, ist ein Darmstillstand/verschluss (Ileus) mit Verstopfung und Überdehnung des Darms die Folge. Die Patienten leiden dann unter starken Bauchschmerzen, Schluckauf und Erbrechen. Durch große Flüssigkeitsverluste und Elektrolytverschiebungen bzw. nachfolgende Infektionen können schließlich lebensbedrohliche Zustände entstehen.
Die Behandlung von Darmkrebs mit Hilfe von Medikamenten hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Neue Wirkstoffe verbessern die Heilungschancen und besitzen weniger Nebenwirkungen.
Jahrzehntelang war 5-Fluorouracil (5-FU) weltweit das Standardmedikament zur Behandlung von Darmkrebs. Das Medikament blockiert die Neubildung der DNA und hemmt dadurch das unkontrollierte Zellwachstum des Tumors. Die Kombination mit Folinsäure verstärkt diesen Effekt. Als Nebenwirkungen einer 5-Fluorouracil-Gabe können vor allem Schleimhautentzündungen und Durchfall auftreten. Nach Dauerinfusionen über 24 Stunden kann es zu einer schmerzhaften Rötung der Füße und Hände („Hand-foot-Syndrom") kommen.
Bei Versagen einer 5-Fluorouracil/Folinsäure-Behandlung können seit einigen Jahren auch die neueren Wirkstoffe Irinotecan oder Oxaliplatin eingesetzt werden. Typische Nebenwirkung von Irinotecan ist Durchfall, bei Oxaliplatin treten häufig Fehlwahrnehmungen oder Missempfindungen (Hautkribbeln, Ameisenlaufen), Überempfindlichkeiten und Bewegungseinschränkungen auf.
Krebs im Grimmdarm wird nach der Operation ab Stadium I 6 Monate lang mit 5-Fluorouracil und Folinsäure behandelt, da es die Überlebensrate deutlich verbessert. Krebs im Mastdarm wird zusätzlich bestrahlt, um die Gefahr von Tumorneubildungen zu verringern.
Bis vor einigen Jahren wurde Darmkrebs nach einer operativen Entfernung des Tumors mit einer kombinierten Radio/Chemotherapie nachbehandelt. Neue Erkenntnisse lassen jedoch den Schluss zu, dass eine Radio/Chemotherapie vor der Operation wirksamer ist als nach der Operation.
Bei fortgeschrittenem Enddarmkrebs kann vor der Operation eine kombinierte Radio- und Chemotherapie durchgeführt werden, um den Tumor vor der Operation zu verkleinern und so das Operationsergebnis zu verbessern. Die Chemotherapie wird in der Regel mit 5-Fluorouracil in Kombination mit Folinsäure durchgeführt. Auch nach der Operation erhöht eine kombinierte Radio/Chemotherapie die Überlebensrate der Patienten.
Ist der Tumor bereits soweit fortgeschritten, dass weder Operation noch Chemotherapie oder Bestrahlung eine Heilung versprechen, wird eine so genannte palliative Therapie durchgeführt. Dabei wird versucht, das Leiden des Patienten zu lindern und vor allem drohende Komplikationen zu vermeiden. Eine zusätzliche individuelle ausgefeilte Schmerztherapie sollte immer dazugehören. Ziel der palliativen Therapie ist es, Leben zu verlängern und gleichzeitig die Lebensqualität des Patienten zu erhalten.
Je früher Darmkrebs entdeckt wird, desto größer sind die Überlebenschancen der Patienten. Die Prognose für den weiteren Verlauf der Erkrankung hängt davon ab, in welchem Stadium sich der Tumor zum Zeitpunkt der Entdeckung befindet, d. h. wie sehr er die Darmwand befallen hat und ob Metastasen bereits in Lymphknoten oder andere Organe eingedrungen sind. Grundsätzlich gilt: Je früher Darmkrebs behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen.
Bei einer mikroskopischen Untersuchung von Tumorgewebe kann neben der Tumorart auch die Aggressivität und Wachstumsgeschwindigkeit eines Tumors abgeschätzt werden. Anhand der Stadieneinteilung der UICC können Darmtumore nach ihrem Entwicklungsstadium eingeteilt und die Ausbreitung anhand der TNM-Klassifikatioin beurteilt werden.
Diese Einteilungen bestimmen den Krankheitsverlauf und die Heilungschancen. So haben kleine Tumore ohne Lymphknotenbefall und ohne Tochtergeschwülste eine günstigere Prognose. Beim Mastdarmkrebs ist die Prognose zusätzlich abhängig von der Lage. Je tiefer der Tumor sitzt, desto ungünstiger sind die Heilungschancen, da dort die Streuung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) über mehrere Lymphbahnen erfolgt.
Die Überlebensrate 5 Jahre nach Ausbruch der Erkrankung beträgt bei:
| Rektumkarzinom | Kolonkarzinom | |
| Stadium I | 95% | 95% |
| Stadium II | 85% | 90% |
| Stadium III | 55% | 65% |
| Stadium IV | 5% | 5% |
Ein wichtiger Faktor für die Prognose spielt auch die Erfahrung des Chirurgen und die Häufigkeit, mit der Darmkrebs in der jeweiligen Klinik operiert wird. Bei einem erfahrenen Operateur kann die Überlebensrate bis zu 30% höher sein.
In den Stadien 0 und I ist eine unterstützende Chemotherapie wegen der sehr guten Heilungsraten nicht notwendig, in Stadium II wird sie nur bei bestimmten Risikofaktoren empfohlen.
In Stadium III und IV kann die Prognose durch begleitende Chemotherapie etwas verbessert werden.
Patienten mit Tumoren im Endstadium (Stadium IV) können in der Regel nicht mehr geheilt werden. Eine Chemotherapie kann die Lebenserwartung und Lebensqualität dieser Patienten erhöhen. Unbehandelt beträgt die Lebenserwartung in diesem Stadium 12 Monate, mit einer Chemotherapie zurzeit maximal etwa 24 Monate.
Darmkrebs-Patienten sind sowohl durch das Weiterwachsen des ursprünglichen Tumors als auch durch das spätere Auftreten weiterer Tumore gefährdet. Aus diesem Grund sind nach der Krebsbehandlung lebenslang regelmäßige Untersuchungen erforderlich.
Der Sinn von Nachsorgeuntersuchungen bei Darmkrebs liegt darin, ein mögliches Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Da die Rückfallquote bei Darmkrebs hoch ist, sollten Patienten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchführen lassen. Im ersten Jahr nach der Operation sollte vierteljährlich ein fäkaler Okkultblut-Test und Laboruntersuchungen vorgenommen werden. Halbjährlich werden Ultraschall, Koloskopie, Röntgenaufnahmen der Brust und bei Krebs im Mastdarm eine Computertomografie des Beckens empfohlen. Ab dem 2. Jahr werden die Zeitabstände größer.
Bei Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis oder vererbbarem nichtpolypösem Kolonkarzinom-Syndrom werden regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt, um frühzeitig Metastasen außerhalb des Darms zu erkennen.
Spezialisierte Tumornachsorgekliniken (siehe www.tumorzentren.de) sind für stationäre Aufenthalte zur Rehabilitation besonders geeignet, da sie mit den speziellen Erfordernissen von Darmkrebs-Patienten vertraut sind. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen in körperlicher, sozialer, psychischer und beruflicher Hinsicht zu verbessern.
Da Darmkrebs viele verschiedene Krankheitszeichen auslösen kann und kein einheitliches Krankheitsbild aufweist, wird er oft nicht oder zu spät erkannt. Einen wesentlichen Beitrag zur Früherkennung von Darmkrebs bieten Vorsorgeuntersuchungen für Patienten ab dem 45. Lebensjahr. Im Rahmen dieser Vorsorge kann der behandelnde Internist das Darmkrebsrisiko des Patienten einschätzen und im Verdachtsfall weitere Untersuchungen durchführen.
Einen wichtigen Hinweis auf das Darmkrebsrisiko liefert ein Blick auf die familiäre Krankheitsgeschichte. Zu den Untersuchungen gehört das Abtasten des Mastdarms mit dem Finger im Rahmen einer allgemeinen körperlichen Untersuchung. Zusätzlich wird der Stuhl mit einem (fäkalen Okkultblut-Test) auf Blut untersucht, alle 3-5 Jahre erfolgt eine Spiegelung des Mastdarms und mindestens einmal im Leben eine vollständige Darmspiegelung. Auch wenn die Darmspiegelung Risiken birgt, z. B. Infektionen oder Blutungen, profitieren vor allem die über 50-Jährigen von dieser Untersuchung. Darüber hinaus lässt sich durch die Entfernung von Adenomen die Entstehung eines Tumors verhindern.
Jeder gesetzlich Versicherte hat Anspruch auf mindestens 2 Darmspiegelungen. Die Kosten einer Koloskopie werden ab dem 56. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen, bei unauffälligem Befund wird eine Nachfolgeuntersuchung frühestens 10 Jahre später von den Krankenkassen gewährt. Ab dem 50. Lebensjahr bis zur Vollendung des 55. Lebensjahres besteht der Anspruch auf die jährliche Durchführung eines fäkalen Okkultblut-Tests. Bei einem positiven Befund sollte der komplette Darm untersucht werden.
Ab dem vollendeten 55. Lebensjahr kann zwischen dem fäkalen Okkultblut-Test alle 2 Jahre oder einer Darmspiegelung im Abstand von 10 Jahren gewählt werden. Risikopatienten sind natürlich von dieser Regelung ausgenommen und werden besonders engmaschig kontrolliert.
Verwandte ersten Grades von Darmkrebs-Patienten sollten in einem Alter eine Darmspiegelung durchführen lassen, das 10 Jahre vor dessen Krebserkrankung liegt. Ist die Erkrankung vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten, sollte die Untersuchung ab dem 40. Lebensjahr des Verwandten erfolgen. Bei engen Verwandten von Darmkrebs-Patienten über 60 Jahren wird die erste Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr empfohlen.
Verwandte eines Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis weisen ein erhöhtes Darmkrebsrisiko auf. Sie sollten deshalb bereits im Alter von 10 Jahren untersucht werden, ob das entsprechende Gen für die Erkrankung vorliegt. Bei positivem Ergebnis sollte der Darm jährlich untersucht werden.
Risikopatienten für ein vererbbares nichtpolypöses Kolonkarzinom-Syndrom und deren Angehörige sollten im 18. Lebensjahr auf das Vorliegen des entsprechenden Gens hin getestet und ab dem 25. Lebensjahr jährlich mittels Darmspiegelung untersucht.
Bei Patienten mit chronischer Darmentzündung, die seit mehr als 8 Jahren unter Colitis ulcerosa oder seit mehr als 15 Jahren unter linksseitiger Darmentzündung leiden, wird in den ersten beiden Jahren eine jährliche Darmspiegelung des kompletten Darms durchgeführt, später alle 2 Jahre.
Zusätzlich zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen verringert eine gesunde Lebensweise die Gefahr von Darmkrebs. Dazu gehört:
Völlig verhindern lässt sich Darmkrebs durch diese Maßnahmen allerdings nicht, da neben der erblichen Vorbelastung auch weitere, unbekannte Faktoren eine Rolle spielen.
Jeder Patient erlebt die Diagnosestellung „Krebs" individuell, abhängig auch von der aktuellen Lebenssituation, den sozialen Beziehungen und der bisherigen Lebensgeschichte. Aber unabhängig davon, ist es für jeden Patienten eine sehr schwierige Zeit, der oft eine körperlich wie psychisch sehr anstrengende Therapie folgt. Der Rückhalt mit emotionaler und praktischer Unterstützung durch Partner und Familie ist daher von großer Bedeutung und sollte nicht unterschätzt werden.
www.darmkrebsvertrag.de/patienteninfo.htm
Gastro Liga e.V.
Friedrich-List-Straße 13
35398 Gießen
Tel.: 0641 / 9 74 81 - 0
Fax: 0641 / 9 74 81 - 18
E-Mail: geschaeftsstelle@gastro-liga.de
www.gastro-liga.de
Geschäftsstelle Stiftung LebensBlicke
Bremserstr. 79
67063 Ludwigshafen
Tel.: 0621 / 503 41 68
Fax: 0621 / 503 41 12
E-Mail: stiftung@lebensblicke.de
www.lebensblicke.de
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Steinlestraße 6
60596 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 63 00 96-0
Fax: 069 / 63 00 96-66
E-Mail: web@krebsgesellschaft.de
www.krebsgesellschaft.de
Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.
Rosenkavalierplatz 10
D-81925 München
Tel.: 089 / 92 50 17 48
Fax: 089 / 92 50 27 13
E-Mail: anja.kropp@netzwerk-gegen-darmkrebs.de
www.netzwerk-gegen-darmkrebs.de
Darmkrebs. Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige
Hermann Delbrück
Kohlhammer, 2004
Preis: 18,90 Euro
ISBN: 3-17018-314-1
Hilfe bei Darmkrebs
Vorsorge - Diagnose - Therapie
H.-D. Allescher, A.C. Kors, V. Drebing, C. Maar
Trias, 2004
Preis: 17,95 Euro
ISBN: 3-83043-159-7
Darmkrebs
Informationsbroschüre der Deutschen Krebshilfe e.V.,
erhältlich unter www.krebshilfe.de
© Copyright by Monks - Ärzte im Netz GmbH