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| Bild: Geschwüre der Magen-/Darm- schleimhaut (gelb; Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs-Hospital, Wiesbaden). |
Im Anfangsstadium betrifft das Geschwür nur die oberflächliche Magenschleimhaut. Wenn es nicht behandelt wird, dringt es später jedoch auch in tiefere Gewebe der Magenwand bis zur Muskelschicht vor.
Magengeschwüre befinden sich häufig im unteren Bereich des Magens. Hinter dem Magenausgang können auch Zwölffingerdarmgeschwüre entstehen, die ganz ähnliche Beschwerden verursachen wie Magengeschwüre.
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre zählen zu den häufigsten Magen-/Darmerkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich ungefähr 30.000-40.000 Menschen. Insgesamt sind bei uns circa 1,2 Millionen Patienten betroffen. Dabei tritt das Zwölffingerdarmgeschwür etwa 2-mal häufiger auf als das Magengeschwür.
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| Bild: Entzündung der Magenschleimhaut bei erosiver Gastritis (Quelle: Prof. Richard Raedsch; St. Josefs-Hospital Wiesbaden). |
Geschwüre des Magens oder Zwölffingerdarms können auch durch Schmerzmittel oder Rheumamedikamente hervorgerufen werden. Insbesondere das bekannte Schmerzmittel Azetylsalizylsäure (z. B. Aspirin) und nichtsteroidale Antirheumatika (z. b. Ibuprofen, Diclofenac) können die Wand von Magen und Darm schädigen.
Psychologische Belastungen (z. B. Stress), Alkohol, Rauchen oder ein Rückfluss von Gallensaft in den Magen erhöhen das Risiko für ein Geschwür ebenfalls.
Eine große Rolle bei der Entstehung eines Geschwürs spielt außerdem die Magensäure: Ohne sie tritt praktisch nie ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür auf. Sie ist jedoch nur der Auslöser, nicht die eigentliche Ursache des Geschwürs, denn normalerweise wird die Magenwand durch eine Schleimschicht, die Darmoberfläche durch die Darmflüssigkeit vor der Säure geschützt. Erst wenn dieser Schutz fehlt, kann die Säure die Magenschleimhaut und die darunter liegenden Gewebeschichten angreifen und zerstören.
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren geht meist eine längere Krankengeschichte voraus. Die Beschwerden können denen eines Reizmagens ähneln. Die Symptome entwickeln sich dabei schleichend und nehmen häufig im Verlauf von mehreren Wochen oder Monaten an Heftigkeit zu.
Typische Warnzeichen im Anfangsstadium der Erkrankung können sein:
Etwa 30% der Patienten sind beschwerdefrei und bemerken gar nicht, dass sie ein Geschwür haben. Die meisten Patienten spüren jedoch einen dumpfen, bohrenden Schmerz im Oberbauch, der manchmal in den Rücken ausstrahlt. Im Unterschied zur Magenentzündung mit ihrem nicht lokalisierbaren Schmerz tritt der Schmerz bei einem Geschwür punktuell auf. Der Patient kann also genau die schmerzhafte Stelle zeigen. Diese stimmt aber nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Ort des Geschwürs überein.
Bei einem Magengeschwür können die Beschwerden sowohl nahrungsunabhängig als auch unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme auftreten. Nüchternschmerz, der nach der Nahrungsaufnahme nachlässt, ist dagegen typisch für ein Zwölffingerdarmgeschwür. Oft verstärken sich die Schmerzen während der Nacht.
Die Betroffenen vertragen stark gewürzte Speisen, Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee schlecht. Außerdem leiden sie oft unter Erbrechen von blutigem Mageninhalt, Appetitmangel, Übelkeit und Sodbrennen.
Neben lang anhaltenden Beschwerden können Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre auch zu kurzfristigen, anfallartigen Komplikationen führen.
Bei jedem 5. Geschwür-Patienten kommt es zu Blutungen im Magen oder Zwölffingerdarm. Bei schwachen Blutungen klagt der Patient zunächst über Müdigkeit. Bei starken Blutungen sind die Krankheitszeichen schwerwiegender:
Ein weiteres typisches Zeichen ist ein schwarzer Mageninhalt oder Stuhl. Grund dafür ist, dass der rote Blutfarbstoff Hämoglobin bei Kontakt mit der Magensäure in Hämatin umgewandelt wird. Hämatin ist schwarz und gibt erbrochenem Mageninhalt das typische Aussehen von Kaffeesatz. Wird er aus dem Darm ausgeschieden erscheint er als so genannter Teerstuhl.
Allerdings kann auch Blut, das sich länger als 8 Stunden im Darm befindet, den Stuhl schwarz färben. Der Patient sollte in diesem Fall sofort einen Gastroenterologen aufsuchen.
Die Patienten bekommen plötzlich heftige Schmerzen im Oberbauch, der Bauch ist extrem angespannt und wird dadurch bretthart. Oft erleiden die Patienten einen Schock.
Wiederholt auftretende Geschwüre am Magenausgang führen zu Narben in der Darmwand, die den Magenausgang immer weiter verengen können. Der Mageninhalt kann dadurch nicht mehr in den Darm weitertransportiert werden und wird stattdessen erbrochen. Dadurch wird der Wasser- und Salzhaushalt des Körpers gestört, was zu plötzlichem Gewichtsverlust führen kann.
Besteht ein Verdacht auf ein Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, führt der Internist zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Er stellt dabei Fragen zur aktuellen Gesundheitssituation sowie zu früheren Krankheiten (Anamnese). Eine wichtige Information für den Internisten ist dabei die Beschaffenheit des Stuhls und - sofern gegeben - des erbrochenen Mageninhalts. Ist der Stuhl schwarz gefärbt (Teerstuhl) oder hat der Mageninhalt das Aussehen von Kaffeesatz, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Blutung in Magen oder Darm.
Bei der körperlichen Untersuchung prüft der Internist, ob der Ober- und Unterbauch empfindlich auf Druck reagiert. Danach schließt sich in der Regel eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes an. Auch Röntgenaufnahmen können wertvolle Informationen liefern: Bei einem Magen- oder Darmdurchbruch gelangt Luft in die Bauchhöhle, die im Röntgenbild sichtbar ist.
Außerdem kann der Internist auch an bestimmten Blutwerten erkennen, ob Bauchorgane entzündet sind. Verringerte Hämoglobin- und Hämatokrit-Werte sind z. B. typische Anzeichen einer Blutung in Magen oder Darm.
Eine endoskopische Untersuchung ist am besten geeignet, den Magen und Zwölffingerdarm auf ein Geschwür hin zu untersuchen. Dabei führt der Internist dem Patienten durch den Mund einen biegsamen Schlauch ein (Endoskop). Er kann damit die Schleimhautoberfläche in der Speiseröhre, im Magen und im Zwölffingerdarm begutachten und bestehende Geschwüre aufspüren. Nur so lässt sich ein Geschwür sicher von anderen Erkrankungen, wie z. B. Magenkrebs, unterscheiden.
Während der endoskopischen Untersuchung kann der Gastroenterologe eine kleine Gewebeprobe entnehmen und diese anschließend im Labor untersuchen lassen. So erhält der Internist endgültige Sicherheit, ob ein Geschwür oder etwa eine Krebserkrankung vorliegt. Außerdem ist kann er mit dieser Methode eine Infektion mit dem Krankheitskeim Helicobacter pylori nachweisen.
Unter Umständen empfiehlt der Internist nach der Magenspiegelung noch eine Computer- oder Kernspintomografie, um Erkrankungen von Gallenblase, Leber oder Bauchspeicheldrüse auszuschließen.
Magen- und Darmgeschwüre heilen manchmal ohne Behandlung innerhalb von 2-3 Monaten von alleine ab. Allerdings beträgt die Rückfallquote bei unbehandelten Patienten 40-80%. Moderne Medikamente können den Heilungsprozess auf 1-3 Wochen verkürzen und die hohe Rückfallrate senken.
Bei schwachen Beschwerden können dem Patienten Allgemeinmaßnahmen helfen. Dazu gehört eine magenfreundliche Kost aus milden, gut verträglichen Speisen. Außerdem sollten die Betroffenen auf Alkohol und Zigaretten verzichten und Kaffee nur in Maßen trinken. Ruhe und Entspannung können bei starken psychischen Belastungen ebenfalls die Beschwerden lindern.
Eine kurzzeitige Selbstbehandlung mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten aus der Apotheke kann ebenfalls von Nutzen sein. So genannte Antazida wirken säurehemmend und säurebindend und sind auf diese Weise in der Lage, die Magen-Darmtätigkeit zu regulieren und die Schmerzen zu mildern.
Auch pflanzliche Heilmittel wie etwa eine Rollkur mit Kamillentee sowie auch andere Heilkräuteranwendungen, zum Beispiel aus Fenchel, Anis, Süßholzwurzelextrakt helfen, die Schleimhaut zu beruhigen und Schmerzen zu lindern.
Wenn die Beschwerden mit dieser Behandlung nicht innerhalb einiger Tage verschwinden oder sich sogar verschlimmern, wird der Internist dem Patienten je nach Ursache des Geschwürs Medikamente zur Behandlung empfehlen. Diese sollen vor allem den Erreger Helicobacter pylori beseitigen und die Magensäure neutralisieren.
Findet der Internist bei einer Endoskopie das Bakterium Helicobacter pylori, kann er mehrere Medikamente zur Behandlung des Geschwürs miteinander kombinieren: Säureblocker zur Verringerung der Magensäure und Antibiotika, um Helicobacter pylori im Magen abzutöten.
Häufig setzt der Internist eine Dreifachkombination aus einem Säurehemmer und 2 verschiedenen Antibiotika ein. Protonenpumpenhemmer und Histamin-H2-Rezeptor-Blocker (H2-Blocker) sind die gebräuchlichsten Säurehemmer. Sie blockieren beide die Säureproduktion im Magen, Protonenpumpenhemmer sind jedoch wirksamer als H2-Blocker.
Die Medikamente müssen ungefähr 7-10 Tage eingenommen werden. Bei einem Magengeschwür sollten Patienten den Säurehemmer 4 Wochen länger einnehmen, damit das Geschwür völlig abheilen kann. Den Erfolg der Antibiotikabehandlung kann der Internist mit einem speziellen Test, dem 13C-Harnstoff-Atemtest, überprüfen.
Nach einer solchen Behandlung verschwindet das Geschwür in den meisten Fällen . Bei einem Rückfall wird der Internist erneut Medikamente verabreichen. Rückfälle sind jedoch sehr selten.
Wurde ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür durch Schmerzmittel, z. B. Acetylsalicylsäure (Aspirin), oder Rheumamedikamente (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika) ausgelöst, ist es wichtig, diese Medikamente zunächst abzusetzen, damit die Magen- bzw. Zwölffingerdarmschleimhaut nicht mehr gereizt wird. Parallel dazu verabreicht der Arzt ein säurehemmendes Präparat, z. B. einen Protonenpumpenhemmer, um die Regeneration der Schleimhaut zu unterstützen. Im Allgemeinen heilen die Geschwüre unter dieser Therapie innerhalb von 1-2 Wochen ab.
Kann der Patient seine Schmerz- oder Rheumamedikamente nicht absetzen, muss er einen Säurehemmer dauerhaft einnehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Geschwür immer weiter fortschreitet und zu schweren Komplikationen führt.
Bei starken Blutungen aus einem Magen-/Darmgeschwür muss der Patient strikte Bettruhe einhalten. Er erhält weiter Protonenpumpenhemmer sowie Bluttransfusionen, um den Blutverlust auszugleichen.
Außerdem versucht der Gastroenterologe, die Blutung möglichst schnell zu stillen und den Blutverlust gering zu halten. Dazu sucht er mit dem Endoskop den Ort der Blutung. Oft kann er das geschädigte Blutgefäß mit einem Stromstoß veröden oder mit einem speziellen Clip verschließen. In den seltenen Fällen, in denen das nicht möglich ist, muss der Patient operiert und das Blutgefäß zugenäht werden.
Magen- oder Darmdurchbrüche sind lebensbedrohlich und müssen sofort operiert werden. Auch bei einer Verengung des Magenausgangs hilft meist nur eine Operation.
Magen- und Darmgeschwüre können auch ohne Behandlung innerhalb von 2-3 Monaten von alleine abheilen. Eine Behandlung mit Säurehemmern und Antibiotika kann den Heilungszeitraum jedoch auch 1-3 Wochen verkürzen.
Bei entsprechender Therapie ist die Prognose des Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs sehr günstig. Vor allem eine Helicobacter-pylori-Infektion als Hauptursache lässt sich ausgezeichnet mit Antibiotika behandeln. Durch dauerhafte Beseitigung des Bakteriums mit einer Dreifach-Kombinationstherapie liegt die Heilungsrate bei 95%.
In den seltenen Fällen, in denen Helicobacter pylori auch nach der Behandlung noch vorhanden ist, wird die Therapie wiederholt. Die Erfolgsrate ist auch dann wieder sehr hoch. Nur bei sehr wenigen Patienten gelingt die vollständige Beseitigung des Erregers nicht.
Unbehandelte Patienten haben ein hohes Rückfallrisiko von 40-80%, d. h. nach Heilung treten immer wieder neue Geschwüre auf. Die Erkrankung kann durch diese wiederkehrenden Geschwüre chronisch werden.
Geschwüre des Magens und des Zwölffingerdarms entstehen meist durch eine Entzündung der Magen- oder Dünndarmschleimhaut. Bei Schmerzen im Oberbauch sollten Betroffenen frühzeitig einen Internisten oder Gastroenterologen aufsuchen der die Ursache der Schmerzen untersuchen kann. Wird die Entzündung rechtzeitig behandelt, können dauerhafte Beschwerden durch ein Geschwür verhindert werden.
Eine gesund Lebens- und Ernährungsweise kann dazu beitragen, eine Schleimhautentzündung oder ein Geschwür des Magens oder des Zwölffingerdarms zu verhüten.
Folgende Empfehlungen helfen Ihnen dabei:
Essen Sie nicht zu hastig. Nehmen Sie jede Mahlzeit möglichst ganz in Ruhe ein, kauen Sie gut und trinken Sie ausreichend.
Alkohol und Kaffee sollten Sie nur in Maßen zu sich nehmen. Bei empfindlichem Magen ist es empfehlenswert, einige Zeit ganz darauf zu verzichten.Gastro Liga e.V.
Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung
Friedrich-List-Straße 13
35398 Gießen
Tel.: 0641 / 9 74 81 - 0
Fax: 0641 / 9 74 81 - 18
E-Mail: geschaeftsstelle@gastro-liga.de
www.gastro-liga.de
Deutsche Gesundheitshilfe Magen und Darm e.V.
Hausener Weg 61
60489 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 7 89 47 47
Fax: 069 / 78 77 00
E-Mail: info@gesundheitshilfe.de
www.gesundheitshilfe.de
Schluss mit Reflux, Gastritis, Magengeschwüren und Reizmagen
Karin Gruber, Michael Gschwantler, Werner Weiss
Verlagshaus der Ärzte, 2006
Preis: 9,90 Euro
ISBN: 3-90148-870-7
Richtig einkaufen bei Magen-Darm-Beschwerden
Karin Hofele
Trias, 2003
Preis: 7,95 Euro
ISBN-10: 3-83043-085-X
Säure-Basen-Therapie: So hilft sie mir bei Magen-Darm-Beschwerden
Robert M. Bachmann, Birgit Kofler-Bettschart
Trias, 2005
Preis: 12,95 Euro
ISBN-10: 3-83043-132-5
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