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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)



Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?


Bei einer Schilddrüsenüberfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone gebildet

Die Schilddrüse beeinflusst zusammen mit anderen Hormondrüsen einen Großteil der lebenswichtigen Stoffwechselprozesse im menschlichen Körper. In ihr werden die Hormone Tetrajodthyronin (Thyroxin), kurz T4 genannt, und Trijodthyronin, kurz T3, gebildet und in den Blutkreislauf abgegeben.

Nach der Kropfbildung (Struma) ist die Überfunktion, auch Hyperthyreose genannt, die zweithäufigste Erkrankung der Schilddrüse. Sie tritt überwiegend bei Frauen auf (Frauen: Männer = 5:1) und älteren Menschen auf. Bei einer Überfunktion werden die Hormone T4 und T3 über das erforderliche Maß hinaus gebildet und ausgeschüttet. Dadurch wird eine krankhafte Steigerung der Stoffwechselprozesse im ganzen Körper in Gang gesetzt. Eine Überfunktion kann verschiedene Ursachen haben. Die beiden häufigsten sind die immunbedingte Schilddrüsenüberfunktion (Immunhyperthyreose), hier vor allem der Morbus Basedow, sowie die sogenannte Autonomie.

Immunsystem ist häufig Auslöser

Die Immunhyperthyreose macht etwa 40% aller Schilddrüsenüberfunktionen aus. Frauen erkranken 5-mal häufiger als Männer, der Erkrankungshäufigkeitsgipfel  liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Sie wird durch eine Fehlsteuerung der körpereigenen Abwehrstoffe hervorgerufen. Von einer Autonomie sind meist Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Sie macht bei älteren Menschen etwa 70-80% aller Überfunktionen aus. Diese Krankheit entsteht durch autonome („unabhängige") Zellen, die nicht mehr auf die entsprechenden Steuerungsmechanismen reagieren und dadurch verstärkt Hormone ausschütten.

Vielfältige allgemeine Krankheitszeichen kennzeichnen eine Schilddrüsenüberfunktion. Die Patientinnen klagen häufig über Gewichtsverlust trotz verstärktem Hungergefühl, Durchfall, Nervosität, Haarausfall, Schweißausbrüche, Herzklopfen und Wärmeempfindlichkeit.

Als Untersuchungsmethoden stehen labormedizinische Untersuchungen, die Szintigrafie und die Sonografie zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Medikamenten, die die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen. In schweren Fällen wird mittels Operation oder Radio-Jod-Therapie das Schilddrüsengewebe reduziert oder vollständig ausgeschaltet.

 


Ursachen & Risikofaktoren


Bei einer Schilddruesenüberfunktion werden zu viel Hormone T3 und T4 gebildet

Die Funktion der Schilddrüse wird durch das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) der Hirnanhangdrüse gesteuert, um eine normale Produktion von T3 und T4 zu gewährleisten. Hierbei ist die Konzentration der freien Hormone (fT3, fT4) entscheidend, wobei der am weiten größte Anteil von T3 und T4 an ein spezifisches Eiweiß gebunden ist (TBG = Thyroxin-bindendes Globulin) bzw. an Albumin.  

Immunbedingte Überfunktion

Typische Ausprägung ist der Morbus Basedow (die Basedow-Krankheit), die mit einem Hervorquellen der Augäpfel und weiteren Veränderungen der Augen einhergeht, z.B. mit Lidödemen. Auch kann typischerweise ein Unterschenkelödem (prätibiales Myxödem) auftreten. Ohne diese spezifischen Zeichen spricht man von einer Immunhyperthyreose Typ Basedow.  Als begünstigende Faktoren für einen Ausbruch der Krankheit werden erbliche Anlagen, psychische Belastung und Rauchen angenommen.

Diese immunbedingte Schilddrüsenüberfunktion entsteht durch körpereigene Abwehrstoffe (sog. Antikörper), die normalerweise schützend vor Ansteckung mit Krankheitserregern wirken (Prinzip der Impfung). In diesem Fall richten die Antikörper ihre Wirkung allerdings gegen körpereigene Strukturen und werden daher Autoantikörper genannt. Die stimulierenden Schilddrüsen-Autoantikörper regen die Schilddrüsenzellen an, vermehrt Hormone zu bilden. Da die Schilddrüsenhormone ihrerseits auf das Steuerhormon TSH wiederum hemmend wirken, kann eine Schilddrüsenüberfunktion anhand erniedrigter TSH-Spiegel im Blut erkannt werden.

Überfunktion durch Autonomien

Auch eine sog. Autonomie der Schilddrüse (unifokal, multifokal, disseminiert)  kann zu einer Überfunktion führen. Eine funktionelle Autonomie (weitere Begriffe: Schilddrüsenautonomie, unifokale Autonomie, multifokale Autonomie, disseminierte Autonomie) bezeichnet die Tatsache, dass Teile der Schilddrüse (z.B. einzelne Knoten) oder die gesamte Schilddrüse (die dann von kranken Zellen durchsetzt ist) Schilddrüsenhormon bilden, ohne der Steuerung durch das Gehirn (Regelkreis von Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüsen) zu gehorchen. Bei einer Autonomie sind eine oder mehrere abgrenzbare Regionen oder die gesamte Schilddrüse an einer TSH unabhängigen übermäßigen Produktion  von T3 und T4 beteiligt. Sie bilden dann unabhängig vom tatsächlichen Bedarf zu viel Hormon. TSH wird dadurch wiederum unterdrückt oder ist zumindest erniedrigt. Ein chronischer Jodmangel fördert die Entstehung von Autonomien, wenn die Gründe hierfür auch noch nicht eindeutig geklärt sind.

Weitere Ursachen

Hat ein Patient eine Veranlagung zur Überfunktion und nimmt über einen zu langen Zeitraum oder in zu großen Mengen Jod zu sich, kann eine jodinduzierte Überfunktion entstehen. Das ist bei circa 15% aller Schilddrüsenüberfunktionen der Fall. Dies geschieht meist nicht über die Nahrung, sondern über jodhaltige Arzneien oder Nahrungsmitteln (z. B. Meeresalgen), die der Kropfvorbeugung dienen sollen. Aber auch Desinfektionsmittel, Medikamente für die Atemwege oder jodhaltige Röntgenkontrastmittel können Jod enthalten und damit Auslöser sein.

Auch eine zu hoch dosierte Therapie mit Schilddrüsenhormonen bei Kropfbildung (Struma) oder aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion führt zu einer Überfunktion.


Anzeichen & Symptome


Die von den Schilddrüsenhormonen beeinflussten Organe und Funktionen arbeiten bei einer Schilddrüsenüberfunktion auf Hochtouren. Trotzdem ist eine Erkennung der Krankheit schwierig, da die Beschwerden meist unspezifisch sind und nicht immer zusammen auftreten. Fast alle Anzeichen sind auf den erhöhten Stoffwechsel und das enge Zusammenspiel der Hormone mit dem vegetativen Nervensystem zurückzuführen.

Symptome in jüngeren Jahren

Als Leitsymptome gelten folgende Beschwerden:

  • Psychische Anzeichen: Nervosität, Aggressivität, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen
  • Herz-Kreislauf-Störungen: vorübergehend oder ständig erhöhter Puls, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, beengendes Gefühl in der Herzgegend
  • Erhöhte Körpertemperatur, Überempfindlichkeit gegen Wärme, Schwitzen

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Anzeichen:

  • Gewichtsverlust trotz starken Hungergefühls
  • Muskelkrämpfe und Zittern
  • Durchfall
  • Feuchtwarme, samtartige Haut
  • Brüchige Fingernägel und Haare, Haarausfall
  • Knochenveränderungen im Sinne einer Osteoporose, allerdings nur bei lang bestehender, unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion
  • Zyklusstörungen
  • Funktionsstörungen anderer Drüsen, im Sinne weiterer Autoimmunerkrankungen
  • Bei vorliegender Zuckerkrankheit erhöhter Insulinbedarf

Eine Überfunktion kann mit einer Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf bzw. Struma) einhergehen, sie kann aber auch ohne Vergrößerung auftreten, d.h. Schilddrüsengröße
und -Funktion hängen nicht direkt miteinander zusammen.

Symptome bei älteren Patienten

Bei älteren Menschen fehlen oft eine Reihe der typischen Symptome (sog. oligo- oder mono-symptomatische Form einer Hyperthyreose). Häufig sind die Symptome schwächer ausgeprägt und eher insgesamt untypisch für eine Überfunktion. Beispielsweise können nur eine erhöhte Herzfrequenz oder eine Herzrhythmusstörung auftreten oder eine isolierte Gewichtabnahme, die dann eher auf eine bösartige Grunderkrankung schließen lässt.

Morbus Basedow

Die Basedow-Krankheit ist die typische Form der immunbedingten Schilddrüsenüberfunktion mit Augensymptomen (siehe „Ursachen & Risikofaktoren"). Sie wurde nach dem Merseburger Arzt Karl von Basedow (1799-1854) benannt, der die Krankheit erforscht und in der damaligen Fachliteratur dokumentiert hat. Nahezu gleichzeitig wurde diese Krankheit auch in Großbritannien erstmals beschrieben und wird seither in den angelsächsischen Ländern nach dem dortigen Erstbeschreiber als „Graves' disease" bezeichnet.

Der Morbus Basedow ist durch 3 Leitsymptome gekennzeichnet, die als „Merseburger-Trias" bezeichnet werden:

  • Unterschiedlich ausgeprägte Kropfbildung (Struma), d.h. Vergrößerung des Schilddrüsengewebes, z.T. sogar auch mit Knoten, z.B. im Jodmangelgebiet
  • Hervortreten der Augäpfel (Exophthalmus), starrer Blick mit weiteren Veränderungen, z.B. Lidschwellungen und Bindehautentzündungen (endokrine Orbitopathie). Bei Beteiligung des Sehnerves droht sogar eine Erblindung.
  • Erhöhte Herzfrequenz (Tachykardien mit Herzfrequenzen von über 100 Schlägen pro Minute) und andere Herzrhythmusstörungen.

Daneben werden auch die bereits oben genannten Beschwerden beobachtet.

 


Auswirkungen & Komplikationen


Mögliche Auswirkungen und Komplikationen bei einer SchilddruesenüberfunktionDa bei einer Schilddrüsenüberfunktion die Hormone zu Giftstoffen für den Körper werden, spricht man bei sehr akuten und schweren Erkrankungssituationen mit Veränderungen auch der Hirnfunktionen (s.u.) von einer Thyreotoxikose oder thyreotoxischen Krise. 

Unbehandelt verläuft diese Krise in drei Stadien mit unterschiedlichen Symptomen:

Stadium 1 führt zu hohem Fieber, Herzrasen, Erbrechen und Durchfall, Muskelschwäche, Schweißausbrüchen, Austrocknung des Körpers und Unruhe bis zum Delirium. Stadium 2 geht mit Bewusstseinsstörungen und Benommenheit einher. Im Stadium 3 treten Koma und Kreislaufversagen auf sowie manchmal eine relative Funktionsschwäche der Nebennieren mit Mangel des lebenswichtigen Hormons Cortisol. Dieses Stadium kann tödlich enden.

Verursacht wird die Krisensituation oft durch eine unzureichende Therapie, übermäßige Jodzufuhr oder jodhaltige Röntgenkontrastmittel. Ebenso sind  Infektionskrankheiten , Operationen, schlecht eingestellter Diabetes, Schwangerschaft, Wehen und das Absetzen von sog. Thyreostatika (= die Bildung von Schilddrüsenhormon hemmende Medikamente) als Auslöser möglich.

Eine nicht behandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen:

  • Funktionsstörungen anderer Drüsen (z.B. Nebenniere - s.a. oben)
  • Stoffwechselstörungen mit erhöhtem Energiebedarf. Zuckerkranke beispielsweise benötigen dadurch mehr Insulin
  • Herzschwäche oder Herzmuskelschäden durch die ständige Überforderung des Organs
  • Osteoporose

Schwanger mit Schilddrüsenüberfunktion


Eine optimale Schilddrüsenfunktion ist insbesondere während der ersten Schwanger-schaftswochen wichtig für die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft führt häufig zu Früh- oder Totgeburten sowie untergewichtigen Säuglingen. Daher sollten an einer Überfunktion erkrankte Frauen, die eine Schwangerschaft planen, unbedingt zuvor eine erfolgreiche Behandlung absolvieren. Ebenso ist zu beachten, dass die Empfängnisbereitschaft bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingeschränkt ist.

Die Schilddrüse vergrößert sich während einer Schwangerschaft leicht, da während dieser Zeit erhöhte Anforderungen an sie gestellt werden. Eine übermäßige Vergrößerung bedarf allerdings dringend der ärztlichen Abklärung.

Der Bedarf an Jod ist erhöht. So sollte jede werdende Mutter circa 200-300 Mikrogramm (=Millionstel Gramm) täglich mit der Nahrung aufnehmen bzw. ergänzend Jodtabletten einnehmen. Diese Empfehlung gilt auch für die Stillzeit.

Zum einen kann eine Basedow-Erkrankung Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion bei einer Schwangeren sein, die sofort behandelt werden muss. Zum anderen kann eine Überfunktion auch durch das Schwangerschaftshormon Choriongonadotropin verursacht werden, da dieses Hormon dem Thyrotropin (TSH) aus der Hypophyse sehr ähnlich ist und daher ebenfalls stimulierend auf die Schilddrüse wirkt. In der Regel verschwindet diese Form der Überfunktion nach der 20. Schwangerschaftswoche wieder von selbst und muss daher meist nicht behandelt werden. Insgesamt erkranken 0,5-2% aller Schwangeren an einer der beiden Ausprägungen.   

Etwa 5-9% aller Frauen erleiden im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes eine Schilddrüsenentzündung, eine so genannte post partum-Thyreoiditis, die vermutlich mit den körperlichen bzw. hormonellen Veränderungen während Schwangerschaft und Stillzeit zusammenhängt. Betroffen sind vor allem Frauen, die bei oder nach früheren Schwangerschaften bereits erkrankt waren oder bei dieser Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsenantikörper aufzeigten. Meist sind nur leichte Symptome einer Über- oder auch Unterfunktion spürbar. Die post partum-Thyreoiditis bildet sich in der Regel ohne Behandlung zurück. In Einzelfällen kann es allerdings zu Morbus Basedow kommen.

Diagnostik und Therapie sind in jedem Fall auf die Schwangerschaft abzustimmen. Beispielsweise ist die Strahlungsbelastung durch eine Szintigrafie oder radioaktives Jod unbedingt zu vermeiden. Die Behandlung mit niedrig dosierten Medikamenten (sog. Thyreostatika) ist während der Schwangerschaft und Stillzeit dagegen vertretbar.


Untersuchungen & Diagnose


Schilddruesenüberfunktion - Ein Spiegeltest gibt Hinweise auf eine Vergrößerung der SchilddrüseWährend früher eine Schilddrüsenerkrankung mittels Messung des Halsumfanges lediglich vermutet werden konnte, stehen heutzutage eine Reihe moderner Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Auswahl und Reihenfolge legt Ihr Arzt fest. Den gezielten Diagnosemethoden gehen eine eingehende Befragung der Patienten zu Vorerkrankungen, Schilddrüsenkrank-heiten in der Familie, Beschwerden, Essgewohnheiten, erhöhter Jod-Aufnahme usw. sowie eine körperliche Untersuchung mit Abtasten der Halsregion voraus.

Die etwaige Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), die sich manchmal mit Hilfe eines einfachen Spiegeltests selbst erkennen lässt, liefert erste Hinweise auf eine Schilddrüsenfehlfunktion. Sicher kann sie jedoch nur von einem diesbezüglich erfahrenen Arzt ertastet und beurteilt werden. Eine orientierende Einteilung der Vergrößerung h(= Normalgröße= über Grad I (= tastbare, nicht sichtbare Vergrößerung), Grad II (= tastbare und sichtbare Vergrößerung) bis Grad III (= sehr große, gut sichtbare Vergrößerung).

Labormedizinische Untersuchungen

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung wird dem Patienten Blut abgenommen, um die Hormonwerte in einem Fachlabor auszuwerten. Zur Ermittlung einer Schilddrüsenfehlfunktion stehen verschiedene Tests zur Verfügung:

Der TSH-Test ermittelt die Werte des Hormons Thyreotropin, das im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Ein erniedrigter TSH-Wert bestätigt den Verdacht  auf eine Schilddrüsenüberfunktion, allerdings nur, wenn gleichzeitig auch die Hormone T3 und T4 im Blut erhöht sind. Man misst heutzutage die sog. freien Hormone fT3 und fT4. Falls TSH erniedrigt ist und fT3 und fT4 noch im Normbereich liegen, spricht man von einer Grenzwerthyperthyreose. Normale TSH-Werte dagegen schließen eine Überfunktion in den allermeisten Fällen aus. Selbst bei Neugeborenen kann man bereits auf diesem Weg eine angeborene Fehlfunktion der Schilddrüse nachweisen, was heutzutage regelhaft beim sog. „Neugeborenen-Screening" erfolgt.

Die Testergebnisse können im Einzelfall allerdings beispielsweise durch veränderte Transporteiweiße für Hormone im Blut oder durch die Einnahme von Schmerzmitteln mit Acetylsalizylsäure oder Kortikoiden (Kortison) verfälscht werden.

Bei Anzeichen für eine Immunhyperthyreose stehen verschiedene Formen der Autoantikör-perbestimmung zur Verfügung (TPO-AK = MAK, TRAK).

Ultraschall (Sonografie)

Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ist strahlenfrei und kann daher beliebig oft bei einem Patienten eingesetzt werden. Der Schilddrüsen-Spezialist führt die Untersuchung am liegenden Patienten durch und tastet dabei die Halsregion mit einem Schallkopf von außen ab. Das auf diese Weise erzeugte Bild zeigt Lage, Form, Struktur und Größe der Schilddrüse. Die Ultraschalluntersuchung erlaubt jedoch nur gewisse Rückschlüsse auf die Funktionstüchtig-keit der Schilddrüse, z.B. Durchblutungskriterien.

Bei Verdacht auf Morbus Basedow kommt diese Methode zusätzlich für die Untersuchung der Augenhöhlen (bei spezialisierten Augenärzte) zur Anwendung.

Radio-Jod-Test

Der Radio-Jod-Test dient der Überprüfung der Jodspeicherung der Schilddrüse. Da die Strahlenbelastung allerdings sehr hoch ist, wird der Test heute nur noch genutzt, um die richtige Strahlendosis vor einer Radio-Jod-Therapie zu ermitteln.

Zu Untersuchungsbeginn wird radioaktives Jod-131 verabreicht. Dadurch steigt die radioaktive Aktivität in der Schilddrüse zunächst an, sinkt dann aber wieder ab, wenn das radioaktive Jod in die Hormone eingebaut wird und diese die Schilddrüse verlassen. Dabei  wird die radioaktive Aktivität in der Schilddrüse in bestimmten Zeitabständen (z.B. nach 6, 24, 48 Stunde) gemessen. Mit dieser Methode wird der Jod-Umsatz in der Schilddrüse angezeigt, aber nicht die Menge der Hormone. 

Szintigrafie

Die Szintigrafie ist eine bildgebende Methode, mit der der Arzt ebenfalls die Funktionsfähigkeit von Teilen der Schilddrüse untersuchen kann. Allerdings belastet die dabei eingesetzte radioaktive Strahlung den Körper. Da ihre Ergebnisse jedoch sehr aussagekräftig sind, gehört sie zu den Standarduntersuchungen bei vorhandenen Schilddrüsenknoten.

Für diese Untersuchung der Schilddrüse wird heutzutage nur noch Tc-99m (radioaktives Pertechnetat, ein Salz der Technetiumsäure) verabreicht, das sich in dem Organ anreichert, dort aber nicht gespeichert wird. Durch Messung der radioaktiven Aktivität gewinnt der Arzt Bilder, die er mit Hilfe eines Computers auswertet. So sind Lage, Größe, Funktionsfähigkeit der Schilddrüse und eventuell vorhandene Knoten erkennbar. Je nach Speicherung in einem Knoten spricht man bei geringer bzw. fehlender Speicherung von einem kühlen bzw. kalten Knoten bzw. bei deutlicher oder verstärkter Speicherung von einem warmen bzw. heißen Knoten.

Feinnadelpunktion

Bei dieser Methode wird durch eine dünne Hohlnadel eine winzige Zellprobe aus der Schilddrüse entnommen. Die Nadel wird mit Hilfe von Ultraschall an der gewünschten Stelle positioniert. Mittels Unterdruck kann der Spezialist einzelne Zellen heraussaugen und zur Untersuchung in ein Speziallabor eines Pathologen geben.


Behandlung


Die Auswahl der geeigneten Therapie ist abhängig von der Schwere der Erkrankung, Lebensalter und Allgemeinzustand der Patientin. Die Überfunktion der Schilddrüse ist eine ernste Erkrankung und sollte nur vom Spezialisten (z.B. Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe bzw. Nuklearmediziner)  behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Die Medikamente zur Behandlung einer Überfunktion der Schilddrüse, so genannte Thyreostatika, entfalten drei unterschiedliche Wirkmechanismen. Einige hemmen die Jodaufnahme in die Zellen der Schilddrüse und dadurch den Einbau von Jod bei der Hormonbildung, andere reduzieren die Bildung von Schilddrüsenhormonen. oder verringern die Ausschüttung der Hormone in das Blut.

Über die Auswahl der Medikamentengruppe muss der Spezialist im Einzelfall entscheiden. Alle Medikamente wirken ausschließlich symptomatisch, d.h. die Ursache für die Überfunktion wird damit nicht behoben. Bei etwa 15-20% der Therapien treten als Nebenwirkungen Fieber, Hautrötungen, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Geschmacksverlust auf. In seltenen Fällen (ca. 1%) können die Medikamente die Leber schädigen oder die Bildung weißer Blutkörperchen beeinflussen.

Jodid hemmt in höherer Dosierung die Jod-Aufnahme und damit den Jod-Einbau in die Schilddrüsenhormone, kann allerdings nur zur Vorbereitung einer Operation oder kombiniert mit Medikamenten der anderen beiden Gruppen gegeben werden. Bei thyreotoxischen Krisen oder wenn andere Maßnahmen nicht greifen, wird auch heutzutage noch vereinzelt Lithium verabreicht, das allerdings bereits in kleinster Überdosierung zu Vergiftungen führen kann.   

Durch eine Behandlung mit Perchlorat wird die Jod-Aufnahme verringert bzw. verhindert. Somit reduziert sich die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Die Therapie ist schwierig, da es leicht zu einer Überdosierung kommen kann. Daher wird diese Wirkstoffgruppe in vielen Fällen auch nur als Vorbehandlung vor einer Operation gewählt.

Thioharnstoffderivate (Thionamide), wie Carbimazol und Thiamazol, hemmen die Bildung von Schilddrüsen-Hormon. Diese Wirkstoffe werden heute standardmäßig bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt.  

Vor allem bei Morbus Basedow hat sich die ergänzende Gabe von Betablockern bewährt, insbesondere um die Herztätigkeit zu normalisieren und die Dauerüberlastung des Herzens abzubauen. 

Nach wenigen Wochen kann eine Reduktion der Schilddrüsenhormone nachgewiesen werden, die Beschwerden gehen zurück. Allerdings müssen sich die Patienten mit Autoimmunhyperthyreose (Morbus Basedow) auf eine mindestens einjährige Behandlungsdauer einstellen. Dies gilt nicht, wenn eine Autonomie Ursache der Erkrankung ist. In diesen Fällen würden die Medikamente nur bei Dauereinnahme erfolgreich wirken, somit ist eine Radio-Jod-Therapie oder Operation in der Regel nach kurzer Vorbehandlung vorzuziehen.

Radio-Jod-Therapie

Wenn eine Medikamentengabe nicht erfolgreich war oder eine Autonomie vorliegt, ist eine Radio-Jod-Therapie neben einer Operation die einzig verbleibende Möglichkeit. Die Behandlung erfolgt in Deutschland stationär in dafür ausgerüsteten Kliniken, im europäischen Ausland (z.B. Österreich, Frankreich, Holland) ambulant. Sie ist mit einer erheblichen Strahlenbelastung für die Patienten verbunden, die aus Strahlenschutzgründen in Deutschland eine vorübergehende Isolierung erforderlich macht - zumindest für einige Tage, abhängig von der Schilddrüsengröße und der verabreichten Jod-131-Menge. Bei schwangeren und stillenden Patientinnen ist eine Radio-Jod-Therapie unbedingt zu vermeiden.

Der Arzt spritzt den Betroffenen radioaktives Jod-131 in eine Vene oder verabreicht es als Kapsel. Das Jod reichert sich im Schilddrüsengewebe an und zerstört mit seiner radioaktiven Strahlung das Schilddrüsengewebe. Bei vielen Patienten wird durch diese Therapie jedoch eine Unterfunktion  der Schilddrüse ausgelöst, der durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin) entgegengewirkt werden muss. Diese Therapie ist allerdings einfach und kann durch die entsprechenden Hormonbestimmungen (TSH-Spiegel) gut überwacht werden.

Nach aktuellem Wissenschaftsstand wird davon ausgegangen, dass eine Radio-Jod-Therapie bei sorgfältigem Einsatz die anderen Organe des Körpers nicht schädigt. Es sind bislang auch nach über 50 Jahren Einsatz dieses Therapieprinzips keine Zusammenhänge mit Krebserkrankungen bekannt.

Operation

Bei schwerem Krankheitsverlauf oder wenn die anderen Therapien nicht ausreichend waren, ist ein operativer Eingriff notwendig. Je nach Krankheitsbild wird dabei die Schilddrüse teilweise oder vollständig entfernt. Bei einer Teilentfernung bleiben Reste des Drüsengewebes sowie die Nebenschilddrüsen erhalten. Operationen an der Schilddrüse werden in Vollnarkose durchgeführt.

Vor einer Operation wird die Schilddrüsenfunktion mit Medikamenten normalisiert, um eine thyreotoxische Krise zu verhindern. Reicht das verbleibende Restgewebe nicht mehr für eine normale Hormonproduktion aus, kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, die mit Gabe von Hormonen in Tablettenform, meist Levothyroxin, stabilisiert werden muss.

 


Prognose & Verlauf


Behandlungsfolgen

Operationen an der Schilddrüse rangieren nach den Eingriffen am Blinddarm und dem Leistenbruch auf Platz 3 der häufigsten Operationen. Trotzdem ist wie bei jeder Operation auch der Eingriff an der Schilddrüse mit Risiken verbunden: Die Stimmbandnerven können beeinträchtigt werden. In der Folge kann sich - meist vorübergehend - die Stimme verändern. Deshalb überprüft  ein Hals-Nasen-Ohrenarzt i.d.R. vor und nach der Operation die Stimmbänder.

Wurden bei der Operation die Nebenschilddrüsen verletzt, kann sich das negativ auf den Kalziumstoffwechsel auswirken. Die Betroffenen müssen dann für einige Wochen, z.T. aber auch lebenslang, Kalziumtabletten und eventuell auch Vitamin D einnehmen. 

Falls nach dem Absetzen der thyreostatischen Medikamente erneut zu viele Hormone produziert werden, muss unter Umständen eine lebenslange Therapie erfolgen, falls nicht eine OP oder Radio-Jod-Therapie durchgeführt werden kann. Dies ist insbesondere bei älteren Patienten und bei einer durch Autonomie verursachten Überfunktion der Fall.

Auch Radio-Jod-Therapien und Operationen an der Schilddrüse haben häufig eine lebenslange Medikamenteneinnahme von Schilddrüsen-Hormonen zur Folge, da die körpereigene Hormonherstellung nach dem Eingriff nicht mehr ausreicht.

Auch wenn eine Therapie erfolgreich war, sind lebenslange regelmäßige Kontrollunter-suchungen der Schilddrüse und der Blutwerte (TSH, fT3 und fT4) notwendig. Darüber hinaus ist es wichtig, dass sie nach einer immunbedingten Hyperthyreose regelmäßig auf ihre Augen achten, um  eine später auftretende endokrine Orbitopathie rechtzeitig zu erkennen. 

Prognose

Dank moderner Therapiemöglichkeiten kann man mit einer erkannten und behandelten Schilddrüsenüberfunktion in den meisten Fällen ein normales Leben führen. Im Falle einer thyreotoxische Krise liegt die Sterblichkeit jedoch immer noch bei 20-30%.

Morbus Basedow bildet sich bei etwa der Hälfte aller Patienten sogar von alleine zurück, was allerdings nicht eine rechtzeitige Behandlung ausschließen sollte. Allerdings kann diese Erkrankung auch nach einer Therapie wieder auftreten. Eine Operation oder eine Radio-Jod-Therapie sind dann unumgänglich. Häufig tritt Morbus Basedow mit anderen Autoimmunkrankheiten auf wie z.B. Gelenkrheumatismus, der Darmkrankheit Morbus Crohn oder Diabetes Typ I.

 


Vorsorge & Schutz


Wie bei sehr vielen Erkrankungen können Sie auch gegen Schilddrüsenfehlfunktionen mit einer ausgewogenen Ernährung einen vorsorgenden Beitrag leisten.

Vor allem sollten Sie auf eine optimale Jod-Zufuhr achten, die bei Erwachsenen bei etwa 180-200 Mikrogramm täglich liegt und 500 Mikrogramm niemals überschreiten sollte. Insbesondere jodiertes Speisesalz und eine Reihe von Seefischen sind hierfür wertvolle Lieferanten. Eine spezielle vorbeugende Diät gibt es leider nicht.

 

 


Tipps für Schilddrüsen-Patienten


Auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion spielt die richtige Ernährung eine wichtige Rolle. Patienten sprechen am besten auch den Ernährungsplan mit ihrem Arzt ab.

Mit einer Schilddrüsenüberfunktion sollten Betroffene auch auf Kaffee, Alkohol und Cola verzichten, da diese Getränke den ohnehin schon überaktiven Stoffwechsel weiter ankurbeln. Sie sollten auch den äußerlichen Kontakt mit Jod, wie etwa bei der medizinischen Untersuchung mit Röntgenkontrastmitteln, der Nutzung von Wunddesinfektionsmitteln oder jodhaltigem Heilwasser, vermeiden.

Da eine Schilddrüsenüberfunktion zur Überlastung des Körpers und der Psyche führt, ist Stressabbau und -vermeidung ein wichtiger Faktor im Umgang mit der Erkrankung. Dies gilt in besonderem Maße für Morbus Basedow. In einer Reihe von Fällen hat sich zusätzlich eine nervenärztliche (psychiatrische) Betreuung bewährt.


Wichtige Adressen


Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V.
c/o EndoScience Endokrinologie Service GmbH
Hopfengartenweg 19
90518 Altdorf
Tel.: 09187 / 97 424 11
Fax: 09187 / 97 424 71
E-Mail: dge@endokrinologie.net
http://www.endokrinologie.net/

Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.
Ev. Waldkrankenhaus
Waldstraße 73
53177 Bonn
Tel.: 0228 / 386 90 60
http://www.schilddruesenliga.de/

Forum Schilddrüse e.V.
Potsdamer Straße 8
D-10785 Berlin
Tel.: (069) 63 80 37 27
Fax: (069) 63 80 37 28
http://www.forum-schilddruese.de/
 

Die Schmetterlinge e.V.
Schilddrüsenbundesverband
Selbsthilfeorganisation für Kinder und Erwachsene mit Schilddrüsenerkrankungen
Gemarkenstraße 133
45147 Essen
Tel.: 0201 / 8 71 84 51 oder (02 01) 3 32 82 72
Telefax: (02 01) 3 32 82 73
E-Mail: info@sd-bv.de
www.die-gesunde-schilddruese.de

 

Bücher zum Thema


Ratgeber Schilddrüse
Gynter Mödder
Springer Verlag, 2003
Preis: 17,95 Euro
ISBN: 3-54043-423-2

Wirksame Hilfe für die Schilddrüse
Peter Pfannenstiel, Lothar-Andreas Hotze
Trias, 2003
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 3-83043-083-3

Der große TRIAS-Ratgeber zur Schilddrüse
Peter Pfannenstiel, Lothar-Andreas Hotze, Werner Schwarz
Trias, 1999
Preis: 22,95 Euro
ISBN: 3-89373-517-8

Leben mit Morbus Basedow
Leveke Brakebusch
Armin Heufelder von Zuckschwerdt, 20052011
Preis: 14,90 Euro
ISBN: 3-86371-011-8 3-88603-799-1
 

Schilddrüse: Das unterschätze Organ
Gabriele von der Weiden
Trias, 2003
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-83043-143-0

Schilddrüse konkret
Rationelle Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenkrankheiten
Alexander Horn, Henning Vosberg, Hermann Wagner
Thieme Verlag, 1999
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 97-83137-400-028



 


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