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Grippe



Was ist Grippe?


Grippe VirusDie Grippe (Influenza) ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende Infektionskrankheit, die durch so genannte Influenza-Viren ausgelöst wird. Die Influenza ist nicht mit einer Erkältung bzw. einem grippalen Infekt vergleichbar, sondern äußert sich in einem erheblich schwereren Krankheitsbild. Bei einer Grippe-Infektion kommt es meist ganz plötzlich zu Abgeschlagenheit, hohem Fieber und trockenem Husten. Influenza-Viren schädigen aufgrund ihrer schnellen Vermehrung die Schleimhaut der Atemwege und mindern die Abwehrkräfte, dadurch wird der Körper für lebensgefährliche Komplikationen wie z.B. eine Lungenentzündung anfällig. Jedes Jahr erkranken bundesweit Tausende Menschen an Influenza, viele sterben an ihren Folgen.

Grippe-Wellen breiten sich vor allem im Winterhalbjahr aus, in der Regel von Dezember bis April, die Erkrankungs-Hochphase ist im Vorfeld nicht festzulegen. Der Grund für die winterliche Häufung der Grippe-Infektionen liegt darin, dass es in geschlossenen Räumen leichter zu einer Ansteckung per Tröpfcheninfektion kommt und viele Menschen durch Erkältungen ohnehin immungeschwächt sind. Da die Viren sich von Jahr zu Jahr mitunter sehr stark verändern, verfügt der menschliche Körper zudem nicht über geeignete Möglichkeiten zur Abwehr der Viren. Den einzigen Schutz vor einer Grippe bietet eine jährliche Impfung.

Der Nachweis von Influenza-Viren sowie alle Todesfälle infolge einer Grippe sind nach dem Infektionsschutzgesetz beim jeweiligen regionalen Gesundheitsamt meldepflichtig, die bundesweiten Daten werden am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zusammengefasst. Wegen der Gefahr der Entstehung von Epidemien und Pandemienist ein weltweites Überwachungssystem, das die zirkulierenden Influenza-Viren identifiziert, aufgebaut worden. In Deutschland sind hauptsächlich das Nationale Referenzzentrum (NRZ) und die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI)hierfür zuständig.


Grippe-Epidemien in der Geschichte


Grippe-EpidemieIm letzten Jahrhundert wurde die Menschheit von vielen Grippe-Epidemien bzw. -Pandemie heimgesucht, denen weltweit viele Menschen zum Opfer fielen. Die schwerste Pandemie, die so genannte „Spanische Grippe" von 1918/1919, forderte mindestens 20 Millionen Menschenleben allein in Europa. Manche Literaturstellen sprechen sogar von 50 Millionen Todesopfern. An den folgenden großen Pandemien mit dem "Asia-Virus", welches von 1957-1968 grassierte, und der „Hongkong-Grippe" von 1968-1970 starben weltweit jeweils rund eine Million Menschen. Während der „Russischen Grippe" Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts verloren etwa eine halbe Million Menschen ihr Leben.

Verheerende Grippe-Wellen gehören aber keineswegs der Vergangenheit an. Während der letzten großen Grippe-Epidemie von 1995/96 mit etwa 8,5 Millionen Erkrankungsfällen starben allein in Deutschland ca. 30.000 Menschen an den Folgen der Influenza. In der Grippe-Saison 2002/2003 gab es im Vergleich zu einem durchschnittlich normalen Winter zusätzlich etwa 4,5 bis 5 Millionen Arztbesuche, ca. 1,5 bis 2 Millionen Arbeitsunfähige in der Gruppe der 16- bis 60-Jährigen sowie 25.000 bis 30.000 mehr Klinikeinweisungen über alle Altersgruppen hinweg zu verzeichnen.

 


Ursachen & Risikofaktoren der Grippe


Grippe-Patienten sind 1 bis 2 Tage vor Beginn der ersten Krankheitsanzeichen und danach noch für etwa eine Woche hochansteckend. Beim Niesen, Husten, Sprechen oder Küssen können Viren von einem Menschen auf den anderen übergehen. Bei dieser so genannten Tröpfcheninfektion werden feine Flüssigkeitspartikel eingeatmet und gelangen so in die Atemwegsorgane. Für eine Ansteckung reichen bereits geringe Virusmengen aus.

Viren-Vermehrung
Ursache der Grippe: Grippe-VirenErreichen Influenza-Viren ihre Wirtszellen, bindet ein Eiweißstoff ihrer Virushülle, das so genannte Hämagglutinin, an vorhandene Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle, um die Viren-Erbinformation in die Zelle einzuschleusen. Im Zellkern der Wirtszelle wird die virale Erbinformation verarbeitet und dann so lange neue Viren produziert, bis diese so zahlreich geworden sind, dass sie mit Hilfe des viruseigenen Eiweißstoffs Neuraminidase die Zellmembran der Wirtszelle zerstören können und freigesetzt werden. Bis zu 100.000 neue Viren können auf diese Weise an einem Tag produziert werden und weitere Zellen befallen.

Wandelbare Influenza-Viren
Die Erreger der Grippe teilen sich in drei verschiedene Virus-Typen auf, die als Influenza A, B und C bezeichnet werden. Ein Grund für die fast alljährlichen Grippe-Epidemien ist die hohe Veränderlichkeit (Mutagenität) dieser Viren, speziell beim Typ A. Normalerweise merkt sich das Immunsystem, wenn es bereits einmal Kontakt mit einem Krankheitserreger hatte und stellt nach einer Neuinfektion rasch bestimmte Abwehrzellen (Antikörper) zur Bekämpfung bereit. Bei den Influenza-Viren reagieren diese Antikörper auf die Oberflächenproteine der Virushülle, Hämagglutinine (H) und Neuraminidasen (N). Da diese und weitere Hüllenstrukturen von den Viren umgebaut werden können, treten immer wieder neue Virusvarianten mit veränderter Oberfläche auf. Dann können sie von den Abwehrzellen nicht erkannt werden und so kann man trotz einer überstandenen früheren Grippe immer wieder an Influenza erkranken.

Beim Influenza-Typ A kommt hinzu, dass von den beiden Oberflächeneiweißen etliche Untertypen (Subtypen) vorkommen, während bei den Virustypen B und C nur jeweils eine Sorte Hämagglutinin und Neuraminidase vorhanden ist. Beim Virustyp A werden daher die Subtypen auch mit Hilfe der Anfangsbuchstaben der beiden Oberflächenstrukturen bezeichnet. Der Erreger, der die Spanische Grippe ausgelöst hatte, trägt beispielsweise die Bezeichnung Influenza A (H1N1).

Bis jetzt sind 15 verschiedene H- und 9 verschiedene N-Komponenten bekannt, was eine große Zahl von Kombinationsmöglichkeiten ermöglicht (theoretisch bis zu 135). In der Tat werden neben den beiden beim Menschen gefundenen Subtypen H1N1 und H3N2 bei Tieren, besonders Vögeln, viele weitere Subtypen gefunden, die in der Regel jedoch nicht auf den Menschen übertragbar sind. Wenn dies doch geschieht, wie beim Subtyp H5N1, ist es sehr wichtig, die weitere Entwicklung des Erregers zu verfolgen, um möglichst frühzeitig einer Pandemie vorbeugen zu können.



Erste Anzeichen der Grippe


Grippe: Erste Anzeichen der GrippeDie Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der ersten Krankheitsanzeichen, beträgt bei der Grippe meist nur ein bis zwei Tage. Bereits infizierte Menschen, die noch keine Symptome zeigen, sind trotzdem schon ansteckend. Typisch für eine Influenza ist der plötzliche Beginn der Erkrankung - ohne Vorwarnung treten z.B. bei sonst gesunden Menschen hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Fröstelgefühl, Schweißausbrüche, Kopfschmerz und Hustenreiz auf. Meist kommen noch Lichtscheu und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Natürlich reagiert jeder Einzelne individuell auf die Infektion, d.h. es müssen nicht alle Krankheitsanzeichen vorhanden sein. Schon einzelne Symptome wie hohes Fieber und unproduktiver Husten können auf eine Grippe hinweisen.


Symptome der Grippe


Die Grippe ist eine akute Infektion der Atemwege. Neben den anfänglichen Symptomen kommen häufig Schwindel, Muskel-, Gelenk- und Augenschmerzen hinzu. Es besteht ein starkes, allgemeines Krankheitsgefühl. Die Hauptsymptome einer Virusgrippe sind:

  • hohes Fieber bis zu 41°C, häufig mit Schüttelfrost,
  • Appetitlosigkeit,
  • Kopf- und Gliederschmerzen,
  • Trockener Husten und Heiserkeit,
  • Halsschmerzen.
Das Fieber kann 3 bis 4 Tage andauern. Ein erneuter Fieberanstieg um den 3. Krankheitstag weist auf den Beginn einer zusätzlichen bakteriellen Infektion hin. Der quälende Reizhusten kann über einige Wochen anhalten. Die Krankheitsdauer beträgt in der Regel 7 bis 14 Tage.

Noch Wochen nach Abklingen einer Influenza leiden die Patienten oft an einer ausgeprägten allgemeinen Leistungsschwäche, Appetitlosigkeit und Unwohlsein bis hin zur Depression. 


Unterschiede zwischen Grippe und Erkältung


Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Grippe", „grippaler Infekt" und „Erkältung" fälschlicherweise oft gleichgesetzt. Eine Grippe ist aber eine erheblich schwerere Erkrankung als eine gewöhnliche Erkältung bzw. ein grippaler Infekt.

Was unterscheidet eine Grippe von einer normalen ErkältungEine normale Erkältung beginnt meist langsam mit einem einsetzenden Schnupfen, der sich mit einem klaren wässrigem Sekret äußert, das erst später dickflüssiger wird und bei einer bakteriellen Superinfektion gelbliche bis grünliche Färbung annimmt. Das Atmen durch die Nase fällt aufgrund der angeschwollenen Nasenschleimhaut schwerer und bisweilen stellt sich ein Druckgefühl in den Ohren ein. Man fühlt sich meist müde und abgeschlagen, leichtes Fieber kann dazukommen, ebenso wie schleimiger Husten, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen. Im Normalfall klingt eine Erkältung aber bereits nach einer Woche wieder ab. Für die echte Grippe sind dagegen der plötzliche Beginn der Krankheit mit hohem Fieber bis zu 41°C und ein erheblich schwereres Krankheitsbild typisch. 

Zur Vorbeugung von Erkältungen und grippalen Infekten gilt es vor allem das Immunsystem zu stärken. Dazu gehören eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung, eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sowie viel Bewegung an der frischen Luft mit witterungsangemessener Kleidung, um Unterkühlungen zu vermeiden. Auch Zink- oder Sonnenhutpräparate können die Abwehrkräfte verbessern, Alkohol und Nikotin sollten hingegen gemieden werden. Auf das Auftreten einer Grippe haben diese vorbeugenden Maßnahmen jedoch keinen Einfluss, hier hilft nur eine jährliche Schutzimpfung.

Während die Grippe von Influenza-Viren ausgelöst wird, können für eine Erkältung mehr als 200 verschiedene Erreger - meist so genannte Corona-Viren, Adeno-Viren oder Rhino-Viren - verantwortlich sein. Da Erkältungen und Influenza also auf unterschiedliche Krankheitserreger zurückgehen, hilft eine Grippe-Schutzimpfung nicht gegen Erkältungskrankheiten. Auch ist eine Impfung gegen grippale Infekte aufgrund der Vielzahl der Viren und ihrer relativen Harmlosigkeit nicht verfügbar.


Auswirkungen & Komplikationen


Eine Grippe kann von Komplikationen begleitet seinKomplikationen können bei allen grippekranken Personen auftreten. Die Influenza-Viren zerstören durch ihre massive Vermehrung in den Zellen die äußerste Schicht der Atemorgane (Flimmerepithel der Schleimhaut) und können darüber hinaus das Immunsystem schwächen, indem sie auch die vom Körper zur Abwehr gebildeten Fresszellen (Makrophagen) verringern. Im Gegensatz zu anderen Viren breiten sich die Influenza-Viren sehr häufig über Lunge, Gehirn oder Herz aus.

Die Auswirkungen der Komplikationen hängen stark vom allgemeinen Gesundheitszustand des Influenza-Patienten ab. Schwere, lebensgefährliche Erkrankungsverläufe bis hin zum Tod betreffen vorwiegend ältere Menschen über 60 Jahren, Säuglinge und Kleinkinder. Darüber hinaus tragen Schwangere, Patienten mit Vorerkrankungen der Atemwege, der Nieren oder des Herzens sowie immungeschwächte Menschen ein besonderes Risiko.

Zu den Viren gesellen sich Bakterien
Die geschädigte Atemwegsschleimhaut ist ein idealer Nährboden für Bakterien, die nun ungehindert eindringen können. Hierdurch kommt es leicht zu zusätzlichen bakteriellen Infektionen (Super- bzw. Sekundärinfektionen), die häufig sehr viel schwerer verlaufen als die eigentliche Influenza.

Bei den bakteriellen Komplikationen sind in erster Linie Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media), eitrige Bronchitis sowie Lungenentzündung zu nennen. Für die zum Teil lebensgefährlichen Lungenentzündungen sind meistens Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken oder Pneumokokken verantwortlich. Eine schwere Lungenentzündung kann unter ungünstigen Umständen auch Abszesse in der Lunge verursachen. Durch eine rechtzeitige Behandlung der Influenza kann das Risiko einer bakteriellen Superinfektion deutlich gesenkt werden.

Weiter können in Folge einer Influenza Schädigungen im Herz-Kreislauf-System, wie z.B. Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche mit verminderter Pumpleistung (Herzinsuffizienz), eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge aufgrund der Herzschwäche (Lungenödem) oder ein Kreislaufschock auftreten. Selten werden Übergriffe der Erkrankung auf den Magen-Darm-Trakt und das zentrale Nervensystem (Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung) beobachtet. Da das Influenza-Virus aber prinzipiell jedes Organ schädigen kann, sind auch Symptome wie Leberschwellung, Leibschmerzen, Durchfälle oder Erbrechen möglich.


Grippe bei alten Menschen


Grippe bei alten und älteren Menschen kann gefährlich seinÄltere Menschen sind durch die Grippe besonders gefährdet, weil ihre Immunabwehr häufig schwächer ist als bei jüngeren Menschen. Auch die möglichen Komplikationen infolge einer Influenza-Infektion bedrohen das Leben von älteren Patienten.

Deshalb ist eine jährliche Impfung für Menschen ab dem 60. Lebensjahr generell zu empfehlen.

Studien aus den USA und den Niederlanden zeigen, dass durch regelmäßige Grippe-Impfungen die Sterblichkeit von Personen über 60 Jahren um bis zu 25% gesenkt werden kann. Wichtig ist hierbei die Regelmäßigkeit der Impfungen. Aber schon im ersten Jahr der Impfung sinkt die Sterblichkeit um rund 10%.


Untersuchungen & Diagnose der Grippe


Untersuchung und Diagnose der GrippeDie eindeutige Erkennung einer Grippe ist im Anfangsstadium nicht immer leicht, da die Beschwerden bei einer einfachen Erkältungskrankheit ähnlich sein können. Für eine Influenza sprechen aber bei Erwachsenen ein plötzlicher Krankheitsbeginn in der kalten Jahreszeit, hohes Fieber, trockener Husten und ein schweres allgemeines Krankheitsgefühl.

Für eine sichere Diagnose sind Laboruntersuchungen notwendig. Die Erreger können im Nasen- oder Rachenabstrich des Patienten nachgewiesen werden. Mit Hilfe einer Blutuntersuchung ist auch ein Test auf bestimmte Antikörper gegen das Influenza-Virus möglich. Doch häufig sind diese erst bis zu 14 Tage nach der Ansteckung verlässlich nachweisbar.

Für den Patienten selbst haben diese zum Teil aufwändigen Methoden meist nur wenig praktischen Nutzen, er sollte bei Grippe-Verdacht sofort behandelt werden. Der Wert dieser Laboruntersuchungen liegt vielmehr in der Beobachtung der Ausbreitung von bestimmten Virus-Typen in der Bevölkerung sowie einer davon ableitbaren Überprüfung der in dem Jahr verfügbaren Grippe-Impfstoffe.


Behandlung bei Grippe


Eine Influenza gehört in ärztliche Behandlung. Wichtig ist es, sofort nach dem Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen einer Grippe zum Arzt zu gehen. Denn eine antivirale Behandlung mit Medikamenten aus der Gruppe der Neuraminidase-Hemmer stoppt innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Beschwerden effektiv die Vermehrung der Influenza-Viren. Neuraminidase-Hemmer blockieren den viruseigenen Oberflächenstoff (die Neuraminidase), so dass die Viren nicht mehr in die Wirtszellen eindringen können können, in denen sie sich normaler weise vermehren.

 

Therapie der Begleitsymptome

Gegen Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und hohes Fieber können Schmerz- und Fiebertabletten wie Paracetamol oder Acetylsalycilsäure (gilt nicht für Kinder!) eingenommen werden. Fieber an sich ist allerdings nicht automatisch schädlich, sondern unterstützt den Körper bei der Bekämpfung der Viren. Deshalb sollten fiebersenkende Mittel nur bei Temperaturen über 39 °C eingesetzt werden. Der Grippe-Kranke sollte darüber hinaus das Bett hüten, um seine Kräfte zu schonen, und viel trinken. Die meisten Influenza-Patienten fühlen sich sowieso so schlapp, dass sie zu Hause bleiben müssen und fast nur schlafen.

Gegen möglicherweise auftretende Sekundärinfektionen mit Bakterien wird der Arzt im Allgemeinen antibakteriell wirkende Medikamente (Antibiotika) verschreiben, die auch einer Lungenentzündung entgegen wirken können.


Prognose & Verlauf


Der Verlauf einer Grippe hängt einerseits vom Typ des Influenza-Virus selbst ab, und andererseits vom gegenwärtigen Zustand des Abwehrsystems des Patienten. Für einen an sich gesunden Organismus mit einem intakten Immunsystem stellt die Grippe in der Regel kein lebensbedrohendes Problem dar. Die Mehrzahl der Grippe-Infektionen vergeht mit einer völligen Gesundung des Patienten. Dabei kann der Heilungsprozess aber häufig mehrere Wochen mit einem ständigen und bisweilen quälenden Reizhusten andauern.

Dass fast alle an Grippe erkrankten Menschen nicht arbeitsfähig sind, versteht sich aufgrund der Schwere der Erkrankung beinahe von selbst. Das hat auch wirtschaftliche Auswirkungen. Man schätzt, dass in den westlichen Industrieländern etwa 10% der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle durch Influenza-Infektionen verursacht werden.

Besonders bei älteren Menschen, Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren oder Personen mit bereits bestehender Vorerkrankung der Atemwege (wie Asthma oder COPD), der Nieren oder des Herzens sowie bei immungeschwächten Patienten können Komplikationen auftreten, die schlimmstenfalls zum Tode führen können.


Vorsorge & Impfung


Die einzige vorbeugende Maßnahme zum Schutz vor einer Influenza ist die jährliche Grippe-Impfung. Dabei werden in der Regel inaktivierte Virushüllen (Tot-Impfstoff) gespritzt, auf die das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern reagiert, ohne dass eine Grippe-Erkrankung auftritt. Die Art und der Stamm dieser Virushüllen (d.h. die jeweilige  Impfstoff-Zusammensetzung) wird jedes Jahr für die Nord- und Südhalbkugel in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) neu bestimmt, um immer gegen die derzeit aktuell verbreiteten und zu erwartenden Virusstämme gewappnet zu sein. Meist enthält der Impfstoff Stämme von zwei aktuellen Influenza-A-Subtypen und einen aktuellen Influenza-B-Stamm. Gesunde, erwachsene Impflinge bauen nach einmaliger Injektion im Durchschnitt einen über 80%igen Grippeschutz auf, abhängig von den in der betreffenden Saison tatsächlich auftretenden Viren. Bei den Patienten, die trotz einer Grippe-Schutzimpfung an der Grippe erkranken, ist der Krankheitsverlauf wesentlich milder als bei ungeimpften Patienten.

Jedes Jahr wieder impfen lassen
Die Impfung bietet - auch aufgrund der wandelbaren Viren - nur für eine Grippe-Saison Schutz und muss jedes Jahr wiederholt werden. Die beste Zeit, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, sind die Monate Oktober und November - also unmittelbar bevor die Zeit der großen Grippe-Wellen beginnt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Grippe-Schutzimpfung, die Praxisgebühr fällt bei dieser Vorsorgeleistung nicht an. Kinder können ab dem 6. Lebensmonat gegen Influenza geimpft werden. Die Impfung erfolgt bei Säuglingen und Kleinkindern in den Oberschenkelmuskel, bei Schulkindern und Erwachsenen in den Oberarm. Menschen, die an einer Hühnereiweißallergie leiden, sollten sich nicht impfen lassen.

Neuerdings ist ein Lebend-Impfstoff gegen Influenza A und B auf dem Markt, der gentechnologisch hergestellt wird. Dieser Impfstoff kann als Spray über die Nase verabreicht werden. Die Effektivität dieser Lebendimpfung ist bei Kindern und jungen Erwachsenen mit der herkömmlichen Impfung vergleichbar.

Offizielle Impfempfehlungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Institutes empfiehlt ausdrücklich Impfungen für folgende Personengruppen:

  • Personen über 60 Jahren;
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen;
  • Kinder (ab 6 Monaten), Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wegen eines Grundleidens, wie z.B. chronische Lungen-, Herz-, Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten, angeborener oder erworbener Immunschwäche, HIV-Infektion;
  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr;
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen fungieren können;
  • bei Schwangeren wird im Fall eines individuell erhöhten Erkrankungsrisikos - bevorzugt im 2. Drittel der Schwangerschaft - zur Impfung geraten.

Die Grippe-Impfung zählt zu einer der verträglichsten Impfungen. Manchmal kommt es nach Impfungen zu leichten grippeartigen Symptome, die aber kein Grund zur Beunruhigung sind und rasch wieder abklingen. Das Auftreten solcher Symptome zeigt vielmehr an, dass das Immunsystem auf die Impfung anspricht.

Impfschutz auf Reisen
Stehen Auslandsaufenthalte an, sollte man bedenken, dass der Winter auf der Südhalbkugel und damit auch die Grippe-Saison während des mitteleuropäischen Sommers stattfindet und sich entsprechend impfen lassen. In den Tropen und Subtropen tritt Grippe das ganze Jahr auf.

Gegen die Vogelgrippe gibt es derzeit noch keinen wirksamen Impfschutz. Es wird daher empfohlen, in den Risikogebieten Asiens bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten. Man sollte vor allem den Kontakt zu Geflügel vermeiden und insbesondere auf einen Besuch von Geflügelmärkten verzichten. Ein Verzehr von gut durchgekochten Eiern und Geflügelfleisch kann hingegen als ungefährlich betrachtet werden. Asien-Reisende sollten sich auf jeden Fall trotzdem gegen Influenza impfen lassen, zumal bei an Grippe erkrankten Reisenden sehr schnell der Verdacht auf eine Vogelgrippe entsteht, was amtliche Untersuchungs- und gegebenenfalls Quarantäne­maßnahmen bedeuten kann.


Vogelgrippe


Vogelgrippe/Geflügelpest
Bei Vögeln kommen ganz eigene Virusstämme des Influenza-Virus Typ A vor. Gefährdet durch Vogelgrippe (aviäre Influenza) bzw. Geflügelpest sind vor allem Hühner und Puten, aber auch Fasane, Perlhühner und Wildvögel. Wasservögel und Tauben sind seltener betroffen. Von der Krankheit befallene Vögel bekommen Fieber, Atembeschwerden und Durchfall. Nach wenigen Tagen erkranken schlagartig fast alle Tiere einer Population. Sie legen keine Eier mehr und können innerhalb von Stunden bis Tagen sterben.

Bestimmte Säugetiere - z.B. Schweine, Pferde, Wild- und Hauskatzen sowie teilweise der Mensch - können sich mit diesen Influenza-Viren infizieren und daran erkranken. Die Übertragung auf den Menschen findet - wenn überhaupt - vermutlich hauptsächlich durch Inhalation virushaltiger Staubteilchen bzw. durch Tierkontakt bei mangelnder Handhygiene statt. Die höchsten Virus-Konzentrationen finden sich im Kot der Tiere.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet die Vogelgrippe sehr genau. Wenn Vogel-Viren die Artengrenze überspringen und sich mit menschlichen Grippe-Viren kreuzen, d.h. genetisches Material untereinander austauschen, können sehr gefährliche neue Viren mit Pandemie-Potenzial entstehen.

Die Angst vor einer neuen Pandemie
Seit 1968 wird die jedes Jahr im Winter stattfindende Grippe-Welle durch zwei so genannte "Subtypen" des Influenza-A-Virus verursacht, nämlich die Subtypen H1N1 und H3N2. Diese beiden Subtypen werden durch die Grippe-Schutzimpfung erfasst. Eine Grippe-Pandemie kann nur durch einen "neuen" Subtyp ausgelöst werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Viruserkrankungen hat die Grippe die Besonderheit, dass man nach einer Infektion (oder einer Impfung) nur gegen den jeweiligen Subtyp immun ist. Ein anderer Virus-Subtyp als H1N1 oder H3N2 würde also auf eine ungeschützte Bevölkerung treffen.

Die Sorge, dass eines Tages wieder eine große Grippe-Pandemie ausbrechen könnte, ist sowohl bei den Wissenschaftlern als auch bei den Institutionen des Gesundheitssektors weit verbreitet. Tatsächlich kursierten in den letzten 500 Jahren rund 70 Influenza-Pandemien mit vielen Millionen Todesfällen. Es ist also wahrscheinlich und nur eine Frage der Zeit, dass es auch in Zukunft derartig heftige Grippe-Wellen geben wird, deren Folgen auch von der modernen Medizin nicht gänzlich abgefangen werden können. Das Berliner Robert Koch-Institut rechnet bei einer neuen Pandemie alleine in Deutschland mit etwa 90.000 Todesfällen innerhalb von 4 bis 6 Wochen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit 2 bis 7 Millionen Todesopfern weltweit. Eine solche Pandemie würde voraussichtlich in zwei Wellen kommen. Die dann sogleich einsetzende Produktion eines geeigneten Impfstoffes gegen den nachweislichen Erreger-Subtyp würde dennoch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, so dass man zur sofortigen Bekämpfung der Grippe vor allem auf antivirale Medikamente (z.B. Neuraminidase-Hemmer angewiesen sein dürfte.


Wichtige Adressen


www.influenza.rki.de/agi
Während der Influenza-Saison (ab KW 40) veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft Influenza  (AGI) wöchentlich einen Bericht über die aktuelle Lage. Die AGI registriert die wöchentlichen Neuerkrankungen bzw. Arztbesuche nach Altersgruppen, Arbeitsunfähigkeiten bzw. Einrichtungsbesuchsverboten und Krankenhauseinweisungen. Diese Erfassung erfolgt in enger Kooperation mit etwa 600 mitarbeitenden Arztpraxen.

Das Internetportal Grippe-Info für Patienten und Ärzte bietet viele aktuelle Informationen und Hintergründe zur Influenza: www.grippe-info.de

Robert Koch-Institut (RKI)
Postfach 65 02 61
13302 Berlin
www.rki.de
Das Robert Koch-Institut ist u.a. für die Registrierung meldepflichtiger Infektionskrankheiten wie der Grippe zuständig. 
 


Bücher zum Thema


Influenza
Gina Kolata
Fischer Taschenbuchverlag, 2003
Preis: ca. 10 Euro
ISBN: 3-596-15385-9
Das Buch schildert die Geschichte der spanischen Grippe und den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in der spannenden, aber dennoch gut recherchierten Form eines Thrillers.

Influenza - Klinik, Virologie, Epidemiologie, Therapie und Prophylaxe
Werner Lange, Georg E. Vogel
ABW, 2003 
Preis: ca. 30 Euro
ISBN: 3-936-07217-5
Das wissenschaftlich gehaltene Buch von Werner Lange bietet einen umfassenden Überblick zur Influenza. Ausführliche Literaturverweise helfen auch dem wissenschaftlich tätigen Mediziner weiter. Das Buch ist es darüber hinaus aber sehr verständlich geschrieben, so dass es auch Nicht-Medizinern zu empfehlen ist.


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