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Herzschwäche



Was ist Herzschwäche?


Bei einer Herzschwäche bzw. Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz, insuffizient = nicht ausreichend) ist das Herz nicht in der Lage, eine für den Bedarf des Organismus notwendige Blutmenge zu befördern. Einerseits kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit sauerstoff- und nährstoffreichem (arteriellem) Blut versorgen, andererseits kann es den Zustrom des verbrauchten (venösen) Blutes nicht mehr in vollem Umfang aufnehmen, das Blut staut sich in der Lunge und/oder im Gewebe. Nach traditioneller Vorstellung ist das insuffiziente Herz ein allseits vergrößertes Herz. Symptome der Herzschwäche können aber auch auftreten, wenn das Herz aufgrund einer Dehnbarkeitsstörung bei Muskelverdickung (z.B. durch Bluthochdruck) nicht mehr die angebotene Blutmenge entgegen nehmen kann. Die Herzaktionen verstärken sich, d.h. der Puls wird beschleunigt.

Krankheitsbild bei einer HerzschwächeIm Krankheitsverlauf wird der Patient kurzatmig und schlapp - anfänglich nur unter körperlicher Anstrengung, später selbst in Ruhe. Die ersten Beschwerden treten kaum merkbar auf. Deswegen wird die Krankheit oft längere Zeit verschleppt - und befindet sich bei Diagnosestellung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. In Abhängigkeit vom Schweregrad stellen das fortschreitende Pumpversagen sowie der plötzliche Herztod (meist durch begleitende bösartige Rhythmusstörungen) die Hauptursachen für die hohe Sterblichkeit der herzinsuffizienten Patienten dar.

Eine Herzschwäche ist immer die Folge einer bestehenden Krankheit. In den meisten Fällen entsteht sie aufgrund eines unbehandelten Bluthochdrucks oder einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels (koronare Herzkrankheit). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Herzschwäche als Syndrom der Luftnot und Erschöpfbarkeit, verbunden mit einer nachweisbaren Herzerkrankung.

Die chronische Herzmuskelschwäche ist eine der häufigsten Erkrankungen in der Inneren Medizin. Nach Schätzungen des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz (www.knhi.de) leben in Deutschland derzeit mehr als 2 Millionen Menschen mit Herzinsuffizienz unterschiedlicher Ausprägung. Das Vorkommen der Herzschwäche in Europa wird auf 1 bis 2% der Gesamtbevölkerung und auf rund 10% der über 75-Jährigen geschätzt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Häufigkeit in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Als Ursache wird in erster Linie die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung angenommen. Die Herzschwäche ist die häufigste Diagnose, die in Krankenhäusern bei Patienten über 75 Jahren gestellt wird.


Formen der Herzschwäche


Die Funktionseinschränkung des Herzens kann sowohl die Systole, die Diastole oder beide Phasen des Herzzyklus betreffen. Die Systole ist diejenige Phase der Herzaktion, in der die Herzkammern das Blut auswerfen: Die rechte Herzkammer (rechter Ventrikel) befördert venöses Blut in die Lunge, das dort mit Sauerstoff angereichert wird und dann zurück zum Herzen in die größere und kräftigere linke Herzkammer (linker Ventrikel) gelangt. Von dort aus gelangt das arterielle Blut über die Hauptschlagader (Aorta) und ihre zahlreichen Verzweigungen in die Körpergewebe. In der Diastole füllen sich beide Kammern nach dem Auswurf des Bluts wieder und ein neuer Zyklus beginnt. Folgende Funktionseinschränkungen der verschiedenen Phasen können auftreten:
  • systolische Herzinsuffizienz: Auswurfstörung, aufgrund einer Vergrößerung und Pumpschwäche der Herzkammer
  • diastolische Herzinsuffizienz: Füllungsstörung, hauptsächlich der linken Kammer, bei normaler Größe der Herzkammer aber verminderter Dehnbarkeit
In Abhängigkeit von der betroffenen Herzkammer kann von Links- oder Rechtsherzinsuffizienz gesprochen werden. Sind im fortgeschrittenen Stadium beide Kammern erkrankt, spricht man von globaler Herzinsuffizienz. Eine Linksherzinsuffizienz entwickelt sich häufiger als eine isolierte Rechtsherzinsuffizienz. Doch bei bestimmten Erkrankungen kann das rechte Herz in der Folge ebenfalls Schaden nehmen, da es gegen erhöhte Druckverhältnisse des Lungenkreislaufs anpumpen muss. Bei Stauung im Lungenkreislauf spricht man von einem Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie).

Einteilung der Schweregrade


Man kann die Ausprägung einer Herzschwäche nach verschiedenen Kriterien beurteilen. Die New York Heart Association (NYHA) klassifiziert die Schweregrade anhand der körperlichen Leistungsfähigkeit:

NYHA-Stadium I

Herzerkrankung bekannt, aber keine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit

NYHA- Stadium II

Körperliche Leistungsfähigkeit leicht eingeschränkt, keine Beschwerden in Ruhe, Beschwerden bei alltäglicher körperlicher Belastung

NYHA- Stadium III

Körperliche Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt, Beschwerden bereits bei geringer körperlicher Belastung, noch keine Beschwerden in Ruhe

NYHA- Stadium IV

Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe, Bettlägerigkeit

 

Die American Heart Association teilt die Schweregrade einer Herzschwäche u.a. nach Vorliegen von Risikofaktoren in vier Stadien (A-D) ein. Patienten der Gruppen A und B entsprechen der NYHA-Klasse I. NYHA-II- und -III-Patienten zählen zur Gruppe C. NYHA-IV und Gruppe D sind identisch.

Gruppe A

Patienten ohne Symptome, aber mit hohem Risiko für eine Herzschwäche: z.B. Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Einnahme herzschädlicher Medikamente, Alkoholabhängigkeit, rheumatisches Fieber

Gruppe B

keine Symptome einer Herzschwäche, aber Zeichen einer strukturellen Herzschädigung (vorangegangener Herzinfarkt, symptomfreie Herzklappen- oder Herzkammererkrankung)

Gruppe C

Strukturelle Herzschäden in Verbindung mit Symptomen einer Herzschwäche (Kurzatmigkeit, Abgeschlagenheit, eingeschränkte Belastungsfähigkeit)

Gruppe D

therapieresistente Herzschwäche




Ursachen & Risikofaktoren bei Herzschwäche


Schon bevor sich eine Herzschwäche bemerkbar macht, weisen viele Patienten Risikofaktoren für die Entwicklung des Syndroms auf. Insbesondere folgende 2 Grunderkrankungen dominieren als Risikofaktoren für die Entstehung einer Herzinsuffizenz:
  • koronare Herzkrankheit (KHK): Eine Arteriosklerose („Arterienverkalkung") der Herzkranzgefäße mit Angina-pectoris-Beschwerden führt langfristig zur Schädigung von Herzmuskelgewebe und zur Funktionseinschränkung.
    Die Entwicklung einer chronischen Herzschwäche ist auch die häufigste Spätkomplikation nach einem erlittenen Herzinfarkt. Nach überstandener Akutphase und abgeschlossener Narbenbildung stellt sich allmählich heraus, wie viel arbeitsfähiges Herzmuskelgewebe noch erhalten ist. Dieses versucht sich, durch strukturelle Veränderungen der Mehrbelastung anzupassen. Am Ende dieses Prozesses steht oft die chronische Herzschwäche.
  • Bluthochdruck: Unbehandelter zu hoher Blutdruck ist einerseits Ursache einer Herzinsuffizienz, andererseits fördert er die Entstehung einer KHK, die wiederum eine Herzschwäche begünstigt.

Daneben kann eine Vielzahl anderer Grunderkrankungen an der Ausbildung einer Herzinsuffizienz beteiligt sein. Hier einige Beispiele:

  • Vergrößerung des Herzmuskels (dilatative Kardiomyopathie): Die dilatative Kardiomyopathie ist eine Erkrankung des Herzmuskels, bei der meist die linke Herzhälfte (Vorhof und Kammer) krankhaft vergrößert ist. Sie kann ohne erkennbare Ursache (idiopathisch), z.B. aufgrund genetischer Veränderungen, oder infolge bekannter Einwirkungen entstehen. Dazu gehören Virusinfektionen, dauerhaft übermäßiger Alkoholgenuss, Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), rheumatologische Erkrankungen wie z.B. Kollagenosen.
  • Herzklappenfehler: Bei einer einschränkten Herzklappenfunktion ist entweder die Öffnung einer Klappe zu eng (Klappenstenose) und lässt zu wenig Blut passieren, oder sie ist zu weit (Klappeninsuffizienz), wodurch Blut in die falsche Richtung zurückfließt. Beide Zustände führen zur Überbelastung des Herzmuskels und zur Herzschwäche.
  • Herzmuskelentzündung: Auch eine akute Herzmuskelentzündung kann verantwortlich für die Funktionseinschränkung des Herzens sein.
  • Herzrhythmusstörungen: Vor allem folgende Herzrhythmusstörungen spielen für die Entstehung einer Herzschwäche eine Rolle: Eine zu schnelle Abfolge der Herzschläge (Tachykardie), am häufigsten beim Vorhofflimmern, wenn dieses zu einer stark beschleunigten Schlagfrequenz der linken Kammer führt (tachykardes Vorhofflimmern oder Tachyarrhythmia absoluta) oder eine zu langsame Abfolge der Herzschläge (Bradykardie), z.B. beim so genannten AV-Block 3. Grades, einer schweren Überleitungsstörung der Herzmuskelerregung von den Vorhöfen auf die Kammern.

Symptome einer Herzschwäche


Die Leitsymptome der Herzschwäche sind Atemnot (Dyspnoe), allgemeine Schwäche und Erschöpfung. Zunächst treten diese Anzeichen nur bei körperlicher Belastung (z.B. Sport, Gartenarbeit) auf, später auch in Ruhe. Viele Patienten sind - abhängig vom Schweregrad - unruhig, schlaflos, haben einen schnellen Puls, Herzjagen, Husten bei Anstrengung und ein starkes Bedürfnis nach frischer Luft. Vor allem nachts tritt das so genannte Asthma cardiale auf, das sich in einer meist nächtlichen, anfallsartigen Luftnot äußert.

Je nach Form der Herzinsuffizienz, d.h. abhängig davon, ob die linke und/oder die rechte Herzkammer betroffen ist, können verschiedenste Symptome auftreten. Bei einer überwiegenden Rechtsherzschwäche verspüren die Patienten beispielsweise nachts den Drang, mehrmals Wasser zu lassen (Nykturie). Denn einerseits nimmt die Durchblutung der Nieren im Liegen zu, andererseits erhöht sich der Rückfluss der in den Geweben angestauten Flüssigkeit. Diese sammelt sich vor allem tagsüber durch den Rückstau des Bluts vor der rechten Herzkammer zuerst in den Unterschenkeln. Die untere Beinpartie schwillt an, man spricht dann von Unterschenkel-Ödemen. Die durch den Rückstau prall mit Blut gefüllte Leber kann Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens verursachen. Wenn das Blut nicht mehr ausreichend aus dem Verdauungstrakt abtransportiert werden kann, kommt es zu Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Wasseransammlung im Bauchraum.

Reicht hingegen die Pumpleistung der linken Kammer nicht mehr aus, sind Kurzatmigkeit und Leistungsschwäche die Leitsymptome, die Flüssigkeitsausscheidung nimmt drastisch ab. Die Minderversorgung des Gehirns kann zu dauernder Müdigkeit und Konzentrationsschwäche bis hin zu Benommenheit, Schwindel und Bewusstseinseintrübungen führen. Bei schweren Fällen einer Linksherzschwäche kann sich ein Lungenödem bilden. Dabei füllen sich die Lungenbläschen mit abgepresster Flüssigkeit aus dem gestauten Blut. Auch kann aufgrund des ständigen Sauerstoffmangels eine Blaufärbung der Schleimhäute (Zyanose) auftreten. Kühle Hände und Füße sowie kalter Schweiß sind ebenfalls zu beobachten.

Die Vielzahl und Schwere der Symptome erklärt die zum Teil erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität von herzinsuffizienten Patienten. Hinzu kommen bei akuten Krankheitsepisoden längere und wiederholte Krankenhausaufenthalte und zunehmend eingeschränkte Mobilität.


Auswirkungen & Komplikationen


Im Endstadium sind herzschwache Patienten meist bettlägerig und bekommen nur noch in aufrechter Sitzposition genügend Luft. Gefährliche Folgeerkrankungen wie akutes Nierenversagen, Thrombose oder ein Schlaganfall treten vielfach auf. Die meisten Patienten erleiden in dieser Phase ein Kreislauf-, Organ- und Herzversagen oder Herzrhythmusstörungen, die zum plötzlichen Herztod führen.

Untersuchungen & Diagnose


Die Diagnose „Herzschwäche" wird in der Regel gestellt werden, wenn typische Symptome wie Atemnot und Erschöpfbarkeit vorliegen und gleichzeitig der objektive Nachweis einer Funktionseinschränkung des Herzens erbracht wird. Je nach Schweregrad der Erkrankung weisen betroffene Patienten wenige, nur schwach ausgeprägte oder aber eindeutige Anzeichen für eine Herzschwäche auf. Beim Vorliegen einer Herzinsuffizienz sind für den Arzt beim Abhören mit dem Stethoskop Rasselgeräusche in der Lunge, schneller und eventuell unregelmäßiger Herzschlag, Extratöne und bestimmte Geräuschphänome über dem Herzen richtungsweisend. Der Arzt wird außerdem nach Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz, wie z.B. gestaute Halsvenen, vergrößerte Leber oder „Wasser in den Beinen" (Ödeme) suchen.

Laboruntersuchungen:

Bei leichtgradiger Herzinsuffizienz sind keine typischen Veränderungen der Laborwerte zu erwarten. Bei fortgeschrittener Herzschwäche mit Leberstauung sollten die Leberenzyme untersucht werden. Besonders wichtig für die Beurteilung einer Herzinsuffizienz ist die Bestimmung der Nierenfunktion (Kreatininwert), der Elektrolyte Natrium und Kalium, der Schilddrüsenfunktion sowie des Blutbilds. Ein neu entdeckter Parameter, der sich vor allem für die Verlaufsbeobachtung der schweren Herzinsuffizienz eignet, ist der BNP-Wert (natriuretisches Peptid).

Echokardiografie („Herzecho"):

Die Echokardiografie ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Ihr kommt bei der Diagnose einer Herzschwäche sowie der Klärung der Ursache allergrößte Bedeutung zu.

Sie erlaubt die Beurteilung der Größe der Herzkammern sowie der systolischen und diastolischen Funktion, d.h. mit welcher Kraft bzw. Elastizität die Herzkammern sich zusammenziehen bzw. erschlaffen. Das Maß für die systolische Funktion der linken Herzkammer (linksventrikuläre Funktion) ist die so genannte Ejektionsfraktion (EF), sozusagen der Auswurfanteil. Diese wichtige Größe beschreibt den prozentualen Anteil des Bluts, der nach dem Zusammenziehen der linken Kammer in die große Körperschlagader befördert wurde. Folgende Tabelle gibt die übliche Einteilung wieder:

Linksventrikuläre Funktion

Ejektionsfraktion (EF)

normal

über 50%

leicht eingeschränkt

35-50%

mittelgradig eingeschränkt

25-35%

hochgradig eingeschränkt

unter 25%

 

Auch für eine koronare Herzerkrankung (KHK) können sich in der Echokardiografie Hinweise finden. Insbesondere wenn der Herzmuskel in einem bestimmen Bereich der Herzmuskelwand „ausgedünnt" erscheint und sich an diesen Stellen nicht mehr ordnungsgemäß bewegt, ist dies ein Zeichen für einen überstandenen Herzinfarkt. Man spricht von einer umschriebenen Akinesie (Bewegungslosigkeit).

Sehr hilfreich ist die Echokardiografie für die Beurteilung der Herzklappen, wobei sowohl die Beschaffenheit als auch die Funktion der Klappen begutachtet werden. So ist es auch ohne Herzkatheter möglich, den Schweregrad einer Klappenundichtigkeit (Insuffizienz) oder einer Klappenverengung (Stenose) exakt zu bestimmen. Dazu werden mit der Doppler-Technik die Blutströme über den Klappenöffnungen gemessen.

Röntgenaufnahme des Brustkorbs („Röntgen-Thorax"):

Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs erlaubt die Beurteilung der Größe und Form des Herzens. Ist der maximale Querdurchmesser des Herzens größer als die Hälfte des Querdurchmessers des Brustkorbs, liegt eine Herzvergrößerung vor. Weiter ist die Röntgen-Thorax-Untersuchung hilfreich, um eine Lungenstauung oder Lungenerkrankungen festzustellen.

Elektrokardiogramm (EKG):

Meist zeigt das EKG bei einer Herzinsuffizienz nur unspezifische Veränderungen. Es ist daher zur Diagnostik weniger gut geeignet bzw. spielt eher bei der Ursachenfindung eine Rolle. Indirekte Hinweise für eine Herzschwäche sind im EKG Zeichen eines überstandenen Herzinfarkts oder einer Herzmuskelverdickung (Hypertrophie).

Belastungsuntersuchungen:

Um den Schweregrad der Leistungseinschränkung abschätzen zu können, wird beim Patienten stufenweise die körperliche Belastung gesteigert, üblicherweise auf dem Fahrradergometer. Ergänzend kann die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität gemessen werden. Fällt diese unter 14 Milliliter pro Minute pro Kilogramm Körpergewicht ab, ist von einer prognostisch ungünstigen Situation auszugehen.

Katheteruntersuchungen:

Eine Herzkatheter-Untersuchung bei Herzschwäche wird durchgeführt, um eine Herzkranzgefäßerkrankung (KHK) als Ursache nachzuweisen oder auch auszuschließen. Sie kann außerdem indirekt zur Klärung bestimmter Fragestellungen vor einer Klappenoperation beitragen oder auch zur Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel bei bestimmten Herzmuskelerkrankungen eingesetzt werden.

Rechtsherzkatheter

Mit dem Rechtsherzkatheter erreicht man über eine Armvene die Hohlräume (Vorhof und Kammer) der rechten Herzhälfte. Dort sammelt sich das venöse Blut, bevor es in die Lunge gelangt. An der Spitze des Katheters gibt es verschiedene Öffnungen und Sensoren, mit denen bestimmte Parameter (Sauerstoffsättigung, Drücke und Herzminutenvolumen, jeweils in Ruhe und unter Belastung) gemessen werden können.

Linksherzkatheter

Hier wird ein Katheter nach lokaler Betäubung über eine Leistenarterie (selten über die Armarterie) bis in die linke Herzkammer vorgeschoben. Durch das dünne Lumen (Hohlraum) des Katheters spritzt der Arzt für Röntgenstrahlen undurchlässiges Kontrastmittel in die Herzkammer und kann so deren Größe und Funktion darstellen. Natürlich werden über den Katheter auch die Drücke im Herzen und in der großen Körperschlagader gemessen. Abgesehen von einem Wärmegefühl bei der Kontrastmittelinjektion verursacht die Untersuchung für den Patienten keine Schmerzen.

Die andere große Aufgabe des Linksherzkatheters ist die Koronarangiografie, bei der das Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße (Koronararterien) gespritzt wird. In der Durchleuchtung zeigen sich dann arteriosklerotische Verengungen der Gefäße wie in einem Negativbild als streckenweise Verjüngungen des Kontrastmittelflusses. Gegebenenfalls werden die Engstellen in den Koronargefäßen beim gleichen Eingriff mit einem Ballonkatheter erweitert und durch einen Stent stabilisiert. Ein Stent ist ein winziges maschendrahtartiges Röhrchen, das entfaltet wird und von innen die Gefäßwand offen hält.


Behandlung bei Herzschwäche


Die Therapie der Herzinsuffizienz zielt in erster Linie darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und die Sterblichkeit zu verringern, d.h. die Lebenserwartung in Anbetracht der insgesamt ernsten Prognose zu steigern. So gilt es, die Symptomatik der Herzinsuffizienz zu lindern, die Belastbarkeit des Patienten zu verbessern und Krankenhausaufenthalte zu verhindern bzw. zu reduzieren. Hierzu stehen allgemeine sowie medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung.

 

Allgemeine Maßnahmen

Patienten mit Herzinsuffizienz müssen vor allem Übergewicht abbauen. Mit zunehmender Herzschwäche nimmt auch die Tendenz zur Wassereinlagerung zu. Die Patienten sollten deshalb, ihr Körpergewicht regelmäßig kontrollieren und protokollieren, um die tägliche Flüssigkeitszufuhr und Diuretikatherapie anpassen zu können. Diätetisch ist eine balancierte Kalorienzufuhr zu empfehlen, gesalzene Speisen sind ebenso wie Alkohol bei fortgeschrittener Herzinsuffizenz zu meiden. Strenge körperliche Schonung und Bettruhe sind nur bei sehr schwerer Herzschwäche angezeigt, sonst ist regelmäßige körperliche Bewegung - in Absprache mit dem behandelnden Arzt - therapeutisch hilfreich.

Gefährlich kann die eigenmächtige Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) zur Behandlung von Gelenkschmerzen werden, da diese Medikamente zu akuter Verschlechterung der Herzinsuffizienz führen können.
 

Medikamentöse Therapie

ACE-Hemmer
ACE-Hemmer spielen eine wichtige Rolle in der Behandlung der Herzinsuffizienz. Eine günstige Beeinflussung der Krankheitsauswirkungen sowie eine Senkung der Sterblichkeit ist für diese Medikamente nachgewiesen. ACE-Hemmer (z.B. Captopril, Enalapril, Ramipril) blockieren das so genannte Angiotensin-Conversions-Enzym und vermindern dadurch die Bildung von Angiotensin II aus Angiotensin I. Damit wird in einen wichtigen Zwischenschritt einer Hormonkaskade eingegriffen, in das so genannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das in komplexer Weise für Wasserausscheidung und Blutdruckregulation mitverantwortlich ist. Kurz gesagt: Durch den Effekt der ACE-Hemmer werden die Gefäße weniger verengt (dadurch sinkt der Druck), ungünstige Umbauvorgänge am Herzmuskel reduziert und weniger Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten.

Die häufigste Nebenwirkung der ACE-Hemmer ist ein trockener Husten, der bei ca. 5-10% der Betroffenen vorkommt. In diesem Fall kann auf die Wirkstoffgruppe der Sartane, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bzw. AT1-Rezeptorblocker ausgewichen werden, die ganz ähnlich wirken.

Beta-Rezeptoren-Blocker („Betablocker")
Die Betablocker (z.B. Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol) stellen die 2. große Säule der Herzinsuffizienz-Therapie dar und haben in einer Vielzahl von Studien einen deutlichen prognostischen Nutzen gezeigt.

Betablocker sind Arzneimittel, die im Körper die so genannten Beta-Rezeptoren blockieren. Dadurch wird die Wirkung bestimmter Stresshormone gehemmt. Diese Stresshormone (Noradrenalin, Adrenalin) haben normalerweise einen anregenden Effekt auf verschiedene Organe (u.a. das Herz). Werden sie blockiert, sinken Puls und Blutdruck. Das Herz schlägt also etwas langsamer und wird entlastet. Wichtig ist, dass die tägliche Betablocker-Dosis nur sehr langsam, über Wochen, gesteigert wird, um negative Effekte auf die Schlagkraft des Herzens zu vermeiden.

Diuretika
Zu diesen nierenwirksamen Medikamenten gehören Thiazide und Schleifen-Diuretika sowie kaliumsparende Diuretika. Sie steigern die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser über die Nieren. Diese oft als „Wassertabletten" bezeichneten Substanzen bewirken eine rasche symptomatische Besserung bei allen Graden der Herzinsuffizienz. Luftnot und Ödeme bilden sich zurück, die Belastbarkeit wird gesteigert, die Lebensqualität erhöht. Die Prognose, d.h. die Sterblichkeit, können sie nicht verbessern.

Bei leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz und normaler Nieren- und Leberfunktion ist ein langwirksames Thiazid-Diuretikum Mittel der Wahl (z.B. Hydrochlorothiazid). Bei schwererer Symptomatik und eingeschränkter Nierenfunktion müssen kurz wirksame Schleifen-Diuretika eingesetzt werden (z.B. Bumetamid, Etacrynsäure, Furosemid, Piretanid). Bei schwerer Herzinsuffizienz lässt sich durch Kombination von Thiaziden und Schleifendiuretika eine Wirkungsergänzung erzielen. Während der Therapie sind häufige Kontrollen der Nierenfunktion und der Elektrolyte (Natrium, Kalium) erforderlich.

Bei höherer Diuretikadosierung ist besonders darauf zu achten, dass der bei chronischer Herzinsuffizienz meist niedrige Blutdruck nicht noch tiefer abfällt, so dass Schwindel und Ohnmachtsneigung auftreten.

Aldosteron-Antagonisten
Bei den Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton, Eplerenon) handelt es sich - ähnlich wie bei den ACE-Hemmern - um ein in den Hormonhaushalt eingreifendes Medikament, welches die Wasserausscheidung aus dem Körper verstärkt. Sie können bei Patienten mit Herzinsuffizienz des NYHA-Schweregrads III-IV eine Verbesserung der Prognose, d.h. hinsichtlich der Leistungseinschränkung und Sterblichkeit, bewirken.

Digitalis/orale Herzglykoside
Neuere Studien haben gezeigt, dass Patienten mit ausgeprägter Einschränkung der Herzkammerfunktion eine symptomatische Verbesserung erfahren, wenn zur üblichen Therapie mit ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika Digitalis-Präparate (z.B. Digitoxin, Digoxin) gegeben werden.

Einen wichtigen Grund für den Einsatz von Digitalis stellt eine Herzinsuffizienz mit begleitender Tachyarrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern dar. Dies ist eine Rhythmusstörung, die sich durch besonders schnelle Herzfrequenzen bemerkbar macht und in der Folge die Herzleistung zusätzlich vermindert. Sofern die Rhythmusstörung nicht behoben werden kann, können Digitalis-Präparate helfen, die Herzfrequenz auf ein verträgliches Maß zu senken.

Chirurgische Maßnahmen
Bei Vorliegen von Gefäßverengungen in Folge einer koronaren Herzerkrankung kann der Blutfluss in den Herzkranzarterien durch eine Gefäßerweiterung (Ballondilatation mit eventueller Stent-Einlage) oder einer Bypass-Operation verbessert werden. Bei schweren Klappen-Erkrankungen ist eine Operation mit Klappen-Rekonstruktion oder -ersatz durch eine biologische oder mechanische Klappen-Prothese notwendig.

Bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz, die trotz optimaler medikamentöser Therapie weiterhin Beschwerden haben, kann (unter bestimmten Voraussetzungen) die so genannte Resynchronisationstherapie durch Schrittmacherstimulation in rechter und linker Herzkammer zur Verbesserung der Symptomatik und Prognose zum Einsatz kommen. Diese Therapieform wird heute meistens kombiniert mit der Implantation eines Kardioverters/Defribillators, um die Patienten vor tödlichen Herzrhythmusstörungen zu schützen.

Die Herztransplantation ist bei schwerster Herzinsuffizienz eine letzte, aber fest etablierte Therapieform mit einer bei diesen schwerkranken Patienten im Vergleich zur konventionellen Therapie verbesserten Überlebensrate, Belastbarkeit und Lebensqualität. Kunstherzen oder so genannte ventrikuläre Assist-Systeme können zur Überbrückung der Wartezeit bis zu einer Herztransplantation eingesetzt werden.

Die Ergebnisse der letzten 10 Jahre zeigen nach dem ersten Jahr der Transplantation eine Überlebensrate von 85% und eine 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 70%. Die Herztransplantation macht eine intensive postoperative Betreuung sowie eine durchgreifende Therapie mit so genannten Immunsuppressiva zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion notwendig.


Verlauf & Prognose


In vielen Fällen einer Herzinsuffizienz kommt es zu deutlichen Schwankungen des Beschwerdebildes. Selbst wenn es durch Medikamentengabe gelingt, das gestörte Gleichgewicht des Herz-Kreislauf-Systems zu regulieren, können krisenhafte Entgleisungen mit deutlicher Zunahme der Beschwerden auftreten. Die akuten Krisen, meist mit starker Atemnot des Patienten verbunden, können oftmals nur im Krankenhaus durch eine Intensivierung der Medikamente beherrscht werden.

Die jährliche Sterblichkeit (Mortalität) von Patienten mit Funktionseinschränkung der linken Herzkammer ohne Symptome liegt bei ca. 5-10%. Bei Patienten, die typische Anzeichen entwickeln, steigt die jährliche Mortalität auf ca. 15-30% an. Bei schwerer Herzinsuffizienz, d.h. bei Vorliegen von Beschwerden in Ruhe, ist mit einer Sterblichkeit von bis zu 50% im ersten Jahr zu rechnen.

In Abhängigkeit vom Schweregrad stellen das fortschreitende Pumpversagen sowie der plötzliche Herztod (meist durch begleitende bösartige Rhythmusstörungen) die vorrangigen Ursachen für die hohe Sterblichkeit dar.

 


Vorsorge & Schutz


Die wichtigste Möglichkeit, der Entwicklung einer Herzschwäche vorzubeugen, ist die Vermeidung aller auslösenden Faktoren sowie die sorgfältige Therapie aller Erkrankungen, die zur Herzinsuffizienz führen können. Daher sollte z.B. ein zu hoher Blutdruck unbedingt ärztlich behandelt werden. Weiter gilt es auf zu viel Alkohol und Rauchen zu verzichten sowie Übergewicht und Bewegungsmangel entgegen zu steuern.

Bei einigen Patienten mit Herzproblemen (z.B. Zustand nach Herzinfarkt) kann eine medikamentöse Therapie mit ACE-Hemmern, AT1-Antagonisten oder Betablockern das Fortschreiten der Erkrankung oder auch Komplikationen günstig beeinflussen.
 
Bei bestehender Herzmuskelschwäche sollte Begleiterkrankungen (z.B. Infektionskrankheiten) vorgebeugt werden (Grippe-Impfung). Regelmäßige Untersuchungen beim Internisten bzw. Kardiologen sind für Patienten mit Herzinsuffizienz notwendig.


Informationen für Angehörige


Angehörige von herzinsuffizienten Patienten sollten immer die Nummer der Rettungsleitstelle (112) sowie ein funktionierendes Handy parat haben. Prinzipiell sollten sie in der Lage sein, die Basismaßnahmen einer Wiederbelebung (Reanimation) durchzuführen. Dazu gehören die Feststellung eines Herz-Kreislauf-Stillstandes sowie Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund(Nasen)-Beatmung. Kurse dazu werden von verschiedenen Ambulanzdiensten (z.B. Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser) angeboten oder auch von Krankenhäusern durchgeführt.

Zudem ist es sehr sinnvoll, den Betroffenen bei der Änderung des Lebenswandels (gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion, aktives Leben, Sport etc.) zu unterstützen und durch Mitmachen zu motivieren.


Wichtige Adressen


Bundesverband Niedergelassener Kardiologen
Widenmayerstr. 29
80538 München
Telefon: 089 / 21 09 69-37
Fax: 089 / 21 09 69 99
www.bnk.de

Deutsche Herzstiftung e.V.
Vogtsstraße 50
60322 Frankfurt
Tel.: 069 / 955 128-0
Fax: 069 / 955 128-313
E-Mail: info@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Deutsche Liga zur Bekämpfung von Herzrhythmusstörungen e.V.
Goethestraße 4
53757 St. Augustin
Tel.: 02241 / 210 15
Fax: 02241 / 297 86

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz
Tel.: 0261 / 30 92 31
Fax: 0261 / 30 92 32
www.dgpr.de

Kompetenznetz Herzinsuffizienz
www.knhi.de
gefördert von Bundesministerium für Bildung und Forschung
mit speziellem Patientenratgeber zum Download unter www.knhi.de/


Bücher zum Thema


Herzinsuffizienz. Patientenratgeber - Leben mit der Erkrankung
Ulrike Didjurgeit, Doris Hemmann, Ute Sternenberg
Dt. Ärzte Verlag 2005
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 3-76910-515-X

Bluthochdruck
Wolfram Delius
Wort & Bild Verlag 2006 (nur in Apotheken erhältlich)

Herzfit mit Nordic Walking
Mathias R. Schmidt, Andreas Hölscher
Gräfe und Unzer Verlag, 2006
Preis: 12,90 Euro
ISBN: 3-77427-206-9


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