Die Osteoporose wird gemeinhin auch als Knochenschwund bezeichnet. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung der Knochen, bei der das Verhältnis von Knochenaufbau und Knochenabbau sowie Knochendichte und Knochenqualität gestört sind. Durch die Zerstörung der knöchernen Mikroarchitektur wird die Knochenstruktur porös und fragil. Das lässt den Knochen an typischen Stellen wie der Hüfte, der Wirbelsäule oder dem Unterarm oft unter dem Einfluss von Alltagskräften brechen, die der Knochen eigentlich tragen sollte (Fragilitätsbrüche).
Das Skelett wird zeitlebens umgebaut: Bis etwa zum 35. Lebensjahr und besonders während der Wachstumsphase in der Pubertät überwiegt die Knochenneubildung. In dieser Phase wird die größte Knochenmasse erreicht. Danach überwiegt der Knochenabbau. Der Verlust an Knochenmasse beträgt bei gesunden Menschen pro Jahr normalerweise zwischen 0,5 und 1%. Bei Osteoporosekranken liegt er höher, in schweren Fällen sogar bei bis zu 6% pro Jahr.
Der Knochen erhält seine Stabilität durch eingelagerte Kalzium und Phosphatverbindungen. Gleichzeitig enthalten Knochen sowohl Knochenaufbau- (Osteoblasten) als auch Knochenabbauzellen (Osteoklasten), die durch verschiedene Hormone gesteuert werden, und für den lebenslangen Umbau des Knochengewebes verantwortlich sind. Vitamin D und das Schilddrüsenhormon Kalzitonin veranlassen den Knochen dazu, Kalzium einzulagern. Das Parathormon aus der Nebenschilddrüse dagegen löst es aus den Knochen heraus, wenn es lang andauernd vermehrt ausgeschüttet wird. Bei kurzzeitiger (pulsartiger) Erhöhung hat es wesentlichen Anteil am Aufbau des Knochens, was derzeit bereits als Behandlungsprinzip genutzt wird. Die Geschlechtshormone Östrogene und Testosteron haben ebenfalls teils aufbauende, teils Abbau-hemmende Funktion am Knochen. Viele Wachstumsfaktoren des Organismus haben auch auf den Knochen einen Einfluss, so dass Unterernährung ein Risikofaktor für Knochenabbau wird. Hormone und Wachstumsfaktoren beeinflussen sich in einem komplex verschalteten Netzwerk gegenseitig.
Mediziner unterscheiden 2 Formen der Osteoporose: die primäre Form, die überwiegend nach den Wechseljahren oder im Alter auftritt, und die sekundäre Form, die eine altersunabhängige Folge von Erkrankungen mit Störungen des Stoffwechsels oder des Hormonhaushalts ist. Zu diesen Erkrankungen gehören beispielsweise Typ-1-Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder rheumatoide Arthritis. Ebenso können bestimmte Medikamente wie Kortison oder Antihormone eine sekundäre Osteoporose auslösen. Familiäres Vorkommen, höheres Alter, häufige Stürze, Übermäßiger Alkohol- und Nikotingenuss und verminderte körperliche Bewegung begünstigen eine primäre Osteoporose stark.
Obwohl inzwischen eine Reihe von zuverlässigen Untersuchungsmethoden zur Verfügung steht, ist eine sichere Diagnose im Frühstadium schwierig. Oftmals werden erste Anzeichen falsch interpretiert. Die Therapie erfolgt vorrangig durch Medikamente, die den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen sollen. Ohne Behandlung schreitet die Erkrankung schleichend voran und es kommt zu einem kontinuierlichen Verfall der betroffenen Knochen. Zur Vorbeugung und Unterstützung der Behandlung sind regelmäßige körperliche Bewegung und eine kalziumreiche Ernährung von immenser Bedeutung.
Entgegen der landläufigen Meinung ist Osteoporose keine reine Frauenkrankheit. In Deutschland leidet jede 3. Frau nach den Wechseljahren und jeder 5. Mann an Knochenschwund. Insgesamt sind es in Deutschland etwa 25% aller Menschen über 50 Jahre, d.h. etwa 7,8 Millionen. Etwa 95% aller Patienten leiden an einer primären Osteoporose. Über die Hälfte der an sekundärer Osteoporose Erkrankten sind Männer. Die Betroffenen leiden unter vermehrten Knochenbrüchen, oft auch unter unbemerkten Formveränderungen von Wirbelkörpern. Die daraus resultierenden chronischen Schmerzen schränken die Beweglichkeit ein und beeinträchtigen in fortgeschrittenem Stadium die Lebensqualität sehr.
Mit dem Alter steigt die Gefahr, durch osteoporosebedingte Knochenbrüche pflegebedürftig zu werden. In Deutschland haben beispielsweise 1,65 Millionen Frauen und 900.000 Männer Osteoporose bedingte Wirbelkörperfrakturen zu beklagen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Osteoporose zu einer der wichtigsten 10 Volkskrankheiten unserer Zeit erklärt. Da die Krankheit jedoch über lange Zeit unbemerkt bleiben kann, wird sie nur bei etwa einem Viertel der Betroffenen rechtzeitig erkannt und behandelt.
Die Knochen sind das stützende Gerüst des Körpers und schützen gleichzeitig die inneren Organe. Gemeinsam mit den Muskeln, Bändern, Sehnen und Gelenken ermöglichen sie die Bewegungsfähigkeit des Körpers.
Das Knochengewebe ist wie alle Gewebe im menschlichen Körper eine lebende Verbindung von Zellen, die permanent auf-, um- und abgebaut wird. Diese Knochenzellen werden nach ihrer Funktion unterschieden: Die Knochen bildenden Zellen, die so genannten Osteoblasten, bilden fortwährend neues Gewebe. Wo Regeneration überalterten und geschädigten Gewebes oder Anbau von neuem Knochen stattfindet, sorgen die Gegenspieler, die Osteoklasten, für den Abbau des alten Knochens. Bei der Osteoporose wird Knochensubstanz übermäßig abgebaut, so dass die Knochendichte abnimmt. Die Struktur des Knochengewebes wird gröber und löchrig. In Folge dessen wird der Knochen instabil und sehr anfällig für Knochenbrüche.
Von entscheidender Bedeutung für das Wachstum der Knochen ist das Kalzium, das mit Hilfe von Vitamin D aus der Nahrung in den Darm aufgenommen und in das Knochengewebe eingelagert wird. Ähnlich vielen anderen Prozessen im Körper wird der Knochenauf- und -abbau durch einen hormonellen Regelkreis gesteuert. Das in der Nebenschilddrüse hergestellte Parathormon wird aktiviert, wenn der Kalziumspiegel im Blut unter einen bestimmten Wert sinkt. Damit der Kalziumspiegel wieder steigt, regt das Parathormon die Osteoklasten an, Kalzium aus dem Knochen zu lösen und in das Blut abzugeben. Auf diese Weise wird Knochensubstanz abgebaut. Wenn das Parathormon nicht zu lange aktiv bleibt, wird so der An- und Umbau des Knochens stimuliert. Gleichzeitig bemüht sich der Körper, über den Darm verstärkt Kalzium aufzunehmen.
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| Bild: Mikroskopische Aufnahme von Knochenbälkchen |
Vor der Pubertät bestimmen genetische Veranlagungen, Kalzium, Vitamin D und körperliche Belastungen das Knochenwachstum. Mit der beginnenden Pubertät wird der Knochenstoffwechsel von den Geschlechtshormonen abhängig. Bis zum 35. Lebensjahr überwiegt der Aufbauprozess. Danach vermindert sich die Knochenmasse ständig, eine Belastung des Skeletts durch körperliche Betätigung und Sport kann aber die Abnahme wesentlich verzögern. Von einer Osteoporose spricht man, wenn das Risiko für das Eintreten von Fragilitätsbrüchen ein gewisses Maß überschreitet; eine so genannte „manifeste" Osteoporose liegt vor, wenn bereits mindestens ein Bruch aufgetreten ist.
Direkte Ursachen für eine primäre Osteoporose sind bislang noch unbekannt. Hormonmangel und Lebensalter begünstigen zwar einen Abbau von Knochenmaterial, müssen aber nicht zwingend zu einer Osteoporose führen. Eine wesentliche Rolle spielen eine genetische Veranlagung für diese Erkrankung, die sich wiederum vermutlich aus vielen kleinen Einzelfaktoren zusammensetzt, sowie die individuelle Lebensweise.
Östrogenmangel bei Frauen in den Wechseljahren wird als häufigster Auslöser für eine primäre Osteoporose betrachtet. Daher hat diese spezielle Form auch einen eigenen Namen erhalten und wird postmenopausale (postklimakterische) Osteoporose genannt. In den Wechseljahren werden die für den Knochenaufbau wichtigen Östrogene nur noch in geringen Mengen produziert. Daher gilt der Grundsatz: Je früher eine Frau in die Wechseljahre kommt, desto stärker sind ihre Knochen von Osteoporose bedroht.
Das verzögerte Einsetzen der Pubertät kann bei Mädchen und jungen Frauen ebenfalls zu Östrogenmangel führen und ein Risikofaktor für eine spätere Osteoporose werden. Schließlich wirkt sich die Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter ebenfalls negativ auf den Östrogenspiegel aus.
Bei Männern ist der Abfall des Testosteronspiegels ein sehr schleichender Prozess des Alterns und trägt wahrscheinlich erst im höheren Alter zur Entstehung einer Osteoporose bei.
Die Alters-Osteoporose tritt verstärkt ab dem 70. Lebensjahr bei beiden Geschlechtern auf. Jahrelange geringe Bewegung, wenig Aufenthalte im Sonnenlicht und mangelnde Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung sind Hauptursachen für den Verlust der Knochensubstanz.
Eine Reihe von Störungen des Kalzium- und Vitamin-D-Stoffwechsels oder des Hormonhaushalts begünstigt die Entstehung einer Osteoporose. Hierzu gehören:
Einige Medikamente gelten ebenfalls als Verursacher einer sekundären Osteoporose:
Von einigen Faktoren ist bekannt, dass sie das Risiko einer Osteoporose erhöhen:
Eine zu geringe Kalziumaufnahme mit der Nahrung kann die Einlagerung des Minerals in die Knochen verringern. Die Ernährung hat daher einen großen Einfluss auf die Knochengesundheit.
Zu einer Mangelversorgung mit Kalzium und Vitamin D führen:
Wird mit der Nahrung zu wenig Kalzium aufgenommen, um andere wichtigen Körperfunktionen (Knochen, Nerven und Muskelzellen) damit versorgen zu können, werden die Kalziumspeicher in den Knochen angezapft. Daraus erklärt sich unter anderem, dass untergewichtige Frauen ebenso wie Hochleistungssportler mit strengem Diätplan und geringem Körperfettanteil, einem erhöhten Osteoporoserisiko ausgesetzt sind.
Für die Aufnahme aus dem Darm und die Einlagerung von Kalzium in die Knochen ist Vitamin D in der Nahrung von großer Bedeutung. Der höhere Anteil von Vitamin D wird aber bei genügend Sonneneinstrahlung in der Haut selbst gebildet: 15 Minuten Sonne täglich auf Gesicht und Hände reichen im Sommer bereits aus, um die nötige Menge an Vitamin D zu produzieren. Menschen, die sich selten draußen bewegen, oder sich nur im Schatten aufhalten, können deswegen unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. In Breiten jenseits der 40-sten Breitengrade (nördlich und südlich) ist die Sonneneinstrahlung nicht ausreichend. Zumindest bei Menschen mit erhöhtem Osteoporose-Risiko wird dort eine Vitamin-D-Ergänzung empfohlen, denn ohne das Vitamin wird ein Großteil des in der Nahrung enthaltenen Kalziums erst gar nicht aufgenommen oder wieder ausgeschieden.
Körperliche Bewegung ist ungemein wichtig für die Anregung des Knochenstoffwechsels. Bei Kindern fördert sie die Entwicklung der Knochendichte. Erwachsene fördern auf diese natürliche Weise bis in das hohe Alter die Erhaltung ihrer Knochendichte.
Fehlende körperliche Aktivität stellt bei älteren Menschen ein erhöhtes Risiko für übermäßigen Knochenabbau dar. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern erhöht sich die Gefahr von Knochenbrüchen aufgrund der altersbedingten stärkeren Fallneigung und des abnehmenden Schutzreflexes. Zurückgehendes Weichteilgewebe führt zu einer deutlichen Zunahme von Oberschenkelhalsbrüchen. Eine Sehstörung kann ebenso dafür verantwortlich sein, dass häufige Stürze erfolgen und die Knochen übermäßig starken Belastungen ausgesetzt sind. Eine Reihe anderer Organstörungen im höheren Alter können die Sturzgefahr weiter erhöhen (Schwindel, Muskelschwund u.a.). Die so genannte Sturzkrankheit ist oft Bestandteil einer im hohen Alter verbreiteten Gebrechlichkeit, die ein sehr hohes Knochenbruchrisiko durch Stürze mit sich bringt.
Ab dem 60. Lebensjahr verringert sich die Versorgung mit Vitamin D deutlich. Einerseits nehmen ältere Menschen oft nicht ausreichend Vitamin D mit der Nahrung auf. Andererseits kann die Haut deutlich weniger Vitamin D produzieren. Zu wenig Sonnenlicht verschärft dieses Problem zusätzlich. Das gilt insbesondere für das Winterhalbjahr, wenn das Sonnenlicht in der Regel ohnehin nicht für die Vitamin-D-Herstellung ausreicht. Eine verminderte Funktion der Nieren mit zunehmendem Alter hemmt außerdem die Herstellung von Vitamin-D-Abkömmlingen. Vitamin D-Mangel im Alter verdoppelt außerdem durch eine gestörte Bewegungskoordination das Sturzrisiko.
Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Gefahr eines Knochenbruchrisikos mit jedem Lebensjahrzehnt verdoppelt. Bei Personen über 65 Jahren stehen 90% der Wirbelkörper- und Oberschenkelhalsfrakturen im Zusammenhang mit einer Osteoporose.
Zierliche, überschlanke Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) kleiner 20 scheinen häufiger zu erkranken, da sie eine geringere Ausgangsknochenmasse haben und das Skelett somit stärker auf Belastung reagiert. Dies könnte auf eine geringere Produktion von Wachstumsfaktoren und auf verminderte Östrogenspiegel zurückzuführen sein.
Frauen können auch nach einer Schwangerschaft an Osteoporose erkranken, denn während der Stillzeit gibt die Mutter sehr viel Kalzium mit der Milch an ihr Kind ab. Dies kann der gesunde Körper gut kompensieren, Frauen mit einem sehr hohen Osteoporoserisiko können in dieser Situation jedoch eine manifeste Osteoporose bekommen.
Knochenschwund verläuft oftmals lange unerkannt. Bislang sind keine eindeutigen feststellbaren äußeren Anzeichen vor den ersten Knochenbrüchen bekannt. Das individuelle Risikoprofil kann am besten mit Hilfe eines Fragenkatalogs bestimmt werden, der wichtige Risikofaktoren umfasst. Chronisch wiederkehrende heftige Rückenschmerzen sind bei Menschen mit erhöhtem Risiko oft die ersten Symptome und sollten unbedingt von einem Facharzt untersucht werden. Häufige Knochenbrüche, Buckelbildung der Wirbelsäule und Verlust der größten Körperlänge 4 Zentimeter sind weitere Zeichen, denen man ebenfalls unbedingt nachgehen sollte
Die deutlichsten Anzeichen einer Osteoporose sind Schmerzen, die durch Knochenbrüche nach harmlosen Anlässen verursacht werden, so genannten Spontanfrakturen. Dazu zählen vor allem Wirbelkörper- und Oberschenkelhalsbrüche. Aber auch der Bruch der Speiche am Unterarm ist ein typisches Symptom.
Vor allem bei Frauen nach der Menopause treten sehr häufig Brüche der Wirbelkörperknochen auf, die zunächst manchmal als „Hexenschuss" falsch gedeutet werden. Diese können zu Fehlstellungen und dauerhaften Veränderungen des Skeletts führen. Jeder Wirbelkörperbruch zieht eine merkliche Verkürzung der Wirbelsäule nach sich, was nicht selten bei Schwerkranken eine Größenabnahme von insgesamt bis zu 20 Zentimetern bedeuten kann. Durch eine solche Rumpfverkürzung sind schmerzhafte Berührungen von unterem Rippenbogen und Beckenkamm nicht selten, wenn der Patient sich zur Seite neigt.
Aufgrund der Schmerzen nehmen viele Patienten eine Schonhaltung ein, die dauerhafte Veränderungen der Körpergestalt mit sich bringen. Die Wirbelsäule krümmt sich im Brustbereich nach hinten (Kyphose) und im Lendenwirbelbereich nach vorne (Lordose). Dabei entsteht ein Rundrücken, der typische „Witwenbuckel". Gleichzeitig wird der Bauch nach vorne geschoben und auf dem Rücken bilden sich charakteristische Hautfalten aus, die als „Tannenbaumphänomen" bezeichnet werden. Aufgrund der Verlagerung des Körperschwerpunktes nach vorne wird der Gang unsicher und kleinschrittig. Die Fehlbelastung kann eine Arthrose der Kniegelenke - wieder herum verbunden mit neuerlichen starken Schmerzen - weiter fördern.
Die durch die Fehlhaltung veränderten Zugrichtungen auf Muskeln, Sehnen und Bänder können zu Verhärtungen der Rückenmuskeln bis hin zu deren Verkürzungen führen. Die falsche Körperhaltung wird dadurch zusätzlich begünstigt.
Ein typisches Symptom der Alters-Osteoporose sind Brüche des Oberschenkelhalses. Der Oberschenkelknochen besteht aus einem langen Schaft und einem kurzen, leicht abgewinkelten Hals, der die Kugel des Hüftgelenks trägt. In diesem Halsbereich ist der Knochen nicht besonders kräftig und macht ihn daher ab dem 60. Lebensjahr verstärkt anfällig für Brüche.
Ein durch Osteoporose verursachter Knochenbruch mit nachfolgender Bettlägerigkeit oder Pflegebedürftigkeit kann insbesondere bei älteren Menschen schwere Folgen haben. Weitere Komplikationen können sich durch die Haltungsschäden bei dem so genannten Witwenbuckel ergeben: Die Verkrümmung der Wirbelsäule führt zu einer Abnahme des Brustraumes und kann eine Atemfunktionsstörung hervorrufen oder verstärken. Das Resultat sind Kurzatmigkeit und Lungenerkrankungen.
Ist die Osteoporose bereits weit fortgeschritten, führen die Folgeerscheinungen wie Kurzatmigkeit, chronische Schmerzen, Schlafstörungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit oft zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität. Sie können Angst, Unselbstständigkeit und Depressionen hervorrufen. Die Bewegungseinschränkung durch die Osteoporose führt in einen Teufelskreis, weil mangelnde Aktivität den Krankheitsverlauf noch weiter beschleunigt. Je später eine Behandlung begonnen wird, desto schwieriger ist es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Häufig wird eine Osteoporose erst in einem späten Stadium diagnostiziert, entweder wenn bereits chronische Rückenschmerzen vorliegen, oder wenn der erste schwere Knochenbruch erfolgt ist. Dabei könnten bei einer frühen Erkennung die Beschwerden und Auswirkungen gering gehalten werden.
Die Diagnose beginnt zunächst mit der Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei befragt der Arzt den Patienten zu vorhandenen Beschwerden, bestehenden Schmerzen und vorliegenden Risikofaktoren. Hierzu gehören vorangegangene Knochenbrüche (insbesondere nach dem 50. Lebensjahr), eine bekannte Osteoporose innerhalb der Familie, bestehende Erkrankungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Darmkrankheiten), die regelmäßige Einnahme von risikoreichen Medikamenten sowie bei Frauen eine spät eingesetzte Regelblutung oder ein früher Beginn der Wechseljahre.
Neben diesen Anhaltspunkten wird das äußere Erscheinungsbild beurteilt. Die Beweglichkeit des Patienten kann erste Hinweise auf eine Gefährdung liefern. Hierzu dienen beispielsweise der so genannte "timed up and go-Test" oder der "chair rising-Test", bei denen gemessen wird, wie lange ein Patient für die Ausführung bestimmter Bewegungen des Alltags benötigt.
Auch ein Größenverlust von mehreren Zentimetern macht sich deutlich bemerkbar. Außerdem kann eine Messung des Abstandes zwischen Becken- und Rippenbogen Aufschlüsse liefern. Erst wenn sich der Verdacht auf eine Osteoporose erhärtet, werden bildgebende Verfahren eingesetzt.
Ein zentraler Bestandteil der bildgebenden Verfahren ist die Knochendichtemessung. Für diese Messung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Üblicherweise wird ein T-Wert angegeben, der den gemessenen Wert mit einem Mittelwert gesunder Erwachsener um das 30. Lebensjahr in Beziehung setzt. Je niedriger der T-Wert, desto höher ist das Knochenbruchrisiko eines Patienten. Liegt der T-Wert 2,5 Standardabweichungen unter dem Referenzwert gesunder Erwachsener, spricht man von Osteoporose.
Das am weitesten verbreitete Verfahren zur Knochendichtemessung ist die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (engl. „dual energy x-ray absorptiometry = DXA oder DEXA), bei der 2 Röntgenstrahlen unterschiedlicher Stärke durch den Körper geschickt werden. Aus der absorbierten Strahlenmenge kann der Mineralgehalt des Knochens errechnet werden. Gemessen wird an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, hat eine hohe Präzision und bringt für den Patienten nur eine geringe Strahlenbelastung mit sich. Sie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Standardmethode empfohlen.
Daneben werden die quantitative Computertomografie (QCT) und die Ultraschallmessung (QUS) verwendet. Die computertomografische Untersuchung ist präziser als die DXA, weist jedoch eine höhere Strahlenbelastung auf. Dagegen ist die Ultraschallmessung einfach anzuwenden und sie belastet den Körper nicht mit Strahlen. Mit ihr kann man jedoch nicht die Knochendichte messen, sondern die Leitfähigkeit des Knochens für Ultraschall, die Hinweise auf die Bruchgefahr des Knochens liefert. Die Methode kann die DXA-Messung insbesondere in der Wirbelsäule und der Hüfte jedoch nicht ersetzen. Beide Verfahren sind im Moment für den Einsatz in der Routine noch zu wenig standardisiert.
Falls diese Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse liefern, kann eine Knochenbiopsie durchgeführt werden. Dabei wird eine Knochenprobe am Beckenkamm oder im unteren Wirbelsäulenbereich entnommen. Diese Untersuchungsmethode wird nur bei schweren Formen der Osteoporose, bei Verdacht auf bösartige Tumore, eine Knochenerweichung (Osteomalazie) oder andere seltene Erkrankungen durchgeführt.
Zur Früherkennung ist eine Röntgenaufnahme nicht geeignet, da eine Osteoporose auf Röntgenbildern nur erkannt werden kann, wenn die Knochenmasse bereits um 30-40% vermindert ist oder sogar schon Brüche aufgetreten sind. Eine Röntgenuntersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule empfiehlt sich lediglich bei neuen akuten oder ungeklärten chronischen Rückenschmerzen oder Verformungen der Wirbelsäule.
Eine Untersuchung des Blutbilds, des Leber- und Nierenstoffwechsels sowie Mineralhaushalts kann klären, ob Erkrankungen vorliegen, die Osteoporose begünstigen. Gleichzeitig kann der Arzt auf diese Weise zwischen den verschiedenen Formen des Knochenschwunds unterscheiden.
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| Bild: Mikroskopische Aufnahme von Knochenbälkchen |
Grundsätzlich ist eine Osteoporose bis heute nicht vollständig heilbar, lediglich ihr Fortschreiten kann durch eine Behandlung verzögert werden. Allerdings kann bereits ein verzögerter Knochenabbau eine deutliche Verbesserung des Krankheitsbildes bewirken. Die Behandlung richtet sich damit immer nach der individuellen Situation des Patienten. Besteht bereits ein Wirbelkörperbruch, können zunächst dessen Versorgung und die Schmerzlinderung im Vordergrund stehen. Eine medikamentöse Beeinflussung des Knochenstoffwechsels ist in diesem Stadium immer wichtig. Aber auch in einem früheren Stadium wird der Arzt versuchen, den Knochenstoffwechsel zu beeinflussen und den Knochenverlust einzudämmen. Für die Behandlung steht eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, die oftmals kombiniert werden.
Hier finden Sie die offiziellen Behandlungsleitlinien des Dachverbandes wissenschaftlicher Gessellschaften für Osteologie (DVO) sowie die gemeinsamen Patientenleitlinien des DVO und des Dachverbandes der Selbshilfegruppen (DOP).
Für eine Stärkung des Knochenaufbaus stellt die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D die Basistherapie dar. Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium in das Blut und seinen Einbau in den Knochen. Da der Einbau nur bei einer ausreichenden Kalziummenge erfolgen kann, werden Vitamin D und Kalzium in der Regel in Form von Tabletten, Brausetabletten oder Pulver gemeinsam eingenommen. Dabei sollte die Zufuhr von Vitamin D über ein Jahr 1000 IE (glossar id="137" title="IE ml"]]Internationale Einheiten) und diejenige von Kalzium 1000-1500 Milligramm entsprechen. Kalziumreiche Kost und kalziumreiche Mineralwässer können die Einnahme von Kalzium-Präparaten auch gut ersetzen.
Es werden 2 Gruppen von Medikamenten unterschieden: solche, die eine erhöhte Knochenabbaurate bremsen (Antiresorptiva) und solche, die den Muskel- und Knochenaufbau stimulieren (Anabolika).
Zu den Antiresorptiva zählen die so genannten Bisphosphonate (z. B. Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Zoledronat), Kalzitonin, Östrogene und selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM).
Bisphosphonate können bei allen Formen der Osteoporose eingesetzt werden und haben auch bei Anwendung über 3-5 Jahre keinen negativen Einfluss auf die Knochenqualität. Zudem haben sie geringe Nebenwirkungen, sollten jedoch nicht in der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden. Alendronat und seit kurzem Risendronat sind auch zur Behandlung von Männern zugelassen. Ibandronat steht nicht nur als 4-Wochen-Tablette, sondern auch als 3-Monatsspritze zur Verfügung. Zoledronat ist seit kurzem als 12-Monatsspritze auf dem Markt.
Das körpereigene Hormon Kalzitonin wird entweder unter die Haut gespritzt oder über ein Nasenspray aufgenommen. Es hemmt die Funktion der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und wird vorwiegend zur Vermeidung von Wirbelkörperbrüchen eingesetzt. Seine starken Nebenwirkungen wie Hitzegefühl oder Magen-Darm-Probleme schränken eine Anwendung über einen längeren Zeitraum deutlich ein. Es kann jedoch im Rahmen akuter Schmerzbehandlung zum Einsatz kommen.
SERMs sind Stoffe, die selbst kein Hormon sind, aber die knochenaufbauende Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogens besitzen. So verhindert beispielsweise das Raloxifen den Knochenabbau und reguliert den Knochenstoffwechsel. Außerdem senkt es das Risiko eines Wirbelkörperbruches.
Zum Aufbau von Knochensubstanz kommt ein wirksames Teilstück (Teriparatid) und auch das gesamte Molekül des Nebenschilddrüsenhormons Parathormon, sowie Strontiumranelat zum Einsatz. Letzteres hat eine milde Aufbau-stimulierende Wirkung und gleichzeitig eine Abbau-hemmende Wirkung. Die vom Parathormon abgeleiteten Medikamente sind starke aufbauend wirkende Medikamente. Sie müssen täglich mit einem so genannten Pen unter die Haut injiziert werden.
An der gut kontrollierbaren Wirksamkeit der bis vor einigen Jahren verwendeten Fluoride bestehen heute dagegen erhebliche Zweifel. Dennoch werden diese Medikamente weiterhin als verwendet, wenn der Arzt keine anderen Behandlungsmöglichkeiten mehr sieht. Dies wird jedoch in der Zukunft immer weniger der Fall sein.
Eine Hormonersatztherapie kann in den Wechseljahren bei Frauen die Östrogenspiegel anheben und so einem Verlust an Knochenmasse entgegenwirken. Eine Alternative können pflanzliche Östrogenvarianten (Phytoöstrogene) darstellen, deren positive Wirkungen bisher jedoch nicht eindeutig bestätigt werden konnten und die in der erforderlichen hohen Dosis eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen können. Östrogene werden inzwischen nicht mehr alleine zum Schutz gegen Osteoporose eingesetzt. Gibt es dagegen weitere Gründe für eine Einnahme, z. B. um die Folgen von Wechseljahrbeschwerden zu lindern, kann ihre Wirkung auf die Knochen ein willkommener Nebeneffekt sein.
Bei Patienten mit bestehender Osteoporose steht oft zunächst eine Schmerztherapie im Vordergrund. Zu den am häufigsten verwendeten Schmerzmedikamenten gehören nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID), die jedoch bei längerer Einnahme Magen-Darm-Beschwerden verursachen können. Zu ihnen gehören beispielsweise die Wirkstoffe Aspirin, Diclofenac oder Ibuprofen. Eine Alternative stellen COX-2-Hemmer dar, die für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber nicht geeignet sind.
Daneben können auch muskelentspannende Medikamente dazu beitragen, die durch Fehlstellungen hervorgerufenen Schmerzen zu lindern. Bei stärkeren Schmerzen können Opiate eingesetzt werden. Eine Alternative oder Ergänzung stellen physikalische Maßnahmen wie Massagen, Akupunktur, Kälte- oder Wärmebehandlungen dar.
Aktives Muskeltraining stärkt die Knochen und Muskulatur und trägt so zur Schmerzlinderung bei. Schon regelmäßiges Spazierengehen fördert den Knochenaufbau und stimuliert die körpereigene Vitamin-D-Produktion. Wichtiger als die Intensität der Übungen ist deren Regelmäßigkeit.
Zur Stärkung der Rücken- und der Bauchmuskulatur werden häufig krankengymnastische Behandlungen mit Entspannungs- und Atemübungen durchgeführt. Wenn es der Krankheitsverlauf erlaubt, kann die Krankengymnastik durch eine Sporttherapie abgelöst werden. Gymnastik, Schwimmen, Aqua-Jogging, Wandern, Walking und Radfahren sind besonders geeignet. Aber auch ein leichtes Krafttraining unter fachmännischer Betreuung kann sinnvoll sein. Eine Sporttherapie sollte unter ärztlicher Anleitung durchgeführt werden. Bewegungstherapie hat 2 Ziele:
Bei einer Bewegungstherapie können hohe Kräfte auf das Bewegungssystem wirken. Damit diese nicht die Gefahr eines Knochenbruches zusätzlich erhöht, muss die Therapie deshalb auf die individuelle Situation des Einzelnen angepasst werden.
Gehen die Schmerzen über einen Zeitraum von 3 Monaten trotz Behandlung nicht zurück, kann eine so genannte Vertebro- oder Kyphoplastie notwendig sein. Bei ersterer wird Knochenzement in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht und dieser damit stabilisiert. Bei der Kyphoplastie wird der kaputte Wirbelkörper mit Hilfe eines kleinen Ballons aufgedehnt, was das Einbringen des Zements erleichtert, in manchen Fällen sogar den Knochen wieder etwas aufrichtet.
Eine psychosoziale Betreuung nach Stürzen und Frakturen kann der Angst der Patienten vor weiteren Verletzungen und zunehmender Bewegungseinschränkungen entgegen wirken.
Gerade wenn Patienten keine akuten Beschwerden haben, führt die lange Behandlungsdauer einer Osteoporose oft dazu, dass die Patienten die Behandlung vernachlässigen und beispielsweise ihre Medikamente nicht wie empfohlen einnehmen. Für die Heilungschancen der Therapie ist jedoch eine Befolgung der Behandlungsvorgaben mit regelmäßigen ärztlichen Kontrollen entscheidend.
Denn ohne Behandlung schreitet eine Osteoporose immer weiter voran und führt zu dauerhaften Veränderungen wie einer Abnahme der Körpergröße, einem Rundrücken, heftigen Knochenschmerzen und Knochenbrüchen. Ein Knochenbruch kann im Alter schwerwiegende Folgen haben und durch die Folgeerkrankungen unter Umständen sogar tödlich sein. Bei Frauen mit postklimakterischer Osteoporose treten besonders häufig Wirbelkörperbrüche auf, bei der Alters-Osteoporose, an der beide Geschlechter erkranken können, sind es oft Oberschenkelhalsbrüche. Bewegungseinschränkung und Dauerschmerzen sind vielfach Auslöser für Invalidität und Pflegebedürftigkeit.
Mit jedem Knochenbruch steigt das statistische Risiko weiterer Brüche um das 4- bis 5-Fache an. Beispielsweise machen sich bei der postklimakterischen Osteoporose die ersten Knochenbrüche etwa 6-12 Jahre nach der letzten Monatsblutung bemerkbar. Die schwerwiegendsten Komplikationen treten meist nach einem Oberschenkelhalsbruch auf. In bis zu 30% aller Fälle führt dieser Knochenbruch bei Patienten nach dem 70. Lebensjahr durch die Folgeerkrankungen und das erhöhte Operationsrisiko zum Tod. Mehr als die Hälfte der Betroffenen bleibt trotz Behandlung für den Rest ihres Lebens pflegebedürftig.
Leider ist die Osteoporose bislang nicht heilbar. Eine sorgfältige Vorbeugung kann zwar oftmals verhindern, dass die Erkrankung überhaupt entsteht, eine rechtzeitige Behandlung kann aber in der Regel nur noch das Fortschreiten verlangsamen und Komplikationen verhindern. Eine Behandlung mit einem Medikament dauert in der Regel etwa 3-5 Jahre.
Patienten sollten sich jedoch darüber hinaus zusammen mit ihren betreuenden Ärzten ein lebenslanges Beratungs- und Behandlungskonzept entwickeln. Ein solches Konzept umfasst unterschiedliche Behandlungsansätze. Wenn der Knochenverlust erneut einsetzt, kann dann gegebenenfalls zu einem anderen Behandlungsprinzip gewechselt werden.
Durch Bewegung können Sie am Ihre Knochen stärken. Sport und regelmäßige Bewegung sollten nicht nur in der Kindheit, sondern auch bei Erwachsenen zum Tagesablauf gehören. Durch Belastung der Knochen erhöht sich ihre Stabilität und Festigkeit. Regelmäßiges Spazierengehen oder eine halbe Stunde Schwimmen bzw. Wassergymnastik erhält die Knochenmasse. Bewegung an der frischen Luft - möglichst jeden Tag mindestens 30 Minuten - fördert zudem die Vitamin-D-Produktion durch die Wirkung der UV-Strahlung. Auch bei bewölktem Wetter reicht die UV-Strahlung zumindest im Sommerhalbjahr für die Vitaminproduktion aus.
Um Knochen zu erhalten, müssen Sie regelmäßig aktiv sein, am besten mehrmals pro Woche. Durch ein gezieltes Kraft- und Koordinationstraining sowie ein Gehtraining, Nordic-Walking oder ein leichtes Lauftraining können Sie noch bessere Effekte erzielen. Um dem Körper optimale Bedingungen zu bieten, sollten Sie auch Übergewicht vermeiden.
Neben der Bewegung ist die Ernährung ein entscheidender Faktor für die Krankheitsentstehung. Achten Sie auf eine ausgewogene kalziumreiche Ernährung mit viel Gemüse. Anzustreben ist eine tägliche Kalziummenge von 1,0 bis 1,5 Gramm, die Sie zum einen durch kalziumreiche Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte (Käse, Molke, Joghurt), grünem Gemüse (Broccoli, Grünkohl, Porree) oder Sesam, zum anderen durch Kalziumsalze (in manchen Mineralwassern oder Fruchtsäften) erreichen können. Nehmen Sie dagegen Kalziumtabletten nur in Absprache mit dem Arzt ein! Dies gilt z. B. für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Nierensteine. Diese sollten viel trinken und mit ihrem Arzt besprechen, wie viel Kalzium sie täglich zu sich nehmen sollten.
Bei einer Allergie gegen Kuhmilch und Kuhmilchprodukte sowie bei Milchzuckerunverträglichkeiten (Laktose-Unverträglichkeit) wirken sich diese Nahrungsmittel eher kontraproduktiv aus und können sogar die Kalziumaufnahme in die Knochen behindern. Betroffenen sollten deswegen alternativ alle Arten von Gemüse, Nüssen und Vollkornprodukte und Mineralwässer als Kalziumlieferanten dienen.
Parallel dazu ist der übermäßige Genuss phosphathaltiger oder oxalsäurehaltiger Lebensmittel (Weißbrot, Wurst, Fleisch, Softdrinks, Schmelzkäse; gekennzeichnet durch E 338-341 und E 450) ungesund, da diese Stoffe die Kalziumaufnahme aus dem Darm und Einlagerung in die Knochen verhindern können.
Eine vitaminreiche Ernährung sorgt für den Aufbau eines stabilen Knochens. Besonders das Vitamin D, das mit etwa 400 bis 1200 IE aufgenommen werden sollte, ist von entscheidender Bedeutung. Es ist beispielsweise in frischem Fisch vorhanden. Allerdings können Sie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D alleine über die Nahrung nicht erreichen. Hierzu benötigen Sie Sonneneinstrahlung und, wenn diese nicht ausreicht, Vitamin-D-Präparate. Auch Vitamin C, Vitamin A, Vitamin K, Vitamin B12 und Folsäure sind für einen gesunden Knochenaufbau wichtig.
Schädlich wirken ein übermäßiger Genuss von Alkohol und Koffein sowie eine zucker- und salzreiche Ernährung. Zucker behindert die Kalziumaufnahme aus dem Darm, Koffein steigert die Ausscheidung von Kalzium aus dem Körper, so dass eine erhöhte Kalziumaufnahme nötig ist. Die Kombination von Koffein und Zucker, wie sie in vielen Softdrinks (z. B. Cola) zu finden ist, ist besonders schädlich für den Knochen. Auch ein hoher tierischer Eiweißkonsum wirkt sich möglicherweise negativ auf den Knochenbau aus, da Kalzium durch saure Abbauprodukte des Eiweiss in der Niere verstärkt ausgeschieden wird. Ähnliches gilt für eine kochsalzreiche Ernährung. Zufuhr von Bikarbonat aus Mineralwässern kann dies teilweise wieder kompensieren. Würzen Sie deshalb nicht mit übermäßig viel Salz.
Die effektivste Vorsorge für Raucher besteht im Verzicht auf Zigaretten. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann sein Osteoporoserisiko um die Hälfte reduzieren. Frauen, die täglich eine Schachtel Zigaretten rauchen, haben in der Menopause etwa 10% weniger Knochenmasse als Nichtraucherinnen, da Nikotin die Nährstoffversorgung des Knochens herabsetzt. Zudem verschlechtert das Nikotin die Heilungsvorgänge im Körper nach einem Knochenbruch. Bei Rauchern treten vor allem Wirbelkörperbrüche auf.
Bestimmte Medikamente, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen werden, können den Knochen schädigen und eine Osteoporose verursachen. Daher sollten Sie bei einer längeren Einnahme gemeinsam mit dem Arzt Nutzen und Risiko abwägen und Maßnahmen gegen eine mögliche Erkrankung besprechen.
Selbst wenn Sie bereits an einer Osteoporose leiden, ist es nicht zu spät, mit einem Bewegungsprogramm und einer „knochenbewussten" Ernährung zu beginnen. Ganz im Gegenteil: Beide Faktoren sind von elementarer Bedeutung für die Unterstützung der Therapie, die Erhaltung der Beweglichkeit und Wiedererlangung des Wohlbefindens.
Gleichzeitig sollten Sie bei vielen Verrichtungen des Alltags auf ein Rücken schonendes Verhalten achten. Dazu gehört:
Insbesondere ältere Patienten sollten außerdem gezielte Sturzprophylaxe betreiben und die Gefahr eines Knochenbruches durch zweckmäßige, flache Schuhe mit rutschfesten Sohlen und einer guten Ausleuchtung der eigenen vier Wände vermindern. Ebenfalls wichtig ist die Entfernung von „Stolperfallen" wie Telefonkabel, Teppichkanten oder rutschigen Fußbodenbelägen. Bei Glatteis sollten sturzgefährdete Menschen das Haus nur in Notfällen verlassen. Außerdem ist es unbedingt empfehlenswert, die Sehkraft regelmäßig durch einen Augenarzt untersuchen zu lassen.
Speziell entwickelte Unterwäsche mit tellerartigen Schutzelementen, so genannte Hüftprotektoren, mindern das Risiko einer Oberschenkelhalsfraktur. Diese Protektoren werden ganz überwiegend für Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen empfohlen. Bereits bestehende Wirbelkörperbrüche können durch speziell angepasste Stützmieder (Orthesen) stabilisiert und entlastet werden.
Eine Reihe von Medikamenten, hierzu gehören Schlafmittel, Psychopharmaka, Mittel gegen Allergien oder hohen Blutdruck können die Reaktionsfähigkeit empfindlich einschränken und zu Stürzen beitragen. Falls Sie diese Beeinträchtigung an sich feststellen, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt auf eine Verringerung der Dosis oder alternative Behandlungsmöglichkeiten ansprechen.
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Behandlungsleitlinien Osteoporose
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Kuratorium Knochengesundheit e.V.
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Tel.: 052 51 / 28 05 86
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Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.
Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 30 13 14-0
www.osteoporose-deutschland.de
Generation plus. Osteoporose. Schutz und Stärke für Ihre Knochen
Peter M. Lattermann, Melanie Hertel
Urania, Februar 2007
Preis: 12,95 Euro
ISBN: 3-33201-946-5
Osteoporose (Knochenschwund)
Diethard M. Usinger
Schulz-Kirchner, 2007
Preis: 8,40 Euro
ISBN: 3-82480-512-X
Kochen für Knochen. Feinschmecker-Rezepte gegen die Osteoporose
Claude Merlin, Oskar Marti
Huber, 2006
Preis: 18,95 Euro
ISBN: 3-45684-352-6
Gesund essen bei Osteoporose. 100 Genussrezepte für starke Knochen
Marlisa Szwillus, Jutta Semler
Gräfe & Unzer, 2006
Preis: 12,90 Euro
ISBN: 3-83380-068-2
Stabile Knochen - mobiles Leben
Rosi Mittermaier, Reiner Bartl
Droemer/Knaur, 2005
Preis: 14,90 Euro
ISBN: 3-42664-277-8
Osteoporose - Vorbeugen und richtig behandeln
Oliver Schad, Albert Haufs
Compact, 2005
Preis: 9,80 Euro
ISBN: 3-81745-850-9
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