01.06.2017

Arteriosklerose bemerken viele oft jahrelang nicht

An den Folgen von verkalkten Blutgefäßen sterben so viele Europäer wie an kaum einer anderen Erkrankung. Am besten aber kommt es gar nicht so weit: Jeder kann selbst vorbeugen.

Ständig zirkuliert das Blut durch den Körper. Es versorgt Organe wie Muskeln, aber auch das Gewebe mit lebenswichtigen Nährstoffen. Doch nicht alles, was sich im Blut befindet, tut dem Körper gut. Zu viel Fett und Kalk können sich mit der Zeit dauerhaft in den Gefäßwänden ablagern. Die Gefäße verkalken, heißt es umgangssprachlich. Medizinisch ist von Arteriosklerose die Rede.

Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung. „Sie darf keinesfalls unterschätzt werden", warnt Prof. Ernst Weigang. Er ist Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Therapie am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin. Weil die Gefäßwände starrer und dicker und somit enger werden, kann das Blut nicht mehr frei fließen. Die Blutmenge, die zum Herzmuskel fließt, nimmt ab. Der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Daraus kann sich ein Herzinfarkt entwickeln.

Das Tückische: „Oft merken Betroffene über Jahre hinweg nichts von einer Arteriosklerose", erklärt Weigang. Wie genau kommt es zu der Verkalkung? Ärzte vermuten heute, dass sich die Gefäßwand entzündet oder verletzt wird und die Einlagerungen von Fetten und Kalk erst dadurch möglich werden. Unklar ist aber, was konkret die Entzündung oder Verletzung verursacht.

Bekannt ist dagegen, was Arteriosklerose begünstigt: zu viel und zu fetthaltiges Essen, zu wenig Bewegung, ein erhöhter Blutdruck und Blutzucker sowie Rauchen. Einerseits ist Arteriosklerose eine Alterserscheinung, andererseits kann es auch Jüngere treffen. Viele sind familiär vorbelastet oder an Diabetes mellitus erkrankt.

Solange die Krankheit still voranschreitet, bemerken die Betroffenen nichts. Die Ablagerungen können sich aber von der Gefäßwand lösen. Mit Blutgerinnseln verklumpen sie dann zu einem Propf, der eine Arterie verstopft. Es droht ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.

Die Hälfte der Todesfälle in Europa geht laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf solche Folgeerkrankungen der Arteriosklerose zurück. Adern können aber nicht nur in den Gefäßregionen am Herzen und am Gehirn verkalken. Bei manchen Menschen sind Gefäße im Becken und in den Beinen betroffen. Die Folge sind schmerzhafte Engstellen und Verschlüsse. Ärzte sprechen von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, im Volksmund besser bekannt als Schaufensterkrankheit. Betroffenen tun beim Gehen die Beine weh, im Ruhezustand wird es besser.

Auch wer ein Engegefühl im Brustkorb, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Muskelschmerzen hat, sollte zum Arzt gehen. Der untersucht das Blut auf erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte und bestimmt den Blutdruck. Ob Gefäßverengungen an bestimmten Stellen im Körper existieren, lässt sich mit Ultraschall, Computer- oder Magnetresonanz-Tomografie feststellen.

Verkalkungen in den Adern können die Gefäße aber nicht nur verschließen, sie führen auch zu Aussackungen, sogenannten Aneurysmen. „Sie kommen vor allem an der Bauchschlagader vor", erläutert Weigang. Ein solches Aneurysma kann plötzlich platzen. Dann droht der Betroffene, innerlich zu verbluten. Um sein Leben zu retten, führt an einer Operation kein Weg vorbei. Dabei wird ein Kunststoffrohr oder ein sogenannter Stent eingefügt, der das Blutgefäß ersetzt oder stützt.

Droht ein Verschluss der Beinarterien oder sind die Herzkranzgefäße in einem fortgeschrittenen Stadium erkrankt, dann muss der Patient ebenfalls auf den OP-Tisch. So kann etwa ein Ballonkatheter an die verengte Stelle geschoben und aufgeblasen werden. Er sorgt dafür, dass sich das Gefäß erweitert und das Blut wieder normal fließt. Ein Stent kann ein erneutes Verengen der Stelle verhindern.

Nicht immer zieht die Diagnose Arteriosklerose allerdings eine OP nach sich. Ein Arzneimittel, das direkt gegen Arteriosklerose wirkt, gibt es zwar nicht, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Die Erkrankung kann aber zum Beispiel mit Blutverdünnern behandelt werden. Sie verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden. Sind die Cholesterin-Werte erhöht, dann können Fettsenker dazu beitragen, dass die Werte des schädlichen LDL-Cholesterins gesenkt werden.

„Wer übergewichtig ist, sollte unbedingt abnehmen", rät die Ernährungsberaterin Rita Rausch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Eine reduzierte Kalorienzufuhr mit mäßigem Fettanteil kann dazu beitragen, dass das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall sinkt. Das heißt aber nicht, dass Menschen mit Arteriosklerose komplett auf Fett oder Eier verzichten müssen. „Drei Eier pro Woche, davon zwei in verarbeiteter Form, sind in Ordnung."

Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie regelmäßige Bewegung. „Für bereits Erkrankte gibt es vielerorts sogenannte Gefäßsportgruppen", berichtet Weigang. Dort werden spezielle Übungen gezeigt, die zu einer besseren Durchblutung beitragen.

Quelle: dpa

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