21.02.2018

EMS-Training nur nach professioneller Anleitung machen

Neurophysiologen warnen vor einer möglichen Überbelastung und Nierenschäden durch das sog. Elektromyostimulationstraining (EMS), bei dem die Muskeln zusätzlich mit elektrischem Strom stimuliert werden.

Viele Fitnessstudios in Deutschland bieten das sog. Elektromyostimulationstraining (EMS) an, bei dem die Muskeln während des normalen Trainings zusätzlich mit elektrischem Strom stimuliert werden. Dies soll ein hocheffizientes Trainieren mit nur 20 Minuten Einsatz pro Woche ermöglichen. Der Grund für den schnellen Effekt: Die gezielte Stromzufuhr führt zu stärkeren Muskelkontraktionen, die auch tiefere Muskelfasern erreichen und somit zu einem schnelleren Aufbau der Muskulatur.

Falsch angewendet kann EMS allerdings zu Schäden an Muskeln und Nieren führen. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) rät daher: Die Methode sollte nur unter professioneller Anleitung zum Einsatz kommen.

In der Physiotherapie und im Hochleistungssport wird EMS schon seit Jahren zum Muskelaufbau nach einer OP oder längerer Bettlägerigkeit eingesetzt. Während des EMS-Trainings trägt der Sportler einen speziellen Anzug, der den Strom in die Muskeln leitet. Der Trainer gibt Anweisungen und reguliert die Stromintensität für die einzelnen Körperregionen über ein Kontrollpanel. Verschiedene Muskelgruppen werden für einige Sekunden gezielt angespannt und anschließend wieder entlastet – durch die intensive Anspannung mit zusätzlicher Stromzufuhr ist ein kurzes Workout ausreichend.

„Der geringe Aufwand kann dazu verleiten, häufiger oder ausgiebiger zu trainieren als empfohlen“, meint Prof. Dr. med. Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch und Pressesprecher der DGKN. Das EMS-Training sollte daher höchstens ein- bis maximal zweimal pro Woche absolviert werden.

Ein zu intensives Krafttraining führt zu einer erhöhten Ausschüttung der Creatin-Kinase (CK), einem Enzym, das die Muskeln mit Energie versorgt. Wissenschaftler der Sporthochschule Köln haben herausgefunden, dass der Anstieg der CK beim EMS-Training bis zu 18 Mal höher ist als beim herkömmlichen Training. Besonders deutlich erhöhen sich die CK-Werte im Blut bei untrainierten Menschen bzw. bei einer Belastung untrainierter Muskelgruppen. Extremwerte können in Einzelfällen zu Nierenschädigungen führen. Im Zweifel gilt: Wer nach dem Training Schmerzen, Herzrasen oder ein Schwächegefühl verspürt, sollte den Arzt aufsuchen.

Beim EMS-Training macht also - wie bei anderen Dingen auch - die Dosis das Gift. Neben ausreichenden Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten ist auch eine moderate Stromintensität wichtig. Gefahr droht, wenn jemand den Regler unkritisch nach oben dreht. „Geschultes Personal muss die Stromintensität überwachen und die Trainer müssen auf die Gefahr des Übertrainierens hinweisen“, betont der DGKN-Pressesprecher. Außerdem wichtig für die Nierenfunktion: Auch wenn die Trainingseinheiten nur kurz sind, sollte ausreichend getrunken werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

 

 

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.