01.05.2020

Blutplasmaspende als Hoffnung für todkranke Corona-Patienten?

Covid-19-Patienten, die genesen sind, könnten mit einer Blutplasmasspende zum Retter werden für die, denen das Virus lebensbedrohlich zusetzt.

Erst seit wenigen Wochen haben Bayerns Unikliniken die Genehmigung, Corona-Patienten mit Blutplasma-Spenden zu behandeln. Die Therapieform lässt Angehörige Schwerstkranker hoffen, denn Medikamente gegen das heimtückische SARS-CoV-2 Virus gibt es weiterhin nicht.

In Regensburg sind inzwischen 15 Patienten Blutspenden verabreicht worden, wie Prof. Thomas Müller, Leiter der Internistischen Intensivmedizin des Uniklinikums, berichtet. Für eine Prognose, wie die Therapie anschlägt, sei es noch zu früh. Aber: Es bestehe Hoffnung.

Alle bayerischen Unikliniken arbeiten dem Wissenschaftsministerium zufolge zurzeit daran, aus Blutplasmaspenden ehemaliger Infizierter Antikörper zu gewinnen. Während in München, Augsburg, Erlangen und Würzburg noch Blutplasmaspender gesucht werden, ist die Uniklinik in Regensburg einen Schritt weiter. Die ersten Patienten haben bereits Transfusionen bekommen. Es handele sich durchweg um schwerstkranke Covid-19-Patienten jüngeren Alters, betont Müller.

Die Antikörper sollen den Kranken helfen, die Viren in ihrem Körper zu vernichten. Auch Stefanie Grützner, Direktorin des Instituts für Transfusionsmedizin der Uniklinik Augsburg, ist vorsichtig optimistisch: Es gebe Anzeichen, dass dieser Therapieansatz erfolgversprechend sein könnte, teilt sie mit.

Aber: „Das ist kein Wundermittel“, macht Müller deutlich. Die Antikörper aus den Blutspenden seien als unterstützende Maßnahme zu verstehen. So sollen die Patienten in ihrem Kampf gegen das Virus gestärkt werden. Zur Wirksamkeit der Behandlung ließen sich noch keine tragfähigen Aussagen machen. Bei Einzelnen zeige sich ein Rückgang der Virusaktivität. Dieser könnte jedoch auch Folge eines natürlichen Heilungsprozesses sein.

Die in Regensburg behandelten Patienten hätten selbst keine oder wenige Antikörper gebildet. Sie lägen teils seit Wochen im künstlichen Koma, seien stark geschwächt. „Diese Patienten haben nichts zu verlieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sterben, ist sehr hoch.“ Fast alle werden auf der Intensivstation über Beatmungsgeräte mit Sauerstoff versorgt. Diejenigen, denen auch das nicht mehr helfe, seien an Herz-Lungen-Maschinen angeschlossen.

„Wir erkennen durchaus ein Potenzial in dieser Therapie“, erklärt Prof. Müller. Um sie wirklich allgemein empfehlen zu können, müsste aber noch mehr über die Wirkung und auch über den geeigneten Zeitpunkt der Verabreichung bekannt sein. Covid-19 sei eine ganz neue Krankheit. „Wir müssen noch viel darüber lernen.“

So befalle das Virus längst nicht nur die Lunge, es sei bei Patienten auch im Blut oder beispielsweise in der Leber gefunden worden. Völlig unklar sei auch noch, weshalb bei Covid-19 der Krankheitsverlauf so unterschiedlich sei. Zumindest seien bei den 15 behandelten Patienten keine Nebenwirkungen aufgetreten.

Die Nachfrage nach der Behandlung mit Blutplasma ist groß. Mehrere Krankenhäuser hätten sich gemeldet, die schwerkranke Patienten auf ihren Stationen haben, hatte Prof. Holger Hackstein aus Erlangen schon kurz nach dem dortigen Spendenaufruf gesagt. Auch in Regensburg liegen Patienten, die aus anderen Städten eingeflogen wurden.

 

Aus einer Blutspende könnten bis zu drei Blutplasma-Einheiten gewonnen werden, berichtet Robert Offner, Leiter der Regensburger Transfusionsmedizin. Bislang seien dort mehr als 20 Einheiten freigegeben worden. Die Resonanz auf den Spendenaufruf sei enorm gewesen. Vier Studenten hätten rund um die Uhr Anrufe von potenziellen Spendern entgegengenommen. Diese würden nun geprüft.

Ähnlich ist die Situation an den Unikliniken in München, Erlangen, Würzburg und Augsburg. Auch dort läuft die Suche nach Spendern. Auf ihren Aufruf hin seien sie regelrecht überrannt worden, meint etwa Professor Hackstein aus Erlangen. Voraussetzung für eine Spende sei unter anderem, dass die Spender nach überstandener Krankheit zwei negative Coronatest-Ergebnisse vorlegen könnten. In München hätten sich mehr als 1200 Menschen gemeldet, die spenden wollen.

Bei aller Hoffnung, die viele Menschen mit der Therapiemethode verbinden: „Man muss sehr geduldig sein“, bekräftigt Müller. Die Behandlung der schwerstkranken Covid-19-Patienten sei ein langer Prozess. Und dann nennt er das Beispiel einer jungen Frau, bei der sich keine eigenen Antikörper im Blut gebildet hätten. „Sie wurde mit dem Virus nicht fertig.“ Mit Organversagen sei sie aus einem anderen Krankenhaus nach Regensburg zur Behandlung mit Blutplasma gebracht worden. „So wie es aussieht, wird sie die Intensivstation nun verlassen können.“

Quelle: dpa

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