05.07.2015

Eiweißmangel fördert Gebrechlichkeit im Alter

Ein Verlust an Muskelmasse durch Mangelernährung im Alter erhöht das Risiko von Stürzen und Verletzungen (Sarkopenie). Experten raten älteren Menschen daher zu einer eiweißreichen Kost.

Viele ältere Menschen sind mangelernährt: Nach aktuellen Studien trifft das auf jeden zweiten Krankenhauspatienten über 75 Jahre bei seiner Aufnahme zu. Gleiches gilt für zwei Drittel der Bewohner von Altenpflegeeinrichtungen. Die Folge kann ein Verlust an Muskelmasse sein, der Gebrechlichkeit begünstigt und das Risiko von Stürzen und Verletzungen erhöht. Experten raten daher zu einer eiweißreichen Kost für ältere Menschen, die zusammen mit sportlicher Aktivität den Muskelaufbau fördern kann.

Eine gewisse Abnahme der Muskelmasse ist im Alter unvermeidlich. Schon ab dem 50. Lebensjahr büßt der Mensch im Durchschnitt etwa 1 bis 2 Prozent seiner Muskelmasse pro Jahr ein. Bei vielen Senioren kommt es jedoch zu einem übermäßigen Verlust, den Ernährungsexperten als Sarkopenie bezeichnen. Besonders häufig betroffen sind Bewohner von Pflegeheimen. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass jeder vierte Pflegeheimbewohner unter einer Sarkopenie leidet", berichtet Prof. Dr. med. Vielen Senioren sei der Mangel nicht anzusehen, da die Fettmasse parallel zum Muskelverlust zunehme.

„Der Rückbau der Skelettmuskulatur führt dazu, dass die Senioren immer schwächer werden und zunehmend nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen", erläutert Professor Sieber, der in diesem Zusammenhang von einem Frailty-Syndrom spricht. Die Ursache liege nicht nur in der fehlenden körperlichen Aktivität. „Viele ältere Menschen nehmen zu wenig Eiweiß mit der Nahrung zu sich", so Prof. Sieber, Leiter des Instituts für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg. Hinzu käme, dass ältere Menschen oft einen höheren Eiweißbedarf haben: Akute und chronische Erkrankungen, aber auch die im Alter erhöhte Entzündungsaktivität greifen dem Experten zufolge die Eiweißreserven an. Auch nach Verletzungen oder Operationen sei der Eiweißbedarf erhöht.

Ernährungsexperten raten deshalb älteren Menschen zu einer erhöhten Eiweißzufuhr. Während jüngere Menschen 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag benötigen, sollten Senioren 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Für einen normalgewichtigen Senioren sind dies 25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit. Damit das Eiweiß in den Muskel eingebaut wird, rät Prof. Sieber zu körperlichem Training. Soweit der Gesundheitszustand der Senioren es zulasse, sollten sie sich 30 Minuten am Tag bewegen. Besonders günstig für den Muskelaufbau sei ein Krafttraining, das die Senioren 2 bis 3 Mal die Woche für 10 bis 15 Minuten durchführen. Auch der Zeitpunkt der Eiweiß-Einnahme ist von Bedeutung. „Am besten ist es, wenn eine proteinreiche Nahrung nach dem Training aufgenommen wird, da dann der Muskelaufbau primär stattfindet", sagt Prof. Sieber. Die meisten Senioren könnten ihren Proteinbedarf über die Ernährung decken. Neben Fleisch sind Quark und Hartkäse gute Eiweißlieferanten. In selteneren Fällen - wenn eben eine ausreichende Proteinzufuhr nicht mit der üblichen Nahrung erfolgen kann - könnten nach Einschätzung des Experten Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Vor allem die Aminosäure Leucin wirke sich günstig auf den Muskelaufbau aus.

Eine Umstellung der Ernährung sollte bevorzugt unter fachlicher Beratung erfolgen, betont Prof. Sieber, da nicht alle Senioren eine eiweißreiche Kost vertragen. Vorsicht geboten sei aber einzig bei Menschen mit stark reduzierter Nierenfunktion, da eine hohe Eiweißzufuhr hier das Fortschreiten der Erkrankung fördern kann.

Quelle: DGIM