21.11.2007
Immer weniger Medizinstudenten wollen Arzt werden
Der Anteil junger Ärzte sinkt Jahr für Jahr, obgleich das Angebot an freien Stellen so groß ist wie nie zuvor...
In den kommenden 5 Jahren werden über 41.000 Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen. Ausreichender Nachwuchs ist jedoch weder im ambulanten noch im stationären Bereich in Sicht, wie aus einer gemeinsamen Studie der Kassenärztlichen Bundes-vereinigung und der Bundesärzte-kammer hervorgeht. Dramatisch ist demzufolge die Situation in ländlichen Gebieten und in ostdeutschen Krankenhäusern, wo die Versorgung manchmal nur noch durch ausländische Ärzte aufrechterhalten werden kann.
"Wir laufen in einen eklatanten Ärztemangel hinein", warnt Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Ärztemangel sei nicht nur ein Problem der neuen Bundesländer, er betreffe inzwischen auch vorwiegend ländlich geprägte Gegenden der alten Länder. "Die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit müssen dringend verbessert werden, damit junge, gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte in die Patientenversorgung gehen und dort auch bleiben. Dazu brauchen wir attraktive Arbeitsbedingungen mit einer geregelten Arbeitszeit, weniger Bürokratie und eine leistungsgerechte Bezahlung ärztlicher Arbeit", forderte der KBV-Chef.
Abwanderung ins Ausland
Die Studie zeigt, dass vor allem junge Ärzte bereit sind, eine Tätigkeit in alternativen, medizinverwandten Berufen aufzunehmen oder im Ausland zu arbeiten. Etwa ein Viertel der Medizinabsolventen geht so der kurativen Medizin in Deutschland verloren. Schon jetzt sind nachweislich knapp 16.000 deutsche Ärzte im Ausland tätig - Tendenz steigend.
„Dies betrifft vor allem die männlichen Kollegen", sagt Dr. Wolf von Römer vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Zudem ergriffen immer mehr Frauen den Arztberuf: „Bereits über die Hälfte der Studienanfänger sind Frauen", so Dr. von Römer. Der Arztberuf werde so zunehmend zu einem Frauenberuf. Deshalb sei es auch so wichtig, den Arztberuf für Frauen attraktiver zu machen, z. B. durch mehr Teilzeitstellen und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Stattdessen versuche die Politik, den Ärztemangel durch eine Absenkung des Ausbildungsniveaus und eine Abwälzung ärztlicher Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen auszugleichen. „Die Einführung des Bachelor-Studiums oder die Versorgung durch „Schwester Agnes" gefährdet jedoch den hohen Standard der medizinischen Versorgung in Deutschland", warnt der Internist.
