06.11.2012

Rheumatoide Arthritis trifft Frauen häufiger, früher und stärker als Männer

Um die Krankheitslast von Rheuma-Patienten zu reduzieren, wollen Rheumatologen künftig vermehrt auch geschlechtsspezifischen Unterschieden (Genderforschung) größere Aufmerksamkeit widmen.

Rheuma zu bekommen, bedeutet für Frauen nicht dasselbe wie für Männer: Frauen erkranken etwa ein Jahrzehnt früher als Männer an rheumatoider Arthritis (RA). Sie empfinden stärkere Schmerzen an den Gelenken, meist beginnend an Fingern und Zehen. Das schränkt sie im Alltag ein und führt zu einem erhöhten Risiko, erwerbsunfähig zu werden. Für diese Unterschiede machen Rheumatologen neben biologischen auch psychologische und soziale Aspekte verantwortlich und fordern, diese in der Therapie zu berücksichtigen.

Die rheumatoide Arthritis ist eine Krankheit, die deutlich mehr Frauen als Männer betrifft. Während der weibliche Erkrankungsgipfel zwischen dem 55. und dem 64. Lebensjahr liegt, erkranken die meisten Männer erst zehn Jahre später. „Der größere Frauenanteil nimmt mit steigendem Alter zwar ab", sagte Prof. Dr. med. Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga e. V. anlässlich des 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der vom 19. bis 22. September 2012 im RuhrCongress Bochum stattfand. Dennoch haben Frauen ein 3-fach erhöhtes Risiko, eine RA zu entwickeln als Männer.

Der Anteil der Frauen mit RA, die starke Schmerzen angeben, ist deutlich höher als der der männlichen Patienten. Je nach Altersgruppe liegt der Anteil von RA-Patientinnen mit massiven Gelenkschmerzen zwischen 15 und 25 Prozent, bei Männern sind es 9 bis 21 Prozent. „Dieser Unterschied wird ab dem 60. Lebensjahr besonders deutlich", so Gromnica-Ihle. Auch die Begleiterkrankungen seien bei RA-Frauen andere als bei Männern. Frauen leiden eher an Osteoporose und Depressionen, während bei Männern Herz-Krankheiten oder Diabetes Typ 2 gehäuft auftreten.

„Diese Unterschiede sind nicht nur biologisch bedingt", ist die Berliner Rheumatologin überzeugt. Auch gesellschaftliche und psychologische Faktoren spielten eine Rolle. So suchen Frauen nach dem Auftreten der ersten RA-Symptome viel später einen Rheumatologen auf. Vor allem ältere Frauen erhalten zudem deutlich seltener eine Biologika-Therapie als gleichaltrige Männer.

„Um die Krankheitslast von Rheuma-Patienten zu reduzieren, sollten wir auch den geschlechtsspezifischen Unterschieden (Genderforschung) größere Aufmerksamkeit widmen", fordert daher auch Prof. Dr. med. Jürgen Braun, Facharzt für Rheumatologie, Nephrologie und Innere Medizin in Herne, der in Bochum als diesjähriger Kongresspräsident der DGRh fungierte. Da Männer und Frauen ihre Erkrankung unterschiedlich wahrnehmen, müssten Rheumatologen etwa Verlauf und Stärke der RA mit unterschiedlichen Messmethoden beurteilen. „Auch die Therapie müssen wir an diese geschlechtsspezifischen Besonderheiten anpassen", ergänzt Braun.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

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