11.05.2022

Stroke-Einsatzmobile verbessern die Versorgung nach Schlaganfall

Lohnen sich sog. Stroke-Einsatzmobile in der Versorgung von Schlaganfallpatienten wirklich? Wissenschaftler kommen in einer aktuellen Studie zu einem überraschend klaren Ergebnis.

Wenn Stroke-Einsatzmobile (STEMO) bzw. Mobile Stroke Units (MSU) die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten übernehmen, sind die gesundheitlichen und Überlebensaussichten der Patienten deutlich besser als bei einer konventionellen Versorgung. So das Ergebnis einer Metaanalyse, in der die bisher verfügbaren Daten zur Wirksamkeit solcher Spezialrettungsfahrzeuge ausgewertet worden sind (siehe JAMA Neurology, online seit 7.2.2022).

„Zusammenfassend war der Einsatz von MSU mit einem fast 65 %-igen Anstieg der Wahrscheinlichkeit für ein exzellentes Outcome, einem höheren Anteil an durchgeführten intravenösen Thrombolysen und einer 30-minütigen Reduktion der Zeit bis zur Thrombolyse assoziiert, ohne dass es Sicherheitssignale gab“, fassen die Autoren um Dr. Guillaume Turc aus Paris zusammen.

Damit haben die Stroke-Einsatzmobile die an sie gesetzten Erwartungen offensichtlich erfüllen können. Die Spezialfahrzeuge wurden nämlich ins Leben gerufen, um die Schlaganfallversorgung zu beschleunigen, indem bereits vor Einlieferung ins Krankenhaus die entsprechende Diagnostik mit Bildgebung und Labor bereitgestellt wird. Mit dem Ziel, die zeitkritische Thrombolyse  - also die Entfernung des Gefäßverschlusses durch eine medikamentöse Auflösung (Lyse) des Blutpfropfes (Thrombus) so früh wie möglich beginnen zu können. Stroke-Einsatzmobile sind deshalb mit einem CT-Scanner, einem Point-of-Care-Labor und telemedizinischen Anschlüssen ausgerüstet, darüber hinaus ist Personal mit neurologischer Expertise mit an Bord.

Trotz des plausibel erscheinenden Konzepts stellte sich bisher aber die Frage, inwieweit sich dieser Aufwand für die Patienten am Ende auszahlt. Die 2020 publizierte B-PROUD-Studie, die den prognostischen Effekt von Stroke-Einsatzmobilen im Berliner Stadtgebiet untersucht hat, lieferte dazu bereits vielversprechende Erkenntnisse.

Um die Evidenz für den Einsatz solcher Spezialfahrzeuge weiter zu untermauern, haben die französischen Neurologen um Turc die bisher verfügbaren Daten nun gesamthaft ausgewertet. Die Ergebnisse von 14 Studien wurden gesichtet und gepoolt, darunter auch die B-PROUD-Studie. Dabei zeigte sich, dass jene Patienten, die in einer MSU versorgt worden sind, eine um 64 % höhere Wahrscheinlichkeit für ein „exzellentes Outcome“ (keine relevanten neurologischen Beeinträchtigungen) hatten als Patienten, die auf die übliche Art und Weise ins Krankenhaus gebracht worden sind.

Der Thrombolyse-Beginn konnte durch Einsatz der Stroke-Mobile um durchschnittlich 31 Minuten verkürzt werden. Zudem war die Wahrscheinlichkeit, dass die Behandlung innerhalb der zeitkritischen 60 Minuten – die sog. goldene Stunde – stattfand, erheblich höher, wenn eine MSU die Versorgung übernommen hat. Überhaupt erhöhte sich die Chance für den einsetzenden Beginn einer Thrombolyse durch die MSU deutlich.

Die französischen Neurologen gehen davon aus, dass vor allem die in den Stroke-Einsatzmobilen realisierbare frühe Thrombolyse zum größeren Behandlungserfolg der Patienten beigetragen hat. Denn diese Behandlung wirkt bekanntermaßen am besten, wenn sie innerhalb von 60 Minuten nach Symptombeginn begonnen wird. Und der Einsatz von Stroke-Mobilen erscheint den französischen Neurologen derzeit der einzige realistische Weg, um einen beträchtlichen Anteil an Patienten innerhalb dieser Zeitspanne behandeln zu können. Bei bis zu einem Drittel der Patienten sei das in den Studien gelungen, berichten sie. „Diese Ergebnisse können den Leitlinienverfassern und politischen Entscheidungsträgern bei der Gestaltung der prähospitalen Schlaganfallversorgung eine Hilfestellung geben“, erhoffen sich Turc und sein Team. 

Quelle: Kardiologie.org

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