14.03.2010

Verdauungsbeschwerden durch Obst deuten auf Fruktoseunverträglichkeit hin

Wenn Obst und Fruchtsaft Verdauungsbeschwerden verursachen, können diese von Fruchtzucker verursacht werden...

Wenn Menschen nach dem Konsum von Fruchtsaft oder Obst Bauchschmerzen und Durchfall und übel riechende Blähungen bekommen, so haben sie möglicherweise eine Fruktose-Unverträglichkeit. „Auch andere Getränke, gesüßte Milchprodukte, viele Fertiggerichte und in Marinaden eingelegte Lebensmittel enthalten sehr häufig Fruchtzucker und können bei Personen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen verursachen. Tauchen diese Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fruchtsäure enthaltenden Lebensmittel auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegt", rät Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests und einer Messung des Fruktose-Spiegels im Blut kann die Fruchtzucker-Unverträglichkeit gut nachgewiesen werden.

Einer Fruktose-Unverträglichkeit liegt eine Störung der Fruktoseaufnahme im Dünndarm, eine so genannte Fruktose-Malabsorption zugrunde. Dadurch erhöht sich die Fruktose-Konzentration im gesamten Darm. Der Fruchtzucker im Darm zieht Wasser aus umgebenden Bewegungen an, so dass es zu Durchfall kommt. Im Darm wird die Fruktose von Mikroorganismen verarbeitet, wobei Gase entstehen, die zu Blähungen führen. „Der Zuckeraustauschstoff Sorbit, der häufig in Süßigkeiten wie zum Beispiel Kaugummi zu finden ist, sowie Laktose aus Milchprodukten hemmen die Aufnahme von Fruktose, so dass es zu einer Verstärkung der Symptome kommt", erläutert Prof. Raedsch.

Mit der Zeit können sich die Bakterien, die den Fruchtzucker vergären, stark vermehren und auch den Dünndarm besiedeln. „Die Symptome werden dann oftmals immer schlimmer, obwohl sich der Betroffene mit reichlich Obst und Gemüse eigentlich gesund ernährt", erklärt Prof. Raedsch. Eine mangelhafte Verdauung von Fruchtzucker geht auch mit einer verringerten Aufnahme von Tryptophan einher. Diese Substanz benötigt der Körper, um den Neurotransmitter Serotonin zu produzieren. Die Folgen eines Mangels an Serotonin können depressive Verstimmungen und ständiger Hunger auf Süßes sein."

Zu einer Besserung der Beschwerden kommt es meist, wenn man stark Fruktose-haltige Lebensmittel meidet. „In welchem Umfang dies geschehen sollte, ist von der Ausprägung der Fruktose-Malabsorption abhängig, und sollte daher in enger Absprache mit dem Arzt geklärt werden", empfiehlt der BDI-Experte. Meist hilft es, weniger Säfte zu trinken und bevorzugt fruktosearmes Obst wie zum Beispiel Aprikosen, Bananen und Orangen zu essen. Gemüsesorten, die wenig Fruktose enthalten, sind beispielsweise Mangold, Spinat, Feldsalat, Endivie. „Häufig sind beträchtliche Mengen an Fruktose in Diät-Produkten zu finden, die damit beworben werden, ‚ohne Haushaltszucker' oder ‚nur mit Fruchtzucker' zubereitet zu sein. Auch auf diese Lebensmittel sollte man bei einer fruktosearmen Ernährung nur in geringen Mengen zurückgreifen", rät Prof. Raedsch.

Etwa 30% der Bevölkerung in Mitteleuropa zeigen eine Beeinträchtigung der Fruktoseaufnahme. Rund die Hälfte dieser Menschen weisen Symptome auf.

 


 

 

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