Was ist Mittelmeer-Zeckenstichfieber?

Das Mittelmeer-Zeckenstichfieber ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Rickettsia conorii hervorgerufen und durch Zecken übertragen wird. Die Erkrankung ist auch unter folgenden Namen bekannt:Altweltzeckenfieber, Mediterranes Zeckenstichfieber, Fièvre Boutonneuse, Mediterranes Fleckfieber, Afrikanischer Zeckentyphus, Afrikanisches Zeckenstichfieber. Da nach dem Zeckenstich bis zu 2 Wochen vergehen können, bis die ersten Symptome auftreten, bringen viele Betroffene die Erkrankung nicht mit dem Zeckenstich in Verbindung. Nur etwa jeder 3. erinnert sich an einen vorhergehenden Zeckenstich.

Das Zeckenstichfieber kommt in Ländern des Mittelmeerraumes vor, also in Südeuropa, aber auch in Afrika, im mittleren Osten und bis nach Indien und in Regionen des schwarzen und kaspischen Meeres. Eine Infektion mit Rickettsia conorii ist in diesen Gebieten relativ häufig. Vor allem im südlichen Afrika (Südafrika, Namibia) kommt zudem die eng verwandte Art Rickettsia africae vor (Erreger des Afrikanischen Zeckenstichfiebers), die erst 1992 als eigene Art von Rickettsia conorii unterschieden wird.

Hunde können Zecken und Viren einschleppen

Obwohl Rickettsien auch in den in Deutschland lebenden Zeckenarten vorkommen (Ixodes ricinus: 9%, Dermacentor: 7-32%), konnte Rickettsia conorii hierzulande bislang nicht nachgewiesen werden. Der Erreger wird in den Mittelmeerländern von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen, die ursprünglich aus Afrika stammt und mittlerweile in ganz Südeuropa verbreitet ist. In Mitteleuropa ist diese Zecke bisher nicht heimisch, tritt aber im Sommer auch nördlich der Alpen auf, da sie regelmäßig durch Hunde eingeschleppt wird. Sie kann sich in beheizten Einrichtungen wie Wohnungen, Hundezuchten und Tierheimen auch hier ganzjährig halten. Durch eingeschleppte infizierte Hundezecken könnten bereits jetzt Fälle von Mittelmeer-Zeckenstichfieber in Deutschland auftreten. Zudem ist bei entsprechender Klimaveränderung in Zukunft damit zu rechnen, dass die Braune Hundezecke ihr ganzjähriges Verbreitungsgebiet nach Norden ausdeht. Außerdem gibt es Hinweise dafür, dass sich auch heimische Zecken an Hunden infizieren könnten, die sich im Süden mit Rickettsia conorii angesteckt haben. Allerdings ist nicht klar, ob sie auch effektive Überträger sind.

Die Erkrankung kann mit Antibiotika behandelt werden, es existiert jedoch keine Impfung dagegen. Sie kann alle Altersgruppen betreffen. Oft verläuft die Krankheit sehr milde und wird gar nicht erkannt, mitunter kann sie aber auch tödlich verlaufen. Untersuchungen zufolge tragen beispielsweise in Südportugal etwa 8% der Bevölkerung Abwehrstoffe des Immunsystems (Antikörper) gegen die Erkrankung in sich, was bedeutet, dass sie bereits mit Rickettsien infiziert wurden. Von den etwa 20.000 Krankheitsfällen jedes Jahr in Portugal werden aber nur etwa 5% erfasst.

Es gibt verschiedene Rickettsien-Arten, die je nach Erreger leichtere oder schwerere Erkrankungen verursachen. So ruft die Art Rickettsia rickettsii das Rocky-Mountains-Fleckfieber hervor. Der Erreger wurde nach seinem Entdecker, dem US-amerikanischen Pathologen Howard Taylor Ricketts (1871-1910) benannt. Der Erreger des Mittelmeer-Zeckenbissfiebers Rickettsia conorii wurde von dem Infektiologen A. Conori 1909 in Tunesien entdeckt.

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.