Nierenschwäche (chronisch): Auswirkungen & Komplikationen

Störungen der Blutreinigung sowie des Wasser- und Salzhaushalts wirken sich auf viele andere Organe des Körpers aus. Eine chronische Nierenschwäche kann deshalb zu verschiedenen Komplikationen führen:

Bluthochdruck

Eine bedeutsame Folge einer chronischen Nierenschwäche ist ein erhöhter Blutdruck: Etwa 80% der sog. Nieren-Patienten leiden daran. Bluthochdruck kann jedoch auch Ursache der Nierenschwäche sein. Mit nachlassender Urinproduktion und Urinausscheidung kann der Körper überschüssiges Salz und Wasser nicht mehr loswerden, was den Blutdruck ansteigen lässt. Außerdem kommt es dadurch zu Flüssigkeitseinlagerungen vor allem in den Beinen (Ödemen). Im Extremfall sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge an, was zu Husten mit weißlichem bis schaumigem Sekret und starker Luftnot führt (Lungenödem).

Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Schlaganfall

Darüber hinaus kommt es zu weiteren Schädigungen im Herz-Kreislaufsystem, insbesondere zu einer ausgeprägten Verkalkung von Arterien und auch von Herzklappen. So können Herzklappenfehler oder eine Herzschwäche als Folge einer chronischen Nierenschwäche auftreten, aber natürlich auch Herzinfarkt und Schlaganfall durch die verkalkten Arterien. Die Nieren verlieren bei einem Nierenversagen zunehmend die Fähigkeit, Kalium auszuscheiden. Besonders bei einer täglichen Urinmenge von weniger als einem Liter können die Kalium-Werte im Blut ansteigen (Hyperkaliämie), was sich durch einen verlangsamten Herzschlag, Schwindel und kurze Bewusstseinsverluste sowie Muskelschwäche und Kribbelgefühle äußert. Bei stark erhöhten Kaliumwerten drohen Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand. Der Wasserüberschuss kann außerdem zu einem Herzinfarkt oder Hirnschlag führen.

Störungen des Nervensystems

Neurologische Störungen sind ebenfalls eine häufige Komplikation einer fortgeschrittenen chronischen Nierenschwäche. Sie lassen sich als verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeit und veränderte Gehirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) messen. Mögliche Symptome sind:

  • Müdigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Optische Halluzinationen, Desorientiertheit, Koma
  • Juckreiz, Brennen, Muskelkrämpfe oder Muskelschwäche
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Schlafstörungen

Blutarmut

Bei schwächer werdender Nierenfunktion werden auch geringere Mengen des blutbildenden Hormons Erythropoetin gebildet. Dies führt zu Blutarmut, der so genannten renalen Anämie, die sich durch vermehrte Müdigkeit, eine auffällige Blässe der Haut und nachlassende körperliche Belastbarkeit äußern kann.

Störungen des Knochenstoffwechsels

Mit nachlassender Nierenfunktion steht dem Körper auch weniger aktives Vitamin D zur Verfügung. Aktives Vitamin D ist ein Hormon, das die Aufnahme von Kalzium über den Darm und die Festigkeit der Knochen fördert. Wird in der Niere zu wenig aktives Vitamin D gebildet, dann nimmt der Kalziumgehalt im Knochen ab, es treten mehr Knochenbrüche auf und dazu mehr Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Da die geschädigten Nieren zudem weniger Phosphat ausscheiden, steigt der Phosphat-Spiegel im Blut, was die Entkalkung der Knochen und die Verkalkung der Arterien zusätzlich fördert.

Hohe Phosphat-Werte im Blut verursachen Juckreiz, Knochenschmerzen und Muskelschmerzen. Außerdem erhöht die zunehmende Anreicherung im Körper die Gefahr einer Arteriosklerose. Dadurch steigt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

Mangelernährung

Störungen im Protein- und Energiestoffwechsel, hormonelle Störungen sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit sind der Grund dafür, dass viele Nierenschwäche-Patienten mangelernährt sind. Vor allem der Eiweißstoffwechsel ist betroffen. So nimmt der Körper mit abnehmender Nierenfunktion weniger Eiweiße auf, und damit kann auch die Kalorienaufnahme zurückgehen.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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