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Ordnungstherapie


Ursprung

Eine allgemein gültige Definition der Ordnungstherapie gibt es bislang nicht. Grundsätzlich versteht man darunter ein Konzept für eine gesunde Lebensführung, in dem die Selbstverantwortung des Einzelnen für seine Gesundheit eine wichtige Rolle einnimmt. Darüber hinaus steht der Begriff für ein übergeordnetes Prinzip der Naturheilverfahren, denn jede naturheilkundliche Therapie versucht die Ordnung im Organismus wieder herzustellen.

Die Entwicklung der Ordnungstherapie ist vielfältig. Stets haben Ärzte in Europa Empfehlungen für eine gesunde Lebensführung gegeben. In der Ayurveda-Medizin kann man ebenfalls diesbezügliche Hinweise finden. Der Schweizer Arzt Bircher-Benner (1867-1939) wurde 1937 mit seinem Buch „Die Ordnungsgesetze des Lebens" Wegbereiter der modernen Ordnungstherapie.

Die Ordnungstherapie im Ganzen ist wenig akzeptiert, was zum einen an dem unscharfen Profil des Konzeptes liegt. Zum anderen sind ordnungstherapeutische Hinweise meist zeitaufwändig und unspektakulär. Allerdings beinhalten fast alle medizinischen und naturheilkundlichen Behandlungskonzepte ordnungstherapeutische Aspekte.

 

Wirkprinzip & Durchführung

Die Wirkungsweise der Ordnungstherapie kann einfach umschrieben werden: Überflüssiges wird weggelassen, Fehlendes wird ergänzt. Ersteres gilt insbesondere für schädliche Faktoren, die bekanntermaßen das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Der Therapie, die meist in ausführlichen Gesprächen zwischen Therapeut und Patienten besteht, geht eine ausführliche Befragung zur Lebensweise voraus. Als besonders sinnvoll hat sich die Durchführung von Gruppentherapien erwiesen, in der sich die Gruppenmitglieder gegenseitig positiv bestärken und unterstützen.

Ordnungstherapeutische Hinweise werden in 3 Schritten umgesetzt:

  • Information
    Die Zusammenhänge werden intellektuell aufgenommen.
  • Bewusstseinsänderung
    Der Patient erkennt sein Problem und ist bereit für Änderungen.
  • Verhaltensänderung
    Das Verhalten, Gewohnheiten usw. werden positiv verändert oder abgestellt.

Die Ordnungstherapie spielt sich auf verschiedenen sozialen Ebenen ab, wobei die Empfehlungen des Therapeuten meist auf die erste Ebene abzielen:

  • Persönliche, individuelle Ebene
    Falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Genussmittelmissbrauch usw.
  • Soziokulturelle Ebene
    Familienkonflikte, Stress am Arbeitsplatz, lokale Umweltbelastungen
  • Übergeordnete soziale Systeme
    Ansehen des Berufsstandes, globale Umweltverschmutzung usw.

Vor diesem Hintergrund hat Bircher-Benner in seinem Buch verschiedene Hypothesen aufgestellt, die er Gesetze oder „das Reich der Ordnung" nennt:

  • Organisationsgesetz der Nahrung
    Willkürliche Trennung in die Einzelbestandteile und einseitige Zubereitung von Nahrungsmitteln führen zu einseitiger und ungünstiger Nahrungswirkung. Da eine vorwiegend tierische Kost zu einem weiteren Organisationsverlust führt, bevorzugt er vegetarische Kost.
  • Gleichgewichtsgesetz der Ernährung
    Die Ernährung sollte ausgewogen hinsichtlich Menge, Kalorienzufuhr und Nährstoffen sein.
  • Das Ökonomiegesetz
    Die Nahrungszufuhr soll gerade den Bedarf decken. Auch in anderen Lebensbereichen sollte man sich ökonomisch verhalten, d.h. beispielsweise die Häufigkeit der Nutzung von Auto und Flugzeug überdenken.
  • Das Mundgesetz
    Bei der Nahrungsaufnahme ist eine Ordnungshygiene zu beachten. Bissen sollten ausreichend gekaut, das Essen sollte in entspannter und angenehmer Atmosphäre eingenommen werden.
  • Das Ordnungsgesetz des Hautorgans
    Haut, die angemessen Sonne, Wasser, Luft, Wärme und Kälte ausgesetzt wird, steigert Gesundheit und Wohlbefinden.
  • Das Ordnungsgesetz der Lungen
    Die Lungen brauchen frische und saubere Luft zu jeder Zeit und an jedem Ort
  • Das Ordnungsgesetz der Beziehung zur Schwerkraft
    Gesundheit im Allgemeinen und die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates im Speziellen erfordern regelmäßige Bewegung.
  • Das Ordnungsgesetz des Lebensrhythmus
    Die Lebensweise sollte den Tages-, Monats- und Jahresrhythmen angepasst werden. Das hat beispielsweise Auswirkungen auf den Schlaf-/Wachwechsel oder den Arbeits-/Urlaubsrhythmus.
  • Das Ordnungsgesetz des Seelenlebens
    Ein schlecht ernährter und wenig trainierter Körper erzeugt psychische Probleme. Jeder Erregungszustand hinterlässt seine Spuren in Psyche und Seele.

 

Anwendungsgebiete

Grundsätzlich können sinnvolle ordnungstherapeutische Empfehlungen die Behandlung jeder Erkrankung unterstützen.

 

Wie wirksam ist die Ordnungstherapie?

Studien, die sich speziell der Ordnungstherapie annehmen, existieren bislang nicht. Allerdings ist die positive Wirkung einzelner Aspekte, die sich beispielsweise in der Ernährungsweise oder der Bewegungstherapie widerspiegeln, wissenschaftlich erwiesen.

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