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Stress


Bei unseren Vorfahren dienten Stressreaktionen dazu, den Körper in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen und das Überleben zu sichern. Bei Gefahr schlug das Herz schneller, der Atem beschleunigte, die Muskeln spannten sich an und die Pupillen weiteten sich. Der Körper war im wahrsten Sinne des Wortes „sprungbereit". Gleichzeitig arbeiteten die Verdauungs- und Geschlechtsorgane langsamer. Das präziser arbeitende, aber wesentlich langsamere Großhirn wurde ausgeschaltet und die Reaktionen erfolgten instinktiv und dadurch schneller.

Die körperlichen Reaktionen auf Stress sind heute noch dieselben wie damals. Allerdings werden sie in unserer Gesellschaft weniger durch Hunger, Kälte, Angriffe oder Schwerstarbeit ausgelöst, sondern vielmehr durch Reizüberflutung, Zeit- und Leistungsdruck, Konflikte und Schicksalsschläge. Welche Reize notwendig sind, damit sich ein Mensch gestresst fühlt und wie er mit der Situation fertig wird, ist sehr unterschiedlich. Frauen fühlen sich im Allgemeinen schneller gestresst als Männer. Stress kann durchaus auch als etwas Positives empfunden werden und ein befriedigendes Gefühl auslösen (Eustress). Manche Menschen brauchen ihn sogar, um effektiv zu arbeiten. Negativer Stress (Dysstress) hingegen schadet auf die Dauer dem Körper, vor allem wenn sich der Betroffene zwischen den Anspannungsphasen nicht genügend erholen kann.

Egal ob es sich um positiven oder negativen Stress handelt, er beeinflusst den Stoffwechsel des Körpers gleichermaßen. Zunächst wird eine Vielzahl von Nervenbotenstoffen freigesetzt (Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol usw.), die den Herzschlag, Blutdruck sowie Blutzuckerspiegel erhöhen und die Konzentration von Magensäure und freien Fettsäuren steigen lassen. Gehirn und Muskeln werden verstärkt mit Blut und Sauerstoff versorgt, der Körper ist energiegeladen. Hält dieser Zustand länger an, steigt der Blutzuckerspiegel und das Blut übersäuert. Um den Energieverbrauch wieder zu normalisieren, sorgt eine Gegenreaktion des Körpers irgendwann dafür, dass sich die Bronchien zusammen ziehen und die Verdauungsorgane wieder arbeiten. Allerdings bleibt die Konzentration der Stresshormone dabei weiterhin hoch und schwächt auf die Dauer sowohl die Schilddrüse als auch die Geschlechtsorgane. Entzündliche Prozesse im Körper nehmen zu. Extrem langer Stress schwächt den Körper und sein Immunsystem. Die Geschlechtsdrüsen funktionieren nicht mehr einwandfrei und Wachstumsprozesse werden gestoppt. Das kann möglicherweise auch ein Grund dafür sein, warum Frauen nicht schwanger werden - sie setzen sich mit einem Kinderwunsch zu sehr unter Druck.

Wer den Stress nicht durch Entspannungstechniken, Sport oder Freizeitaktivitäten abbauen kann und auch keine Chance hat, ihm aus dem Weg zu gehen, erkrankt unter Umständen ernsthaft. Der Körper reagiert zunächst mit Verspannungen, die zu Kopf-, Genick- und Rückenschmerzen führen. Die Verdauung gerät durcheinander, was sich in Magenschmerzen, Sodbrennen, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen ausdrücken kann. Manchmal kommt es zu Schlaf- und Essstörungen. Zeichen von Nervosität (Zähneknirschen in der Nacht, Stottern, Vergesslichkeit) und psychische Störungen bis hin zur Depression können mögliche Folgen sein. Anhaltender Stress kann letztlich zu schweren Herz/Kreislauf- und Nierenerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Allergien und Entzündungskrankheiten führen.

Wenn Stress die Ursache für körperliche Beschwerden ist, muss der Betroffene sich das zunächst eingestehen und Abhilfe schaffen wollen. Wenn er es nicht alleine bewerkstelligen kann, sollte er sich professionelle Hilfe von einem Psychotherapeuten holen. Vorsicht ist aber in dieser Situation beim Gebrauch von Medikamenten, Alkohol oder gar Drogen geboten. Sie sind vermeintliche Helfer, verschaffen aber nur kurzfristige und scheinbare Abhilfe und bergen ein Abhängigkeitsrisiko.

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