Bewegungstherapie

Ursprung

Die Bewegungstherapie umfasst alle Verfahren, die mit gezielten und dosierten Bewegungsabläufen bestimmte Körperfunktionen üben und trainieren. Dazu gehören beispielsweise die Ergo-, Physio-, und Tanztherapie.

Bereits in der griechischen Antike bildete die Bewegung einen wesentlichen Bestandteil der Behandlung. Im 18. Jahrhundert erfuhr die Bewegungstherapie einen Aufschwung, als man den Nutzen für den Aufbau der Muskulatur erkannte. Seit dem 19. Jahrhundert wird sie gezielt für medizinische Zwecke eingesetzt. Heute werden Bewegung und Sport zur Vorbeugung und Behandlung von Zivilisationskrankheiten eingesetzt. Oftmals werden sie ergänzend zu einer konventionellen Therapie empfohlen.

Wirkprinzip & Durchführung

Die Wirkung einer Bewegungstherapie wird durch Dauer, Intensität und Häufigkeit beeinflusst. Eine Beanspruchung verschiedener Muskelgruppen wirkt zudem auf unterschiedliche Organsysteme:

  • Muskulatur:
    Masseaufbau, Kraftzunahme, Stabilisierung des Bewegungsapparates
  • Herz-Kreislauf-System:
    Verlangsamte Herzschlagfolge, schnellere Erholung nach Anstrengung, größeres Gesamt-Blutvolumen, höhere Belastbarkeit
  • Atemwege:
    Zunahme der Atemtiefe bei Abnahme der Atemarbeit, Durchblutungszunahme der Lungen
  • Stütz- und Bewegungsapparat:
    Stabilisierung der Stützfunktion, Erhöhung der Knochenmasse, Verminderung des Frakturrisikos, bessere Reißfestigkeit von Sehnen, Bändern und Kapseln, Gleichgewicht des Mineralhaushalts
  • Stoffwechsel:
    Senkung des Cholesterinspiegels, Optimierung des Belastungsstoffwechsels, Harmonisierung des Zuckerstoffwechsels, Erhöhung der Mobilisierung von Fetten zu Energiegewinnung, Abnahme des Körperfettanteils
  • Hormonsystem:
    Zunahme der Belastungsreserven, Erhöhung der physischen und psychischen Stresstoleranz
  • Nervensystem:
    Ausgewogene Durchblutung und Aktivierung der einzelnen Gehirnabschnitte, Aktivierung der Denkprozesse, Verbesserung der Koordination von Bewegungsabläufen
  • Immunsystem:
    Stimulation der spezifischen und unspezifischen Abwehr, Verzögerung von Alterungsprozessen
  • Psyche:
    Abreaktion von Aggressionen, Erhöhung des Selbstwertgefühls und Wohlbefindens

Die Formen und Möglichkeiten der Bewegungstherapie sind vielfältig und recht komplex. Um eine optimale Wirkung zu erreichen, werden geeignete Übungen nach verschiedenen Kriterien ausgewählt. Dazu gehören Dauer, Intensität, Häufigkeit, Skelettmuskeleinsatz, Risikoarmut, Durchführbarkeit (leichte Technik, wenig Ausrüstung). Je nach Beschwerdebild werden darüber hinaus 4 Kategorien für die Beanspruchung gewählt: Koordination, Kraft, Ausdauer sowie Beweglichkeit.

Eine Sonderform stellt die Krankengymnastik dar, denn sie verbindet passive übende Maßnahmen, die der Therapeut am Patienten anwendet, mit aktiven, vom Patienten selbst durchgeführten Elementen.

Anwendungsgebiete

Die medizinischen Anwendungsgebiete sind ungemein vielfältig. Die Auswahl der Sportarten bzw. der Bewegungstherapie sollte nicht nur auf das Krankheitsbild, sondern auch auf den individuellen Zustand des Patienten, sein Alter, seine Vorlieben usw. abgestimmt werden, um die Motivation zur regelmäßigen Durchführung zu erhöhen.

  • Übergewicht:
    Gymnastik, gelenkschonende Sportarten, die große Muskelgruppen beanspruchen wie Radfahren, Gehen/Wandern, Schwimmen, Tanzen, Skilanglauf, usw.
  • Bluthochdruck:
    Ebenfalls dynamische Sportgruppen mit Ansprache großer Muskelgruppen, Vermeidung von plötzlichen Kraftanstrengungen
  • Periphere arterielle Durchblutungsstörungen:
    Zügiges Gehen, Kniebeugen oder Gymnastik, jeweils bis zum Schmerzeintritt
  • Arthrose und rheumatische Erkrankungen: 
    Sportarten ohne abrupte Bewegungen: Wandern, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren
  • Osteoporose:
    Sportarten, die die Ausdauer und den Muskelaufbau fördern wie Wandern, Walking, Schwimmen, Rückensschule, kraftbetonte Gymnastik, aber auch Ballsportarten ohne Wettkampfcharakter
  • Diabetes:
    Ballsportarten, Gymnastik, Leichtathletik, Radfahren, Rudern, Wandern, Tanzen
  • Krebs:
    Unterstützung der Therapie durch Verbesserung des Allgemeinzustandes sowie des physischen und psychischen Wohlbefindens: Gehen, Radfahren, Tanzen, Schwimmen, spielerischer Gruppensport

Wie wirksam ist die Bewegungstherapie?

Zur Bewegungstherapie gibt es umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Patienten mit den oben aufgeführten Erkrankungen sowie mit Depressionen können nachgewiesenermaßen von einer Bewegungstherapie profitieren.

Besonderheiten

Bewegung sollte Bestandteil des täglichen Lebens eines jeden Menschen sein. Manche Krankheiten (z.B. Osteoporose, rheumatische Erkrankungen) erfordern ein tägliches kleines Übungsprogramm, das Sie nach Erlernen unter Anleitung in den eigenen Alltag integrieren sollten.

Wenn Sie lange Zeit keinen Sport getrieben haben, sollten sie zu Beginn nur unter fachkundiger Anleitung und nach einer ärztlichen Untersuchung bestimmte Bewegungsabläufe erlernen. Besprechen Sie gemeinsam mit dem Therapeuten bzw. Übungsleiter etwaige Risiken bzw. Einschränkungen, die Sie beachten sollten. Bei akuten Entzündungen oder Infektionen und bei schweren Allgemeinerkrankungen an Herz, Leber, Lunge, Gehirn und Nieren sollten Sie eine Bewegungstherapie nur nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt durchführen.

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