Hyperthermie

Ursprung

Die Hyperthermie (griech. „Überwärmung") beruht auf der Beobachtung, dass Krebszellen hitzeempfindlicher sind als gesunde Zellen. So stirbt ein Großteil davon bereits bei Temperaturen von 42 bis 43 Grad Celsius ab. Darüber hinaus entstehen im Tumorgewebe bei höheren Temperaturen so genannte Hitzeschock-Proteine, die das Immunsystem aktivieren, den Tumor anzugreifen. In erster Linie soll die Überwärmung aber die Wirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie verbessern, denn durch die Hitze können diese Behandlungen auch in schlecht durchbluteten Bereichen eines Tumors wirksam werden. Die Hyperthermie wird deshalb in der Regel zusammen mit einer Strahlen- oder Chemotherapie eingesetzt.

Wirkprinzip & Durchführung

Vor einer Hyperthermie wird zunächst die Temperaturverteilung berechnet und individuell auf den Patienten eingestellt. So kann der Tumor gezielt erhitzt werden, ohne das gesunde Gewebe zu schädigen. Anschließend wird der Patient in eine Wärme-abstrahlende Apparatur gelegt, den so genannten Ring-Applikator. Darin strahlen spezielle Antennen elektromagnetische Wellen ab, deren Energie von einem ringförmigen Wasserkissen in den Körper geleitet wird. Nach einer Aufwärmzeit von ca. 30 Minuten beginnt die eigentliche Behandlung. Sie dauert ungefähr eine Stunde, während der auch die Chemotherapie verabreicht werden kann.

Zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen werden unterschiedliche Arten der Hyperthermie-Behandlung eingesetzt:

  • Lokale Oberflächenhyperthermie
    Bei Tumoren dicht unter der Haut, z.B. bei wiederkehrendem Brustkrebs, bei schwarzem Hautkrebs und nicht operablen Knoten am Hals.
  • Regionale Tiefenhyperthermie
    Bei tief im Körperinneren gelegenen Geschwülsten, z. B. Tumoren im Becken oder im Darm, in den Armen oder Beinen.
  • Teilkörper-Hyperthermie
    Weiterentwicklung der regionalen Tiefenhyperthermie, eignet sich auch für größere, nicht begrenzte Tumore im Unterbauch.
  • Interstitielle Hyperthermie
    Hierbei werden die Wärmequellen direkt in oder über Hohlorgane wie Darm oder Vagina an den Tumor herangebracht. Dadurch kann die Überwärmung auf ein kleines Gebiet begrenzt werden.

Anwendungsgebiete

Die Hyperthermie wird zurzeit vor allem bei komplizierten Krebserkrankungen eingesetzt, z. B. wenn Tumore schlecht oder gar nicht operiert werden können oder wenn Tumore trotz Behandlung erneut auftreten. Sie wird vor allem angewandt bei:

  • Gebärmutterhalskrebs
  • Brustkrebs
  • Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom)
  • Kopf-Hals-Tumore
  • Krebs der Bauchspeicheldrüse
  • Blasenkrebs
  • Prostatakrebs
  • Dickdarmkrebs
  • Analkarzinom

Wie wirksam ist die Hyperthermie?

Eine Reihe von Studien konnte die Wirksamkeit einer Hyperthermie-Behandlung in Kombination mit Strahlen- oder Chemotherapie bei fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Krebserkrankungen (s. oben) nachweisen. Die Behandlung soll die Lebenszeit verlängern können und die Lebensqualität verbessern.

Besonderheiten

Eine Hyperthermie sollte nicht bei Patienten mit schweren Herzerkrankungen, Herzschrittmachern oder künstlichen Gelenken im Behandlungsgebiet angewendet werden. Auch für schwangere Frauen ist die Behandlung nicht geeignet.

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