Phyto-Therapie

Ursprung

Nahezu alle Kulturen zu allen Zeiten haben Pflanzen für Heilzwecke genutzt. Im 16. Jahrhundert wurde dieses Wissen erstmals systematisiert, indem botanische Gärten angelegt, Herbarien und Kräuterbücher erstellt sowie antike Texte überarbeitet wurden. Seit dem 19. Jahrhundert werden auch wissenschaftliche Erklärungsmodelle für die Wirksamkeit von Heilpflanzen erforscht.

Die Phyto-Therapie verwendet Arzneimittel, die aus Pflanzen, Pflanzenteilen oder deren Bestandteilen bestehen. Das bekannteste Beispiel ist die Weidenrinde, die bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. zur Schmerzbehandlung eingesetzt wurde. Die berühmte Synthese der Acetylsalicylsäure im 20. Jahrhundert basiert allerdings auf den Salicylaten von Mädesüß (lat. Spirea ulmaria). Davon leitet sich auch der erste Handelsname (Aspirin) ab.

Die Phyto-Therapie ist heute ein etabliertes Konzept, das die Schulmedizin mit anderen Naturheilverfahren verbindet. Phytopharmaka unterliegen den Bestimmungen des Arzneimittelrechts. Der Stellenwert ist in den letzten Jahren bei der Bevölkerung weiter gestiegen. So bevorzugen laut Umfragen inzwischen 80% der deutschen Bevölkerung Pflanzenheilmittel, bei Erkältungskrankheiten sind es sogar 90%.

Wirkprinzip & Durchführung

Pflanzliche Arzneien werden aufgrund der pharmakologischen Wirkung auf Krankheitssymptome oder Erkrankungen eingesetzt. Extrakte werden aus verschiedenen Pflanzenteilen hergestellt. Bei der Herstellung eines Extraktes durch Apotheker oder durch die pharmazeutischen Unternehmen müssen genaue Herstellungsanweisungen beachtet werden, damit die Extrakte immer vergleichbare Zusammensetzung aufweisen.

Pflanzliche Arzneimittel werden als Tee, Tinktur, Tabletten, Kapseln oder Saft eingenommen. Zur äußeren Anwendung sind Umschläge, Bäder, Salben oder Cremes geeignet.

Es gibt eine große Zahl relevanter Wirkstoffgruppen, die je nach Krankheitsbild eingesetzt werden. Beispiele sind:

  • Ätherische Öle: Kamillenöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Melissenöl usw. bei Infektionskrankheiten
  • Bitterstoffe: Enzianwurzel, Wermutkraut usw. bei Appetitmangel, zur Stärkung des Körpers nach Infektionen, bei nervlicher Belastung
  • Flavonoide: Ringelblumenblüten, Arnikablüten usw. bei Entzündungen und kleinen Wunden
  • Saponine: Efeublätter, Primelwurzel, usw. bei trockenem Husten und Bronchitis
  • Schleimstoffe: Isländisch Moos, Malvenblätter usw. bei Entzündungen des Magen-Darm-Traktes sowie der Atemwege

Anwendungsgebiete

Phytopharmaka werden bei leichten bis mittelschweren, auch chronischen Erkrankungen eingesetzt, z. B.

  • Atemwege
  • Verdauungstrakt
  • Leber-Galle-System
  • Herz-Kreislauf-System
  • Nieren, Blase, Geschlechtsorgane
  • Nervensystem und Psyche

Arznei-Tees werden bei Befindlichkeitsstörungen angewendet, z.B. als Erkältungs-, Schlaf-, oder Nerven-Tee. Eine Phyto-Therapie eignet sich nicht für Notfälle oder die Intensivmedizin.

Wie wirksam ist die Phyto-Therapie?

Die Anwendung von Phytopharmaka unterliegt den Zulassungsregeln des Arzneimittelgesetzes. Deren Wirksamkeit bei verschiedenen Erkrankungen ist anhand von vielen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen worden.

Besonderheiten

Die Nebenwirkungen von Phytopharmaka sind in letzter Zeit oft stark übertrieben dargestellt worden. Phytopharmaka mit mehr als geringgradigen Nebenwirkungen sind in Deutschland in Apotheken jedoch nicht mehr erhältlich. Informieren Sie sich dennoch unbedingt vorab über das Anwendungsgebiet, die Dosierung und gegebenenfalls darüber, ob sich das Mittel auch für Kinder eignet. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Phyto-Therapie nur in Ausnahmefällen.

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