02.12.2014

Auch an den Fußgelenken auf mögliche Entzündungen achten

Rheumatiker beachten entzündete Gelenke an der Hand offenbar eher als an den Füßen. So werden entzündete Fußgelenke häufig übersehen, warnen Rheuma-Experten.

Je länger Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen therapeutisch nicht optimal versorgt sind, desto mehr Gelenke werden unwiderruflich zerstört. Sobald sich der Zustand verschlechtert, müssen und wollen Rheumatologen daher kurzfristig die Therapie anpassen. Um zu beurteilen, wie gut der Patient auf eine optimierte Medikation anspricht, untersucht der Facharzt  Gelenke auf Schwellungen und Schmerzen. Entzündungen an den Fußgelenken sollten dabei besonders beachtet werden, raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Denn die Füße sind bei fast allen Menschen mit rheumatischer Erkrankung betroffen und werden von Patienten häufiger ignoriert als etwa entzündete Gelenke an der Hand.

Auch mithilfe des Disease Activity Scores (DAS28) ermitteln Rheumatologen die Krankheitsaktivität bei Rheuma-Patienten. Der standardisierte Entzündungsindikator untersucht 28 Gelenke - unter anderem Finger-, Hand-, Ellenbogen-, Schulter- und Kniegelenke -, allerdings nicht erfasst werden hierbei die Fußgelenke. Je niedriger der Wert des DAS28, desto weniger aktiv ist die rheumatoide Arthritis (RA) insgesamt. Liegt er unter 2,6 sprechen Ärzte von einer Remission (= Krankheitsstillstand). „Ein niedriger DAS-Wert garantiert aber keinen Stillstand der Erkrankung an einem einzelnen Gelenk", betont Prof. Dr. med. Stefan Rehart, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Er schätzt, dass bei etwa jedem zehnten Patient trotz eines niedrigen DAS-Wertes schwere Schleimhautentzündungen einzelner Gelenke vorkommen.

„Besonders gefährdet sind die Fußgelenke", erklärt Dr. med Christine Seyfert von der DGORh aus Chemnitz. Bei mehr als 85 Prozent der Menschen mit RA treten aufgrund der Entzündungen Verformungen der Füße auf. „Viele Patienten nehmen die resultierenden Schwellungen an den Füßen zunächst unbeachtet hin und berichten dem Arzt nicht direkt davon", berichtet Prof. Rehart. Das zeige sich auch an der Häufigkeit der Operationen: Etwa jede dritte Operation führen orthopädische Rheumatologen an den Füßen durch.

Soweit müsse es in vielen Fällen aber nicht kommen, meint auch Prof. Dr. med. Matthias Schneider von der DGRh aus Düsseldorf - eine gründliche körperliche Untersuchung sei deshalb besonders wichtig. Vor allem anatomische Regionen wie die Füße, die der DAS28 zunächst nicht erfasst, müssten berücksichtigt werden.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)