15.05.2007

Auch bei HIV gibt es einen „Schutz danach“

Auch nach Kontakt mit HIV-infizierten Körperflüssigkeiten, Geweben oder Gegenständen kann eine Infektion mit den Erregern verhindert werden...

Menschen, die Kontakt mit HIV-infiziertem Blut, Sperma oder Vaginalsekret hatten, können sich unmittelbar nach dem Ereignis gegen eine mögliche HIV-Infektion schützen. Sofortmaßnahmen und eine anschließende Medikamenteneinnahme können eine Infektion auch nach einer Verletzung durch scharfe Gegenstände und einer möglichen Übertragung HIV-haltigen Blutes verhindern.

„Die HI-Viren infizieren zunächst Immunzellen im Bereich der Eintrittstelle", erklärt Dr. Peter Walger vom Universitätsklinikum Bonn. Diese wandern erst nach mehreren Stunden in nahe gelegene Lymphknoten, wo sie sich vermehren und von dort aus ausbreiten können. „Kurz nach einer Virusübertragung lässt sich die Ausbreitung des Erregers deshalb am ehesten verhindern", so der Infektiologe. Mit Hilfe der Sofortmaßnahmen können die Betroffenen auch selbst die Viren am Körpereintritt hindern und die Virusmenge verringern. Eine kurzzeitige Medikamenteneinnahme, die so genannte Postexpositonsprophylaxe (PEP), soll dann die Virusvermehrung blockieren.

Als Sofortmaßnahmen werden betroffene Hautstellen unmittelbar nach dem Kontakt unter fließendem Wasser gereinigt, mit einem alkoholgetränkten Tupfer abgerieben oder einem alkoholischen Antiseptikum desinfiziert. Druck auf das umliegende Gewebe soll bei einer Schnitt- oder Stichverletzung die Blutung anregen und dadurch die Zahl der Viren in der Wunde verringern. Sind die Augen oder der Mund mit infektiösem Material in Berührung gekommen, werden diese gründlich mit Wasser ausgespült. Der Mund kann auch für wenige Sekunden mit hochprozentigem Alkohol ausgespült werden. Falls notwendig, sollte auch der Penis sorgfältig gereinigt werden.

Über diese Sofortmaßnahmen hinaus ist eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten möglich, z. B. wenn feststeht, dass die Kontaktperson mit HIV infiziert ist. Vor Beginn der medikamentösen Prophylaxe sollte immer ein HIV-erfahrener Arzt kontaktiert werden. Es werden verschiedene Medikamente miteinander kombiniert, die die Vermehrung des Virus hemmen. Sie werden in der Regel 4 Wochen lang verabreicht. Je früher eine medikamentöse Prophylaxe begonnen wird, desto größer sind die Aussichten, eine Infektion zu verhindern. „Sie sollte möglichst innerhalb von 2 Stunden nach dem Kontakt mit infiziertem Material begonnen werden", empfiehlt Dr. Walger. Sind mehr als 3 Tage seit dem Risikokontakt vergangen, sei der Nutzen einer medikamentösen Vorbeugung dagegen nicht mehr gegeben.

Nach notfallmäßigem Beginn einer Prophylaxe durch einen erstversorgenden Arzt, einen Notarzt oder eine Notfallambulanz im Krankenhaus sollten Betroffene eine Spezialambulanz (HIV-Zentrum) oder eine HIV-Schwerpunktpraxis aufsuchen und sich beraten lassen. Diese Schwerpunktpraxen sind üblicherweise in den jeweiligen Städten bekannt und z. B. über die Notfalldienste oder über die örtlichen AIDS-Beratungsstellen zu erfragen. In der Regel verfügen Krankenhäuser über ein Notfalldepot mit Anti-HIV-Medikamenten, um berufsbedingte HIV-Risiken versorgen zu können. Die nicht unerheblichen Kosten einer 4-wöchigen Medikamentenprophylaxe nach privatem Risiko übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bislang nicht. Die Kosten bei beruflichem Risiko übernehmen die gesetzlichen Unfallversicherungen.

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