08.01.2008
Auch Scheinmedikamente können heilen
Plazebos können genauso wirksam sein wie richtiges Medikament - man muss nur an ihre Wirkung glauben...
Scheinmedikamente, so genannte Plazebos, enthalten keinerlei wirksame Inhaltsstoffe, sondern bestehen lediglich aus Füllmaterial wie Milchzucker oder Stärke. Trotzdem könnten sie nach Expertenansicht künftig eine Behandlung mit Medikamenten ergänzen, denn zahlreiche klinische Studien haben nachgewiesen, dass die wirkstofflosen Medikamente wirken. Mit Plazebos ließe sich beispielsweise die Dosis eines Medikamentes senken, indem der Arzt stattdessen vermehrt Plazebos verabreicht - bei gleicher Wirkung.
Ein Plazebo-Effekt kann eintreten, wenn der Patient glaubt, dass er ein ganz normales Medikament mit Wirkstoff einnimmt. Denn die Erwartungshaltung der Patienten hat entscheidenden Einfluss darauf, ob ein Plazebo wirkt. So kann beispielsweise bereits die Erwartung, dass eine Tablette gegen Schmerz hilft, dafür sorgen, dass im Gehirn tatsächlich schmerzlindernde Stoffe ausgeschüttet werden. Wenn ein Patient bereits einmal mit einem Medikament gute Erfahrung gemacht hat, kann zudem ein Lerneffekt auftreten. Der Patient merkt sich bestimmte Reize, etwa Aussehen oder Geschmack der Tablette und verbindet damit eine positive Wirkung. Diese Erfahrung überträgt er nun auf ein ähnlich aussehendes Medikament. Obwohl er ohne sein Wissen nur Zuckerkügelchen einnimmt, geht es ihm anschließend besser.
Plazebos bringen allerdings auch Probleme mit sich. Sie wirken beispielsweise nicht bei allen Menschen. Auch ethische und rechtliche Probleme müssen bei einem klinischen Einsatz der Scheinmedikamente geklärt werden. Schließlich hat der Arzt eine Aufklärungspflicht dem Patienten gegenüber und muss ihn über die Behandlung wahrheitsgemäß informieren.
