08.08.2012

Ausdauersport bei Herzschwäche förderlich

Nicht Ruhe, sondern Ausdauersport kann die Leistungsfähigkeit von Patienten mit chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) verbessern.

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine ernste Krankheit, die im fortgeschrittenen Stadium zu starken Beschwerden führt und das Leben der Betroffenen bedroht. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2009 über 363.000 Patienten mit Herzschwäche in ein Krankenhaus eingeliefert; rund 49.000 von ihnen starben an Herzinsuffizienz. Typische, Symptome einer Herzschwäche sind Atemnot bei körperlicher Belastung und rasche Ermüdbarkeit - also Beschwerden, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, was die richtige Diagnose verzögern kann.

Zu den Ursachen der Leistungseinschränkung bei fortgeschrittener chronischer Herzschwäche zählen neben der verminderten Pumpleistung der linken Herzkammer auch Veränderungen im Skelettmuskel, deren Folge ein Abbau von Muskelmasse (Skelettmuskelatrophie) und Gewichtsverlust sein können. Diese Skelettmuskelatrophie, die die körperliche Belastbarkeit der Betroffenen zusätzlich einschränkt und damit oft ein Grund für Pflegebedürftigkeit bei älteren Patienten ist, lässt sich durch körperliches Training günstig beeinflussen. Das berichtet der Kardiologe PD Dr. med. Stephan Gielen, stellvertretender Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III /Kardiologie am Universitätsklinikum Halle (Saale) im Fachjournal Circulation (2012, Band 125, Seite 2716-2727). Seine Forschungsarbeit wurde vor kurzem mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet.

120 Teilnehmer nahmen an der Studie teil: 60 Patienten mit chronischer Herzschwäche und 60 gesunde Probanden. Um altersabhängige Effekte zu untersuchen, wurden zwei Altersgruppen gewählt: ‚Teilnehmer 55 Jahre oder jünger' und ‚Teilnehmer 65 Jahre oder älter'. Per Zufallsprinzip wurden diese dann zwei Behandlungsarmen (vier Wochen in einem überwachten Ausdauertrainingsprogramm oder Kontrollgruppe) zugeordnet.

Dr. Gielen und seine Kollegen untersuchten ganz bestimmte stoffwechselbedingte Abbauprozesse von Muskeleiweißen, die für den Skelettmuskelabbau bei Herzschwäche verantwortlich sind. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand die Aktivierung eines entscheidenden Abbauwegs für Muskeleiweiße, des sog. Ubiquitin-Proteasom-Systems (UPS), in Gewebeproben aus dem Oberschenkelmuskel von Herzschwächepatienten und gesunden Kontrollprobanden. Bemerkenswert ist, dass bei Herzschwächepatienten unabhängig vom Alter eine Aktivierung des UPS im Skelettmuskel gefunden wurde. Zudem war das Schlüsselenzym MuRF-1 in den Gewebeproben deutlich vermehrt nachweisbar. MuRF-1 dient dazu, defekte Proteine in der Zelle zu markieren, die dann im Proteasom (das wie eine Art Mülltonne für angegriffene Proteine fungiert) abgebaut werden. Während des vierwöchigen Ausdauertrainingsprogramms wurde die Menge von MuRF-1 im Skelettmuskel bei Herzschwächepatienten wieder auf normale Werte reduziert.

Fazit der Studie: Körperliches Ausdauertraining blockiert die Ubiquitin-Proteasom-Aktivierung und verbessert dadurch effektiv die körperliche Leistungsfähigkeit bei chronischer Herzschwäche unabhängig vom Alter. Die Bestimmung dieses molekularen Aktivierungswegs kann nach Ansicht der Forscher viel versprechende Perspektiven eröffnen für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien zur Vorbeugung von Muskelabbau bei chronischer Herzschwäche.

 Quelle: Deutsche Herzstiftung