10.05.2015
Bei Gelenkbeschwerden auch eine Infektion mit Chikungunya in Betracht ziehen
Gelenkschwellungen und -Schmerzen aufgrund einer Infektion mit Chikungunya können den Symptomen einer Rheumatoiden Arthritis ähneln. Darauf weisen Rheumatologen des BDRh hin.
Schwellungen und Schmerzen der Gelenke, die infolge einer Infektionskrankheit namens Chikungunya - auf Deutsch übersetzt: „gebeugter Mann" - auftreten, können den Symptomen einer Rheumatoiden Arthritis (RA) ähneln. Zudem führen Blutuntersuchungen von Chikungunya- und RA-Patienten zu ähnlichen Ergebnissen. Das kann die Gefahr einer Fehldiagnose bergen, warnen die Rheumatologen des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) unter Berufung auf aktuelle Studienergebnisse aus den USA (siehe Arthritis & Rheumatology, Online-Veröffentlichung am 20.1.2015). „Bei Patienten mit neu aufgetretenen Gelenkbeschwerden, die denen einer Polyarthritis ähneln, sollte auch an die Möglichkeit einer Chikungunya-Infektion gedacht werden, vor allem wenn Betroffene zuvor auf Reisen im Ausland waren", beton Dr. Florian Schuch.
Tropische Infektionskrankheit breitet sich zunehmend aus
Die tropische, durch Stechmücken übertragbare Infektionskrankheit Chikungunya war bisher insbesondere im östlichen und südlichen Afrika, auf dem indischen Subkontinent und in Südostasien anzutreffen, breitet sich aber seit einigen Jahren auch auf den Inseln im Indischen Ozean, in der Karibik und im nördlichen Südamerika aus. „Deshalb ist es wichtig nachzufragen, ob Patienten sich in der Vergangenheit in einem der Risikogebiete aufgehalten haben. Nach solchen Reisen sollte man als Arzt auf jeden Fall Verdacht schöpfen", betont Dr. Schuch. Leider gibt es noch keine spezielle Therapie gegen das Chikungunya-Virus, bislang können nur die Beschwerden der Infektion behandelt werden.
Details über den zeitlichen Verlauf der Erkrankung sind hilfreich
Das in Erfahrung bringen von mehr Details über den zeitlichen Verlauf der Beschwerden kann für die Differentialdiagnose äußerst hilfreich sein. „Während sich eine Chikungunya-Infektion oft mit hohem Fieber und plötzlich einsetzenden starken Gelenkschmerzen äußert, ist dies für Rheumatoide Arthritis eigentlich weniger typisch." Das anfängliche Fieber bei Chikungunya verschwindet nach etwa zehn Tagen meist wieder, die Arthritis-ähnlichen Beschwerden können aber über 12-15 Monate anhalten, manchmal sogar über Jahre hinweg. Gerade bei langanhaltenden Beschwerden in Gelenken des Handbereichs kann die Erkrankung unter Umständen als rheumatoide Arthritis fehlgedeutet werden, zumal auch die Laborbefunde nach einer Blutuntersuchung (insbesondere die Phänotypen der peripheren T-Zellen betreffend) bei beiden Krankheiten weitgehend übereinstimmen. Das berichten Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis, die zehn US-Touristen untersucht haben, die sich im Juni 2014 gleichzeitig in Haiti mit dem Chikungunya-Virus (CHIKV) infiziert hatten (siehe Arthritis & Rheumatology, Online-Veröffentlichung am 20.1.2015) .
