09.11.2010
Bessere Medikamente, aber Nachwuchssorgen
Viele rheumatische Erkrankungen können mittlerweile früher erkannt und effektiver behandelt werden. Sorgen bereitet allerdings der Nachwuchs an Rheumatologen.
Innerhalb der Rheumatologie ist in den letzten Jahren insbesondere deutlich geworden, dass die Früherkennung und Frühtherapie von entscheidender Bedeutung für den Langzeitverlauf und die Gesamtprognose entzündlich-rheumatischer Erkrankungen ist. In der Folge haben europäische und amerikanische Fachgremien die Klassifikationskriterien für wichtige rheumatische Erkrankungen überarbeitet. So stehen jetzt für die rheumatoide Arthritis und die entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen (Spondyloarthritiden) neue Kriterien zur Früherkennung und Diagnostik zur Verfügung, die auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im September in Hamburg vorgestellt und diskutiert wurden.
„Die rheumatoide Arthritis, von der rund 440.000 Menschen in Deutschland betroffen sind, kann dadurch frühzeitiger diagnostiziert werden, und Spondyloarthritiden werden erkennbar, bevor sich irreparable Knochenveränderungen in der traditionellen Röntgendiagnostik zeigen“, erläutert Prof. Dr. med. Jürgen Wollenhaupt, Sprecher der Kommission Fort- und Weiterbildung der DGRh und Chefarzt der Abteilung Klinische Rheumatologie und klinische Immunologie der Schön Klinik Hamburg-Eilbek, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg. „Hierbei spielen neue Bild gebende Verfahren eine wesentliche Rolle, bei deren Erprobung und Standardisierung deutsche Rheumatologen weltweit führend sind: die Arthrosonografie als gezielte standardisierte Ultraschalldiagnostik der Patienten und die Kernspintomografie als hochsensible Methode zur frühzeitigen Erkennung knöcherner Zerstörung.“
Einen breiten Raum bei der Therapie der Arthritiden, Spondyloarthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden nehmen innovative Biologika ein. „Diese Medikamente werden nun auch bei der Behandlung der Osteoporose vermehrt eingesetzt“, berichtet Prof. Wollenhaupt. „Dadurch hat sich die Perspektive für neu Erkrankte erheblich verbessert: Heutzutage können viele betroffene Patienten privat und beruflich ein normales, selbstbestimmtes Leben führen. Neben innovativen Pharmaka werden aber auch die Patienten selbst mehr in den Behandlungsplan mit einbezogen: Patienteninformation und –Schulungen sollen es ihnen leichter machen, sich bei Entscheidungen über die geeignete Therapieform mit einzubringen. Die gemeinsame Festlegung eines individuellen Therapieziels dient der Erlangung eines optimalen Gleichgewichts zwischen Effektivität und Verträglichkeit der Therapie und damit eines akzeptablen Therapierisikos.“
Sorgen bereitet den Rheumatologen allerdings der Nachwuchs. „In der Bundesrepublik sind derzeit 253 Rheumatologen zur Weiterbildung des rheumatologischen Nachwuchses ermächtigt, darunter 161 internistische Rheumatologen“, erklärt Prof. Wollenhaupt. „Nach einer aktuellen Umfrage der Kommission Fort- und Weiterbildung der DGRh kann ein Drittel der Ärzte mit einer Weiterbildungsberechtigung diese Möglichkeit aber gar nicht wahrnehmen, teilweise weil Arztstellen in den Kliniken abgebaut wurden, teilweise weil offene Stellen nicht besetzt werden können.“ Daher werben sowohl die Fachgesellschaft DGRh als auch der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) für mehr Nachwuchs, indem sie auf die guten Zukunftsaussichten der Rheumatologie, auf eine selbständige Praxistätigkeit sowie auf das vielseitige und innovative Tätigkeitsfeld der Rheumatologen hinweisen.
