12.03.2017
Betreutes Training hilft bei Herzschwäche
3000 Schritte in 30 Minuten verbessern die Prognose bei Herzinsuffizienz. Weitere Empfehlungen für ein geeignetes Training gibt Prof. Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München.
Körperliches Training führt nicht wie bisher angenommen zu einer schädigenden Erweiterung der Herzkammer. Diese bisherige Annahme wurde jetzt von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität in Trondheim (NTNU) widerlegt.
Die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Bislang ist die Prognose bei dieser Erkrankung schlecht und vergleichbar mit manchen Krebsleiden. „Für Herzinsuffizienz stand bisher die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Ergänzt wurde dies durch einen Herzschrittmacher, der die Kontraktion des Herzmuskels optimiert und einen Defibrillator - beides soll einen plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen verhindern", berichtet Prof. Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München.
Körperliches Training wurde Erkrankten dagegen lange strikt verboten, da befürchtet wurde, dass sich dadurch die Pumpfunktion des Herzens weiter verschlechtert. Allerdings haben schon in den vergangenen Jahren Studien gezeigt, dass ergänzendes körperliches Training belastbarer macht und weitere Klinikaufenthalte wegen sich verschlechternden Symptomen seltener macht.
Welche Trainingsform sich wie auf ein geschädigtes Herz auswirkt, haben Mediziner in neun europäischen Zentren untersucht (siehe Circulation, Online-Veröffentlichung am 12.1.17). „Wir belegen mit dieser Studie, wie eine moderate Sporttherapie die Prognose von Erkrankten deutlich verbessert", ist das Fazit von Halle.
Im Zeitraum von 2009 bis 2014 wurden dafür 261 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in drei Gruppen eingeteilt und durchliefen 52 Wochen lang verschiedene Trainingseinheiten. Zunächst wurde mit allen drei Gruppen über drei Monate ein von Medizinern betreutes Training durchgeführt und zusätzlich eine Empfehlung zur Fortführung der Intervention für weitere neun Monate gegeben.
Patienten, die zwölf Wochen lang an einem überwachten moderaten Training teilnahmen, erzielten die besseren Effekte als diejenigen, die alleine trainierten. „Wir konnten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten", erklärt Halle. „Und es verbesserte sich ihre allgemeine körperliche Verfassung." Die Studie konnte keine Unterschiede feststellen zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität oder einem regelmäßigem Standardtraining bei moderater Intensität. „Insgesamt unterstreicht diese neue Studie, wie sehr ein regelmäßiges körperliches Training bei moderater Intensität allen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz zu empfehlen ist", fasst der Mediziner zusammen. „Von höheren Intensitäten würde ich persönlich jedoch abraten bis wir mehr darüber wissen und auf Langzeitzahlen zurückgreifen können." Dazu gibt er zugleich den konkreten Tipp: „Moderates Training bedeutet rund hundert Schritte pro Minute oder 3.000 Schritte in 30 Minuten.
Vorteile einer Sporttherapie für Herzpatienten:
das Herz wird entlastetStärkung des Herzens durch verbesserte Herzmuskel-FunktionErweiterung der Blutgefäße und Bildung neuer Blutgefäße erhöhter Blutdruck und Blutfettwerte werden gesenktSauerstoffaufnahme aus dem Blut verbessert sichRisiko für Herz- und Gefäß-bedingte Notlagen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sinktdie körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit wird gesteigertQuelle: Technische Universität München
