28.02.2014
Das Immungedächtnis bei Rheuma neu programmieren
Dem fehlgeleiteten Immunsystem bei Rheuma ein neues Gedächtnis geben, will ein neuer,
vielversprechender Ansatz mit Chemo- und Stammzelltherapie. Das berichtet die DGRh.
Menschen mit entzündlichem Rheuma müssen meist ihr Leben lang Medikamente nehmen. Doch etwa jeder dritte Patient spricht nicht auf die herkömmlichen Therapien an. Diese unterdrücken die fehlgeleitete Immunabwehr, die sich gegen den eigenen Körper wendet - eine Heilung ist auf diesem Weg nicht möglich. Das Ziel der Heilung verfolgt demgegenüber ein neuer, vielversprechender Ansatz mit Chemo- und Stammzelltherapie, der bereits bei mehr als 130 Menschen mit sogenannten Autoimmunerkrankungen in Deutschland im Rahmen von Studien durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt steht dabei die Neuprogrammierung des immunologischen Gedächtnisses.
Bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen spielen sogenannte Autoantikörper, die sich gegen körpereigene Zellen richten, eine wichtige Rolle. Ziel einer medikamentösen Behandlung ist
es, den Autoantikörperspiegel so niedrig wie möglich zu halten. In 30 Prozent der Fälle gelingt dies nicht zufriedenstellend, wie Prof. Dr. med. Falk Hiepe, Sprecher des DGRh-Arbeitskreises „Stammzelltherapie" und Oberarzt an der Berliner Charité, erklärt. Die Ursache dafür sind langlebige
Gedächtnis-Plasmazellen, die im Knochenmark eine Überlebensnische gefunden haben, und von dort aus ständig Autoantikörper nachproduzieren. Diese müssen also ausgeschaltet werden.
„Mit einer hochdosierten Chemotherapie können wir diese Gedächtnis-Plasmazellen eliminieren", sagt Prof. Hiepe. Dabei wird das gesamte immunologische Gedächtnis gelöscht, der Patient ist also Infektionen hilflos ausgeliefert. Deshalb kombinieren Forscher die Behandlung mit einer Stammzelltherapie, die das Immunsystem neu aufbaut. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich nach Ausschaltung des fehlerhaften immunologischen Gedächtnisses ein gesundes Immunsystem entwickeln kann. Die Patienten benötigen dann keine weitere Therapie", berichtet der Experte. In Europa erhielten bereits mehr als 1500 Menschen mit Autoimmunerkrankungen eine Stammzelltransplantation. Bei bis zu zwei Drittel verbesserten sich die Krankheitssymptome langfristig, die meisten waren besser behandelbar als vor der Transplantation.
Wegen der hohen Infektionsgefahr ist die Methode Patienten vorbehalten, bei denen herkömmliche Therapien nicht wirken. Alternativ zu einer Chemotherapie testen Forscher bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Behandlung mit dem für Knochenmarkkrebs zugelassenen Wirkstoff Bortezomib. Allerdings zerstört dieser nur etwa 50 Prozent der Gedächtnis-Plasmazellen, die sich nach Absetzen des Medikaments rasch erneuern. „Wir suchen daher nach anderen Möglichkeiten, Plasmazellen effizient und selektiv zu eliminieren. Unsere Experimente an Tieren verlaufen derzeit sehr vielversprechend", verrät Hiepe. Aktuelle Ergebnisse neuer Therapieansätze wurden auch kürzlich auf dem Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) diskutiert, der vom 18. bis 21. September 2013 in Mannheim stattfand.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
