08.05.2016
Die Nieren besser schützen
Zwei Millionen Menschen hierzulande leiden an einer chronischen Nierenkrankheit mit eingeschränkter Nierenfunktion, zwei Drittel der Betroffenen wissen allerdings nichts davon.
Bislang gab es in Deutschland nur Zahlen zu nierenkranken Patienten im dialysepflichtigen Stadium. Eine kürzlich veröffentlichte Studie liefert jetzt erstmals Zahlen zur Häufigkeit der chronischen Nierenkrankheit sowie deren Risikofaktoren Bluthochdruck und Diabetes: Mindestens zwei Millionen Menschen in Deutschland weisen eine chronische Nierenkrankheit mit einer eingeschränkten Nierenfunktion auf. Allerdings wissen zwei Drittel der Betroffenen nichts von ihrer Nierenerkrankung. „In Anbetracht der Zahlen ist es enorm wichtig, Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten - um gesunde Nieren zu schützen und bereits bestehende Erkrankungen am Fortschreiten zu hindern", betont der Projektleiter der Studie, Prof. Dr. med. Matthias Girndt vom Universitätsklinikum Halle/Saale. Für die Studie hatten die Autoren die Ergebnisse der bundesweiten „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011 (DESG1)" ausgewertet und neben den dort einbezogenen Menschen im Alter von 18 bis 79 Jahren auch Abschätzungen zu Menschen mit 80 Jahren und älter getroffen.
Ausscheidung von giftigen Substanzen, Regulation des Wasser- und Elektrolythaushaltes sowie des Säure-Basen-Gleichgewichtes, Entstehungsort für Hormone, die beispielsweise den Blutdruck regulieren: Die Nieren übernehmen im Körper wichtige Aufgaben. Bei einer chronischen Nierenkrankheit werden diese Nierenfunktionen über eine längere Zeit meist unumkehrbar eingeschränkt. Endstadium ist das chronische Nierenversagen, bei dem die Filtrationsfunktion der Nieren so stark gestört ist, dass den Patienten nur noch eine Dialyse oder eine Nierentransplantation helfen kann.
„Die chronische Nierenkrankheit verläuft in ihren frühen Stadien ohne Symptome und Schmerzen", erläutert Prof. Girndt. „Viele Betroffene wissen daher leider nichts von ihrer Erkrankung, deren Fortschreiten sich durch verschiedene Maßnahmen verlangsamen ließe." So müsse es erst gar nicht zu weiteren Nierenschäden und einem Nierenversagen kommen. Bislang lagen nur zu letzterem valide Zahlen für Deutschland vor: Mindestens 80.000 Menschen in Deutschland sind dauerhaft dialysepflichtig, etwa 23.000 Patienten mussten sich einer Nierentransplantation unterziehen.
Insbesondere Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck seien betroffen, diese Erkrankungen verdoppelten bzw. verdreifachten das Risiko für eine chronische Nierenkrankheit sogar. „Dabei sind gerade die so verursachten Nierenerkrankungen vermeidbar", erklärt der Experte. „Sowohl der Zuckerstoffwechsel, als auch der Blutdruck lässt sich heute in der Mehrzahl der Fälle gut einstellen."
Quelle: Medica Education Conference, April 2016 in Mannheim
