06.03.2012
Eine optimale fachärztliche Behandlung von Rheumatikern ist das Ziel
Dreißig rheumatologische Praxen des Rheumanetzes Westfalen-Lippe haben mit der Barmer GEK einen Vertrag abgeschlossen, um die Versorgung von Rheuma-Patienten zu verbessern.
Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA), Psoriasis-Arthritis oder Spondyloarthritis (Morbus Bechterew), die bei der Barmer GEK versichert sind, haben vergleichsweise bessere Aussichten, fachärztlich und damit optimal behandelt zu werden. Denn ihnen bietet sich derzeit die Möglichkeit, sich bei einem internistischen Rheumatologen behandeln zu lassen, der an einem neuen Versorgungsvertrag zwischen dem Rheumanetz Westfalen-Lippe (derzeit 30 rheumatologische Praxen) und der Barmer GEK teilnimmt. Demgegenüber sind die meisten Patienten mit entzündlichen Gelenkerkrankungen in Deutschland noch nicht optimal versorgt: Sie gelangen meist erst spät in fachärztliche Behandlung, sind häufig nicht optimal medikamentös eingestellt oder werden zur Abklärung eines Schubes am Rheumatologen vorbei direkt ins Krankenhaus eingewiesen. Demzufolge treten Krankheitsverläufe auf, die schwerer als notwendig sind, und es entstehen Kosten, die höher als erforderlich ausfallen.
Zum Zweck einer integrierten Versorgung, die der aktuellen Situation einer mangelnden Versorgung von Rheuma-Patienten entgegensteuern soll, haben dreißig rheumatologische Praxen des Rheumanetzes Westfalen-Lippe - auf Initiative von Dr. Ludwig
Kalthoff aus Herne, dem ersten Vorsitzenden des Rheumanetzes Westfalen-Lippe und Vorstandsmitglied des BDRh - im Dezember 2011 mit der Barmer GEK Nordrhein-Westfalen einen Vertrag zur fachärztlichen Versorgung von Patienten mit RA, Psorias-Arthritis und Morbus Bechterew abgeschlossen. Dieser Vertrag verpflichtet die niedergelassenen Rheumatologen dazu, für die Patienten eine Frühsprechstunde einzurichten und dafür zu garantieren, dass Wartezeiten generell nicht länger als 10 Tage dauern. Nur im Falle eines besonders schweren Krankheitsverlaufs werden Patienten in eine von fünf Kliniken in Westfalen-Lippe eingewiesen, die aufgrund ihrer besonderen Qualifikation ebenfalls am Vertrag teilnehmen. Bei der Verschreibung von Medikamenten können sich die Rheumatologen an einer Arzneimittelpositivliste orientieren, müssen dies aber nicht. Diese Liste führt Medikamente auf, die in ihrer Wirkung gleichwertig aber auf dem deutschen Markt preislich günstiger sind. Insbesondere Biologika sind verhältnismäßig teuer, wobei sich ihre Preise allerdings gravierend unterscheiden können.
Die den am Vertrag teilnehmenden Ärzten entstehenden Mehrkosten soll die Barmer GEK in Form einer pro Quartal an die Ärzte zu zahlenden Pauschale übernehmen. Die Krankenkasse hofft wiederum, dass sie diese Anfanginvestition aufgrund der vertragsbedingten verbesserten Effizienz der fachärztlichen Behandlung im Lauf der Zeit refinanzieren können wird. Natürlich kann niemand voraussehen, ob und wie sich das Verschreibungsverhalten der Ärzte verändert und wie sich Arzneimittelpreise und Krankenhauskosten entwickeln. Mögliche Einsparerfolge wollen sich die Krankenkasse und das Ärtenetz aber nach einem vertraglich festgelegten Schlüssel teilen.
Dass der Vertrag zu einer Neuorganisation wesentlicher Teile der rheumatologischen Versorgung führen kann, die es in dieser Form bisher noch nicht gab - darüber sind sich die drei Vertragsparteien (Barmer GEK, niedergelassene Rheumatologen und Krankenhäuser) durchaus bewusst. Auch wird die Krankenkasse als Vertragspartner nur so lange zur Verfügung stehen, wie sich messbare Effizienzgewinne aufgrund veränderten ärztlichen Handelns abzeichnen. „Der Erfolg des Vertrages steht und fällt daher mit der Bereitschaft der teilnehmenden internistischen Rheumatologen, im kollegialen Disput über das Internet und in Fallkonferenzen ihr eigenes ärztliches Handeln auf den Prüfstand zu stellen", erläutert Dr. Ludwig Kalthoff. „Wir rechnen aber mit der Bereitschaft der Beteiligten, aus möglichen Fehlern und Irrtümern zu lernen, und auf der Grundlage einer soliden Datenbasis gemeinsam den Weg in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzuschlagen."
Quelle: Rheuma-Management 1/2012
