30.03.2010

Entzündungsprozesse besser verstehen, kann vielen Patienten helfen

Für seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Zytokinbiologie ist der US-Mediziner Prof. Charles Dinarello mit dem renommiertesten Medizin-Preis Deutschlands ausgezeichnet worden.

Wie Entzündungsprozesse im Körper ablaufen, und über welche Mechanismen sich darauf Einfluss nehmen lässt - dies hat der US-Mediziner Prof. Charles Dinarello seit den 80er Jahren sehr erfolgreich erforscht. Dafür ist er dieses Jahr Mitte März in der Frankfurter Paulskirche mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2010 ausgezeichnet worden. Dieser Preis gilt als der renommierteste Medizin-Preis Deutschlands und ist international sehr anerkannt. Er wird jedes Jahr am 14. März, dem Geburtstag von Paul Ehrlich (1854-1915), in der Paulskirche in Frankfurt vergeben.  

Der 66 Jahre alte Forscher, der an der University of Colorado in Denver arbeitet, erhielt die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine herausragenden Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Zytokine. Das sind Signalstoffe des Immunsystems mit vielfältigen Funktionen. Diese von Dinarello Mitte der 1970er Jahre entdeckten Eiweißstoffe regulieren Entzündungen bei Infektionen, Verletzungen und Krebs. Bei der Abwehr von Krankheitserregern werden grob zwei Formen von Zytokinen - die entzündungsfördernden und entzündungshemmenden – unterschieden: Die entzündungsfördernden Zytokine stellen sicher, dass Immunzellen an den Infektionsort gelangen und dort aktiviert werden. nach der Bekämpfung des Erregers sorgen die entzündungshemmenden Zytokine dann dafür, dass die Immunzellen wieder abgeschaltet werden und die Entzündung abklingt. Dieses  Gleichgewicht zwischen den Zytokinen kann allerdings aus den Fugen geraten und schwere Krankheiten verursachen wie zum Beispiel Arthritis, Morbus Crohn, Asthma, Multiple Sklerose und auch Tumore. 

Dinarello trug insbesondere zur Entwicklung von Arzneistoffen bei, die das entzündungsverstärkende Zytokin namens Interleukin-I bremsen. Solche Hemmstoffe gegen Zytokine wie das Interlleukin-I oder auch der Tumor-Nekrose-Faktor dienen heute zur Behandlung von Gicht, rheumatoider Arthritis und entzündlichen Darmerkrankungen. Genetisch hergestellte Zytokine setzen Mediziner bei der Behandlung einiger Krebsarten und von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose ein.

In mehr als 600 Veröffentlichungen ist es Dinarello im Laufe der Zeit gelungen, bestimmte Interleukine zu analysieren und diese Erkenntnisse erfolgreich in Therapien anzuwenden. Patienten mit Gicht, Typ-2-Diabetes oder auch Kinder, die an einer schweren Form der juvenilen Arthritis leiden, können heute dank Dinarellos Forschung behandelt werden. Selbst wenn mittlerweile bereits 32 verschiedene Interleukine bekannt sind, ist die Forschung im Bereich der Zytokine ein sehr weites und teilweise noch immer unbekanntes Feld, von dem in Zukunft viele weitere Patienten profitieren dürften. 

So lobte auch der Vizepräsident der Goethe-Universität, Prof. Manfred Schubert- Zsilavecz, den Preisträger als einen bedeutenden Grundlagenforscher und Gründungsvater der Zytokinbiologie. Ohne Dinarellos Arbeiten gäbe es heute viele Arzneimittel nicht. Der Preisträger gab sich unterdessen ganz als Arzt: Schon einem einzelnen Patienten das Leben gerettet zu haben, sei ihm wichtiger als alle Preise in der Welt.