13.03.2016
Fortschritte im Kampf gegen Nieren- und Blasenkrebs
Einen neuen Therapieansatz in der Immunonkologie, bei dem Tumoren durch das eigene Immunsystem bekämpft werden, erwarten Experten der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) in Kürze.
Eine Tumorerkrankung mit dem eigenen Immunsystem angreifen? Genau dieser Mechanismus wird durch verschiedene neue Substanzen aus dem Bereich der Immunonkologie verfolgt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Therapieansätzen, wie der Chemotherapie, bei denen der Tumor direktes Ziel des Wirkstoffes ist, funktionieren die Immunonkologika über eine verstärkte Immunantwort und die daraus resultierende anti-tumoröse Wirkung der körpereigenen Abwehr.
„Dieser Mechanismus greift auch bei urologischen Tumoren und wird die Therapievielfalt beim metastasierten Nierenzellkarzinom und beim metastasierten Harnblasenkarzinom in Kürze erweitern", erklärt Prof. Dr. Christian Wülfing, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) angesichts der bevorstehenden Zulassung neuer Wirkstoffe in der uroonkologischen Immuntherapie. Jährlich erkranken laut Statistik des Robert Koch-Instituts in Deutschland rund 15.000 Männer und Frauen neu an Nierenkrebs und etwa 29.000 an Blasenkrebs.
Schlüssel für den Fortschritt im Kampf gegen Krebs sind die „T-Zellen". Prof. Wülfing: „Die körpereigenen zytotoxischen T-Zellen, die in der Lage sind, körperfremde Zellen - auch Tumorzellen - zu erkennen und zu zerstören, werden durch ein komplexes Zusammenspiel bestimmter aktivierender und hemmender Signale gesteuert. Diese so genannten Immun-Checkpoints steuern die Zerstörung von fremden Zellen, verhindern dabei aber eine dauerhafte Immunantwort und somit eine Schädigung gesunden Gewebes. Die wichtigsten Regulatoren in diesem Zusammenspiel sind die PD-1-/PD-L1- und die CTLA-4 Signalwege, die in den letzten Jahren in den Fokus der pharmakologisch-onkologischen Forschung kamen." Verschiedene neue Wirkstoffe, die diese Signalwege anzielen, konnten synthetisiert und in klinische Studien eingebracht werden.
Zwei dieser neuen Substanzen zeigen in aktuellen Studien ein deutlich verlängertes Überleben für Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (mNZK) und für Patienten mit metastasiertem Harnblasenkarzinom. Beim metastasierten Nierenzellkarzinom ergab sich mit dem Wirkstoff Nivolumab gegenüber dem Wirkstoff Everolimus ein Gesamtüberleben von 25,0 versus 19,6 Monaten, was einer 23%igen Verringerung des Sterberisikos entsprach (Siehe NEJM 2015, Band 373, Seite: 1803-1813). Beim metastasierten Harnblasenkarzinom wurde für die Substanz Atezolizumab ein objektives Ansprechen in bis zu 26% und ein Überleben von bis zu 11.4 Monaten erzielt (siehe Journal of Clinical Oncology 2016, Band 34/2S, abstract 355). „Erfreulicherweise gingen die Behandlungen mit diesen innovativen Substanzen insgesamt mit einem sehr günstigen Toxizitätsprofil einher", berichtet der DGU-Pressesprecher. So scheinen die Wirkstoffe nur sehr selten höhergradige Nebenwirkungen auszulösen. Selten scheint auch mit immunvermittelten Nebenwirkungen wie Durchfall und Bauchkrämpfen oder Störungen der Hormonproduktion und -regulation zu rechnen zu sein, deren Behandlung, laut Prof. Wülfing, geschult erfolgen müsse.
Während Atezolizumab noch weiter getestet wird, ist der klinische Einsatz von Nivolumab (das bereits bei metastasiertem Lungen- und Hautkrebs zugelassen ist) zur Immuntherapie beim metastasierten Nierenzellkarzinom in Deutschland in Kürze zu erwarten. „Im nächsten Schritt geht es um die Frage nach der besten Therapiesequenz in der Uroonkologie, das heißt der individuell optimalen Anwendung des neuen Wirkstoffs", erläutert DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Kurt Miller und verweist auf den 68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig, auf dem die Immuntherapie des mNZK zu den vielversprechendsten wissenschaftlichen Themen zählt.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
