22.07.2015

Fortschritte in der Rheumatherapie und neue Impfempfehlungen

Über Fortschritte in der Rheumatherapie, immer kleinere Implantate und neue Impfempfehlungen für Kinder mit Rheuma werden Rheumatologen auf ihrer Tagung im September in Bremen diskutieren.

Fast jeder vierte Deutsche ist von einer rheumatischen Erkrankung betroffen, von denen es mehr als hundert verschiedene Formen gibt. Die medizinische Situation dieser Patienten hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich verbessert. Gelenkschmerzen und Behinderungen können heutzutage bei einem Großteil der Betroffenen verhindert werden. Über die Fortschritte in der Therapie, immer kleinere Implantate und neue Impfempfehlungen für Kinder mit Rheuma diskutieren Experten im Rahmen des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der vom 2. bis 5. September in Bremen stattfinden wird. Es werden 2.500 Teilnehmer erwartet. Für Rheuma-Patienten, Angehörige und Interessierte wird außerdem ein spezieller Patiententag unter dem Motto „Rheuma hat viele Gesichter" veranstaltet (von der Deutschen Rheuma-Liga am 5. September 2015 in Bremen).

Das Bild von schmerzgeplagten und gebrechlichen Rheuma-Patienten ist längst nicht mehr aktuell. „Im Laufe der letzten Dekade ist die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis bei rheumatologisch betreuten Patienten deutlich heruntergegangen", so DGRh-Tagungspräsident Prof. Dr. med. Jens Gert Kuipers, Chefarzt der Klinik für internistische Rheumatologie am Roten Kreuz Krankenhaus, Bremen. Für medikamentös gut eingestellte Patienten sei auch Sport kein Problem. Sie können zudem uneingeschränkt einem Beruf nachgehen.

Ähnlich gute Ergebnisse erzielen Medikamente bei der chronischen Gelenkentzündung im Kindesalter, der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA). Zwar sei die Erkrankung nicht heilbar, sagt Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Tagungspräsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR). Rheuma-Therapien werden aber immer früher und häufiger angewendet. „Kein rheumakrankes Kind muss heute noch fürchten, dauerhaft nicht am Sportunterricht teilnehmen zu dürfen oder gar auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein", so der Klinikdirektor der Professor-Hess-Kinderklinik in Bremen im Vorfeld des DGRh-Kongresses.

Die Fortschritte in der Behandlung von Rheuma-Patienten zeigen sich auch bei chirurgischen Eingriffen. „Einige Betroffene, darunter vor allem Menschen mit Arthrose, benötigen innerhalb von 20 Jahren ein künstliches Gelenk", erklärt Dr. med. Ingo Arnold, Tagungspräsident Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Durch die moderne medikamentöse Rheumatherapie ist ein Trend zu mehr gelenkerhaltenden Eingriffen aber auch minimalisierten Implantaten erkennbar. Damit steigt auch die Möglichkeit für die Betroffenen wieder Sport zu treiben, so der Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und operative Rheumatologie im Roten Kreuz Krankenhaus, Bremen. Wo die Grenzen der konservativen zur operativen Therapie liegen, werden die Ärzte auf dem Rheuma-Kongress erörtern. Auch hat die Rheumaforschung das Verständnis der Arthrose-Entstehung verbessert. Wie zukünftige Behandlungsoptionen aussehen könnten, wird in zwei großen Sitzungen dargestellt.

Neuigkeiten haben die Rheumatologen auch in Sachen Impfungen zu berichten. „Ein guter Impfschutz ist für Rheuma-Patienten besonders wichtig und Bedenken hinsichtlich der Verträglichkeit gewisser Vakzine sind in den meisten Fällen nicht berechtigt", betont Kuipers. Dennoch sind die Impfquoten noch nicht ausreichend. Auch jedes vierte rheumakranke Kind sei unzureichend geimpft, ergänzt der GKJR-Kongresspräsident. Die neue Leitlinie empfiehlt nun erstmals, Mädchen mit JIA bereits früher, im Alter von 9 bis 14 Jahren, gegen das Humane Papillomavirus zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs zu impfen. „Somit können wir häufig noch vor der Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, einen wirksamen Impfschutz herbeiführen", erklärt Huppertz den Vorteil für die Patientinnen. Das sei deshalb so wichtig, weil diese Medikamente den Impferfolg gefährden können, die dem Gebärmutterhalskrebs zu Grunde liegende Infektion aber besonders aggressiv verlaufen kann.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.