13.07.2009
Frauen bei Entwicklung neuer Arzneimittel stärker berücksichtigen
In wissenschaftlichen Studien sind sogar die Labormäuse meistens männlich...
Frauen und Männer leiden unterschiedlich häufig an bestimmten Krankheiten und reagieren verschieden auf Arzneimittel. Auch Nebenwirkungen treffen die Geschlechter nicht in der gleichen Form: Bei Frauen treten Nebenwirkungen 1,5-mal häufiger auf als bei Männern. Die Entwicklung von Medikamenten berücksichtigt Unterschiede von weiblichem und männlichem Organismus und Stoffwechsel jedoch oft nicht.
Zum Beispiel führt der für Männer hilfreiche Wirkstoff Digitalis zur Behandlung chronischer Herzschwäche bei Frauen sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit. Ebenso scheinen Frauen auf Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen stärker zu reagieren und vermehrt unter Nebenwirkungen zu leiden.
Bereits die Entwicklung von Arzneimitteln berücksichtigt die weibliche Biologie und deren Stoffwechsel kaum: „Klinische Studien werden immer noch meist an jungen Männern durchgeführt und die Labortests nehmen Forscher an jungen männlichen Mäusen vor", so die Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung an der Charité Berlin, Prof. Vera Regitz-Zagrosek. Dass die Entwicklung von Substanzen vor allem am männlichen Organismus erfolgt, habe unerwünschte Folgen: „Zum einen wissen wir nicht, wie die Stoffe den Krankheitsverlauf bei Frauen beeinflussen und welche Nebenwirkungen bei ihnen auftreten können. Zum anderen können wir nicht sagen, welche Intervention zu einer Verbesserung der Erkrankung bei den Weibchen geführt hätte."
Großes Potenzial für die Entwicklung besserer Substanzen bliebe weitgehend ungenutzt, so die Kardiologin Regitz-Zagrosek. Denn Frauen leben im Schnitt 5 Jahre länger. Tierexperimente an weiblichen und männlichen Mäusen konnten zudem zeigen, dass bei weiblichen Tieren ein Herzinfarkt weniger bleibende Schäden am Herzen hinterlässt als bei Männchen. „Frauen scheinen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen biologische Vorteile zu haben. Welche das sind und wie wir diese Erkenntnisse auch für Männer nutzen können, ist ein vielversprechender Ansatz für die Arzneimittelentwicklung", betont die Expertin.
