14.12.2011
Frauenherzen müssen anders behandelt werden
Bei angeborenen Herzfehlern wurde bisher vernachlässigt, dass Frauenherzen kleiner sind als Männerherzen und erneute Operationen bei Frauen öfter notwendig sind.
In Deutschland leben rund 15.000 Menschen mit einer so genannten Fallot-Tetralogie - dem häufigsten zyanotischen Herzfehler. Die betroffenen Babys werden auch als blue babies bezeichnet, da sie mit einem bläulichen Hautton zur Welt kommen. Ein Forscherteam des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler hat jetzt untersucht, wie es diesen Kindern mehrere Jahre nach der Operation geht. „Die Studie zeigt, dass Frauen mit Fallot-Tetralogie in der bisherigen Behandlungspraxis benachteiligt werden, weil sie anders behandelt werden müssten als Männer. Die bisherigen Referenzwerte bilden die Besonderheiten des weiblichen Herzens nicht ausreichend ab", erklärt der Studienleiter PD Dr. Samir Sarikouch von der Medizinischen Hochschule Hannover.
Krankheitsverlauf bei Frauen anders
Unter Federführung des Herz- und Diabeteszentrums NRW wurden mehr als 400 Patienten mit Fallot-Tetralogie an 14 Herzzentren in Deutschland in einer umfangreichen Studie (Circulation: Cardiovascular Imaging 2011, Band 4, Seite 703-711) untersucht und geschlechtsspezifische Referenzwerte für diesen Herzfehler erhoben. Die Daten zeigen, dass bei Normierung auf einheitliche Körpermaße Frauenherzen kleiner sind als Männerherzen und dass die körperliche Belastbarkeit der Frauen mit Fallot-Tetralogie deutlich geringer ist als die der Männer. „Der Langzeitverlauf der Erkrankung ist auch insofern anders, dass Frauen bei vergleichbaren Restbefunden eher abermals operiert werden müssen, um irreparable Belastungen der rechten Herzkammer zu vermeiden", erläutert Sarikouch. Werden Reoperationen zu spät durchgeführt, kann das u. a. zu Herzinsuffizienz oder Herzversagen führen.
Leitlinien müssen überdacht werden
„Wir haben bei den angeborenen Herzfehlern bisher vernachlässigt, dass Frauenherzen anders behandelt werden müssen als Männerherzen", ist Sarikouch überzeugt. „Die Leitlinien für Reoperationen bei der Fallot-Tetralogie sollten überdacht werden und künftig das Geschlecht berücksichtigen." In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler ein Verfahren entwickeln, um den Patienten individuelle Risikoanalysen anzubieten.
Mehr Info zur Fallot-Tetralogie
Die Fallot-Tetralogie ist der häufigste zyanotische Herzfehler und mit 2,5 % aller Herzfehler einer der häufigsten angeborenen Herzfehler. Das Herz weist eine Verengung im Ausflusstrakt des rechten Herzens (Pulmonalstenose), ein Loch in der Herzscheidewand (Ventrikelseptumdefekt), eine Verlagerung der Hauptschlagader sowie eine Verdickung der rechten Herzkammer (Rechtsherzhypertrophie) auf.
Quelle: Kompetenznetz Angeborene Herzfehler
