15.04.2008
Gefälschte Arzneimittel in Deutschland
Viele Billig-Präparate enthalten nicht das, was auf der Verpackung steht...
Im Zeitalter von Fernreisen und Internet stellen gefälschte Arzneimittel auch in Deutschland ein schweres Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar: 10-30% der verkauften Arzneimittel in Asien, Afrika und Lateinamerika sind nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO gefälscht. Lifestyle-Medikamente gegen Impotenz oder Haarausfall stehen ganz oben auf der Liste der am häufigsten gefälschten Medikamente. Doch längst betreffen Arzneimittelfälschungen auch "gewöhnliche" Wirkstoffgruppen, z.B. Antibiotika, Schmerzmittel oder Verhütungsmittel wie die "Pille".
Die meisten Fälschungen kommen nach WHO-Schätzungen aus Asien, Afrika und Lateinamerika. "Es gibt dort Garagen, in denen unter katastrophalen Umständen Wirkstoffe und Medikamente produziert werden", sagt Ulrike Holzgrabe, Lehrstuhlinhaberin für Pharmazeutische Chemie an der Universität Würzburg. Gefälschte Medikamente enthielten Wirkstoffe in falscher Menge, falsche Wirkstoffe oder in jedem 2. Fall überhaupt keinen Wirkstoff, ergab eine Untersuchung des German Pharma Health Fund. Dazu komme die Gefahr von Verunreinigungen, die durch den Einsatz billiger Ausgangsstoffe und unhygienische Produktionsbedingungen sehr groß sei. "Die gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung sind enorm", warnt Holzgrabe.
Nach Angaben der Bundesfinanzdirektion Südost in Nürnberg erreichen gefälschte Arzneimittel Deutschland vor allem auf dem Postweg oder durch Reisende. Der Zoll wirkt bei der Überwachung des Arzneimittelverkehrs mit, indem er Reisende und Postsendungen auf Medikamente kontrolliert. So wurden beispielsweise kurz vor Weihnachten 2007 Fälle am Münchener Flughafen 4.000 Pillen Viagra im Gepäck eines Reisenden sichergestellt.
